{"id":20331,"date":"2026-07-20T13:41:42","date_gmt":"2026-07-20T11:41:42","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20331"},"modified":"2026-07-20T13:41:42","modified_gmt":"2026-07-20T11:41:42","slug":"veranschaulicht-notausschalter-fuer-fresszellen-identifiziert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20331","title":{"rendered":"Veranschaulicht: Notausschalter f\u00fcr Fresszellen identifiziert"},"content":{"rendered":"<p>Als Schl\u00fcsselregulatorin Makrophagen haben Forschende aus W\u00fcrzburg und Marburg eine lange nicht-kodierende RNA identifiziert. Sie sei ein &#8222;Notausschalter&#8220; f\u00fcr Fresszellen. <!--more--><br \/>\nMakrophagen gelten als &#8222;Fresszellen&#8220; des Immunsystems, doch manche Erreger machen sich gerade diese Zellen als Versteck zunutze. Forschende des W\u00fcrzburger Helmholtz-Instituts f\u00fcr RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und der Philipps-Universit\u00e4t Marburg haben nun einen Mechanismus entdeckt, der den Immunzellen hilft, in diesem Wechselspiel zwischen Wirt und Erreger die richtige Balance zu halten: eine lange nicht-kodierende Ribonukleins\u00e4ure namens &#8222;SAILR,&#8220; die als Schl\u00fcsselregulator fungiert. Die Ergebnisse wurden j\u00fcngst im Fachmagazin &#8222;PNAS&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nMakrophagen sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems und unterst\u00fctzen den K\u00f6rper im Kampf gegen Infektionen: Sobald ein Krankheitserreger eindringt, fangen die Makrophagen ihn ein und &#8222;verdauen&#8220; ihn. Nicht umsonst sind sie auch als &#8222;Fresszellen&#8220; bekannt.<br \/>\nDoch manchen Keimen &#8211; insbesondere intrazellul\u00e4ren Bakterien wie Salmonellen &#8211; gelingt es, Makrophagen auszutricksen und sich sogar in deren Inneren zu vermehren. Wie die Immunzellen dabei das Gleichgewicht zwischen Selbsterhalt und wirksamer Erregerabwehr halten, ist noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Forschende des Helmholtz-Instituts f\u00fcr RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in W\u00fcrzburg, einem Standort des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Infektionsforschung (HZI) in Kooperation mit der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg (JMU), konnten gemeinsam mit Wissenschaftlern der Philipps-Universit\u00e4t Marburg nun einen Faktor ausfindig machen, der eine wichtige Rolle in diesem Balanceakt spielt: eine lange nicht-kodierende Ribonukleins\u00e4ure, kurz lncRNA (von engl. long non-coding ribonucleic acid).<br \/>\n&#8222;Wir haben ein f\u00fcr den Menschen spezifisches RNA-Molek\u00fcl namens SAILR identifiziert&#8220;, berichtete Prof. Dr. Alexander Westermann. Der alliierte Wissenschaftler am HIRI und Professor an der JMU ist Erstautor der im Fachjournal &#8222;Proceedings of the National Academy of Sciences&#8220; (PNAS) erschienenen Studie. In ruhenden Makrophagen bindet SAILR an das &#8222;\u00dcberlebensprotein&#8220; 14-3-3\u00df und tr\u00e4gt dazu bei, die Zellen am Leben zu erhalten.<br \/>\nW\u00e4hrend einer bakteriellen Infektion wird SAILR hingegen rasch ausgeschaltet. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Makrophagen absterben. Die sicheren R\u00e4ume, in denen sich Bakterien innerhalb der Zelle vermehren k\u00f6nnen, fallen somit weg. &#8222;Das macht SAILR zu einem RNA-basierten Notausschalter&#8220;, schlussfolgert Westermann.<br \/>\n&#8222;Bisher wurde allgemein angenommen, dass Makrophagen zur Bek\u00e4mpfung von Krankheitserregern in erster Linie Abwehrmechanismen hochregulieren, anstatt ihre eigene Zerst\u00f6rung auszul\u00f6sen&#8220;, erl\u00e4uterte Prof. Dr. Leon Schulte von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Er ist korrespondierender Autor der Studie. &#8222;Es war folglich vollkommen unerwartet, dass eine Infektion einen \u00fcberlebensf\u00f6rdernden Faktor aktiv herunterregulieren w\u00fcrde&#8220;, schlie\u00dft HIRI-Direktor J\u00f6rg Vogel an, in dessen Labor die Studie initiiert wurde.<br \/>\nSAILR verkn\u00fcpft das \u00dcberleben von Makrophagen unmittelbar mit der Interaktion zwischen Wirt und Erreger. Damit wird eine Verbindung zwischen einem grundlegenden molekularen Mechanismus und menschlichen Erkrankungen hergestellt. Das legt nahe, dass das RNA-Molek\u00fcl bei schweren Infektionen und Entz\u00fcndungen als diagnostischer Marker oder gar als therapeutisches Ziel relevant sein k\u00f6nnte.<br \/>\nIn der Tat sinken bei schweren COVID-19-Verl\u00e4ufen oder Sepsis, oft auch Blutvergiftung genannt, die SAILR-Spiegel in den Blutzellen deutlich ab. SAILR k\u00f6nnte also k\u00fcnftig dabei helfen, den Schweregrad einer Infektion einzusch\u00e4tzen. &#8222;Langfristig ist es denkbar, dass SAILR als Biomarker f\u00fcr schwere Krankheitsverl\u00e4ufe genutzt werden kann, zum Beispiel mithilfe von Bluttests&#8220;, sagte Schulte.<br \/>\nSAILR ist jedoch nicht nur als Marker von Interesse, sondern auch als m\u00f6glicher therapeutischer Angriffspunkt: &#8222;Besonders spannend ist die M\u00f6glichkeit, SAILR gezielt zu modulieren, beispielsweise zu senken, um infizierte Makrophagen zu eliminieren, oder zu stabilisieren, um Gewebesch\u00e4den zu begrenzen. So k\u00f6nnten neue RNA-basierte Therapieans\u00e4tze f\u00fcr Sepsis und andere schwere Entz\u00fcndungen entstehen, mit denen sich das \u00dcberleben von Makrophagen gezielt beeinflussen lie\u00dfe&#8220;, stellte Vogel in Aussicht.<br \/>\nDie Ergebnisse er\u00f6ffnen zugleich neue Perspektiven auf die Entwicklung des menschlichen Immunsystems: SAILR kommt ausschlie\u00dflich bei Primaten vor und steht damit f\u00fcr eine evolution\u00e4r junge Form der Immunregulation, die in herk\u00f6mmlichen Modellen fehlt. &#8222;Das macht deutlich, warum sich bestimmte Infektionsmechanismen im Labor nur begrenzt nachvollziehen lassen, und k\u00f6nnte dazu beitragen, Medikamente und Testsysteme gezielter auf den Menschen auszurichten&#8220;, erl\u00e4uterte Westermann.<br \/>\nDie Arbeit er\u00f6ffnet neue Forschungsrichtungen an der Schnittstelle zwischen RNA-Biologie, Immunit\u00e4t und Infektion. K\u00fcnftige Studien k\u00f6nnten genauer untersuchen, wie RNA-Protein-Interaktionen in Immunzellen Entz\u00fcndungsprozesse sowie die Wirt-Pathogen-Interaktion steuern. Zugleich r\u00fccken nicht-kodierende RNAs st\u00e4rker in den Fokus als m\u00f6gliche zentrale Regulatoren der Immunantwort.<br \/>\nDie Studie ist eine Kooperation des HIRI, der JMU und der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Beteiligt waren au\u00dferdem die Akademie von Athen in Griechenland, das NUCLEATE &#8211; Cluster for Nucleic Acid Sciences and Technologies, die Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, das Deutsche Zentrum f\u00fcr Lungenforschung (DZL), das Deutsche Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung, die Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), das Hellenic Institute for the Study of Sepsis in Athen, das Universit\u00e4tsklinikum Jena, die Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz, die Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, das Leibniz-Institut f\u00fcr Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie &#8211; Hans-Kn\u00f6ll-Institut, die Nationale und Kapodistrias-Universit\u00e4t Athen, das Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC), das Universit\u00e4tsklinikum Gie\u00dfen und Marburg (UKGM) sowie das Universit\u00e4tsklinikum W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Schl\u00fcsselregulatorin Makrophagen haben Forschende aus W\u00fcrzburg und Marburg eine lange nicht-kodierende RNA identifiziert. 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