{"id":19475,"date":"2026-02-06T10:10:00","date_gmt":"2026-02-06T09:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19475"},"modified":"2026-02-06T10:10:00","modified_gmt":"2026-02-06T09:10:00","slug":"weniger-tierversuche-leuchtendes-blut-fuer-tumortests","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19475","title":{"rendered":"Weniger Tierversuche: Leuchtendes Blut f\u00fcr Tumortests"},"content":{"rendered":"<p>Eine Methode zur pr\u00e4zisen Tumor\u00fcberwachung im Mausmodell haben Forschende der Philipps-Universit\u00e4t entwickelt. Der neue Bluttest erm\u00f6glicht tierfreundlichere Krebsforschung. <!--more--><br \/>\nEin Forschungsteam der Philipps-Universit\u00e4t Marburg hat einen neuen Ansatz entwickelt, mit dem sich Tumorwachstum in Mausmodellen besonders schonend \u00fcberwachen l\u00e4sst. Statt auf aufwendige bildgebende Verfahren zu setzen, messen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmte Enzyme direkt im Blut der Tiere und k\u00f6nnen so die Tumorlast pr\u00e4zise verfolgen. Die Methode reduziert Stress und Belastung f\u00fcr die Tiere deutlich und folgt konsequent dem sogenannten &#8222;3R-Prinzip&#8220; f\u00fcr verantwortungsvolle Tierversuche. Um die Anwendung durch andere Teams zu erm\u00f6glichen, haben die Tumorbiologinnen Dr. Nastasja Merle und Imke Bullwinkel aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thorsten Stiewe vom Institut f\u00fcr Molekulare Onkologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg nun eine detaillierte Anleitung im renommierten Fachmagazin &#8222;Nature Protocols&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nie Methode ist f\u00fcr verschiedene Krebsarten geeignet und kann sowohl bei transplantierten Tumoren als auch bei Tumoren angewandt werden, die sich direkt im Tier entwickeln, etwa in inneren Organen wie der Lunge oder der Bauchspeicheldr\u00fcse. Obwohl viele Fragestellungen heute mit Hilfe von Zellkulturen untersucht werden k\u00f6nnen, sind Tierversuche in der Krebsforschung weiterhin unverzichtbar &#8211; beispielsweise um fr\u00fche Tumorstadien oder das Zusammenspiel von Tumor und Immunsystem zu verstehen. &#8222;Umso wichtiger ist es, diese Versuche stetig zu verbessern und Tierleid im Sinne des 3R-Prinzips zu reduzieren, zu verfeinern und &#8211; wo m\u00f6glich &#8211; zu ersetzen&#8220;, ordnete Stiewe ein.<br \/>\n&#8222;Die hier vorgestellte Methode zeigt eindrucksvoll, dass exzellente Forschung und hohe ethische Standards kein Widerspruch sind&#8220;, sagte Uni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange. &#8222;Indem Belastungen f\u00fcr die Tiere reduziert und gleichzeitig aussagekr\u00e4ftige Daten gewonnen werden, setzt diese Arbeit wichtige Impulse f\u00fcr eine verantwortungsvolle biomedizinische Forschung.&#8220;<br \/>\nKern der Methode ist die Markierung von Tumorzellen mit sogenannten &#8222;sekretierten Luciferasen&#8220;. Das sind leuchtf\u00e4hige Enzyme, die bestimmte Molek\u00fcle in Lichtsignale umwandeln k\u00f6nnen und so zum Beispiel f\u00fcr das Leuchten von Gl\u00fchw\u00fcrmchen verantwortlich sind. Diese Luciferasen werden von den Tumorzellen ins Blut abgegeben, wobei ihre Konzentration das Tumorwachstum widerspiegelt.<br \/>\nJe gr\u00f6\u00dfer der Tumor wird, desto st\u00e4rkere Lichtsignale lassen sich im Blut messen. Durch die Entnahme kleiner Blutmengen k\u00f6nnen Forschende das Tumorwachstum \u00fcber Wochen oder Monate hinweg verfolgen &#8211; ganz ohne bildgebende Verfahren, f\u00fcr die eine belastende Narkose notwendig w\u00e4re. Zudem lassen sich unterschiedliche Tumorzelltypen mit verschiedenen Luciferasen markieren, sodass mehrere Tumorarten innerhalb eines einzigen Tieres vergleichend untersucht werden k\u00f6nnen. Die Methode tr\u00e4gt somit zur Verbesserung der Versuchsbedingungen f\u00fcr die Tiere (Refine) und zur Verringerung der Tieranzahl (Reduce) bei.<br \/>\nDas Luciferase-System wurde \u00fcber einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren in der Arbeitsgruppe von Stiewe kontinuierlich entwickelt und optimiert. Zahlreiche Wissenschaftler*innen haben zu seiner Weiterentwicklung beigetragen. Die nun ver\u00f6ffentlichte Arbeit fasst die Methode erstmals systematisch zusammen und stellt sie in Form eines detaillierten Protokolls anderen Forschungsteams zur Verf\u00fcgung.<br \/>\n&#8222;Wir erhoffen uns von der Ver\u00f6ffentlichung dieses Protokolls, dass die Methode breitere Bekanntheit erf\u00e4hrt, von anderen Wissenschaftler*innen angewandt wird und so zu einer Verbesserung der Tierversuche in der Krebsforschung im Sinne des 3R Prinzips beitr\u00e4gt&#8220;, kommentierten die Erstautorinnen Dr. Nastasja Merle und Imke Bullwinkel. Das Verfahren ist breit einsetzbar und l\u00e4sst sich mit unterschiedlichen Mausmodellen und Fragestellungen in der Krebsforschung kombinieren &#8211; von der Grundlagenforschung bis zur Testung neuer Therapien. Die Forschenden hoffen, dass die Methode k\u00fcnftig in vielen Laboren weltweit Anwendung findet und so zu einer besseren Vergleichbarkeit pr\u00e4klinischer Studien beitr\u00e4gt. Langfristig k\u00f6nnte sie helfen, neue Krebsmedikamente effizienter und zugleich tierfreundlicher zu entwickeln.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Methode zur pr\u00e4zisen Tumor\u00fcberwachung im Mausmodell haben Forschende der Philipps-Universit\u00e4t entwickelt. 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