{"id":19708,"date":"2026-03-13T17:40:00","date_gmt":"2026-03-13T16:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19708"},"modified":"2026-03-13T17:40:00","modified_gmt":"2026-03-13T16:40:00","slug":"dialekterfassung-durchwenker-boegen-150-jahre-forschungszentrum-deutscher-sprachatlas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19708","title":{"rendered":"Dialekterfassung durchWenker-B\u00f6gen: 150 Jahre Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas"},"content":{"rendered":"<p>Die Philipps-Universit\u00e4t feiert &#8222;150 Jahre Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas&#8220;. Sie dokumentiert seine Geschichte von &#8222;Wenker-B\u00f6gen&#8220; bis zu Dialekterkennung mit KI. <!--more--><br \/>\nSeit 150 Jahren ist Marburg das Zentrum f\u00fcr die Erforschung deutscher Dialekte und Regionalsprachen. Am Anfang stand ein Mann mit einer Vision: Der Sprachwissenschaftler und Bibliothekar Georg Wenker wollte die Dialektvielfalt Deutschlands abbilden.<br \/>\nDazu verschickte er an die Schulen im gesamten Land standardisierte B\u00f6gen mit 40 S\u00e4tzen. Diese sogenannten &#8222;Wenker-B\u00f6gen sollten im jeweiligen Dialekt wiedergegeben und zur\u00fcckgeschickt werden. Das Ergebnis war die bis heute gr\u00f6\u00dfte fl\u00e4chendeckende Erhebung regionalsprachlicher Variation des Deutschen.<br \/>\n150 Jahre sp\u00e4ter arbeitet das &#8222;Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas&#8220; mit moderneren Methoden. Im Forschungsbau im Herzen Marburgs werden zwar auch zahlreiche analoge und digitale Zeugnisse von Dialekten dokumentiert. Im Zentrum steht aber Forschung. Und die reicht von linguistischer Grundlagenforschung zur Sprachkognition \u00fcber Spracherwerbsforschung mittels Eye-Tracking bis zu KI-gest\u00fctzten Methoden zu Spracherkennung bei Dialekten und Regionalsprachen. Die wissenschaftliche Arbeit im Sprachatlas braucht deshalb heute Labore ebenso wie historische Sprachdaten.<br \/>\n&#8222;Der Deutsche Sprachatlas steht seit 150 Jahren exemplarisch f\u00fcr die Verbindung von wissenschaftlicher Neugier, gesellschaftlicher Relevanz und methodischer Innovation&#8220;, erkl\u00e4rte Uni-Vizepr\u00e4sidentin Prof. Dr. Evelyn Korn. &#8222;Diese einzigartige Einrichtung unterstreicht die besondere Bedeutung der Sprachwissenschaft f\u00fcr die Universit\u00e4t Marburg.&#8220;<br \/>\nEnde M\u00e4rz feiert der Sprachatlas mit einer gro\u00dfen Tagung sein 150-j\u00e4hriges Bestehen. Auch dort steht die Zukunft im Mittelpunkt. &#8222;Dialekt 3.0 &#8211; Die Zukunft der Regionalsprache&#8220; ist der Titel der dreit\u00e4gigen Veranstaltung vom 25. bis 27. M\u00e4rz 2026. Die Tagung will Zukunftsperspektiven von Regionalsprache mit Expert*innen etwa aus Neuro-, System- und Pragmalinguistik sowie der Computerwissenschaften in einem interdisziplin\u00e4ren Forum ausloten.<br \/>\n&#8222;Wir gehen davon aus, dass Regionalsprache nicht nur sozialen Wandel abbildet, sondern zunehmend auch durch technologische Prozesse gepr\u00e4gt wird, etwa durch soziale Netzwerke oder ihre Verarbeitung in KI-Anwendungen&#8220;, erl\u00e4uterte die Mitorganisatorin Dr. Brigitte Ganswindt den Inhalt der Tagung. &#8222;Der Begriff Dialekt 3.0 steht f\u00fcr eine dritte Phase regionaler Sprachlichkeit; \u00fcber die traditionellen Dialekte (1.0) und die j\u00fcngeren Regiolekte (2.0) hinaus r\u00fcckt die digital und medial gepr\u00e4gte Zukunft regionaler Ausdrucksformen in den Fokus.&#8220;<br \/>\nZum Gl\u00fcck habe sich das Image des Dialekts und der Regionalsprachen in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. In den 60er und 70er Jahren haftete Dialekten h\u00e4ufig das Vorurteil der Bildungsferne an. Wer etwas erreichen wollte, sollte Hochdeutsch sprechen. Das habe zu einem regelrechten Einbruch des Dialektsprechens gef\u00fchrt.<br \/>\nGanz verschwunden sind die Vorurteile noch nicht. Noch immer komme es vor, dass Dialekt sprechenden Kindern f\u00e4lschlich Logop\u00e4die gegen Aussprachest\u00f6rungen verordnet werde, wenn regionale Merkmale in der Aussprache von der Standardsprache abweichen. &#8222;Normdaten f\u00fcr Sprachentwicklung liegen nur f\u00fcr die Standardsprache vor, nicht f\u00fcr Dialekte und Regionalsprachen&#8220;, erkl\u00e4rte Ganswindt.<br \/>\nAm Mittwoch (25. M\u00e4rz) wird sein Direktor Prof. Dr. Alfred Lameli um 18 Uhr im Sprachatlas einen \u00f6ffentlichen Abendvortrag zum Thema &#8222;150 Jahre Zukunft am Deutschen Sprachatlas&#8220; halten. In den 150 Jahren seit der Gr\u00fcndung des Sprachatlas haben sich Standardsprache ebenso wie Dialekte ver\u00e4ndert. &#8222;Ver\u00e4nderung und Wandel sind nicht gleichbedeutend mit Verlust&#8220;, betonte Lameli.<br \/>\nDer Direktor des Forschungszentrums wirbt f\u00fcr einen zeitgem\u00e4\u00dfen Dialektbegriff: &#8222;Die Analyse und Erschlie\u00dfung regionaler Sprachformen ist eine zentrale Grundlage, um die Struktur und Dynamik sprachlicher Systeme zu verstehen. Deshalb untersuchen wir Dialekte nicht nur historisch und regional, sondern auch als Teil komplexer Sprachsysteme, die sich st\u00e4ndig weiterentwickeln. Am Deutschen Sprachatlas verbinden wir einzigartige Sprachdatenbest\u00e4nde mit Methoden der modernen Systemlinguistik sowie digitalen und KI-gest\u00fctzten Verfahren und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur zuk\u00fcnftigen Erforschung regionaler Sprachvariation.&#8220;<br \/>\nAm Donnerstag (26. M\u00e4rz) wird im Zuge der Jubil\u00e4umstagung eine Ausstellung zum Thema &#8222;Typisch Hessisch &#8211; Dialekte als kulturelles Ged\u00e4chtnis&#8220; er\u00f6ffnet. Im Mittelpunkt stehen hessische Dialekte und ihre Bedeutung f\u00fcr regionale Identit\u00e4t und kulturelles Erbe. Besucherinnen und Besucher k\u00f6nnen erleben, was &#8222;Typisch Hessisch&#8220; ist, wie Dialekte im Alltag klingen und welche Rolle sie heute noch spielen.<br \/>\nAnhand von Originalaufnahmen, historischen Karten und interaktiven Stationen wird erlebbar, wie sich Aussprache, Wortschatz und Grammatik regional unterscheiden. Zugleich zeigt die Ausstellung leicht verst\u00e4ndlich, wie sich linguistische Methoden zur Dokumentation und Erforschung lebendiger Dialektlandschaften im Laufe der Zeit wandeln. Die Ausstellung wird am Donnerstag (26. M\u00e4rz) um 18:30 Uhr er\u00f6ffnet und wird bis zum 1. April 2026 im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas zu sehen sein. Im Anschluss wird sie als Wander-Ausstellung an verschiedenen Orten Hessens &#8211; insbesondere im l\u00e4ndlichen Raum &#8211; zu sehen sein. Wer die Ausstellung zeigen m\u00f6chte, kann den Sprachatlas direkt per Mail kontaktieren unter public@sprachatlas.de.<br \/>\nDas &#8222;Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas&#8220; (DSA) an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg wurde 1876 gegr\u00fcndet. Es ist eine der traditionsreichsten Einrichtungen zur Erforschung des Deutschen. Es widmet sich der Erforschung und Dokumentation sprachgeographischer Vielfalt, insbesondere regionaler Variet\u00e4ten (Dialekte und regionaler Akzente) sowie der historischen Entwicklung des Deutschen. Seine Aufgaben umfassen die systematische Erhebung, Archivierung und digitale Bereitstellung umfangreicher Sprachdatenbest\u00e4nde. Darunter sind Dokumentationen von \u00fcber 55.000 Ortschaften in allen deutschsprachigen L\u00e4ndern. Daneben wird am DSA das Hessen-Nassauische W\u00f6rterbuch bearbeitet.<br \/>\nDas Zentrum f\u00f6rdert interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit, den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Schnittstelle zur au\u00dferuniversit\u00e4ren \u00d6ffentlichkeit. Insgesamt arbeiten am DSA circa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Jubil\u00e4umstagung und die Ausstellung finden im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas am Pilgrimstein statt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Philipps-Universit\u00e4t feiert &#8222;150 Jahre Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas&#8220;. Sie dokumentiert seine Geschichte von &#8222;Wenker-B\u00f6gen&#8220; bis zu Dialekterkennung mit KI.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,3],"tags":[3659,26,3056],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-57S","jetpack-related-posts":[{"id":8620,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=8620","url_meta":{"origin":19708,"position":0},"title":"Neue Professur: Hanna Fischer beim Deutschen Sprachatlas","date":"21. Januar 2022","format":false,"excerpt":"Die Sprachwissenschaftlerin Hanna Fischer tritt eine Akademieprofessur in Marburg an. Ihre Stelle ist am \"Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas\" angesiedelt. Prof. Dr. Hanna Fischer ist zum 15. Januar 2022 auf eine Akademie-Forschungsprofessur f\u00fcr \"Variation und Wandel des Deutschen\" berufen worden. Die Professur wurde von der Philipps-Universit\u00e4t und der Akademie der Wissenschaften und\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":19624,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=19624","url_meta":{"origin":19708,"position":1},"title":"Im Dialekt m\u00f6glich: KI soll auch Regionalsprachen lernen","date":"26. Februar 2026","format":false,"excerpt":"Regionalsprachen sind \"blinde Flecken\" in der Spracherkennung. Marburger Forscher untersuchen aber bereits, wie die \"KI\" Dialekte lernen kann. Wer schon mal in der telefonischen Warteschleife mit der KI Schw\u00e4bisch gesprochen hat oder Bairisch, der wei\u00df: Die Aussicht auf Erfolg ist gering. Das konstatieren rund 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":17646,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=17646","url_meta":{"origin":19708,"position":2},"title":"Auszeichnen: Toke Hoffmeister erh\u00e4lt Hugo-Moser-Preis","date":"11. M\u00e4rz 2025","format":false,"excerpt":"Den Hugo-Moser-Preis 2025 erh\u00e4lt der Marburger Sprachwissenschaftler Dr. Toke Hoffmeister. Im Fokus seiner Forschung stehen Sprachvariation und das menschliche Gehirn. Der Sprachwissenschaftler Dr. Toke Hoffmeister wird mit dem renommierten Hugo-Moser-Preis 2025 ausgezeichnet. Der mit 7.500 Euro dotierte F\u00f6rderpreis f\u00fcr germanistische Sprachwissenschaft wird am Mittwoch (12. M\u00e4rz) auf der 61. Jahrestagung\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":9103,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=9103","url_meta":{"origin":19708,"position":3},"title":"Ausgestellt: Fotobus und Frauenbilder zum Stadtjubil\u00e4um","date":"28. M\u00e4rz 2022","format":false,"excerpt":"Mit mehreren Veranstaltungen feiert Marburg ab Montag (28. M\u00e4rz) sein 800. Stadtjubil\u00e4um. Zwei gro\u00dfe Foto-Projekte sind von Beginn an dabei. Der Marburg800-Fotobus f\u00fcr alle Stadtteile l\u00e4dt am Montag (28. M\u00e4rz) ab 15 Uhr vor das Erwin-Piscator-Haus (EPH) zu Mitmachaktionen ein. Die Ausstellung \u201eFrau sein in Marburg\u201c der Fotografin Anna Scheidemann\u2026","rel":"","context":"In &quot;Kultur&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":17466,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=17466","url_meta":{"origin":19708,"position":4},"title":"F\u00fcr Intelligenz: Abschluss-Symposium des Marburg Moduls","date":"7. Februar 2025","format":false,"excerpt":"Alltagstaugliche Ideen aus der Welt der Wissenschaft werden am Donnerstag (13. Februar) vorgestellt. Studierende pr\u00e4sentieren dann praktische L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr gesellschaftliche Herausforderungen. Alltagsnahe Antworten und praktische L\u00f6sungen f\u00fcr aktuelle Fragen und Herausforderungen pr\u00e4sentieren Studierende beim Abschluss-Symposium des \"Marburg Moduls\" am Donnerstag (13. Februar) ab 18 Uhr im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas am\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":11724,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=11724","url_meta":{"origin":19708,"position":5},"title":"Kinderrechte gesch\u00fctzt: Prisca Priebe erhielt Historisches Stadtsiegel","date":"20. Januar 2023","format":false,"excerpt":"Die Marburger Unicef-Leiterin Prisca Priebe hat das Historische Stadtsiegel erhalten. 30 Jahre lang war sie im Einsatz f\u00fcr Kinderrechte. 30 Jahre lang hat sich Prisca Priebe in der Unicef-Gruppe in Marburg eingesetzt. 21 davon war sie dort als Leitung aktiv. Am Donnerstag (19. Januar) hat Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies sie\u2026","rel":"","context":"In &quot;Kultur&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19708"}],"collection":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19708\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}