{"id":18147,"date":"2025-06-06T13:45:00","date_gmt":"2025-06-06T11:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18147"},"modified":"2025-06-06T13:45:00","modified_gmt":"2025-06-06T11:45:00","slug":"mit-psychologischem-rat-gute-kommunikation-traegt-zum-medizinischen-erfolg-bei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18147","title":{"rendered":"Mit psychologischem Rat: Gute Kommunikation tr\u00e4gt zum medizinischen Erfolg bei"},"content":{"rendered":"<p>Forschende des Sonderforschungsbereichss &#8222;Treatment Expectation&#8220; geben vier Empfehlungen f\u00fcr medizinisches Fachpersonal. Kern ist eine kompetente Kommunikation der \u00c4rzteschaft mit den Patienten. <!--more--><br \/>\nDie Behandlungserwartungen von Patienten und Patientinnen beeinflussen den Erfolg einer Therapie: Positive Erwartungen erh\u00f6hen die Chancen f\u00fcr einen besseren Therapieerfolg; negative Erwartungen verm\u00f6gen den Erfolg zu mindern und erh\u00f6henEin Auftreten von Nebenwirkungen. Das Autorenteam aus Hamburg, Marburg und Potsdam empfiehlt in der aktuellen Ausgabe des renommierten Medizin-Journals &#8222;Journal of the American Medical Association&#8220; (JAMA) vier evidenzbasierte Kommunikationsstrategien, wie Behandler die positiven Erwartungseffekte konkret f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8222;Sprechen Sie \u00fcber die Behandlungserwartungen der Patienten&#8220;, raten die Wissenschaftler. &#8222;St\u00e4rken Sie die Arzt-Patienten-Beziehung! F\u00f6rdern Sie positive Erwartungen&#8220; und &#8222;reduzieren Sie die Angst vor Nebenwirkungen!&#8220;<br \/>\nDie Psychologen Prof. Meike Shedden-Mora von der Medical School Hamburg, Prof. Winfried Rief von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und Prof. Johannes Laferton von der Health and Medical University Potsdam haben die entscheidenden Faktoren aus unterschiedlichen Studien \u00fcber Placeboeffekte extrahiert. Wesentliche Impulse zu dieser Arbeit kamen von dem &#8211; von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rderten Transregio-Sonderforschungsbereichs &#8222;Treatment Expectation&#8220;. Shedden-Mora und Rief sind Mitglieder des interdisziplin\u00e4ren Wissenschaftsteams an den Universit\u00e4ten Duisburg- Essen, Marburg und Hamburg, das den Mechanismus erforscht, wie die Erwartung von Patienten und Patientinnen die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen beeinflusst. Positive und negative Erwartungen &#8211; aber auch die Angst vor Nebenwirkungen &#8211;<br \/>\nk\u00f6nnen unabh\u00e4ngig voneinander den Behandlungserfolg beeinflussen, wie eine umfangreiche Analyse von sechs Studien mit insgesamt 748 Teilnehmenden zeigt. Auch wenn man sich viel Nutzen von der Behandlung verspricht, kann gleichzeitig die Besorgnis gro\u00df sein, Nebenwirkungen zu erleben. Behandelnde sollten deshalb gezielt nach Vorerfahrungen fragen.<br \/>\n&#8222;Erz\u00e4hlen Sie mir von Ihren bisherigen Behandlungserfahrungen&#8220; kn\u00fcpft an Erfahrungen der Patienten an. &#8222;Was glauben Sie, wie sehr wird ihnen die Behandlung helfen&#8220;erfragt die Erwartungen. Nach Bef\u00fcrchtungen erkundigt sich die Frage &#8222;Haben Sie Angst vor Nebenwirkungen?&#8220;<br \/>\nDie Psychologin und Psychotherapeutin Shedden-Mora erkl\u00e4rte: &#8222;Wir ermutigen jeden, der im Kontakt mit Patienten ist, diese Fragen zu stellen, denn nur so k\u00f6nnen eine individuelle Therapie und unterst\u00fctzende Kommunikation zugeschnitten auf die pers\u00f6nlichen \u00c4ngste und Bed\u00fcrfnisse erfolgversprechend eingesetzt werden.&#8220; Zeigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte Kompetenz und verhalten sich empathisch, dann beeinflusst auch das den Behandlungserfolg. Nonverbale Signale wie Augenkontakt oder ein best\u00e4tigendes Nicken sowie eine gut strukturierte verst\u00e4ndliche Kommunikation &#8211; &#8222;Wenn Sie sich Sorgen um Nebenwirkungen machen, lassen Sie uns gemeinsam \u00fcberlegen, was wir bei auftretenden Nebenwirkungen tun k\u00f6nnen!&#8220; &#8211; schaffen Vertrauen. Eine Studie mit 262 Patienten mit Reizdarmsyndrom konnte zeigen, dass deutlich mehr Patienten von einer (Placebo-)Akupunktur-Behandlung profitierten, wenn Arzt oder \u00c4rztin W\u00e4rme und Empathie ausstrahlte, als wenn der Kontakt eher sachlich-distanziert gestaltet war.<br \/>\n&#8222;Offene Fragen stellen, zuh\u00f6ren und seine eigene Erfahrung als Arzt betonen&#8220; k\u00f6nnen ein wichtiger Faktor beim Therapieerfolg sein&#8220;, betonte der Marburger Psychologe und Psychotherapeut Rief. &#8222;Jeder Arzt und jede \u00c4rztin sowie jeder Psycho- oder Physiotherapeut sollten sich der Wirkung ihrer Kommunikation bewusst sein.&#8220;<br \/>\nJeder Patient und jede Patientin hat Erwartungen an seine Behandlung. Positive Annahmen und eine zuversichtliche Perspektive werden unterst\u00fctzt, wenn Behandler realistisch die pers\u00f6nlichen Ziele eines Patienten best\u00e4rken: &#8222;Nach der Operation m\u00f6chten Sie wieder mit Ihrer Familie Bergwandern. Ich bin zuversichtlich, dass Sie in den ersten sechs Wochen schon kurze Spazierg\u00e4nge unternehmen und nach drei Monaten bereits wieder moderate Wanderungen bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nDass ein pers\u00f6nlicher Genesungsfahrplan das Gesundwerden f\u00f6rdert, zeigen Studien an Patienten mit Herzoperationen und operativen Eingriffen im Bauchraum. Sie konnten nach Eingriffen am Herzen bis zu 4,5 Tage fr\u00fcher aus dem Krankenhaus entlassen werden, und nahmen nach Bauch-Operattionen etwa f\u00fcnf Tage fr\u00fcher ihre normalen Alltagsaktivit\u00e4ten wieder auf. &#8222;Beim Entwickeln solch eines Genesungsfahrplans mit Hilfe einer psychologischen Intervention ist es wichtig, dass die Ziele realistisch sind und eine pers\u00f6nliche Bedeutung haben, zum Beispiel nach der Bypass-Operation wieder mit dem Hund Gassi gehen k\u00f6nnen&#8220;, best\u00e4tigte der Psychologe und Psychotherapeut Laferton.<br \/>\nGut belegt ist, dass Patientinnen und Patienten das Risiko von unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen oft \u00fcberbewerten und den Nutzen einer Therapie untersch\u00e4tzen. Wie medizinisches Personal m\u00f6gliche Nebenwirkungen erkl\u00e4rt, beeinflusst entscheidend die H\u00e4ufigkeit von Nebenwirkungen. Die ausgewogene Aufkl\u00e4rung in einem positiven Rahmen, wo auch der Nutzen betont und erl\u00e4utert wird, reduziert die Belastung durch Nebenwirkungen. So berichten in einer klinischen Studie Patienten, die Methotrexat f\u00fcr ihr entz\u00fcndliches Rheuma erhielten, deutlich weniger Nebenwirkungen, wenn ihnen m\u00f6gliche Nebenwirkungen als positives Zeichen, dass das Medikament im K\u00f6rper wirkt, erkl\u00e4rt wurden. Patienten, die eine solche positive Erkl\u00e4rung f\u00fcr Nebenwirkungen erhielten, brachen die Behandlung deutlich seltener ab.<br \/>\n&#8222;Dass JAMA diese Erkenntnisse und Ratschl\u00e4ge in der Serie Insights &#8222;Communicating Medicine&#8220; ver\u00f6ffentlicht, freut uns sehr, da wir als Forschungsverbund schon seit vielen Jahren substantiell zu der Evidenz dieser Effekte beitragen&#8220;, , erkl\u00e4rte Prof. Ulrike Bingel. &#8222;Die positive Bedeutung von Kommunikation im therapeutischen Bereich aller Disziplinen kann nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden. Gleichzeitig werden wir noch viele Erkenntnisse gewinnen m\u00fcssen, die es uns erlauben personalisiert, kontextspezifisch und fl\u00e4chendeckend in der Praxis die Erwartungseffekte zum Wohl der Patienten zu nutzen.&#8220; Die Neurologin und Leiterin der Schmerzmedizin an der Universit\u00e4tsklinik Essen ist Sprecherin des Sonderforschungsbereichs &#8222;Treatment Expectation&#8220;. Seit Jahrzehnten forscht sie intensiv im Bereich Placebo- und Noceboeffekte in der Medizin.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschende des Sonderforschungsbereichss &#8222;Treatment Expectation&#8220; geben vier Empfehlungen f\u00fcr medizinisches Fachpersonal. 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