{"id":20019,"date":"2026-05-11T14:45:00","date_gmt":"2026-05-11T12:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20019"},"modified":"2026-05-11T14:45:00","modified_gmt":"2026-05-11T12:45:00","slug":"sagenhaft-geburtshilfe-am-telefon-auf-der-b3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20019","title":{"rendered":"Sagenhaft: Geburtshilfe am Telefon auf der B3"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Bundesstra\u00dfe 3 wurden Leitstelle, Notarzt und Rettungsdienst zu Geburtshelfern. Diese Geschichte hat der Landkreis am Montag (11. Mai) unter der \u00dcberschrift &#8222;Der Storch am Telefon&#8220; ver\u00f6ffentlicht. <!--more--><br \/>\nWenn Felia Ellen Schott sp\u00e4ter einmal ihren Geburtsort angeben muss, wird dort &#8222;Bundesstra\u00dfe 3 &#8211; Marburg, Gemarkung Ginseldorf&#8220; stehen. Geplant war das nicht &#8211; eher quasi aus der Not geboren. Denn Felia hatte es pl\u00f6tzlich sehr eilig<br \/>\nStatt des Krei\u00dfsaals war der Beifahrersitz des elterlichen Autos Ort des Geschehens &#8211; eben auf dem Seitenstreifen der Bundesstra\u00dfe. Zum telefonischen Geburtshelfer wurde Jan M\u00f6bius. Er ist Einsatzbearbeiter der Zentralen Rettungsleitstelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf.<br \/>\nEs ist Sonntag (12. April): Schon morgens setzen bei Linda Schott die Wehen ein. Sie ist da aber noch ganz entspannt. Ein Kind &#8211; Sohn Lenn Jakob (3) &#8211;<br \/>\nhat sie schon zur Welt gebracht. Elias Matheo (8) hat ihr Lebensgef\u00e4hrte Florian Hatt mit in die Beziehung gebracht.<br \/>\nAm fr\u00fchen Nachmittag macht sie sich dann gemeinsam mit ihrem Lebensgef\u00e4hrten von Lahntal-G\u00f6ttingen aus auf den Weg zum Krei\u00dfsaal im Marburger Universit\u00e4tsklinikum. Doch auf dem Weg dorthin werden die Wehen st\u00e4rker, die Abst\u00e4nde zwischen den Wehen k\u00fcrzer. Von unterwegs ruft Florian Hatt im Krei\u00dfsaal an und schildert die Situation.<br \/>\nDie Einsch\u00e4tzung der Fachleute f\u00fcr Geburtshilfe lautet: &#8222;Das schaffen Sie nicht mehr rechtzeitig. Sofort anhalten und die 112 w\u00e4hlen!&#8220;<br \/>\nFlorian Hatt lenkt das Auto auf den Seitenstreifen der Bundesstra\u00dfe und tippt mit nerv\u00f6sen Fingern die Notrufnummer &#8222;112&#8220; in sein Smartphone. Um 15:39 Uhr klingelt in der Rettungsleitstelle im Marburger Landratsamt das Notruf-Telefon. Jan M\u00f6bius nimmt den Anruf entgegen und stellt routiniert die erforderlichen Fragen.<br \/>\nWo genau ist der Notfallort? Was ist passiert? Schnell wird ihm klar: Das ist kein allt\u00e4glicher Notfall.<br \/>\nAber f\u00fcr solche Ausnahmesituation sind er und seine Kolleginnen und Kollegen ausgebildet. Er fragt weitere Informationen ab, gibt dem werdenden Vater am Telefon wichtige Tipps, wie er die Geburt des Kindes unterst\u00fctzen kann und worauf er achten soll. Parallel dazu alarmiert er um 15:42 Uhr den Rettungsdienst.<br \/>\nEin Rettungswagen der Johanniter startet von der Rettungswache &#8222;Marburg Nord&#8220; am Aff\u00f6ller &#8211; an Bord die Notfallsanit\u00e4terin Isabel Butzbach und ihre Kollegin, Rettungssanit\u00e4terin Elsa Baining. In Lahntal-G\u00f6ttingen startet zeitgleich das Notarzteinsatzfahrzeug. Notarzt Dr. Thomas Werner und Notfallsanit\u00e4ter Jan-Philipp Richter vom DRK Rettungsdienst Mittelhessen haben an diesem Tag Dienst.<br \/>\nM\u00f6bius bleibt die ganze Zeit am Telefon, beruhigt die werdenden Eltern und gibt weitere Tipps und Hinweise. Neben seiner Ausbildung hilft ihm dabei auch, dass er selbst Vater von drei S\u00f6hnen ist und wei\u00df, was jetzt gerade passiert. &#8222;Das war schon ein ganz sch\u00f6ner Trubel am Telefon, ich habe die Wehen der Mutter deutlich geh\u00f6rt&#8220;, berichtet er mit einem Augenzwinkern.<br \/>\nSechs Minuten nach dem Notruf &#8211; genau um 15.45 Uhr und 6 Sekunden &#8211; so ist es im Einsatzprotokoll vermerkt &#8211; meldet sich auch erstmals das Neugeborene zu Wort: Der erste Schrei ist durch das Telefon deutlich zu vernehmen. &#8222;Trotz aller Routine in unserer Arbeit und trotz unterschiedlicher, teils sehr emotionaler Erlebnisse, die wir hier am Notruftelefon immer wieder haben, war das f\u00fcr mich schon ein ganz besonderer Moment&#8220;, erinnert sich der Einsatzbearbeiter..&#8220;Ja, ich war erleichtert, das Kind war auf der Welt und es hat geschrien &#8211; ein gutes Zeichen, und auch der Mutter ging es gut.&#8220;<br \/>\nF\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter trifft dann der Rettungsdienst ein. Felia tat sich zwischenzeitlich noch etwas mit dem Atmen schwer. Die beiden Sanit\u00e4terinnen, die kurz vor dem Notarzt eintreffen, wissen aber, was zu tun ist: &#8222;Als wir ankamen, lag das Baby bereits bei der Mutter auf der Brust und war auch warm zugedeckt. Wir haben das Baby dann manuell ein wenig stimuliert und dann fing die Kleine schnell an, normal zu atmen&#8220;, erz\u00e4hlt Notfallsanit\u00e4terin Isabel Butzbach.<br \/>\nSie erinnert sich noch daran, dass die Eltern trotz der ungew\u00f6hnlichen Situation recht entspannt gewirkt h\u00e4tten. &#8222;Wir haben das Kind dann noch im Auto der Eltern abgenabelt und die Kleine dann mit ihrer Mutter in den Rettungswagen gebracht und dort weiter versorgt&#8220;, berichtet Notarzt Dr. Werner. Als An\u00e4sthesist, also Narkosearzt, arbeitet er auch regelm\u00e4\u00dfig im Krei\u00dfsaal und f\u00e4hrt auch als Notarzt auf dem Baby-Notarztwagen mit, hat also auch Erfahrung mit Neugeborenen.<br \/>\n&#8222;Trotzdem ist das ein Einsatz au\u00dferhalb der Routine&#8220;, erkl\u00e4rt der Mediziner. &#8222;Man hat in diesem Moment ja zwei Patientinnen: die Mutter und das Neugeborene. Die Konzentration ist hoch, man muss vieles gleichzeitig bedenken.&#8220;<br \/>\nNotfallsanit\u00e4ter Jan-Philip Richter wird zwischenzeitlich zum Logistiker des Einsatzes: Mit dem Vater reden, den Transport organisieren und vorbreiten, Kontakt zu Leitstelle halten &#8211; w\u00e4hrend nebenan der Verkehr auf der Bundesstra\u00dfe an den Beteiligten vorbeirauscht. Als Mutter und Kind stabilisiert sind, beginnt nach wenigen Minuten der Transport ins Marburger Universit\u00e4tsklinikum. Im Krei\u00dfsaal werden beide durchgecheckt und kurz darauf kommen sie auf Station. Am Tag darauf kann Vater Florian Hatt beide abholen &#8211; gemeinsam mit den beiden Jungs Lenn Jakob und Elias Matheo &#8211; die beide m\u00e4chtig stolz auf ihre kleine Schwester sind.<br \/>\nDass die Rettungsleitstelle bei Geburten angerufen wird, ist keine Ausnahme. &#8222;Das kommt immer wieder vor&#8220;, wei\u00df Maik Klein. &#8222;Wir wenden dann die von uns entwickelten speziellen Abfrage-Checklisten und Hilfestellungen an und alarmieren parallel den Rettungsdienst und auch eine Hebamme. In den allermeisten F\u00e4llen schaffen wir es auch rechtzeitig ins Krankenhaus. Hin und wieder werden Babys aber auch im Rettungswagen oder noch zu Hause auf die Welt gebracht.&#8220; Klein ist Leiter der Zentralen Leitstelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf.<br \/>\nDie Situation, wie sie am 12. April auf der Bundesstra\u00dfe 3 stattfand, sei aber schon au\u00dfergew\u00f6hnlich gewesen. &#8222;Dieser Einsatz ist ein tolles Beispiel daf\u00fcr, wie alle Teile der Rettungssystems funktionieren &#8211; wie bei einem gut eingestellten Uhrwerk, in dem alle R\u00e4dchen ineinandergreifen&#8220;, betont auch Landrat Jens Womelsdorf und w\u00fcnscht der Familie alles erdenklich Gute.<br \/>\n&#8222;Ich habe mich noch ein paar Tage so gef\u00fchlt, als sei ich von einem Lkw \u00fcberfahren worden&#8220;, erz\u00e4hlt die Mutter Linda Schott von ihrem ungew\u00f6hnlichen Geburtserlebnis und lacht. &#8222;Wir waren aber schnell wieder im Alltag drin. Die Familie ist jetzt zu f\u00fcnft und wir organisieren uns da gut&#8220;, sagt sie.<br \/>\nR\u00fcckblickend sagt Vater Florian Hatt, dass er \u00fcberrascht war, wie ruhig, ja fast abgekl\u00e4rt die Rettungsprofis diese Situation gemeistert haben &#8211; von der Rettungsleitstelle bis hin zu Notarzt und Rettungsdienst. &#8222;Wir m\u00f6chten allen Beteiligten ein riesiges Dankesch\u00f6n aussprechen&#8220;, betonen Florian Hatt und seine Lebensgef\u00e4hrtin Linda Schott.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Bundesstra\u00dfe 3 wurden Leitstelle, Notarzt und Rettungsdienst zu Geburtshelfern. Diese Geschichte hat der Landkreis am Montag (11. 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