{"id":18045,"date":"2025-05-22T19:35:00","date_gmt":"2025-05-22T17:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=18045"},"modified":"2025-05-22T19:35:00","modified_gmt":"2025-05-22T17:35:00","slug":"zu-forschungsclustern-marburger-doppelerfolg-in-exzellenzstrategie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=18045","title":{"rendered":"Zu Forschungsclustern: Marburger Doppelerfolg in Exzellenzstrategie"},"content":{"rendered":"<p>Einen Doppelerfolg in der Exzellenzstrategie kann Marburg feiern. Zwei Cluster erhalten F\u00f6rderung im wichtigsten deutschen Forschungswettbewerb <!--more--><br \/>\nK\u00f6nnen Mikroben ein Game-Changer beim Klimawandel werden? Wie funktionieren menschliche Wahrnehmung und Verhalten? Mit Forschung zu diesen beiden Themenkomplexen feiert Marburg einen Doppelerfolg in der Exzellenzstrategie des Bundes und der L\u00e4nder und tr\u00e4gt sich damit weit vorn auf der Landkarte der Forschungs-Exzellenz in Deutschland ein.<br \/>\nIm wichtigsten Wettbewerb in der deutschen Forschungsf\u00f6rderung werden das Marburger Exzellenzcluster &#8222;Microbes for Climate&#8220; (M4C) der Universit\u00e4t und des Max-Planck-Instituts f\u00fcr terrestrische Mikrobiologie sowie das Cluster &#8222;The Adaptive Mind&#8220; (TAM) in der Zusammenarbeit der Universit\u00e4ten Gie\u00dfen, Marburg und Darmstadt ab 1. Januar 2026 f\u00fcr sieben Jahre gef\u00f6rdert. Eine Verl\u00e4ngerung um weitere sieben Jahre ist m\u00f6glich.<br \/>\n&#8222;Die Leuchtturmprojekte sind das Ergebnis der strategischen Fokussierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf wichtige Forschungsthemen&#8220;, erkl\u00e4rte Universit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss. &#8222;Die Exzellenzcluster er\u00f6ffnen den Forschungsteams die M\u00f6glichkeit, grundlegende Antworten auf gro\u00dfe Fragen der Menschheit zu suchen und belohnen die Anstrengungen in vielen Bereichen der Universit\u00e4t \u00fcber die letzten Jahre. Herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, insbesondere in der Wissenschaft, in der Verwaltung und im hessischen Wissenschaftsministerium!&#8220;<br \/>\nUni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange \u00e4u\u00dferte sich ebenso zufrieden: &#8222;Gemeinsam ist es uns gelungen, die wissenschaftliche Exzellenz an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg gezielt auszubauen und gleichzeitig die Synergien in der synthetischen Mikrobiologie mit unseren Partnern am Max-Planck-Institut und im Forschungscampus Mittelhessen wirkungsvoll zu nutzen.&#8220; Prof. Dr. Helge Bode ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Max-Planck-Instituts f\u00fcr terrestrische Mikrobiologie. &#8222;Ich freue mich sehr, dass die langj\u00e4hrige und konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Universit\u00e4t Marburg und dem Max-Planck-Institut im Bereich der Mikrobiologie nun eine so herausragende Anerkennung erf\u00e4hrt&#8220;, betonte er.<br \/>\nBange erg\u00e4nzte: &#8222;Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war und ist zudem die enge Kooperation mit unserer Partneruniversit\u00e4t in Gie\u00dfen. Durch diese Zusammenarbeit konnten wir unsere St\u00e4rken b\u00fcndeln und innovative Forschungsans\u00e4tze entwickeln, die weit \u00fcber die Region hinausstrahlen. Die Exzellenzcluster belegen eindrucksvoll die strategische Weiterentwicklung der Universit\u00e4t Marburg und ihre f\u00fchrende Rolle in der Wissenschaftsregion Mittelhessen.&#8220;<br \/>\nGrund der Klimakrise ist im Wesentlichen ein menschengemachtes Ungleichgewicht im weltweiten Kohlenstoffkreislauf. Mikroorganismen stehen im Zentrum dieses Geschehens, weil sie j\u00e4hrlich Milliarden Tonnen der Treibhausgase Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) bilden und umsetzen. Gleichzeitig bieten sie auch M\u00f6glichkeiten, diese Treibhausgase in klimaunsch\u00e4dliche Molek\u00fcle umzuwandeln.<br \/>\nIhre Rolle in nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen, Landwirtschaft und Biotechnologien macht sie zu einem Teil der Klimakrise und gleichzeitig zu einem m\u00f6glichen Schl\u00fcssel zu ihrer L\u00f6sung. Im Exzellenzcluster &#8222;Microbes for Climate&#8220; (M4C) wollen die Forschenden die Wissensgrundlage f\u00fcr einen zuk\u00fcnftig ausgeglichenen Kohlenstoffkreislauf schaffen, um der weiteren Erderw\u00e4rmung entgegenzuwirken.<br \/>\n&#8222;In M4C entschl\u00fcsseln wir die grundlegenden Mechanismen der mikrobiellen Beitr\u00e4ge im Kohlenstoffkreislauf und entwickeln mit Hilfe synthetischer Biologie effizientere Wege zur nachhaltigen Umwandlung von CO2&#8220;, berichtete Prof. Dr. Anke Becker. &#8222;Nur, wenn wir genau verstehen, wie diese Mechanismen von den mikrobiellen Zellen betrieben und von der Umwelt beeinflusst werden, k\u00f6nnen wir leistungsf\u00e4higere Alternativen entwickeln. Die synthetische Biologie erm\u00f6glicht uns,Wege zu testen, die die Natur bisher noch nicht hervorgebracht hat oder die heute nicht mehr existieren. Das Exzellenzcluster gibt uns mit mindestens sieben Jahren Laufzeit gro\u00dfe Flexibilit\u00e4t, diese Forschung dynamisch voranzutreiben. Das sehen wir als gro\u00dfen Vertrauensvorschuss.&#8220;<br \/>\nDie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des Zentrums f\u00fcr Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) ist eine Sprecherin des Clusters. Obwohl Mikroorganismen die H\u00e4lfte des weltweit vorhandenen CO2 umsetzen und damit einen gewaltigen Einfluss auf das Weltklima haben, sind sie in der Forschung unterrepr\u00e4sentiert. In M4C sollen sie sichtbar gemacht, die Grundlagen ihres Beitrags zum Kohlenstoffkreislauf besser verstanden und ihr Potenzial erschlossen und mit Hilfe der synthetischen Biologie erweitert werden.<br \/>\nProf. Dr. Tobias Erb ist Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr terrestrische Mikrobiologie und ebenfalls Sprecher des Clusters. &#8222;Wir stehen hier vor einer gro\u00dfen Chance&#8220;, erl\u00e4uterte er. &#8222;Mikroben haben den globalen Kohlenstoffkreislauf im Lauf der Evolution mehrfach drastisch ver\u00e4ndert. Die Geschichte dieser dramatischen Ereignisse ist bis heute in den Sequenzen der mikrobiellen Enzyme zu finden.&#8220;<br \/>\nErb beschrieb seine Forschung: &#8222;Neue computergest\u00fctzte Verfahren erm\u00f6glichen uns, in die genetische Vergangenheit der Mikroben zur\u00fcckzureisen und l\u00e4ngst ausgestorbene mikrobielle Enzyme im Labor wiederherzustellen. Auf diese Weise erhoffen wir uns, entscheidende Fragen zu kl\u00e4ren: Wie entwickelten sich die CO2-umwandelnden Enzyme und Stoffwechselwege? Was erm\u00f6glichte den Erfolg bestimmter Prozesse, was verhinderte die Entwicklung eines alternativen Kohlenstoffstoffwechsels in einer bestimmten Umwelt? Au\u00dferdem suchen wir in extremen Lebensr\u00e4umen nach noch unentdeckten mikrobiellen L\u00f6sungen der CO2-Umwandlung oder entwickeln in der synthetischen Biologie ganz neue Wege, um das Treibhausgas CO2 einzufangen.&#8220;<br \/>\nGetragen wird M4C von der Philipps-Universit\u00e4t und dem Max-Planck-Institut f\u00fcr terrestrische Mikrobiologie mit ihren gemeinsamen Zentren. Das ist das Zentrum f\u00fcr Synthetische Mikrobiologie SYNMIKRO und das Zentrum &#8222;Mikrokosmos Erde&#8220; (MEC). Zudem sind Forschende der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen und der Universit\u00e4t M\u00fcnster beteiligt.<br \/>\nAus der hessischen &#8222;Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-\u00f6konomischer Exzellenz&#8220; (LOEWE) wird das Cluster mit zwei LOEWE-Spitzenprofessuren an der Philipps-Universit\u00e4t sowie zwei LOEWE-Schwerpunkten &#8222;Tree-M&#8220; und &#8222;RobuCop&#8220; unterst\u00fctzt. Auch SYNMIKRO wurde als LOEWE-Zentrum gegr\u00fcndet.<br \/>\nDie F\u00e4higkeit, Verhalten situationsgerecht anzupassen, ist eine elementar wichtige Eigenschaft des Menschen. Eine St\u00f6rung dieser F\u00e4higkeit kann zu psychischen Erkrankungen f\u00fchren. Trotz ihrer zentralen Bedeutung f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben sind die Mechanismen, die menschliche Anpassungsf\u00e4higkeit erlauben und steuern, bislang unverstanden.<br \/>\nSelbst neuesten Systemen der K\u00fcnstlichen Intelligenz und Robotik mangelt es an dieser Anpassungsf\u00e4higkeit. Die Zusammenarbeit zwischen der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU), der Philipps-Universit\u00e4t und der TU Darmstadt im Exzellenzcluster &#8222;The Adaptive Mind&#8220; vereint Forschende aus der Psychologie, den Kognitions- und den Neurowissenschaften mit Expertinnen und Experten f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Robotik, um universelle Prinzipien der menschlichen Anpassungsf\u00e4higkeit zu entschl\u00fcsseln. So wollen die Forschenden langfristig zu Verbesserungen im Bereich der psychischen Gesundheit, aber auch zu der Entwicklung robusterer Robotik- und KI-Systeme beitragen.<br \/>\n&#8222;Wir stehen alle in den Startl\u00f6chern und k\u00f6nnen es kaum erwarten, unsere vielen Forschungsideen nun endlich in die Tat umzusetzen und die n\u00e4chste Generation von jungen Forschenden auszubilden&#8220;, freute sich der Gie\u00dfener Wahrnehmungspsychologe Prof. Dr. Roland Fle&#8220;ing. Er ist einer der Sprecher des neuen Clusters. &#8222;Das ist eine wunderbare Best\u00e4tigung f\u00fcr die immense Unterst\u00fctzung, die wir vom Land Hessen, den Universit\u00e4ten und unseren Forschenden \u00fcber viele, viele Jahre hinweg erfahren haben.&#8220;<br \/>\nSeine JLU-Kollegin und Co-Sprecherin Prof. Dr. Katja Fiehler erg\u00e4nzte: &#8222;Menschliches Verhalten zu verstehen, ist sicherlich eine der gr\u00f6\u00dften wissenschaftlichen Herausforderungen. Mit dem Exzellenzcluster werden wir die psychologische Forschung grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndern und Lehrbuchwissen neu schreiben. Wir werden endlich in der Lage sein, menschliches Verhalten und dessen enorme Anpassungsf\u00e4higkeit au\u00dferhalb k\u00fcnstlicher Laborbedingungen, in der realen Welt, zu erkl\u00e4ren und vorherzusagen.&#8220;<br \/>\nIm Umgang mit Ver\u00e4nderungen sind Menschen unschlagbar: Das menschliche Auge kann sich an die Helligkeit der Umgebung anpassen, egal ob mittags am Strand oder in einer mondlosen Nacht. Menschen verlernen das Fahrradfahren nicht, obwohl sich ihre K\u00f6rper im Laufe des Lebens stetig ver\u00e4ndern. Und sie k\u00f6nnen mit verschiedenen Fl\u00fcssigkeiten umgehen vom Wasser bis zum Honig.<br \/>\nF\u00fcr Roboter dagegen ist eine solche Anpassungsf\u00e4higkeit bis heute au\u00dfer Reichweite. Dabei reagieren Menschen auf solche Ver\u00e4nderungen der Umst\u00e4nde mal mit Stabilit\u00e4t und mal mit Anpassung. Das erfordert mitunter enorme Flexibilit\u00e4t, um in einer dynamischen und unsicheren Welt zu bestehen.<br \/>\n&#8222;Doch wie entscheidet sich, wann das menschliche Gehirn zu welcher Strategie greift?&#8220;, fragte Prof. Dr. Frank Bremmer als der Sprecher f\u00fcr die Philipps-Universit\u00e4t. &#8222;Wie stehen Stabilit\u00e4t und Anpassung miteinander im Verh\u00e4ltnis? Und was passiert, wenn der Adaptionsprozess scheitert?&#8220;<br \/>\nDiese Fragen untersuchen Forschende unterschiedlicher Disziplinen im k\u00fcnftigen Exzellenzcluster. Den Forschenden geht es darum, universelle Prinzipien der menschlichen Anpassungsf\u00e4higkeit zu entschl\u00fcsseln. Das Thema taucht nicht nur in den Kognitions- und Neurowissenschaften und der Psychologie auf, sondern auch bei lernenden Robotern oder beim Training neuronaler Netze.<br \/>\nDie Federf\u00fchrung liegt bei der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, Mitantragstellerinnen waren die TU Darmstadt und die Philipps-Universit\u00e4t. Beteiligt sind au\u00dferdem die Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und das Frankfurt Institute for Advanced Studies. Aus dem hessischen Exzellenzprogramm &#8222;LOEWE&#8220; wird das Cluster mit LOEWE-Spitzen- und Startprofessuren an der Philipps-Universit\u00e4t, der JLU und der TUDa sowie den LOEWE-Zentren Dynamic und emergenCITY und den LOEWE-Schwerpunkten &#8222;Flow for Life&#8220; und &#8222;WhiteBox&#8220; unterst\u00fctzt.<br \/>\nDie Exzellenzstrategie ist eine Bund-L\u00e4nder-Vereinbarung, die darauf abzielt, Spitzenforschung nachhaltig zu f\u00f6rdern und die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit deutscher Hochschulen zu st\u00e4rken &#8211; und damit auch des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die erste F\u00f6rderrunde in der Exzellenzstrategie begann 2019. Sie hat die 2005\/2006 erstmals ausgerufene Exzellenzinitiative abgel\u00f6st. Ab 2026 betr\u00e4gt das j\u00e4hrliche Gesamtbudget der Exzellenzstrategie 687 Millionen Euro.<br \/>\nDas Zentrale Ziel der Exzellenzstrategie ist, die Forschungsexzellenz in international wettbewerbsf\u00e4higen Bereichen zu f\u00f6rdern, die deutschen Universit\u00e4ten institutionell zu st\u00e4rken und das deutsche Hochschulsystem weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck umfasst die Exzellenzstrategie zwei getrennte, aber miteinander verkn\u00fcpfte F\u00f6rderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversit\u00e4ten. Um eine F\u00f6rderung als Exzellenzuniversit\u00e4t beantragen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen Universit\u00e4ten an mindestens zwei und Universit\u00e4tsverb\u00fcnde an mindestens drei Exzellenzclustern als Antragssteller beteiligt sein.<br \/>\nDie Auswahl und Begutachtung der Exzellenzcluster geschieht auf Grundlage von wissenschaftlichen Auswahlverfahren. Diese Verfahren werden im Auftrag von Bund und L\u00e4ndern von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat durchgef\u00fchrt. Ziel ist die F\u00f6rderung international wettbewerbsf\u00e4higer Forschungsfelder an Universit\u00e4ten und in Universit\u00e4tsverb\u00fcnden. In der zweiten F\u00f6rderrunde ab 1. Januar 2026 werden 70 Cluster mit jeweils 3 bis 10 Millionen Euro pro Jahr gef\u00f6rdert. F\u00fcr die erste F\u00f6rderphase von zun\u00e4chst sieben Jahren (Start 2019) wurden insgesamt 57 Exzellenzcluster ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Doppelerfolg in der Exzellenzstrategie kann Marburg feiern. 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