{"id":20511,"date":"2026-09-02T17:26:18","date_gmt":"2026-09-02T15:26:18","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20511"},"modified":"2026-09-02T17:26:18","modified_gmt":"2026-09-02T15:26:18","slug":"nach-abschluss-neue-erkenntnisse-zur-immuntherapie-bei-brustkrebs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20511","title":{"rendered":"Nach Abschluss: Neue Erkenntnisse zur Immuntherapie bei Brustkrebs"},"content":{"rendered":"<p>Zur Immuntherapie bei Brustkrebs gibt es neue Erkenntnisse f\u00fcr eine gezieltere Behandlung. Daran ist auch ein Marburger Mediziner beteiligt. <!--more--><br \/>\nEine internationale Phase-III-Studie liefert wichtige Hinweise f\u00fcr eine pr\u00e4zisere Patientinnenauswahl f\u00fcr die Immuntherapie bei fr\u00fchem triple-negativem Brustkrebs. In dem Forschungsprojekt unter Beteiligung der Goethe-Universit\u00e4t, der Universit\u00e4tsmedizin Frankfurt und dem Universit\u00e4ren Centrum f\u00fcr Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt-Marburg wurde untersucht, ob der Immuncheckpoint-Inhibitor Atezolizumab die Behandlungsergebnisse bei fr\u00fchem triple-negativem Brustkrebs verbessern kann. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten Journal &#8222;Nature Medicine&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nTriple-negativer Brustkrebs (TNBC) gilt als aggressivste Form des Brustkrebses mit einem erh\u00f6hten Risiko, dass die Erkrankung nach erfolgreicher Therapie wieder auftritt. TNBC steht f\u00fcr das Fehlen von Hormonrezeptoren (\u00d6strogen und Progesteron) und Rezeptoren des humanen epidermalen Wachstumsfaktors HER2 in diesen Tumoren. Deshalb sind Therapien, die an diesen Rezeptoren ansetzen, zum gro\u00dfen Teil wirkungslos. Allerdings zeichnet sich TNBC durch ein aktiviertes Immun-Mikromilieu aus.<br \/>\nDaher sind sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren ein vielversprechender Wirkmechanismus, der zus\u00e4tzlich zur Chemotherapie eingesetzt werden kann. Tumore haben h\u00e4ufig die Eigenschaft, die k\u00f6rpereigene Immunantwort zu schw\u00e4chen. Der Einsatz von Immuncheckpoint-Inhibitoren hat das Ziel, die Reaktion des Immunsystems wieder zu aktivieren, sodass Immunzellen den Tumor besser erkennen und Krebszellen angreifen k\u00f6nnen.<br \/>\nEine gro\u00dfe internationale Phase-III-Studie hat untersucht, ob der Immuncheckpoint-Inhibitor Atezolizumab die Behandlungsergebnisse bei fr\u00fchem TNBC verbessern kann. Die Ergebnisse der Studie &#8222;NSABP-B-59\/GBG-96-GeparDouze&#8220; wurden Anfang September im sehrrenommierten Fachjournal Nature Medicine ver\u00f6ffentlicht und zeigen: In der gesamten Studienpopulation f\u00fchrte die zus\u00e4tzliche Immuntherapie nicht zu einer statistisch signifikanten Verbesserung des ereignisfreien \u00dcberlebens. Das bedeutet, dass sich die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung, einer Verschlechterung oder dem Tod nicht signifikant verl\u00e4ngerte. Jedoch deuten umfangreiche Biomarker- und Subgruppenanalysen darauf hin, dass bestimmte Patientinnengruppen st\u00e4rker profitieren k\u00f6nnten.<br \/>\nErstautorin der Publikation ist Prof. Dr. Sibylle Loibl, die seit 2025 als Professorin f\u00fcr Innovative Systemtherapie des Mammakarzinoms an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt berufen ist. Beteiligt sind au\u00dferdem Prof. Dr. Thomas Karn vom translationalen Forschungslabor der Klinik f\u00fcr Frauenheilkunde an der Universit\u00e4tsmedizin Frankfurt sowie Prof. Dr. Carsten Denkert vom Institut f\u00fcr Pathologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Loibl und Denkert sind au\u00dferdem Mitglieder des Universit\u00e4ren Centrums f\u00fcr Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt-Marburg als einem von 14 Krebszentren in Deutschland, die von der Deutschen Krebshilfe als &#8222;Onkologisches Spitzenzentrum&#8220; ausgezeichnet und gef\u00f6rdert werden.<br \/>\nAn der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie nahmen 1.550 Patientinnen aus Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Kanada und Spanien mit TNBC teil. Sie erhielten vor der Operation eine Standardchemotherapie in Kombination mit Atezolizumab oder Placebo. Nach der Operation wurde die jeweils zugewiesene Behandlung fortgesetzt, sodass die Studientherapie insgesamt ein Jahr umfasste.<br \/>\nNach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 46,9 Monaten lag die Rate des ereignisfreien \u00dcberlebens nach vier Jahren bei 85,2 Prozent unter Atezolizumab und bei 81,9 Prozent unter Placebo. Dieser Unterschied erreichte die vorab festgelegte statistische Signifikanzgrenze nicht. Auch beim Gesamt\u00fcberleben zeigte sich nach vier Jahren kein signifikanter Vorteil. Dagegen erh\u00f6hte Atezolizumab die Rate pathologischer Komplettremissionen, also das vollst\u00e4ndige Verschwinden invasiver Tumorzellen in Brust und Lymphknoten zum Zeitpunkt der Operation, von 57,0 Prozent auf 63,3 Prozent.<br \/>\nDie Immuntherapie ging allerdings auch mit einer h\u00f6heren Belastung durch immunvermittelte Nebenwirkungen einher und f\u00fchrte h\u00e4ufiger zum Abbruch der Studientherapie. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Patientinnen tats\u00e4chlich von einer solchen Behandlung profitieren.<br \/>\n&#8222;Die Ergebnisse zeigen, dass eine Immuntherapie mit Atezolizumab nicht f\u00fcr alle Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs gleicherma\u00dfen geeignet ist&#8220;, erkl\u00e4rte Loibl. &#8222;Entscheidend wird sein, biologische Merkmale zu identifizieren, mit denen sich jene Patientinnen erkennen lassen, die tats\u00e4chlich einen klinisch relevanten Nutzen erwarten k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nHinweise auf die unterschiedliche Auspr\u00e4gung der Erkrankung liefern auch die begleitenden translationalen Analysen, die im Institut f\u00fcr Pathologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg unter der Leitung von Denkert stattfanden. Besonders Patientinnen mit befallenen Lymphknoten und einer hohen Zahl von Tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILS) im Brusttumor zeigten ein Signal f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Nutzen durch Atezolizumab. Auch die Untersuchung von Gen-Signaturen deutet darauf hin, dass molekulare Untergruppen des TNBC unterschiedlich auf die Immuntherapie reagieren k\u00f6nnten. Insbesondere Tumoren mit einem immunaktivierten Mikromilieu erscheinen f\u00fcr weitere Untersuchungen vielversprechend.<br \/>\nDie Ergebnisse unterstreichen, dass TNBC keine einheitliche Erkrankung ist. K\u00fcnftig k\u00f6nnte die Kombination aus klinischen Risikomerkmalen, TILs-Bestimmung und einer molekularen Subtypisierung dazu beitragen, Immuntherapien gezielter einzusetzen und unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen zu vermeiden.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Immuntherapie bei Brustkrebs gibt es neue Erkenntnisse f\u00fcr eine gezieltere Behandlung. Daran ist auch ein Marburger Mediziner beteiligt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[3556,7705,1820],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-5kP","jetpack-related-posts":[{"id":17490,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=17490","url_meta":{"origin":20511,"position":0},"title":"Behandlung der Tumore: Neue Klassifizierung soll Therapie von Brustkrebs verbessern","date":"11. Februar 2025","format":false,"excerpt":"Neue Erkenntnisse zur Therapie von Brustkrebs haben adaptive Tumorver\u00e4nderungen als Schl\u00fcssel zur besseren Prognose ausgemacht. 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