{"id":20659,"date":"2026-09-30T15:59:30","date_gmt":"2026-09-30T13:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20659"},"modified":"2026-09-30T15:59:30","modified_gmt":"2026-09-30T13:59:30","slug":"ausgraben-otto-ubbelohde-preis-wuerdigt-kulturvermittlung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20659","title":{"rendered":"Ausgraben: Otto-Ubbelohde-Preis w\u00fcrdigt Kulturvermittlung"},"content":{"rendered":"<p>Ulrike Sch\u00f6nhagen, Dr. Andreas Thiedmann und die Projektgruppe &#8222;Heimat auf der Haut&#8220; haben den Otto-Ubbelohde-Preis erhalten. Geehrt wurden sie f\u00fcr herausragende Kulturvermittlung. <!--more--><br \/>\nDer Otto-Ubbelohde-Preis des Landkreises Marburg-Biedenkopf zeichnet sich stets durch die gro\u00dfe Bandbreite der Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger aus &#8211;<br \/>\nauch bei der 40. Vergabe wurde sehr deutlich, wie vielschichtig die Kulturarbeit im Landkreis ist. Geehrt wurden die Kunstvermittlerin Ulrike Sch\u00f6nhagen, die blinden und sehbehinderten Menschen einen Zugang zu Kunst erm\u00f6glicht, der Arch\u00e4ologe Dr. Andreas Thiesmann, der sich seit 27 Jahren f\u00fcr die Realisierung der &#8222;Zeiteninsel&#8220; einsetzt, und die Projektgruppe &#8222;Heimat auf der Haut&#8220; aus Emsdorf, die die katholische Tracht des Ortes in einer ungew\u00f6hnlichen Fotoaktion festgehalten hat. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert.<br \/>\n&#8222;Ich gratuliere allen Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4gern zur Auszeichnung mit dem h\u00f6chsten Kulturpreis des Landkreises&#8220;, sagte Landrat Jens Womelsdorf bei der Preisverleihung im Marburger Landratsamt. &#8222;Sie haben sich gegen sehr starke Konkurrenz bei insgesamt 54 Bewerbungen durchgesetzt.&#8220;<br \/>\nDer Landkreis sei im hessenweiten Vergleich kulturell sehr aktiv, auch in kleinen Ortschaften gebe es viele Aktive. Das Niveau der Bewerbungen sei hoch, so dass es f\u00fcr die Jury auch diesmal nicht leicht gewesen sei, sich zu entscheiden. Er appellierte daher an alle Bewerberinnen und Bewerber, es im kommenden Jahr erneut zu versuchen.<br \/>\nUlrike Sch\u00f6nhagen ist es seit Beginn ihrer Arbeit als Kunstlehrerin an der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) ein Anliegen, das Kunstmuseum Marburg f\u00fcr blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen erfahrbar zu machen. Sie erm\u00f6glicht ihnen den Zugang zur Kunst auf einzigartige Weise. &#8222;Im Rahmen des Projekts &#8222;Kunst f\u00fcr alle&#8220; hat sie gemeinsam mit Samira Idrisu und Michael Weitzel Vermittlungsformate entwickelt, die beispielgebend sind&#8220;, erkl\u00e4rte Womelsdorf. Herausragend ist die Entwicklung von Tastmodellen, die Kunstwerke nicht nur nachbilden, sondern in eigenst\u00e4ndige, taktile Erfahrungsr\u00e4ume \u00fcbersetzen. Erg\u00e4nzt wird ihre Arbeit durch inklusive F\u00fchrungen und Formate wie &#8222;Spazierg\u00e4nge zur Kunst&#8220;, bei denen sich Vermittlung mit Bewegung, Wahrnehmung und sozialer Begegnung verbindet.<br \/>\n&#8222;Unsere Welt ist optisch dominiert; das gilt auch f\u00fcr die Kunst&#8220;, sagte Sch\u00f6nhagen in ihrer Dankesrede. Ihr sei es wichtig gewesen, Nicht-Sehenden einen Zugang zu den Fragestellungen und Positionen von Kunstwerken zu bieten. Es gehe ihr darum, mit Bewegung, Erz\u00e4hlungen und Musik Imaginationsr\u00e4ume zu schaffen. Am Beispiel einer kleinen Figur des Bildhauers Georg Kolbe &#8211; die &#8222;Kauernde&#8220; &#8211; schilderte sie ihre Herangehensweise: Indem sie die Teilnehmenden nicht nur ein 3D-Modell bef\u00fchlen, sondern auch selbst die Haltung der Figur einnehmen lie\u00df, erm\u00f6glichte sie es ihnen, einen ganz eigenen Bezug zu dieser Haltung voll Neugierde und Selbstbewusstsein zu bilden.<br \/>\nAls zweiten Preistr\u00e4ger w\u00fcrdigte Womelsdorf den Arch\u00e4ologen Dr. Andreas Thiedmann als &#8222;Kopf und Herz&#8220; des &#8222;Arch\u00e4ologischen Freilichtmuseums Marburger Land &#8211; Zeiteninsel&#8220;. Seit 27 Jahren habe er sich unerm\u00fcdlich ehrenamtlich f\u00fcr die Realisierung des Museums, eingesetzt, das seit einigen Wochen f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich ist. &#8222;Es ist seinem unerm\u00fcdlichen Einsatz zu verdanken, dass die Zeiteninsel nun Wirklichkeit wurde, auch wenn sehr viele Akteure mitgeholfen haben, dieses Ziel zu erreichen&#8220;, betonte der Landrat.<br \/>\nZusammen mit den kommunalen Partnern f\u00fcr den Betrieb des Museums &#8211; der Gemeinde Weimar, der Universit\u00e4tsstadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf &#8211; sei es ihm gelungen, das Land Hessen davon zu \u00fcberzeugen, den gr\u00f6\u00dften Teil der Kosten f\u00fcr den Aufbau der &#8222;Zeiteninsel&#8220; zu \u00fcbernehmen. Thiedmann habe nicht nur schon fr\u00fch das Potenzial der vielen arch\u00e4ologischen Funde bei Argenstein erkannt, er habe die Umsetzung des Museums trotz vieler H\u00fcrden und Widerst\u00e4nde vorangetrieben. &#8222;Als Ideengeber, F\u00f6rdervereinsvorsitzender und Vorsitzender der Genossenschaft Zeiteninsel hat er sein Ziel verfolgt&#8220;, erl\u00e4uterte Womelsdorf.<br \/>\n&#8222;Ger\u00fchrt und stolz&#8220; nahm Thiedmann den Preis entgegen. Er sei von Anfang an \u00fcberzeugt gewesen, dass aus den Ausgrabungen bei Argenstein mehr entstehen m\u00fcsse, als ein paar Ausstellungst\u00fccke in Vitrinen. Zun\u00e4chst sei er mit seiner Idee eher auf Zur\u00fcckhaltung gesto\u00dfen; und er habe mehr als einmal gedacht, dass sich das Projekt nicht umsetzen lasse.<br \/>\nDass es doch anders gekommen sei, dahinter st\u00fcnden gro\u00dfe ehrenamtliche Leistungen von vielen Engagierten. Entstanden sei nun ein Ort, an dem lebendige Geschichte vermittelt werde und an dem Besuchende 9.000 Jahre Kulturgeschichte zum Anfassen erleben. &#8222;Es ist ein Leuchtturmprojekt entstanden &#8211; nicht nur f\u00fcr den Landkreis, sondern f\u00fcr Hessen&#8220;, betonte Thiedman.<br \/>\nVerena Pfeiffer aus Emsdorf nahm als Initiatorin des Projekts &#8222;Heimat auf der Haut&#8220; den Preis entgegen. Das Projekt entstand im Rahmen der 725-Jahrfeier des Kirchhainer Stadtteils Emsdorf und ist eine gelungene fotografische Dokumentation der katholischen Tracht aus Emsdorf. Sowohl die Models als auch die Fotografinnen und Fotografen kommen aus dem Ort.<br \/>\nIn liebevoller Arbeit haben sie gemeinsam \u00fcber 500 Einzelbilder und Einzelszenen mit unterschiedlichen Trachten und Haarmoden in und um Emsdorf aufgenommen und in einem 52-seitigen immerw\u00e4hrenden Trachtenkalender herausgebracht. &#8222;So hat die Projektgruppe einen Beitrag zum Dorfjubil\u00e4um geleistet, das junge Leute f\u00fcr Tradition begeistert, Kreativit\u00e4t mit Brauchtum verbindet und Tradition und Moderne zusammenbringt&#8220;, freute sich der Landrat. &#8222;Die Gruppe hat mit dieser Fotokampagne aufgezeigt, wie sch\u00f6n die Marburger katholische Tracht wirken kann.&#8220;<br \/>\nPfeffer, die mit einigen der Models zur Preisverleihung gekommen war, berichtete von den vielen Stunden, die mit dem korrekten Anlegen der Tracht und dem Herrichten der Haare verbracht wurden. Sie zog Verbindungen zum hessischen Trachtenbuch von Ferdinand Justi und sprach \u00fcber die Dauerhaftigkeit der teilweise \u00fcber 100 Jahre alten Kleidungsst\u00fccke. &#8222;Wir haben uns bem\u00fcht, eine gro\u00dfe Bandbreite von Trachten und Frisuren \u00fcber mehrere Generationen hinweg darzustellen&#8220;, berichtete sie.<br \/>\nUm alles korrekt abzubilden, seien viele Fachgespr\u00e4che gef\u00fchrt worden. &#8222;Heute gibt es nur noch eine Tr\u00e4gerin der katholischen Tracht in Emsdorf&#8220; erkl\u00e4rte sie . &#8222;Wir haben versucht, das Erbe unserer Gro\u00dfeltern zu bewahren.&#8220;<br \/>\nBevor die Preise verliehen wurden, bot Bezirksarch\u00e4ologin Dr. Christa Meiborg in einem Festvortrag einen \u00dcberblick \u00fcber die Ausgrabungen unter dem Marburger Landgrafenschloss. Sie nahm das Publikum mit auf eine spanende Zeitreise. Arch\u00e4ologische Untersuchungen im Rahmen der Sanierung des Westfl\u00fcgels hatten \u00fcberraschend ergeben, dass sich darunter die Reste eines quadratischen Wohnturms und einer Ringmauer befinden.<br \/>\nBei den schwierigen und technisch herausfordernden Grabungen wurde schlie\u00dflich unter diesem Wohnturm sogar noch Reste einer weiteren Vorg\u00e4ngerburg entdeckt &#8211; die erste Burg stand bereits im 9. Jahrhundert auf dem Schlossberg. Heute kann man im Westfl\u00fcgel des Schlosses durch einen Glasboden die Ausgrabungen betrachten und bei Sonderf\u00fchrungen sogar in die dauerhaft gesicherte Ausgrabungsst\u00e4tte hineingehen. Neben diesem spannenden Vortrag sorgte das &#8222;Quartett con Brio&#8220; f\u00fcr die musikalische Unterhaltung der G\u00e4ste.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Sch\u00f6nhagen, Dr. Andreas Thiedmann und die Projektgruppe &#8222;Heimat auf der Haut&#8220; haben den Otto-Ubbelohde-Preis erhalten. 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