{"id":18444,"date":"2025-07-29T15:30:19","date_gmt":"2025-07-29T13:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18444"},"modified":"2025-07-29T15:30:19","modified_gmt":"2025-07-29T13:30:19","slug":"neue-erkenntnisse-antifeminismus-verstehen-und-demokratie-staerken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18444","title":{"rendered":"Neue Erkenntnisse: Antifeminismus verstehen und Demokratie st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Forschungsprojekt GenDem untersucht antifeministische Mobilisierungen in Europa und dem S\u00fcdkaukasus. Im Fokus steht ihr Einfluss auf demokratische und autorit\u00e4re Entwicklungen. Ziel ist es, diese Dynamiken besser zu verstehen und die Demokratie so zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Was haben Antifeminismus, Demokratie und autorit\u00e4re Tendenzen miteinander zu tun? Dieser Frage widmet sich der neue LOEWE-Schwerpunkt \u201eVerflechtung von Antifeminismen: Gender, Demokratie und Autoritarismus in \u201aEntangled Modernities\u2018\u201c (GenDem), der unter Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Annette Henniger, Politikwissenschaftlerin an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg, steht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprojekt untersucht erstmals vergleichend antifeministische Mobilisierungen in verschiedenen L\u00e4ndern Ost- und Westeuropas sowie im S\u00fcdkaukasus. Ziel ist es, systematisch herauszuarbeiten, unter welchen Bedingungen diese Bewegungen entstehen, wie sie transnational verflochten sind und welchen Einfluss sie auf Prozesse der Demokratisierung oder Autoritarisierung aus\u00fcben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land Hessen f\u00f6rdert GenDem im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-\u00f6konomischer Exzellenz (LOEWE) mit rund 3,6 Millionen Euro f\u00fcr vier Jahre (2026\u20132029). Eine besondere Herausforderung: Einzelne Fallstudien werden \u00fcber autorit\u00e4re Regime oder Kriegsgebiete wie die T\u00fcrkei, Aserbaidschan oder die Ukraine durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hessische Minister f\u00fcr Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur Timon Gremmels dazu: \u201eIch freue mich, dass in der j\u00fcngsten F\u00f6rderstaffel des LOEWE-Programms auch so ein wichtiges sozialwissenschaftliches Projekt mit dabei ist. Das Thema ist weit \u00fcber die Forschung hinaus von Relevanz, zumal in Zeiten globaler Krisen, in denen freiheitlich-demokratische Systeme unter Druck geraten. Wenn wir verstehen, was antifeministische Bewegungen hervorbringt und n\u00e4hrt, kann es uns gelingen, dem wirkungsvoll entgegenzutreten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eForschung wie GenDem hilft, die gesellschaftlichen Kr\u00e4fte zu analysieren, die demokratische Prozesse gef\u00e4hrden und damit unsere freiheitliche Ordnung infrage stellen\u201c, erkl\u00e4rt Universit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss. \u201eGerade in Zeiten politischer Polarisierung ist eine interdisziplin\u00e4re, international vergleichende Forschung zur Rolle von Antifeminismus in autorit\u00e4ren Dynamiken essenziell. Die Uni Marburg steht f\u00fcr diese kritische Wissenschaft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum des Projekts steht die Beobachtung, dass aktuelle antifeministische Bewegungen keine spontanen Reaktionen auf gesellschaftlichen Wandel sind, sondern das Ergebnis strategisch geplanter Kampagnen. Sie richten sich gezielt gegen die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechte von queeren Menschen und eine liberale Sexualpolitik. Dabei bedienen sich die Akteure \u2013 von rechtskonservativen Parteien bis hin zu religi\u00f6s-fundamentalistischen Gruppierungen \u2013 grenz\u00fcberschreitender Narrative, Netzwerke und Medien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In sieben Teilprojekten analysieren die Forschenden unter anderem M\u00e4nnerrechts-Bewegungen in Deutschland und der T\u00fcrkei, Drag Panic-Diskurse in \u00d6sterreich, antifeministische Rhetorik islamistischer Influencerinnen sowie historische Entwicklungen seit dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert in Osteuropa.<\/p>\n\n\n\n<p>Getragen wird GenDem von einem breiten Forschungsverbund: Neben der Universit\u00e4t Marburg sind die Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen und das Herder-Institut f\u00fcr historische Ostmitteleuropa-Forschung beteiligt. Die Koordination liegt bei Henninger. Historiker*innen am Herder-Institut untersuchen die langen Linien antifeministischer Mobilisierung im \u00f6stlichen Europa sowie den Einfluss des russisch-ukrainischen Krieges. In Gie\u00dfen forschen Wissenschaftler*innen zu anti-queeren Mobilisierungen und zu islamistisch gepr\u00e4gten antifeministischen Diskursen. Die Universit\u00e4t Marburg verantwortet zus\u00e4tzlich die Fallstudien zu Deutschland, zur T\u00fcrkei und zum S\u00fcdkaukasus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGender ist l\u00e4ngst ein globaler Kampfbegriff geworden \u2013 und Antifeminismus eine Strategie, mit der autorit\u00e4re Akteure demokratische Aushandlungsprozesse zur\u00fcckdr\u00e4ngen wollen\u201c, erkl\u00e4rt Henninger. \u201eGenDem will diese Dynamiken sichtbar machen \u2013 nicht nur wissenschaftlich, sondern auch im \u00f6ffentlichen Diskurs.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zweck sind enge Kooperationen mit dem Demokratiezentrum Hessen und der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung geplant. \u00d6ffentliche Veranstaltungen, Ringvorlesungen und internationale Tagungen, etwa mit Partnerinstitutionen in Mostar und Tunis, sollen dazu beitragen, das Wissen aus der Forschung in die Gesellschaft zur\u00fcckzuspielen und damit einen Beitrag zur politischen Bildung und Demokratief\u00f6rderung zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg, Institut f\u00fcr Politikwissenschaften<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Forschungsprojekt GenDem untersucht antifeministische Mobilisierungen in Europa und dem S\u00fcdkaukasus. 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