{"id":19624,"date":"2026-02-26T17:56:20","date_gmt":"2026-02-26T16:56:20","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19624"},"modified":"2026-02-26T17:56:20","modified_gmt":"2026-02-26T16:56:20","slug":"im-dialekt-moeglich-ki-soll-auch-regionalsprachen-lernen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19624","title":{"rendered":"Im Dialekt m\u00f6glich: KI soll auch Regionalsprachen lernen"},"content":{"rendered":"<p>Regionalsprachen sind &#8222;blinde Flecken&#8220; in der Spracherkennung. Marburger Forscher untersuchen aber bereits, wie die &#8222;KI&#8220; Dialekte lernen kann. <!--more--><br \/>\nWer schon mal in der telefonischen Warteschleife mit der KI Schw\u00e4bisch gesprochen hat oder Bairisch, der wei\u00df: Die Aussicht auf Erfolg ist gering. Das konstatieren rund 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben L\u00e4ndern unter Federf\u00fchrung des &#8222;Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas&#8220; (DSA) an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg in einem Positionspapier zur &#8222;Zukunft der Regionalsprachenforschung&#8220;. Denn Sprachmodelle werden nur mit Texten und Aufnahmen in Standardsprache trainiert.<br \/>\nDie Folge ist eindeutig: Dialekte und Regionalsprachen sind im digitalen Raum weitgehend unsichtbar. Um das zu \u00e4ndern haben die Autor*innen aus den Forschungsbereichen Regionalsprachenforschung, Computerlinguistik und KI-Forschung das &#8222;Netzwerk Regionale Sprache und K\u00fcnstliche Intelligenz&#8220; gegr\u00fcndet. Sie wollen die Potenziale von KI nutzen, die kulturelle Vielfalt abbilden und die digitale Transformation gestalten.<br \/>\n&#8222;Dialekte sind kein Randph\u00e4nomen&#8220;, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Alfred Lameli. &#8222;Sie sind Tr\u00e4ger kultureller Identit\u00e4t und Ausdruck regionaler Zugeh\u00f6rigkeit f\u00fcr Millionen von Menschen. Wenn KI-Systeme diese sprachliche Vielfalt nicht erkennen, nicht analysieren und nicht authentisch abbilden k\u00f6nnen, dann bleibt ein zentraler Teil unseres kulturellen Erbes im digitalen Raum schlicht unsichtbar. Wir haben als Regionalsprachenforschung die Expertise, das zu \u00e4ndern &#8211; aber wir brauchen daf\u00fcr bessere Daten, mehr Kooperation mit der KI-Forschung und F\u00f6rderstrukturen, die langfristig angelegt sind.&#8220;<br \/>\nLameli ist der Direktor des Sprachatlas. F\u00fcr die Regionalsprachenforschung ergebe sich durch die rapide Entwicklung der KI-Technologie der letzten Jahre ein gro\u00dfes Innovationspotenzial. Zugleich komme dem Fach hinsichtlich der Repr\u00e4sentation regionaler Sprache im digitalen Raum eine besondere Verantwortung zu. Denn Ziel sei, dass alle Menschen von digitalen Diensten und Dialogsystemen gleichbehandelt werden.<br \/>\nDerzeit werden \u00e4ltere Menschen, die im Alltag Dialekt sprechen, oder Bewohner*innen l\u00e4ndlicher Regionen schlechter bedient als Menschen, die Hochsprache sprechen. &#8222;Das ist mehr als eine Unannehmlichkeit&#8220;, , betonte Lameli. &#8222;Es ist eine Frage gesellschaftlicher Teilhabe und kultureller Identit\u00e4t.&#8220;<br \/>\nDamit Sprachmodelle Dialekte und Regionalsprachen gut verarbeiten k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Daten standardisiert und digitalisiert vorliegen. Und da liegt nach Auffassung der Autor*innen das gr\u00f6\u00dfte Problem: Zwar gibt es sehr viele Daten auch in internationalen Kontexten. Es fehlt aber an ausreichend gro\u00dfen Mengen an Daten, die rechtssicher zug\u00e4nglich und nutzbar sind und in hoher Qualit\u00e4t aufbereitet wurden.<br \/>\nNotwendig ist eine einheitliche Digitalisierung nach den sogenannten &#8222;FAIR-Prinzipien&#8220; Findable (auffindbar), Accessible (zug\u00e4nglich), Interoperable (interoperabel) und Reusable (wiederverwendbar). Dazu geh\u00f6ren eine systematische Sammlung gesprochener Alltagssprache, umfassende Erschlie\u00dfung der Metadaten, offene Lizenzierung und auch die Aufbereitung historischer Best\u00e4nde.<br \/>\n&#8222;Ein Ziel k\u00f6nnte ein \u00dcbersetzungstool f\u00fcr Dialekte sein&#8220;, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Hanna Fischer. &#8222;Damit k\u00f6nnte es m\u00f6glich werden, Dialekte in Sprachinseln zu erhalten und neu sichtbar werden zu lassen. F\u00fcr das Training eines solchen Modells k\u00f6nnte der Datenbestand des Deutschen Sprachatlas eine entscheidende Grundlage bilden. Doch daf\u00fcr m\u00fcssen die vorhandenen Daten erst fit f\u00fcr die KI gemacht werden&#8220;, erl\u00e4uterte die stellvertretende DSA-Direktorin.<br \/>\nDas &#8222;Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg, das in diesem Jahr sein 150-j\u00e4hriges Bestehen feiert, fungiert als Kontakt- und Koordinationsstelle des neu gegr\u00fcndeten Netzwerks. Mit einem der weltweit gr\u00f6\u00dften Best\u00e4nde an regionalen Sprachdaten des Deutschen nimmt Marburg eine Schl\u00fcsselrolle dabei ein, wie diese einzigartigen Ressourcen f\u00fcr das KI-Zeitalter erschlossen werden k\u00f6nnen. Das Netzwerk wurde bei einem interdisziplin\u00e4ren Scoping-Workshop gegr\u00fcndet, der von der VolkswagenStiftung unterst\u00fctzt wurde. Geleitet wurde der Workshop vom Deutschen Sprachatlas unter der Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Hanna Fischer und Prof. Dr. Alfred Lameli. Aus Marburg war zudem der KI-Forscher Prof. Dr. Daniel Braun beteiligt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regionalsprachen sind &#8222;blinde Flecken&#8220; in der Spracherkennung. Marburger Forscher untersuchen aber bereits, wie die &#8222;KI&#8220; Dialekte lernen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,4],"tags":[3659,1341,7388],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-56w","jetpack-related-posts":[{"id":19708,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=19708","url_meta":{"origin":19624,"position":0},"title":"Dialekterfassung durchWenker-B\u00f6gen: 150 Jahre Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas","date":"13. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"Die Philipps-Universit\u00e4t feiert \"150 Jahre Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas\". 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