{"id":19474,"date":"2026-02-05T22:50:00","date_gmt":"2026-02-05T21:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=19474"},"modified":"2026-02-05T22:50:00","modified_gmt":"2026-02-05T21:50:00","slug":"am-verzweifeln-studie-zu-sexueller-gewalt-in-pfadfinderschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=19474","title":{"rendered":"Am Verzweifeln: Studie zu sexueller Gewalt in Pfadfinderschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) wurden am Donnerstag (5. Februar) ver\u00f6ffentlicht. Geleitet wurde es von Prof. Dr. Sabine Maschke und Prof. Dr. Ludwig Stecher. <!--more--><br \/>\nSeit Ende 2023 hat ein Forschungsteam der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen von der JLU) das Vorkommen, die Hintergr\u00fcnde sexualisierter und spiritueller Gewalt sowie den strukturellen Umgang damit in der DPSG seit 1929 untersucht. Am Donnerstag (5. Februar) wurden diese Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Leitung des Forschungsprojekts liegt bei Prof. Dr.in Sabine Maschke von der Philipps-Universit\u00e4t und Prof. Dr. Ludwig Stecher von der JLU Gie\u00dfen.<br \/>\n&#8222;In der Gesamtschau der Ergebnisse wird ein besch\u00e4digtes Fundament sichtbar&#8220;, erl\u00e4uterte Maschke. &#8222;Das Problem sexualisierte Gewalt reicht tief in die verbandlichen Strukturen der DPSG hinein. Gemeinschaft, Macht, N\u00e4he und ein spiritueller \u00dcberbau \u00f6ffnen den Raum f\u00fcr sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.&#8220;<br \/>\nStecher bekr\u00e4ftigte: &#8222;Hier reichen Sch\u00f6nheitsreparaturen an der Oberfl\u00e4che nicht aus; vielmehr braucht es einen echten Umbau der Verbandskultur. Klare Regeln und Sanktionen geh\u00f6ren dazu sowie eine unabh\u00e4ngige externe Aufsicht. Betroffene m\u00fcssen systematisch beteiligt werden.&#8220;<br \/>\nDie wissenschaftliche Studie basiert auf einer Vielzahl an Interviews mit Betroffenen und Expert*innen aus dem Verband, standardisierten Befragungen sowie Analysen von Ausschlussverfahren und anderen Dokumenten. Die Ergebnisse machen klar: Sexualisierte Gewalt ist in der DPSG ein weit verbreitetes strukturelles Problem.<br \/>\nBesonders gef\u00e4hrdet sind Kinder und Jugendliche in Gemeinschaftssituationen wie zum Beispiel Lagern und Fahrten. T\u00e4ter sind \u00fcberwiegend m\u00e4nnliche Leitende, die ihre Vertrauens- und Machtposition ausnutzen. Viele der Taten finden in ,Beziehungen&#8216; statt, die gepr\u00e4gt sind von Machtunterschieden zwischen oft erwachsenen Leitern und weiblichen Minderj\u00e4hrigen.<br \/>\nAuch sexualisierte Gewalt, die von gleichaltrigen Jugendlichen ausgeht, ist in der Studie dokumentiert. Institutionelles Wegsehen und Bagatellisieren beg\u00fcnstigen all diese Taten. Mechanismen wie spirituelle Manipulation, die unkritische \u00dcberh\u00f6hung der Gemeinschaft sowie ein ethischer Kodex der Pflicht bereiten den Boden f\u00fcr sexualisierte Gewalt. Verbandstypische Gemeinschaftssituationen wie Fahrten, Zeltlager und Alkoholkonsum beg\u00fcnstigen in vielen F\u00e4llen sexualisierte und spirituelle Gewalt in der DPSG. Das Forschungsteam betonte, dass Rituale, Traditionen sowie Macht- und N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnisse intensiver hinterfragt werden m\u00fcssen.<br \/>\nDie DPSG ist sich ihres institutionellen Versagens bewusst und \u00fcbernimmt Verantwortung f\u00fcr das Leid, das Betroffene innerhalb des Verbands erfahren mussten und m\u00fcssen. DPSG-Bundesvorsitzende Annkathrin Meyer richtete ihre Worte gezielt an die vielen Betroffenen: &#8222;Wir erkennen Euer Leid an. Auch erkennen wir das Leid der vielen Betroffenen an, die sich durch das Versagen von Systemen und Strukturen in der DPSG bisher noch nicht bemerkbar machen konnten oder wollten.&#8220;<br \/>\nAuch zuk\u00fcnftig sollen die Betroffenen im Fokus des Aufarbeitungsprozesses stehen. Das versprach Annika Daiker als Sprecherin des Aufarbeitungsbeirats: &#8222;Wir werden alles daransetzen, dass die Betroffenen niemals aus dem Blick verloren gehen.&#8220;<br \/>\nDer Bundesvorsitzende Sebastian Becker nimmt die Ergebnisse der Aufarbeitungsstudie sehr ernst und betont die Verpflichtung des Bundesvorstands: &#8222;Dieser Bericht \u00f6ffnet uns die Augen &#8211; schmerzhaft, aber notwendig. Erst durch diese wichtige Arbeit wird f\u00fcr uns als Verband echte Aufarbeitung m\u00f6glich. Sie legt daf\u00fcr einen essenziellen und wichtigen Grundstein.&#8220;<br \/>\nDer Verband darf laut Bundesvorstand nicht l\u00e4nger ein Ort des Schweigens sein. Das Ziel ist, bestehende Strukturen grundlegend zu \u00fcberdenken und zuk\u00fcnftig einen sichereren Ort f\u00fcr ihre Mitglieder zu schaffen. Der Bundeskurat Maximilian Strozyk sagte dazu: &#8222;In Zukunft m\u00fcssen und wollen wir gewaltbeg\u00fcnstigende Strukturen besser erkennen, benennen und konsequenter verhindern. Bei aller Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Vielfalt an Kulturen, Traditionen und Ritualen &#8211; sie d\u00fcrfen niemals \u00fcber der W\u00fcrde von Menschen stehen.&#8220;<br \/>\nDie Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ist mit \u00fcber 84.000 aktiven Mitgliedern der gr\u00f6\u00dfte Verband von Pfadfinder*innen in Deutschland, hat bundesweit etwa 1.100 St\u00e4mme (Ortsgruppen) und bildet zusammen mit vier weiteren Verb\u00e4nden (BdP, PSG, VCP, BMPPD) den Ring deutscher Pfadfinder*innenverb\u00e4nde e. V. (rdp). Er ist Mitglied der Weltpfadfinderbewegung.<br \/>\nDie DPSG ist ein Verband mit eigenst\u00e4ndigem Erziehungsauftrag. Die Ordnung des Verbands beschreibt Grundlagen, Auftrag und Ziele der DPSG. Als Leitbild gibt sie Orientierung, Anst\u00f6\u00dfe und benennt Verpflichtungen &#8211; sie zeigt Chancen f\u00fcr jedes einzelne Mitglied und die Gruppen des Verbands auf.<br \/>\nZiel ist, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Verband in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung zu unterst\u00fctzen. Sie sollen sich ihrer sozialen, emotionalen, spirituellen, geistigen und k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten bewusst werden, sie weiterentwickeln und lernen, sie einzusetzen. Die DPSG erm\u00f6glicht ihnen, neue Erfahrungen zu machen. Dadurch eignen sie sich Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen an und lernen, sie innerhalb und au\u00dferhalb des Verbands in Handeln umzusetzen.<br \/>\nAuf Grundlage des Wertekanons der DPSG, der ein Zusammenspiel aus pfadfinderischen, gesellschaftlichen sowie christlichen Werten ist, bilden sich junge Menschen eine Meinung dar\u00fcber, wie die Gesellschaft, in der sie leben, aussehen soll und setzen sich daf\u00fcr aktiv ein. Sie lernen, als verantwortungsbewusste B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, als Christ*innen sowie als Mitglieder ihrer lokalen, nationalen und weltweiten Gemeinschaften zu handeln sowie Verantwortung f\u00fcr andere zu \u00fcbernehmen. Sie verstehen sich als Friedenspfadfinder*innen.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) wurden am Donnerstag (5. Februar) ver\u00f6ffentlicht. 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