{"id":20475,"date":"2026-08-27T15:15:00","date_gmt":"2026-08-27T13:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20475"},"modified":"2026-08-27T15:15:00","modified_gmt":"2026-08-27T13:15:00","slug":"abwaermenutzung-fluesse-und-klaeranlagen-zum-heizen-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20475","title":{"rendered":"Abw\u00e4rmenutzung: Fl\u00fcsse und Kl\u00e4ranlagen zum Heizen nutzen"},"content":{"rendered":"<p>In Zukunft k\u00f6nnen Fl\u00fcsse und Kl\u00e4ranlagen eine wichtige Rolle beim Heizen spielen. Das zeigt eine neue Studie f\u00fcr Hessen. <!--more--><br \/>\nW\u00e4rme aus Fl\u00fcssen und Kl\u00e4ranlagen kann k\u00fcnftig einen bedeutenden Beitrag zur klimaneutralen und unabh\u00e4ngigen W\u00e4rmeversorgung in Hessen leisten. Das zeigt die Studie &#8222;W\u00e4rmequellen Hessen&#8220;, die von der Universit\u00e4t Kassel im Auftrag der LEA LandesEnergieAgentur Hessen und des Hessischen Wirtschaftsministeriums erstellt wurde. Die Untersuchung analysiert erstmals systematisch die Potenziale von Fluss- und Abwasserw\u00e4rme f\u00fcr die kommunale W\u00e4rmeversorgung in Hessen.<br \/>\nDemnach k\u00f6nnte bis zu 25 Prozent des f\u00fcr 2045 prognostizierten Gesamt-W\u00e4rmebedarfs in Hessen (ohne Industrie) durch die Nutzung von Abwasser- und Flussw\u00e4rme gedeckt werden. Dabei wurden diese W\u00e4rmequellen nur f\u00fcr verdichtete Gebiete vorgesehen, wo grunds\u00e4tzlich W\u00e4rmenetze sinnvoll sind. &#8222;Die Ergebnisse zeigen, dass Kl\u00e4ranlagen und Flie\u00dfgew\u00e4sser in vielen hessischen Kommunen einen wesentlichen Beitrag f\u00fcr eine klimafreundliche W\u00e4rmeversorgung leisten k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Karsten McGovern von der LEA Hessen.<br \/>\nNeben industrieller Abw\u00e4rme, Abw\u00e4rme aus Rechenzentren, Erdw\u00e4rme und Solarthermie stehen damit weitere W\u00e4rmequellen zur Verf\u00fcgung, die eine unabh\u00e4ngige und klimafreundliche W\u00e4rmeversorgung erm\u00f6glichen. Die Verf\u00fcgbarkeit dieser W\u00e4rmequelle ist regional sehr unterschiedlich verteilt. W\u00e4hrend rund drei Viertel der hessischen Kommunen \u00fcber mindestens eine geeignete Kl\u00e4ranlage verf\u00fcgen, kommt nur etwa ein Drittel der Kommunen f\u00fcr die Nutzung von Flussw\u00e4rme infrage.<br \/>\nF\u00fcr die Studie wurden insgesamt 443 hessische Kl\u00e4ranlagen untersucht. Die Anlagen k\u00f6nnten in Kombination mit Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen zwischen 2,4 und 4,9 Terawattstunden W\u00e4rme pro Jahr bereitstellen. Abwasser gilt als besonders attraktive W\u00e4rmequelle. Die Temperaturen liegen in der Regel ganzj\u00e4hrig \u00fcber 8 Grad Celsius und insbesondere im Winter deutlich h\u00f6her als bei Flie\u00dfgew\u00e4ssern. Dadurch ist Abwasserw\u00e4rme meist verl\u00e4sslicher und h\u00e4ufig auch wirtschaftlicher als Flussw\u00e4rme.<br \/>\nAuch Hessens Fl\u00fcsse verf\u00fcgen \u00fcber erhebliche W\u00e4rmepotenziale. Insgesamt erf\u00fcllen 25 Fl\u00fcsse auf einer L\u00e4nge von rund 1.467 Kilometern die f\u00fcr die Studie festgelegten Mindestanforderungen. Diese Flie\u00dfgew\u00e4sser verteilen sich auf 173 Kommunen und damit auf etwa 40 Prozent der hessischen St\u00e4dte und Gemeinden.<br \/>\nUnter Ber\u00fccksichtigung technischer, \u00f6kologischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen liegt das nutzbare W\u00e4rmebereitstellungspotenzial aus Flie\u00dfgew\u00e4ssern bei 1,3 bis 4,3 Terawattstunden pro Jahr. Besonders hohe Potenziale bestehen entlang von Rhein und Main in S\u00fcdhessen sowie an Weser, Fulda, Werra und Lahn in Nord- und Mittelhessen.<br \/>\nSowohl bei Fluss- als auch bei Abwasserw\u00e4rme kommen Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen zum Einsatz. Bei Kl\u00e4ranlagen wird dem gereinigten Wasser am Ablauf W\u00e4rme entzogen. Bei Flie\u00dfgew\u00e4ssern kann die W\u00e4rme entweder \u00fcber W\u00e4rmetauscher direkt im Gew\u00e4sser oder \u00fcber die Entnahme und Wiedereinleitung von Flusswasser gewonnen werden. Die Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen heben anschlie\u00dfend das Temperaturniveau auf die f\u00fcr W\u00e4rmenetze erforderliche H\u00f6he an.<br \/>\nWelche W\u00e4rmequelle vor Ort am sinnvollsten ist, h\u00e4ngt stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Entscheidend ist insbesondere, ob Kl\u00e4ranlagen oder geeignete Flussabschnitte in unmittelbarer N\u00e4he zu bestehenden oder geplanten W\u00e4rmeabnehmern liegen. K\u00fcrzere Leitungswege k\u00f6nnen den notwendigen Netzausbau deutlich reduzieren und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern.<br \/>\nZudem m\u00fcssen bei der Nutzung von Flussw\u00e4rme verschiedene Umwelt- und Standortfaktoren ber\u00fccksichtigt werden. Dazu z\u00e4hlen unter anderem Temperaturgrenzen der Gew\u00e4sser, Fischschutz, Naturschutzbelange sowie Anforderungen durch die Schifffahrt. Diese Aspekte sollten fr\u00fchzeitig im Rahmen der kommunalen W\u00e4rmeplanung gepr\u00fcft werden.<br \/>\nDass die Nutzung von Flussw\u00e4rme nicht nur Theorie ist, zeigt das Projekt &#8222;PowerLahn&#8220; der Stadtwerke Gie\u00dfen. Anfang Juli 2026 wurde dort die erste Flussw\u00e4rmepumpe Hessens in Betrieb genommen. Drei Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen nutzen die W\u00e4rme der Lahn und speisen sie in das Fernw\u00e4rmenetz ein. Auf diese Weise k\u00f6nnen k\u00fcnftig rund 3.900 Wohnungen mit W\u00e4rme versorgt werden. F\u00fcr den Winter erg\u00e4nzen zwei Blockholzkraftwerke die W\u00e4rmebereitstellung.<br \/>\nAuch andere Kommunen verf\u00fcgen \u00fcber erhebliche Potenziale: So k\u00f6nnte zum Beispiel in Marburg etwa die H\u00e4lfte des W\u00e4rmebedarfs der grunds\u00e4tzlich f\u00fcr W\u00e4rmenetze geeigneten Gebiete durch die Kombination von Fluss- und Abwasserw\u00e4rme gedeckt werden. In Biedenkopf k\u00f6nnte durch Abwasserw\u00e4rme der W\u00e4rmebedarf in solchen W\u00e4rmenetzgebieten sogar vollst\u00e4ndig bereitgestellt werden.<br \/>\nAuch die Flussw\u00e4rme kann wesentliche Beitr\u00e4ge liefern. Das ist nicht nur an den besonders gro\u00dfen Fl\u00fcssen wie Rhein und Main m\u00f6glich, sondern beispielsweise auch in Wettenberg an der Lahn, wo die Flussw\u00e4rme fast 90 % des W\u00e4rmebedarfs in W\u00e4rmenetzgebieten decken k\u00f6nnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in den W\u00e4rmeatlas Hessen der LEA Hessen integriert und stehen damit allen Kommunen frei zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDer W\u00e4rmeatlas unterst\u00fctzt St\u00e4dte und Gemeinden bei der kommunalen W\u00e4rmeplanung, indem er sowohl W\u00e4rmebedarfe als auch Potenziale erneuerbarer und unvermeidbarer W\u00e4rmequellen sichtbar macht. Neben Fluss- und Abwasserw\u00e4rme k\u00f6nnen dort beispielsweise auch Abw\u00e4rmepotenziale aus Industrie und Gewerbe analysiert werden. Kommunen erhalten so eine fundierte Datengrundlage, um die f\u00fcr ihre Region geeigneten W\u00e4rmequellen zu identifizieren und die W\u00e4rmewende vor Ort voranzubringen.<\/p>\n<p>* pm: LEA LandesEnergieAgentur Hessen, Wiesbaden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zukunft k\u00f6nnen Fl\u00fcsse und Kl\u00e4ranlagen eine wichtige Rolle beim Heizen spielen. 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