{"id":20600,"date":"2026-09-21T11:49:00","date_gmt":"2026-09-21T09:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20600"},"modified":"2026-09-21T11:49:00","modified_gmt":"2026-09-21T09:49:00","slug":"verantwortung-16-millionen-euro-fuer-neue-emmy-noether-gruppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20600","title":{"rendered":"Verantwortung: 1,6 Millionen Euro f\u00fcr neue Emmy-Noether-Gruppe"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue Emmy-Noether-Gruppe untersucht Verantwortung in der Strukturbildung globaler Ordnung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) f\u00f6rdert das Vorhaben mit \u00fcber 1,6 Millionen Euro. <!--more--><br \/>\nDer russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, internationale Interventionen und wachsende geopolitische Spannungen zeigen, wie fragil globale Ordnung sein kann. Zugleich greifen selbst in Krisenzeiten Staaten, internationale Organisationen und das V\u00f6lkerrecht auf etablierte Vorstellungen von Verantwortung zur\u00fcck, um Verhalten zu begr\u00fcnden, Entscheidungen zu legitimieren und Konflikte zu bearbeiten. Genau diesen Zusammenhang untersucht die neue soziologisch ausgerichtete Emmy-Noether-Gruppe &#8222;Globale Verantwortung &#8211; M\u00f6glichkeiten und Grenzen globaler Ordnungsbildung&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Unter der Leitung von Dr. Henning de Vries verfolgt sie mit einem interdisziplin\u00e4ren Ansatz die Entwicklung globaler Ordnung von der Franz\u00f6sischen Revolution bis in die Gegenwart &#8211; und nimmt dabei bewusst die langen historischen Linien in den Blick. Die Emmy-Noether-Gruppe wird mit \u00fcber 1,6 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert.<br \/>\n&#8222;Aktuelle Krisen zeigen uns, wie umk\u00e4mpft globale Ordnung ist&#8220;, sagte de Vries. &#8222;Sie erkl\u00e4ren aber noch nicht, wie diese Ordnung \u00fcberhaupt entstanden ist und warum sie trotz immer neuer Konflikte nicht einfach zerf\u00e4llt.&#8220;<br \/>\nDeshalb m\u00f6chte er &#8222;weiter zur\u00fcckgehen und \u00fcber mehr als 200 Jahre rekonstruieren, wie sich globale Strukturen entwickelt haben und welche Rolle Verantwortung dabei gespielt hat. Wie sind internationale Strukturen entstanden? Wie wurden Zust\u00e4ndigkeiten und Verantwortlichkeiten verteilt? Und wie konnte trotz widerspr\u00fcchlicher Interessen immer wieder internationale Kommunikation erm\u00f6glicht werden?<br \/>\nIm Zentrum der Forschung steht der Begriff der &#8222;Verantwortung&#8220;. Sie wird dabei nicht allein als moralische Verpflichtung verstanden, sondern als eine Struktur, die Erwartungen stabilisiert und Verhalten unter unsicheren Bedingungen erm\u00f6glicht. &#8222;Verantwortung wird besonders dort relevant, wo nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, wer handeln soll, wer entscheiden darf und wem etwas zugerechnet werden kann&#8220;, erkl\u00e4rte de Vries. &#8222;Wir wollen rekonstruieren, wie solche Fragen bearbeitet wurden &#8211; und wie daraus Strukturen globaler Ordnung entstanden sind.&#8220;<br \/>\nDie Forschenden untersuchen daf\u00fcr drei zentrale Bereiche. Das sind die Entwicklung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts und des V\u00f6lkerstrafrechts, die Herausbildung staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t sowie die Entstehung internationaler Organisationen &#8211; vom Europ\u00e4ischen Konzert \u00fcber den V\u00f6lkerbund bis zu den Vereinten Nationen. Das Ziel der Emmy-Noether-Gruppe ist, diese Funktion von Verantwortung historisch und soziologisch pr\u00e4zise zu bestimmen und empirisch zu rekonstruieren. Auf dieser Grundlage soll eine empirisch fundierte Theorie globaler Ordnungsbildung entwickelt werden, in der globale Verantwortung eine zentrale Rolle einnimmt.<br \/>\nDie Gruppe betrachtet drei gro\u00dfe Phasen. Das ist die Zeit vom Wiener Kongress bis 1914, von 1914 bis 1939 und von 1939 bis heute. Anhand von v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4gen und diplomatischen Dokumenten untersucht sie, wie sich Vorstellungen von Verantwortung und internationaler Ordnung ver\u00e4ndert haben.<br \/>\n&#8222;Wir wollen nicht einfach eine Geschichte internationaler Institutionen schreiben&#8220;, betonte de Vries. &#8222;Uns interessiert, welche Muster sich hinter den Entscheidungen und Konflikten erkennen lassen. So k\u00f6nnen wir sichtbar machen, was sich \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndert hat &#8211; aber auch, welche Strukturen erstaunlich stabil geblieben sind.&#8220;<br \/>\nAus den historisch-soziologischen Analysen soll eine empirisch fundierte Theorie globaler Ordnungsbildung entstehen. Der Verantwortungsbegriff dient dabei als verbindendes Element.<br \/>\n&#8222;Globale Ordnung ist heute br\u00fcchiger und umk\u00e4mpfter denn je; umso wichtiger ist es, ihre historisch-soziologischen Grundlagen zu verstehen&#8220;, sagte Uni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange. &#8222;Die neue Emmy-Noether-Gruppe verbindet eine hochaktuelle Fragestellung mit einem langfristigen historischen Forschungszugriff und st\u00e4rkt damit das sozialwissenschaftliche Profil der Philipps-Universit\u00e4t. Ich gratuliere Dr. de Vries sehr herzlich zu diesem Erfolg und zur Einwerbung der Emmy-Noether-Gruppe. Dass wir mit seiner Gruppe mittlerweile zehn aktive Emmy-Noether-Gruppen in ganz unterschiedlichen Disziplinen haben, zeigt zugleich die gro\u00dfe thematische Breite und wissenschaftliche Dynamik der Universit\u00e4t Marburg.&#8220;<br \/>\nDie Emmy-Noether-Gruppe kn\u00fcpft an die bisherigen Arbeiten von de Vries an. In seiner Dissertation untersuchte er die strukturellen Voraussetzungen internationaler Strafverfolgung und insbesondere das Verh\u00e4ltnis von staatlicher und internationaler Strafverfolgung im Kontext des Internationalen Strafgerichtshofs. Weitere Arbeiten besch\u00e4ftigen sich mit der Zurechnung von Kriegsverbrechen und der historisch-soziologischen Entwicklung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts.<br \/>\nDe Vries ist seit 2023 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des &#8222;International Centre for War Crimes Trials&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Zuvor arbeitete er am Zentrum f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen globale Ordnung, Weltgesellschaftsforschung, Rechtssoziologie, Gewaltsoziologie und soziologische Theorie.<br \/>\nDie Forschungsgruppe wird im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert. Das Programm erm\u00f6glicht herausragend qualifizierten Wissenschaftler*innen in einer fr\u00fchen Karrierephase, \u00fcber die eigenverantwortliche Leitung einer Forschungsgruppe ein eigenst\u00e4ndiges Forschungsprofil zu entwickeln und sich f\u00fcr eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Die F\u00f6rderung ist auf sechs Jahre angelegt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Emmy-Noether-Gruppe untersucht Verantwortung in der Strukturbildung globaler Ordnung. 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