{"id":20685,"date":"2026-10-06T10:50:00","date_gmt":"2026-10-06T08:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20685"},"modified":"2026-10-06T10:50:00","modified_gmt":"2026-10-06T08:50:00","slug":"am-abgas-studentin-faengt-co2-mit-algen-ein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20685","title":{"rendered":"Am Abgas: Studentin f\u00e4ngt CO2 mit Algen ein"},"content":{"rendered":"<p>Die Chemiestudentin Annika Peter gewinnt die erste Runde des &#8222;FLASH&#8220;-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universit\u00e4t. Mit Algen k\u00e4mpft sie gegen Abgase. <!--more--><br \/>\nDie erste Runde des &#8222;FLASH&#8220;-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universit\u00e4t Marburg hat die 21-j\u00e4hrige Chemiestudentin Annika Isabelle Peter f\u00fcr sich entschieden. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird vom &#8222;Zentrum f\u00fcr Entrepreneurship und Innovationsforschung&#8220; (MAFEX) zweimal pro Semester vergeben. Peters Konzept &#8222;AlgaCycle&#8220; setzt dort an, wo Emissionen entstehen: Das ist an der Heizung eines Geb\u00e4udes oder am Abgasstrom eines Betriebs.<br \/>\nMikroalgen binden das Kohlendioxid (CO2) aus dem Abgas und wachsen dabei. Die Biomasse wird regelm\u00e4\u00dfig entnommen und vergoren. Das entstehende Biogas dient wieder als Energiequelle.<br \/>\nAlgen wachsen schneller als etwa B\u00e4ume. Sie sind auf kleinem Raum sehr dicht gepackt und nehmen viel CO2 auf. Die verwendete Art hat Peter gezielt f\u00fcr das Klima in Deutschland ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nPeters Begeisterung f\u00fcr Erneuerbare Energien begann fr\u00fch: &#8222;Ich finde erneuerbare Energien toll, seit ich als Kind ein Pixi-Buch \u00fcber den Bau einer Solaranlagen gelesen habe&#8220;, berichtete sie. Nach einem Solarprojekt in der Grundschule entdeckte sie in der 5. Klasse das Sch\u00fclerforschungszentrum Nordhessen in Kassel, das vor rund 25 Jahren aus einem Physikclub hervorging und in dem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, betreut von Lehrkr\u00e4ften und Studierenden, eigene Projekte verfolgen.<br \/>\n&#8222;Das war f\u00fcr mich wie eine AG&#8220;, erl\u00e4uterte Peter. &#8222;So wie andere in den Chor gehen, bin ich mit Freude dorthin gegangen.&#8220;<br \/>\nIn der Mittelstufe &#8211; gepr\u00e4gt von &#8222;Fridays for Future&#8220; und dem Dieselskandal &#8211; fand sie dort ihr Thema: die Frage, wie sich CO2 aus Abgasen binden l\u00e4sst. Statt auf ein chemisches Verfahren setzte sie schlie\u00dflich auf einen Prozess, den die Natur seit Jahrmillionen perfektioniert hat: das ist die Photosynthese.<br \/>\nSie recherchierte intensiv, informierte sich bei Algenfarmen und wertete Fachliteratur aus, bevor sie aus Tausenden Arten eine passende ausw\u00e4hlte. Die ersten Tests waren noch sehr einfach: Mit einem Einmachglas im Gefrierfach pr\u00fcfte sie die Algen auf Robustheit. Sp\u00e4ter ma\u00df sie in eigenen Versuchsaufbauten, wie schnell die Algen eingeleitetes CO2 aufnehmen, und wies in G\u00e4rversuchen die Bildung von Methan nach.<br \/>\nDaf\u00fcr erhielt sie 2025 den Klimaschutzpreis der Stadt Kassel. Nach dem Abitur mit den Leistungskursen Mathematik und Chemie nahm sie das Chemiestudium in Marburg auf. Als n\u00e4chstes will Peter den Methanertrag steigern.<br \/>\nAu\u00dferdem untersucht sie, ob sich mit Hilfe von Bakterien auch Stick- und Schwefeloxide aus den Abgasen abbauen lassen und ob sie direkt im selben Reaktor mit den Algen arbeiten k\u00f6nnten oder wie sich beide Prozesse anders sinnvoll kombinieren lassen. &#8222;Einzelne Teile des Kreislaufs funktionieren schon&#8220;, erkl\u00e4rte Peter. &#8222;Ich freue mich, jetzt daran weiterarbeiten zu k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nMAFEX begleitet die Preistr\u00e4gerin weiter. Das geschieht etwa bei der Suche nach wissenschaftlicher Betreuung und bei Fragen rund um Schutzrechte. Im Beratungsgespr\u00e4ch ging es auch um die n\u00e4chste Stufe: Mit F\u00f6rderprogrammen wie &#8222;Hessen Ideen&#8220; oder dem &#8222;EXIST-Gr\u00fcndungsstipendium&#8220; l\u00e4sst sich eine Idee nach dem Studienabschluss f\u00fcr eine gewisse Zeit mit finanzieller Absicherung verfolgen.<br \/>\n&#8222;Das ist vielen gar nicht bewusst: Wenn die Idee scheitert, muss niemand etwas zur\u00fcckzahlen&#8220;, sagte MAFEX-BeraterHolger Sommerlad. &#8222;Deshalb lohnt es sich, solche Optionen schon fr\u00fch in die Karriereplanung einzubeziehen.&#8220;<br \/>\nMit 93 Einreichungen aus 14 von 16 Fachbereichen ist FLASH stark gestartet, und AlgaCycle hat sich in diesem breiten Feld durchgesetzt. Ab jetzt findet der Wettbewerb viertelj\u00e4hrlich statt.<br \/>\nDas geschieht mit dem klaren Ziel, vielversprechende Ideen fr\u00fch zu erkennen und ihnen ein Unterst\u00fctzungsnetzwerk an die Seite zu stellen, noch bevor ein Businessplan n\u00f6tig ist. Bei einem klassischen Gr\u00fcndungswettbewerb, der bereits ausgearbeitete Ans\u00e4tze und erste Markt\u00fcberlegungen verlangt, h\u00e4tte sich Peter nicht beworben: &#8222;Daf\u00fcr habe ich mich einfach noch nicht weit genug gef\u00fchlt.&#8220; Genau da setzt FLASH an.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Chemiestudentin Annika Peter gewinnt die erste Runde des &#8222;FLASH&#8220;-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universit\u00e4t. 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