{"id":19932,"date":"2026-04-23T16:10:00","date_gmt":"2026-04-23T14:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19932"},"modified":"2026-04-23T16:10:00","modified_gmt":"2026-04-23T14:10:00","slug":"umstuerzlerisch-reform-richtet-sich-gegen-blinde-jugendliche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19932","title":{"rendered":"Umst\u00fcrzlerisch: Reform richtet sich gegen blinde Jugendliche"},"content":{"rendered":"<p>Einen &#8222;Frontalangriff auf die Rechte behinderter Kinder und Jugendlicher&#8220; sieht der DBSV in der anstehenden Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Das hat der Verband am Donnerstag (23. April) erkl\u00e4rt. <!--more--><br \/>\nAnl\u00e4sslich der &#8211; am Montag (27. April) geplanten &#8211; Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung \u00fcbt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) deutliche Kritik an den Pl\u00e4nen des Bundesjugendministeriums f\u00fcr ein Erstes Gesetz zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe (1. KJHSRG). &#8222;Der vorliegende Referentenentwurf ist ein Frontalangriff auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen&#8220;, stellte DBSV-Justiziarin Christiane M\u00f6ller fest. Ein Ziel der Reform ist, Leistungen f\u00fcr junge Menschen mit und ohne Behinderungen bis 2028 unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe im daf\u00fcr vorgesehenen Sozialgesetzbuch, achtes Buch (SGB VIII) zusammenzuf\u00fchren.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich sollte dadurch die UN-Behindertenrechtskonvention besser umgesetzt werden. Das geschah unter dem Stichwort &#8222;Mehr Inklusion&#8220;. Die vorliegende Fassung mit ihrer v\u00f6lligen Neuausrichtung droht aber, das genaue Gegenteil zu bewirken.<br \/>\n&#8222;Kinder und Jugendliche sollen massiven Sozialabbau zu sp\u00fcren bekommen&#8220;, beklagte M\u00f6ller. Aktuell bestehende Rechtsanspr\u00fcche auf individuell notwendige und bedarfsgerechte Leistungen, die f\u00fcr eine gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen unerl\u00e4sslich sind, sollen nur noch in Ausnahmef\u00e4llen greifen. In Kita, Schule und Hochschule sollen stattdessen sogenannte infrastrukturelle Bildungsangebote Vorrang erhalten.<br \/>\n&#8222;Ein Kita- und Bildungssystem, das auch junge Menschen mit Behinderungen uneingeschr\u00e4nkt willkommen hei\u00dft und ihnen eine chancengleiche Teilhabe bietet, wollen auch wir, und zwar schon lange&#8220;, sagte M\u00f6ller. &#8222;Dazu wird es aber nicht kommen, wenn es nur darum geht, mehrere Milliarden Euro einzusparen, indem das Recht auf Assistenz massiv zusammengestrichen wird.&#8220;<br \/>\nDas Gesetz macht keinerlei Vorgaben, welche Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Bedarfsdeckung vor Ort gelten, wie das Infrastrukturangebot aussehen muss und dass das daf\u00fcr erforderliche Geld verl\u00e4sslich bereitzustellen ist. Damit droht Exklusion statt Inklusion. Wieviel Teilhabe ein junger Mensch mit Behinderung erlebt, h\u00e4ngt bereits jetzt stark davon ab, wo in Deutschland er lebt. Nach Einsch\u00e4tzung des DBSV w\u00fcrde sich dieser Trend durch die geplante Reform noch verst\u00e4rken.<br \/>\n&#8222;Die Abh\u00e4ngigkeit einer Leistung von der Kassenlage des regional zust\u00e4ndigen Tr\u00e4gers widerspricht dem Ziel gleichwertiger Lebensverh\u00e4ltnisse und f\u00fchrt faktisch dazu, dass strukturelle Defizite auf dem R\u00fccken der Betroffenen ausgetragen werden&#8220;, erl\u00e4uterte M\u00f6ller. Die Folge ist eine Versch\u00e4rfung sozialer Ungleichheit. Auch die geplanten Regelungen zur &#8222;Kostenheranziehung&#8220; sto\u00dfen auf Ablehnung. Eltern von Kindern mit Behinderungen d\u00fcrften k\u00fcnftig st\u00e4rker finanziell belastet werden &#8211; etwa durch zus\u00e4tzliche Beitr\u00e4ge f\u00fcr Kita oder Schule, die allein auf die Behinderung ihres Kindes zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<br \/>\nKritisch sieht der Verband auch die Regelungen beim \u00dcbergang ins Erwachsenenleben. Ab dem 18. Geburtstag soll in aller Regel der Eingliederungshilfetr\u00e4ger \u00fcbernehmen. Blinden und sehbehinderten jungen Menschen droht damit kurz vor dem Schulabschluss ein Gerangel der Kostentr\u00e4ger. Im schlimmsten Fall wird die bis dahin gezahlte Internatsunterbringung f\u00fcr den Besuch einer Blindenschule nicht fortgesetzt und damit scheitert der Schulabschluss.<br \/>\nWollen junge Menschen mit Behinderungen ihre Rechte einfordern, sollen sie sich k\u00fcnftig nicht mehr an die Sozialgerichte wenden, die f\u00fcr alle anderen behinderungsbedingt notwendigen Leistungen zust\u00e4ndig sind. Stattdessen werden sie an die Verwaltungsgerichte verwiesen, deren Anforderungen f\u00fcr die Rechtsdurchsetzung wesentlich h\u00f6her sind.<br \/>\nDer DBSV bef\u00fcrchtet zudem, dass die relativ kleine Gruppe junger Menschen, die von Seheinschr\u00e4nkung betroffen sind, in den Jugend\u00e4mtern unter die R\u00e4der kommt. Den Jugend\u00e4mtern fehlen erstens die entsprechenden Netzwerke und zweitens Konzepte, wie die n\u00f6tige Kompetenz zu den F\u00f6rderbed\u00fcrfnissen von sehbehinderten, blinden oder taubblinden Kindern in Windeseile aufgebaut und trotz kleiner Fallzahlen erhalten werden kann. Im Gesetzentwurf fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass diese Problematik erkannt, geschweige denn angegangen wurde.<br \/>\nDer DBSV fordert daher eine grundlegende \u00dcberarbeitung des Referentenentwurfs. Ma\u00dfgabe muss sein, die individuellen Teilhabeanspr\u00fcche junger Menschen mit Behinderungen uneingeschr\u00e4nkt zu erhalten und auszubauen. Eine zukunftsf\u00e4hige Kinder- und Jugendhilfe darf nicht an der falschen Stelle sparen. Sie muss sich daran messen lassen, ob sie allen jungen Menschen echte Chancengleichheit erm\u00f6glicht. Die umfassende Stellungnahme des Verbandes finden Interessierte unter <a href=\"https:\/\/www.dbsv.org\/stellungnahme\/dbsv-stellungnahme-refe-1-kjhsrg.html\">www.dbsv.org\/stellungnahme\/dbsv-stellungnahme-refe-1-kjhsrg.html<\/a>.<\/p>\n<p>* pm: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen &#8222;Frontalangriff auf die Rechte behinderter Kinder und Jugendlicher&#8220; sieht der DBSV in der anstehenden Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Das hat der Verband am Donnerstag (23. 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Er bef\u00fcrchtet massive Nachteile f\u00fcr blinde Kinder. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) kritisiert drohende Verschlechterungen f\u00fcr Kinder und Jugendliche mit Sinnesbehinderungen. Das Gesetzesvorhaben werde von der \u00d6ffentlichkeit\u2026","rel":"","context":"In &quot;Soziales&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":12270,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=12270","url_meta":{"origin":19932,"position":1},"title":"Leicht gef\u00f6rdert: Inklusive Kinder- und Jugendarbeit in Hessen","date":"31. M\u00e4rz 2023","format":false,"excerpt":"Mit 130.000 Euro f\u00f6rdert das Land die inklusive Ausrichtung mehrerer Projekte der Kinder- und Jugendhilfe. Darunter sind auch Vorhaben in Marburg. Mit dem 2021 in Kraft getretenen Kinder- und Jugendst\u00e4rkungsgesetz wurde das Ziel der inklusiven Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe im Sozialgesetzbuch VIII verankert. 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