{"id":18381,"date":"2025-07-16T10:10:00","date_gmt":"2025-07-16T08:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18381"},"modified":"2025-07-16T10:10:00","modified_gmt":"2025-07-16T08:10:00","slug":"ermittlungs-ermittlerin-anne-ganzert-erforscht-spurensuche-im-internet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18381","title":{"rendered":"Ermittlungs-Ermittlerin: Anne Ganzert erforscht Spurensuche im Internet"},"content":{"rendered":"<p>Die neue Emmy-Noether-Forschungsgruppe von Anne Ganzert betrachtet die digitale Spurensuche in Kriminalf\u00e4llen. Sie befasst sich damit, wie Laien im Internet ermitteln. <!--more--><br \/>\nDie Spurensuche im Internet \u00fcbt auf manche Menschen eine ganz besondere Faszination aus. Sie formieren sich in Gruppen und untersuchen detektivisch laufende Kriminalf\u00e4lle oder abgeschlossene, sogenannte &#8222;Cold Cases&#8220;. Diesem auch &#8222;Web Sleuthing&#8220; (engl. f\u00fcr im Web nachsp\u00fcren) genannten Ph\u00e4nomen sp\u00fcrt nun ihrerseits die Medienwissenschaftlerin Dr. Anne Ganzert nach, die zum Thema &#8222;Web Sleuthing. Medienpraktiken kriminalistisch ermittelnder Amateure&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe aufbaut und in diesem Rahmen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis zu 6 Jahre rund 1,8 Millionen Euro erh\u00e4lt.<br \/>\n&#8222;Wir wollen erforschen, wie Menschen im Internet selbst anfangen, zu ermitteln, zum Beispiel bei vermissten Personen oder ungekl\u00e4rten Kriminalf\u00e4llen&#8220;, erl\u00e4uterte die Medienwissenschaftlerin. &#8222;Dabei schauen wir, wie soziale Medien, Foren und Plattformen genutzt werden, um Spuren zu suchen, Theorien zu entwickeln oder andere zu mobilisieren.&#8220; Die Forschenden wollen verstehen lernen, wie es zu solchen ehrenamtlichen, digitalen Kooperationsformen kommen und wie genau die Hobbydetektive digital zusammenarbeiten. Und auch welche Rolle das beliebte &#8222;True Crime&#8220;-Genre dabei spielt, dessen Podcasts und Dokumentationen nicht erst seit der Corona-Pandemie weltweit gro\u00dfe Verbreitung gefunden haben.<br \/>\nGanzert ist fasziniert davon, wie Menschen sich einmischen, eine Position beziehen und Verantwortung \u00fcbernehmen. Dabei \u00fcberschreiten die Akteurinnen und Akteure allerdings auch Grenzen. Das geschieht zum Beispiel, wenn Unschuldige angeprangert werden oder sich die Community zur Selbstjustiz hinrei\u00dfen l\u00e4sst. Medienwirksam war das zum Beispiel im Mordfall Gabby Petito zu beobachten, bei dem nicht nur der Freund der Verstorbenen &#8211; der sp\u00e4ter best\u00e4tigte T\u00e4ter &#8211; in den Fokus der Web Sleuths r\u00fcckte, sondern auch dessen Familie attackiert und bel\u00e4stigt wurde.<br \/>\nDie Forschenden interessiert auch, welche Chancen und Risiken solche Online-Ermittlungen &#8211; etwa f\u00fcr den Schutz der Privatsph\u00e4re, den Umgang mit Falschinformationen und gewagten Theorien oder die Zusammenarbeit mit offiziellen Stellen &#8211; mit sich bringen &#8222;Damit k\u00f6nnen wir als Forscher*innen auch zur Entwicklung verantwortungsvoller Medienpraktiken beitragen&#8220;, erkl\u00e4rte Ganzert.<br \/>\n&#8222;Mit Anne Ganzert verst\u00e4rken wir unserer Forschung zu aktuellen Themen wie partizipativer Mediennutzung und digitalen Kulturen&#8220;, sagte Uni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange. &#8222;Die Erforschung der sich rasch ver\u00e4ndernden digitalen \u00d6ffentlichkeiten hilft uns, die politischen Transformationen unserer Zeit zu verstehen.&#8220;<br \/>\nEine Emmy-Noether-F\u00f6rderung verleiht die Deutsche Forschungsgemeinschaft an herausragende Forschende in fr\u00fchen Karrierestufen, die mit dem Aufbau einer Arbeitsgruppe einen weiteren Schritt in ihrer akademischen Karriere machen und sich auf eine Professur vorbereiten k\u00f6nnen. &#8222;Das Format der Emmy-Noether-Gruppe der DFG gibt mir die Freiheit, ein eigenes Forschungsteam aufzubauen und ein komplexes, gesellschaftlich relevantes Thema langfristig zu untersuchen&#8220;, freute sich Ganzert. &#8222;Sie er\u00f6ffnet Raum f\u00fcr kreative Ideen und internationale Zusammenarbeit und Nachwuchsf\u00f6rderung&#8220;.&#8220;<br \/>\nDirektor Prof. Dr. Malte Hagener vom Institut f\u00fcr Medienwissenschaft erg\u00e4nzte: &#8222;Ich freue mich darauf, dass Anne Ganzert eine weitere Br\u00fccke zwischen dem Institut f\u00fcr Medienwissenschaft und dem Marburg Center for Digital Culture and Infrastructure (MCDCI) schl\u00e4gt. Wir brauchen derartige Projekte, um einen detaillierten Blick darauf zu gewinnen, unter welchen Umst\u00e4nden und auf welche Weisen Menschen im Netz aktiv werden. Vorstellungen von Wahrheit, Demokratie und Partizipation sind derzeit umstritten und im Wandel begriffen &#8211; solche Fragen fokussiert die Emmy-Noether-Gruppe von Anne Ganzert.&#8220;<br \/>\nNach Promotion und Postdoc-Zeit an der Universit\u00e4t Konstanz startet die Forscherin ab dem 1. September 2025 in Marburg und an seiner Universit\u00e4t durch. Im Jahr 2024 konnte sie dazu als &#8222;Fulbright Visiting-Scholar&#8220; bereits erste Feldforschung starten und Vorarbeit an der Harvard Universit\u00e4t leisten. &#8222;Jetzt freue ich mich auf das lebendige geisteswissenschaftliche Umfeld an der Uni Marburg und den Austausch mit Kolleg*innen und Studierenden&#8220;, erkl\u00e4rte Ganzert. &#8222;Die inhaltlichen und methodischen Anschlussm\u00f6glichkeiten waren der Grund, Marburg als Standort der Gruppe zu w\u00e4hlen. Und ich freue mich auf die Stadt selbst &#8211; mit ihrer besonderen Atmosph\u00e4re, der Altstadt und allem, was meine Familie und ich noch entdecken werden.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Emmy-Noether-Forschungsgruppe von Anne Ganzert betrachtet die digitale Spurensuche in Kriminalf\u00e4llen. 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Eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Philipps-Universit\u00e4t erforscht, wie eine begrenzte Anzahl von G-Proteinen eine gro\u00dfe Vielfalt an zellul\u00e4ren Reaktionen ausl\u00f6sen kann. Der Pharmakologe Dr. Hannes\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":19721,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=19721","url_meta":{"origin":18381,"position":2},"title":"Tochter des Tagebuchschreibers: Als halb-j\u00fcdischer Junge zur Nazi-Zeit in Berlin","date":"16. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"gemeinsam mit dem Arbeitskreis Landsynagoge Roth und der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit Marburg l\u00e4dt die Kulturelle Aktion Marburg \"Str\u00f6mungen \"ein zu einer Lesung mit der Historikerin Susanne Pfankuch. Sie stellt am Donnerstag (19. M\u00e4rz) um 18 Uhr im Staatsarchiv ihr Buch \"Privilegiert diskriminiert\" vor. 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