{"id":18073,"date":"2025-05-27T14:30:08","date_gmt":"2025-05-27T12:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18073"},"modified":"2025-05-28T09:32:07","modified_gmt":"2025-05-28T07:32:07","slug":"zum-narrativ-studie-liefert-ansatz-fuer-gerechtere-klimapolitik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18073","title":{"rendered":"Zum Narrativ: Studie liefert Ansatz f\u00fcr gerechtere Klimapolitik"},"content":{"rendered":"<p>Eine Studie zu klimabedingten Umsiedlungen in Fidschi zeigt \u00fcberraschend positive Effekte f\u00fcr Betroffene. Zudem liefert sie Ansatzpunkte f\u00fcr eine gerechtere Klimapolitik.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWie wirkt es sich auf das Wohlbefinden aus, wenn ein Teil einer Dorfgemeinschaft an einen neuen Ort umsiedelt &#8211; und der andere zur\u00fcckbleibt? Eine Studie von Geographinnen und Geographen der Philipps-Universit\u00e4t beleuchtet genau dieses Ph\u00e4nomen an zwei Beispielen auf den Fidschi-Inseln. Das Ergebnis \u00fcberrascht: Entgegen der verbreiteten Annahme, dass Umsiedlungen vor allem Belastung bedeuten, berichten viele Betroffene von positiven Erfahrungen.<br \/>\nTeilumsiedlungen beeinflussen das Leben der Menschen auch Jahre sp\u00e4ter noch stark &#8211; doch nicht nur negativ. Die Ergebnisse zeigen, wie differenziert solche Prozesse ablaufen und wie wichtig es ist, Perspektiven der Betroffenen in politische Entscheidungen einzubeziehen. Das Forschungsteam um die Marburger Geographin Ann-Christine Link und Kolleg*innen aus Bonn, Australien und den Fidschi-Inseln berichten dar\u00fcber in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins &#8222;Nature Communications Earth &amp; Environment (DOI).<br \/>\nTeilumsiedlungen &#8211; bei denen nur ein Teil einer Gemeinde umsiedelt &#8211; r\u00fccken im Zuge der Klimakrise zunehmend in den Fokus. Denn der steigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse wie Zyklone und Sturmfluten machen ganze Regionen unbewohnbar. Doch nicht immer ist eine vollst\u00e4ndige Umsiedlung m\u00f6glich &#8211; oder von allen gewollt.<br \/>\nDer Inselstaat Fidschi besteht aus 332 Inseln, von denen 110 bewohnt sind. &#8222;Inzwischen wurden 50 Gemeinden identifiziert, die aufgrund klimatischer Ver\u00e4nderungen &#8211; insbesondere durch den Meeresspiegelanstieg und wiederkehrende Sturmfluten &#8211; umgesiedelt werden m\u00fcssten&#8220;, berichtete Link, die zuletzt im September 2024 das Archipel f\u00fcr ihre Feldstudien besucht hatte.<br \/>\nDie Forschenden untersuchten zwei Fallbeispiele in Fidschi: Zum einen war das der (434 Quadratmeter gro\u00dfe Ort &#8222;Vidawa&#8220; auf der Insel Taveuni, wo eine von der Gemeinde initiierte Umsiedlung auf eine rund 800 Meter entfernte Erhebung mit rund 30 Metern \u00fcber dem Meeresspiegel derzeit stattfindet. Vidawa ist ein K\u00fcstenort, der mit der Umsiedelaktion auf zunehmende Sturmfluten, Erosion und \u00dcberschwemmungen reagiert.<br \/>\nZum zweiten besuchten sie die Ortschaft &#8222;Denimanu&#8220; auf der Insel Yadua mit 0,71 Quadratmetern, wo die Regierung bereits vor etwa zehn Jahren eine Teilumsiedlung von 19 Haushalten unterst\u00fctzt hat. Denimanu ist die einzige und kleine Gemeinde mit rund 150 Bewohnerinnen und Bewohnern direkt an der K\u00fcste. Die Umsiedlung fand im Jahr 2013 statt, nachdem Zyklon Evan eine schwere Sturmflut und erhebliche K\u00fcstenerosion verursacht hatte.<br \/>\n&#8222;Bei der Untersuchung des Wohlbefindens orientierten wir uns bewusst an der fidschianischen Tradition des Geschichtenerz\u00e4hlens&#8220;, erkl\u00e4rte die Wissenschaftlerin Link. Das Forschungsteam nutzte die sogenannte &#8222;Q-Methode&#8220;. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das qualitative und partizipative Elemente mit quantitativer Auswertung verbindet.<br \/>\nDas Ziel war, kollektive Erz\u00e4hlmuster zu identifizieren, die ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis davon widerspiegeln, wie Menschen klimabedingte Ver\u00e4nderungen und Teilumsiedlungen erleben. &#8222;Diese Narrative helfen uns dabei, subjektive Erfahrungen sichtbar zu machen und strukturelle Zusammenh\u00e4nge zu erkennen gerade im Hinblick auf das Wohlbefinden der Betroffenen&#8220;, erl\u00e4uterte Link weiter. Insgesamt identifizierten die Forschenden sechs solcher Narrative: Zwei davon fanden sie in Vidawa, vier in Denimanu.<br \/>\nDabei zeigte sich deutlich: Wer umgesiedelt wurde &#8211; und wer blieb &#8211; pr\u00e4gt die jeweilige Sichtweise stark. So steht etwa ein Narrativ in Vidawa stellvertretend f\u00fcr Menschen, die noch immer am alten Standort leben: Ihre Geschichten kreisen um die wachsende Bedrohung durch den Klimawandel, die Sorge um die Zukunft und den Wunsch nach Umsiedlung. Gleichzeitig spiegeln sie ein starkes Gemeinschaftsgef\u00fchl und das Vertrauen in den kollektiven Zusammenhalt des Dorfes wider. Diese Narrative sind mehr als nur Erz\u00e4hlungen &#8211; sie er\u00f6ffnen einen Zugang zu den emotionalen, sozialen und kulturellen Dimensionen klimabedingter Ver\u00e4nderungen.<br \/>\n&#8222;Die Ergebnisse zeigen, dass geteilte Narrative strategische Werkzeuge sein k\u00f6nnen &#8211; sie helfen, Erfahrungen besser zu verstehen und fundierte, menschenzentrierte Umsiedlungspolitik zu gestalten&#8220;, erl\u00e4uterte Link. &#8222;Die Studie liefert damit wichtige Impulse f\u00fcr k\u00fcnftige Umsiedlungsstrategien, die nicht nur effektiv, sondern auch gerecht und nachhaltig sein sollen.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie zu klimabedingten Umsiedlungen in Fidschi zeigt \u00fcberraschend positive Effekte f\u00fcr Betroffene. 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