{"id":18936,"date":"2025-10-31T15:07:27","date_gmt":"2025-10-31T14:07:27","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18936"},"modified":"2025-10-31T15:07:27","modified_gmt":"2025-10-31T14:07:27","slug":"gestaltung-zum-100-geburtstag-von-hanna-korfluer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18936","title":{"rendered":"Gestaltung: Zum 100. Geburtstag von Hanna Korfl\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>Einen neuen Blick auf das Schaffen der K\u00fcnstlerin Hanna Korfl\u00fcr werfen eine Sonderausstellung und eine Stadtschrift. Titel ist &#8222;Leben. Zeit. Raum&#8220;. <!--more--><br \/>\nDie neue Sonderausstellung &#8222;Hanna Korfl\u00fcr (1925-1993) &#8211; Leben. Zeit. Raum.&#8220; erm\u00f6glicht bis zum 15. Februar 2026 im Kunstmuseum Marburg die Begegnung mit dem vielf\u00e4ltigen Oeuvre der Marburger K\u00fcnstlerin, die weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde. Zum 100. Geburtstag l\u00e4dt ab sofort au\u00dferdem ein Werkverzeichnis mit \u00fcber 1.000 Kunstwerken von Korfl\u00fcr als Stadtschrift zum Entdecken ihres k\u00fcnstlerischen Weges ein. Universit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss, Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies und Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck er\u00f6ffneten am Donnerstag (30. Oktober) gemeinsam mit der Familie von Hanna Korfl\u00fcr &#8211; Enkelin Inger und Tochter Gisela Marie Korfl\u00fcr &#8211; die Sonderausstellung und stellten das neue Werkverzeichnis vor.<br \/>\nNauss freute sich dar\u00fcber, dass es &#8222;durch das neue Buch und die Ausstellung in den sch\u00f6nen R\u00e4umen des Museums jetzt m\u00f6glich ist, zu beobachten, wie die herausragende Marburger Bildhauerin und Grafikerin Hanna Korfl\u00fcr aus den Inspirationen der Natur eigene Werke der k\u00fcnstlerischen Freiheit schuf, welche entschieden und \u00fcberzeugend f\u00fcr Gestaltungsfreude und Kreativit\u00e4t pl\u00e4dieren&#8220;. Den meisten Marburgerinnen und Marburgern ist Hanna Korfl\u00fcr als Bildhauerin durch ihre Werke im \u00f6ffentlichen Raum der Universit\u00e4tsstadt bekannt: Sie stehen in zwei Marburger Parks, am Eingang von Weidenhausen, in der Kapelle am Rotenberg.<br \/>\nNeben Skulpturen und Rauminstallationen schuf sie auch Linolschnitte, Reliefs, Zeichnungen und Collagen sowie Arbeiten in Zamak und Holz. Diese Vielfalt entspricht dem Credo der K\u00fcnstlerin: &#8222;Einseitigkeiten in Technik und Motivwahl gehe ich aus dem Weg, um nicht in Perfektion und Gl\u00e4tte zu erstarren&#8220;, erkl\u00e4rte sie selbst.<br \/>\n&#8222;Marburg ist stolz, dass Hanna Korfl\u00fcr hier gewirkt, gelebt und ihre kreativen Spuren hinterlassen hat&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Spies. &#8222;Ihre Kunst ist und bleibe weit mehr als nur \u00c4sthetik. &#8222;Ihre Werke sind nicht nur Spiegel von Seele und Verstand, sondern auch einf\u00fchlsame Zeitzeug*innen der Geschichte und der Menschen, die sie gepr\u00e4gt haben.&#8220;<br \/>\nMit dem Werkverzeichnis wolle die Stadt ihre Kunst einem breiten Publikum zug\u00e4nglich machen. Erstmals werden in dem Buch ganz im Sinne der Familie Korfl\u00fcr \u00f6ffentliche Kunst und Werke aus privaten Sammlungen zusammengef\u00fchrt. Zugleich dankte Spies der Philipps-Universit\u00e4t f\u00fcr die beeindruckende Werkschau im Kunstmuseum an der Biegenstra\u00dfe.<br \/>\n&#8222;&#8220;Hanna Korfl\u00fcrs r\u00e4umliche Kreationen sind von Rhythmus durchdrungen, ihre Reihungen dr\u00fccken Progression aus, ihre Diagonalen geben dynamische Impulse&#8220;, hob Otterbeck zum Schaffen von Korfl\u00fcr hervor. Ihre Impulse in der Kunst habe Korfl\u00fcr auch durch ihr Engagement im Marburger Kunstleben weitergegeben.<br \/>\nKorfl\u00fcr studierte an der Kunsthochschule Giebichenstein in Halle (Saale) und an der Werkschule Offenbach. Anschlie\u00dfend heiratete sie 1947 den Werbegrafiker Eduard Theodor Korfl\u00fcr in Marburg und versorgte die Familie mit vier Kindern. Daneben war sie als Mitarbeiterin im Atelier f\u00fcr Gebrauchsgraphik ihres Mannes t\u00e4tig. Ab 1967 entstanden verst\u00e4rkt freie k\u00fcnstlerische Arbeiten, die in der Sonderausstellung des Kunstmuseums zu sehen sind.<br \/>\nDie fr\u00fchen Werke in den 60er Jahren zeugen von der Suche der Marburgerin nach ihrem Weg im damals bereits sehr breiten Spektrum der aktuellen Kunst zwischen Gegenst\u00e4ndlichkeit und Abstraktion. Sie schuf gegenst\u00e4ndliche, figurative Plastiken und konstruktive Plastiken aus Terrakotta und Zamak. Zu Beginn \u00fcber-wogen die fig\u00fcrlichen, schlichten Kleinplastiken.<br \/>\nVon diesen sind ausgew\u00e4hlte Arbeiten mit Skizzen der K\u00fcnstlerin im Dialog mit den in den 70er Jahren entstandenen Zamak-G\u00fcssen in der Sonderausstellung zu sehen. Korfl\u00fcr entwickelte ihre eigene Formsprache und besch\u00e4ftigte sich intensiv mit dem Wechselspiel von Architektur und Natur. Sie formte konstruktive architektonische Gebilde, indem sie einzelne, blockhafte Elemente \u00fcbereinanderstellte und lie\u00df die Grenzen verschmelzen.<br \/>\nNicht nur als Bildhauerin wie beim &#8222;F\u00e4cher I&#8220; (1973) aus Bronze oder dem &#8222;Geb\u00e4ude&#8220; (1968) aus Zamak, sondern auch in der Graphik Korfl\u00fcrs werden die Figuren und die Natur konkretisiert. Unter anderem vermitteln zum Beispiel der Linolschnitt &#8222;Gruppe&#8220; (1968), die Radierung &#8222;Weder Fisch noch Fleisch&#8220; (1984) oder ausgew\u00e4hlte Skizzen zu Rauminstallationen (um 1991) dem Betrachtenden die spannungsvolle Auseinandersetzung der K\u00fcnstlerin.<br \/>\nDiese zwei Themen, Natur und Architektur, begleiten die Marburgerin stetig, Skizzen aus ihrer unmittelbaren Umgebung und zum allt\u00e4glichen Geschehen bilden in der graphischen Umsetzung eine Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige Werke. Die pr\u00e4sentierten Reliefs, zum Beispiel &#8222;Gletscherspalte&#8220; (1976), veranschaulichen den Dialog zwischen den prozesshaften Erscheinungsformen der Natur und ihrem gro\u00dfen Interesse f\u00fcr die formale Variationen von Schichtungen, Reihungen und Staffelungen.<br \/>\nIn den 80er Jahren entstanden parallel zu den Arbeiten im Sakralen Bereich, wie der Au\u00dfengestaltung der Friedhofskapelle am Rotenberg, Holzarbeiten. Aus dieser Schaffensphase sind die &#8222;Beweinung&#8220; (1982) und das &#8222;Zwiegesicht&#8220; (1986) im Kunstmuseum zu sehen. Korfl\u00fcr nutzte nun die Oberfl\u00e4che als nat\u00fcrliches Relief und f\u00fcgte durch die Verwendung unterschiedlicher H\u00f6lzer gestalterische Kontraste hinzu.<br \/>\nZu Beginn der 90er Jahre setzte sie sich in ihren sp\u00e4ten plastischen Arbeiten (zirka 1990-1993) kritisch mit der Betrachtung des Lebens und der Zeitgeschichte auseinander. Die &#8222;Sitzende&#8220; von 1993 ist kontr\u00e4r zu den fr\u00fchen Werken rau gearbeitet. Trotz der ruhigen, abwartenden Haltung tr\u00e4gt der K\u00f6rper die Last eines schweren Lebens. Mit der Collagenfolge &#8222;Das alte Haus&#8220; (1993) ist auch eine der letzten Arbeiten der Marburger K\u00fcnstlerin zu sehen. Sie erz\u00e4hlt in den 25 kleinen Werken kurze Geschichten des gelebten Alltags und besondere Ereignisse aus der Kindheit. 1994 wurden die Collagen und der zugeh\u00f6rige Text als Buch &#8222;Das Alte Haus&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nDie Exponate der Marburger Ausstellung zeigen nicht nur die technische Vielfalt der K\u00fcnstlerin, ihre Experimentierfreude und ihr gro\u00dfes K\u00f6nnen, sondern auch die entschiedene Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themen. Sie widmete sich in ihrer Kunst der Natur, dem Leben als Wachstum, politischen Ereignissen, der Kunst ihrer Zeit und den Gegenst\u00e4nden des Alltags. Aus allen diesen Sph\u00e4ren verarbeitete sie Impulse in ihren Werken, mal naturalistisch &#8211; mal reduziert auf Fl\u00e4chen und Linien &#8211; mal dreidimensional: Leben. Zeit. Raum.<br \/>\nF\u00fcr die Besuchenden erm\u00f6glicht die Ausstellung zum 100. Geburtstag der K\u00fcnstlerin einen neuen Blick auf das Gesamtwerk der Marburgerin und die Betrachtung ihrer Werke im Panorama der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Die Ausstellung ist Montag und Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr sowie jeweils am letzten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet f\u00fcnf Euro sowie erm\u00e4\u00dfigt drei Euro. Zugleich stellt die Stadt Marburg mit dem &#8211; aktuell erscheinenden &#8211;<br \/>\nWerkverzeichnis mehr als 1.000 Beispiele f\u00fcr die Kunst von Hanna Korfl\u00fcr auf fast 300 Seiten als neue Stadtschrift zur Marburger Geschichte und Kultur vor. Das Buch l\u00e4dt mit Abbildungen aller Werke dazu ein ihren spannenden k\u00fcnstlerischen Weg nachzuvollziehen und neu zu entdecken.<br \/>\nW\u00e4hrend der Ausstellung wird es am Sonntag (16. November) und am Samstag (6. Dezember) ab 15 Uhr eine F\u00fchrung geben. Dieses Angebot ist mit g\u00fcltiger Eintrittskarte kostenlos, um Anmeldung wird gebeten (bildung.museum@uni-marburg.de oder telefonisch (Di.-Do.), 06421 28-2263.<br \/>\nDie Stadtschrift mit allen dokumentierten Werken auf fast 300 Seiten gibt es f\u00fcr 16,80 Euro im Kunstmuseum, im Buchhandel sowie auf <a href=\"http:\/\/www.marburg.de\/stadtschriften\">www.marburg.de\/stadtschriften<\/a> sowie per Mail an publikationen@marburg-stadt.de.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen neuen Blick auf das Schaffen der K\u00fcnstlerin Hanna Korfl\u00fcr werfen eine Sonderausstellung und eine Stadtschrift. Titel ist &#8222;Leben. Zeit. 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