{"id":19662,"date":"2026-03-05T18:40:00","date_gmt":"2026-03-05T17:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19662"},"modified":"2026-03-05T18:40:00","modified_gmt":"2026-03-05T17:40:00","slug":"fuer-frauen-susanne-selbert-sprach-im-kreishaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19662","title":{"rendered":"F\u00fcr Frauen: Susanne Selbert sprach im Kreishaus"},"content":{"rendered":"<p>Susanne Selbert ist Enkelin einer der Frauen, die Demokratie gepr\u00e4gt haben. Zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung &#8222;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8220; sprach sie am Freitag (13. Februar) im Landratsamt. <!--more--><br \/>\nNoch bis einschlie\u00dflich Freitag (13. M\u00e4rz) ist im Foyer des Marburger Kreishauses (Im Lichtenholz 60) die Plakat-Ausstellung &#8222;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8220; zu sehen. Sie w\u00fcrdigt den Einsatz von Frauen, die ma\u00dfgeblich an der Entstehung des Grundgesetzes beteiligt waren. Anl\u00e4sslich der Ausstellung sprach Susanne Selbert als Enkelin von Elisabeth Selbert &#8211; einer der &#8222;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8220; &#8211; im Kreishaus \u00fcber das Wirken ihrer Gro\u00dfmutter.<\/p>\n<p>&#8222;Ich freue mich, dass wir die Wanderausstellung in das Kreishaus holen konnten&#8220;, betonte Landrat Jens Womelsdorf. &#8222;Gerade, weil es auch um Demokratie geht &#8211; das ist insbesondere vor den <a href=\"http:\/\/wahl.marburgviews.de\">anstehenden Kommunalwahlen<\/a> nat\u00fcrlich passend und ein wichtiges Zeichen.&#8220;<br \/>\nAuch wenn das Grundgesetz in Artikel drei die Gleichbehandlung und -berechtigung von Mann und Frau festgelegt habe, m\u00fcsse f\u00fcr die tats\u00e4chliche Umsetzung im Alltag in vielerlei Hinsicht jedoch bis heute gek\u00e4mpft werden. Das gelte beispielsweise bei der Arbeitsaufteilung im Hinblick auf die sogenannte &#8222;Care-Arbeit&#8220; wie unbezahlte Hausarbeit und Kindererziehung. &#8222;Gleichstellung bleibt deshalb eine Daueraufgabe&#8220;, machte Womelsdorf deutlich.<br \/>\nDass sich in den vergangenen Jahren allerdings auch schon einiges hinsichtlich Gleichberechtigung getan hat, zeigte Leonie Behn-Salzmann vom Kommunalen Frauen- und Gleichstellungsb\u00fcro des Landkreises auf. Im Mai 1986 habe der Kreistag einen Beschluss f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines Gleichstellungsb\u00fcros gefasst, damals seien 12 Prozent der Kreistagsmitglieder weiblich gewesen. Inzwischen seien es \u00fcber 30 Prozent.<br \/>\nAuch auf das Amt der B\u00fcrgermeisterinnen und B\u00fcrgermeister ging sie ein: W\u00e4hrend der Frauenanteil dort bundesweit bei 11 Prozent liege, seien es in Marburg-Biedenkopf schon 18 Prozent. &#8222;Die Zahlen zeigen, das schon was geschafft wurde&#8220;, sagte Behn-Salzmann. Gleichzeitig gelte es, den Weg f\u00fcr mehr Frauen in der Politik konsequent weiterzugehen.<br \/>\nWie steinig der Weg f\u00fcr Frauen gerade auch im Hinblick auf berufliche Gleichstellung in den vergangenen Jahrzehnten war, schilderte Susanne Selbert am Beispiel der Erfahrungen ihrer Gro\u00dfmutter Elisabeth: So konnte Elisabeth Selbert als M\u00e4dchen beispielsweise an der Mittelschule die Mittlere Reife nicht ablegen und bekam lediglich eine Teilnahmebescheinigung. Das hielt die junge Frau jedoch nicht davon ab, sich weiter zu bilden. Stattdessen sei umso mehr ihr Ehrgeiz geweckt worden.<br \/>\nSchlie\u00dflich studierte sie Mitte der 1920er Jahre Jura an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg sowie in G\u00f6ttingen jeweils mit einem deutlich h\u00f6heren M\u00e4nneranteil. Bei manchen Themen &#8211; insbesondere Sexualdelikten &#8211;<br \/>\nseien die Frauen jedoch auch mal aus dem Raum gebeten worden, weil sich m\u00e4nnliche Professoren au\u00dfer Stande sahen, \u00fcber solche Themen vor Frauen zu reden. Als Juristin setze sich Elisabeth Selbert schon in den 30er Jahren daf\u00fcr ein, die Ehezerr\u00fcttung als Scheidungsgrund anzuerkennen.<br \/>\nDenn sogar noch bis Ende der 70er Jahre galt das sogenannte &#8222;Schuldprinzip&#8220;: eine Ehe konnte demnach nur geschieden werden, wenn ein Ehegatte &#8222;schuldig&#8220; an der Zerr\u00fcttung der Ehe war, beispielsweise durch Ehebruch. Insbesondere f\u00fcr Frauen bedeutete das Gesetz nach einer Scheidung erhebliche Nachteile, etwa beim Unterhalt.<br \/>\nDer Gleichberechtigungsgrundsatz war dann wiederum einer der Pfeiler, um dieses Schuldprinzip abzuschaffen. Die Aufnahme dieses Grundsatzes in den Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz erarbeitete, habe Elisabeth Selbert sp\u00e4ter als eine &#8222;Sternstunde ihres Lebens&#8220; bezeichnet. Zudem verf\u00fcgte der Mann damals in vielen Dingen \u00fcber das letzte Entscheidungsrecht in zentralen Angelegenheiten: Vom Verm\u00f6gen \u00fcber das Arbeitsverh\u00e4ltnis der Frau bis hin zur Einwilligung, dass die Frau einen F\u00fchrerschein machen kann.<br \/>\nSusanne Selbert betonte, dass die strafrechtliche Gleichstellung der Vergewaltigung in der Ehe mit der au\u00dferehelichen Vergewaltigung Ende der 90er Jahre einen bedeutenden Schritt hin zur rechtlichen Gleichberechtigung von M\u00e4nnern und Frauen darstellte, da eheliche Vergewaltigung zuvor im juristischen Sinne nicht als solche anerkannt war. Sie machte aber auch deutlich: &#8222;Von der tats\u00e4chlichen Gleichstellung sind wir noch immer ein gutes St\u00fcck entfernt. Elisabeth Selbert w\u00e4re deshalb im Hinblick auf heute nur halb zufrieden. Seien wir weiter hartn\u00e4ckig f\u00fcr eine gerechte Zukunft.&#8220;<br \/>\nElisabeth Selbert wurde 1896 in Kassel geboren, dort starb sie auch im Jahr 1986. Auf eine Frage aus dem Plenum, was Elisabeth Selbert Frauen wohl heute raten w\u00fcrde, antwortete Susanne Selbert: &#8222;Sie w\u00fcrde Frauen, insbesondere jungen Frauen, raten, in die Politik, in die Parlamente zu gehen.&#8220; Denn damals wie heute sei noch viel zu tun f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Frauenanteil in der Politik.<br \/>\nMusikalisch begleitet hat die Veranstaltung der Kirchen- und Frauenchor Rauschenberg. Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei. Sie kann zu den \u00d6ffnungszeiten der Verwaltung montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 14 Uhr besichtigt werden. Auf 17 Plakaten stellt die Ausstellung die Frauen in den Mittelpunkt, die entscheidend an der Gestaltung des Grundgesetzes mitgewirkt und sich mit gro\u00dfem politischem Engagement f\u00fcr die Verankerung der Gleichberechtigung eingesetzt haben. Ihre Arbeit hat die Grundlage f\u00fcr demokratische Teilhabe und Gleichstellung geschaffen &#8211; und erinnert zugleich daran, wie wichtig weibliche Stimmen in politischen Entscheidungsprozessen auch heute noch sind. Im Parlamentarischen Rat 1948\/49 erk\u00e4mpften vier Frauen &#8211; Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel &#8211; die Aufnahme des verfassungsrechtlichen Gleichberechtigungssatzes in das Grundgesetz.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Susanne Selbert ist Enkelin einer der Frauen, die Demokratie gepr\u00e4gt haben. Zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung &#8222;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8220; sprach sie am Freitag (13. 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