{"id":17354,"date":"2025-01-21T13:50:22","date_gmt":"2025-01-21T12:50:22","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=17354"},"modified":"2025-01-21T13:50:22","modified_gmt":"2025-01-21T12:50:22","slug":"vorsorge-aus-vorsicht-marburg-virus-soll-bei-bekaempfung-kuenftiger-pandemien-helfen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=17354","title":{"rendered":"Vorsorge aus Vorsicht: Marburg-Virus soll bei Bek\u00e4mpfung k\u00fcnftiger Pandemien helfen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Forschungsverbund entwickelt antivirale Therapien f\u00fcr neu auftretende Viren. Zur besseren Pandemievorsorge startet das EU-Projekt &#8222;COMBINE&#8220;. <!--more--><br \/>\nDa sich Viruserkrankungen voraussichtlich immer schneller und weiter ausbreiten werden, ist die Vorbereitung auf m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Pandemien von entscheidender Bedeutung. Eine solide Pandemievorsorge rettet nicht nur Leben bei Ausbr\u00fcchen, sondern sch\u00fctzt auch die Wirtschaft, erh\u00e4lt das soziale Gef\u00fcge aufrecht und st\u00e4rkt die Widerstandsf\u00e4higkeit globaler Systeme. Das neue EU-Projekt &#8222;Comparative Signature of Marburg Virus Cell Activation as a Blueprint for the Identification of Antiviral Targets against Newly Emerging Viruses&#8220; (COMBINE) geht davon aus, dass es f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung neu auftretender Infektionskrankheiten von entscheidender Bedeutung ist, zu verstehen, wie Viren ihre Wirtszellen infizieren.<br \/>\nDas Projekt soll das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr verbessern, wie Viren in Zellen eindringen, und dabei das &#8222;Marburg-Virus&#8220; (MARV) als Modell verwenden. Au\u00dferdem soll eine Blaupause f\u00fcr die Identifizierung neuer Ziele f\u00fcr antivirale Strategien erstellt werden. Das w\u00e4re ein entscheidender Eckpfeiler der Pandemievorsorge.<br \/>\n&#8222;COMBINE&#8220; wird vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig koordiniert. Das Projekt bringt sieben Partner aus f\u00fcnf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zusammen. Von der Philipps-Universit\u00e4t ist das Institut f\u00fcr Virologie mit Dr. Nadine Biedenkopf beteiligt.<br \/>\nDas Projekt wird in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren \u00fcber das Rahmenprogramm &#8222;Horizon Europe&#8220; f\u00fcr Forschung und Innovation von der Europ\u00e4ischen Union mit insgesamt 7,2 Millionen Euro gef\u00f6rdert. Rund eine Million Euro gehen dabei an das Teilprojekt der Virologin Biedenkopf.<br \/>\nJede Virusinfektion beginnt mit der Anheftung des Virus an die Wirtszellen und der anschlie\u00dfenden Aktivierung zellul\u00e4rer Rezeptoren. Daher konzentriert sich COMBINE auf den entscheidenden Virus-Zell-Bindungsschritt und zielt darauf ab, die beteiligten Faktoren und potenzielle therapeutische Ziele zu identifizieren, die in fr\u00fche Stadien von Virusinfektionen involviert sind.<br \/>\n&#8222;Wir werden eine Kombination aus innovativen Ans\u00e4tzen anwenden, um die Signatur der Virus-Zell-Aktivierung zu identifizieren, die Mechanismen der Virusbindung und des Viruseintritts zu charakterisieren und neuartige Inhibitoren und Impfstoffkandidaten zu entwickeln&#8220;, erkl\u00e4rte Projektkoordinator Prof. Christian Sieben. &#8222;Unter Verwendung des Marburg-Virus als hochpathogenes BSL-4-Modellvirus bietet dieser neuartige Ansatz einen umfassenden Einblick in den Viruseintrittsprozess, wobei zwischen der anf\u00e4nglichen Anheftung und der anschlie\u00dfenden zellul\u00e4ren Aktivierung und Internalisierung unterschieden wird.&#8220;<br \/>\nSieben ist Leiter der Forschungsgruppe &#8222;Nanoinfektions&#8220;. Biedenkopf leitet eine Arbeitsgruppe am Institut f\u00fcr Virologie der Philipps-Universit\u00e4t und widmet sich der Erforschung von Transkriptions- und Replikationsstrategien von hochpathogenen Ebola- oder Marburg-Viren. Im Konsortium COMBINE untersucht sie in einem vergleichenden Ansatz die Anf\u00e4nge einer Marburg-Virus-Infektion von dessen Bindung bis Eintritt in die infizierte Zelle.<br \/>\n&#8222;Unser Ziel ist es, den Fingerabdruck, den das Marburg-Virus in der infizierten Zelle hinterl\u00e4sst, zu untersuchen und zu verstehen&#8220;, sagte die Forscherin. &#8222;Wir hier in Marburg tragen mit Untersuchungen zu Marburg-Virus-Infektionen unter den h\u00f6chsten Sicherheitsbedingungen in unserem BSL4-Labor sowie mit unserer Expertise zu Marburg-Virus-spezifischen Modellsystemen zum Gesamtprojekt bei und sind daher mit allen europ\u00e4ischen Projektpartnern eng vernetzt. Die verschiedenen experimentellen Plattformen, die wir im Rahmen von COMBINE europaweit entwickeln, werden auch f\u00fcr die Untersuchung k\u00fcnftiger Erreger der h\u00f6chsten Sicherheitsstufe (BSL4) relevant sein.&#8220;<br \/>\nMit dem COMBINE-Ansatz will das Team die fundamentale pr\u00e4klinische Grundlage f\u00fcr die weitere Entwicklung spezifischer Anti-MARV-Medikamente und optimierter MARV-Impfstoffe schaffen. &#8222;Mit COMBINE wollen wir einen nachhaltigen Beitrag leisten, indem wir die vorzeitige Sterblichkeit und die Belastung des Gesundheitssystems durch das Marburg-Virus durch neuartige Behandlungen und optimierte Impfstoffe verringern&#8220;, betonte Sieben. &#8222;Unsere Arbeit wird jedoch nicht nur die globale virologische Gemeinschaft mit neuen Instrumenten und Erkenntnissen st\u00e4rken, sondern auch die Pandemievorsorge verbessern, indem sie sich mit den Gesundheitsgefahren befasst, die vom Marburg-Virus und anderen neu auftretenden Viruserkrankungen ausgehen.&#8220;<br \/>\nDas Projekt wird nicht nur entscheidende Erkenntnisse \u00fcber den Zelleintritt von MARV liefern, sondern auch eine innovative experimentelle Pipeline zur Identifizierung und Bek\u00e4mpfung von Proteinen entwickeln, die am Anheftungsprozess des Virus beteiligt sind. Das ist ein entscheidender Faktor bei der Bek\u00e4mpfung von Virusausbr\u00fcchen. COMBINE strebt die Schaffung eines vielseitigen, anpassungsf\u00e4higen Bauplans an, der l\u00e4nder\u00fcbergreifende Kooperationen zur Entwicklung neuartiger Medikamente und Impfstoffe gegen neu auftretende Viren erleichtert. Die im Rahmen des Projekts durchgef\u00fchrten Forschungsarbeiten werden daher nicht nur das Wissen \u00fcber den Zelleintritt des Marburg-Virus und die therapeutischen M\u00f6glichkeiten erweitern, sondern auch eine Technologie-Pipeline schaffen, die schnell auf andere neu auftretende Viren angewendet werden kann. Dadurch werden die globale Gesundheitssicherheit und die Vorbereitung auf k\u00fcnftige Pandemien gest\u00e4rkt.<br \/>\nNeben COMBINE ist die Virologie der Philipps-Universit\u00e4t auch an weiteren Projekten des F\u00f6rderprogramms &#8222;Horizon Europe&#8220; der Europ\u00e4ischen Union beteiligt. So forscht beispielsweise Dr. Thomas Strecker im Projekt &#8222;DEFENDER&#8220; an molekularen und zellul\u00e4ren Infektionsmechanismen von Lassa-Viren in menschlichen Zellen. Und die Virologin Dr. Eva Friebertsh\u00e4user unterst\u00fctzt im Projekt &#8222;VIGILANT&#8220; die Entwicklung antiviraler Breitbandmedikamente.<br \/>\nDas Marburg-Virus ist &#8211; wie das Ebola-Virus, das zur Familie der Filoviren geh\u00f6rt &#8211; ein hochansteckender und t\u00f6dlicher Erreger mit erheblichem epidemischem Potenzial. Das Virus kommt in Flughunden vor, die in Afrika weit verbreitet sind, und kann auch von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen werden. Dar\u00fcber hinaus erm\u00f6glicht die Inkubationszeit des Virus, die zwischen zwei und 21 Tagen liegt, eine potenzielle stille \u00dcbertragung durch Personen, die noch keine Symptome aufweisen, was die Bem\u00fchungen zur Eind\u00e4mmung von Ausbr\u00fcchen weiter erschwert.<br \/>\nAufgrund der j\u00fcngsten wiederkehrenden Ausbr\u00fcche des Marburg-Virus, auch in zuvor nicht betroffenen L\u00e4ndern, in Verbindung mit dem Fehlen eines zugelassenen Impfstoffs oder einer spezifischen antiviralen Behandlung und der hohen Letalit\u00e4t des Virus besteht weiterhin ein erhebliches klinisches und gesellschaftliches Interesse an der Entwicklung geeigneter antiviraler Medikamente. Untersuchungen zu Marburg-Virus sind nur in Laboren der h\u00f6chsten Sicherheitsstufe m\u00f6glich. Eines von wenigen dieser sogenannten &#8222;BSL4-Labore&#8220; befindet sich an der Philipps-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Forschungsverbund entwickelt antivirale Therapien f\u00fcr neu auftretende Viren. 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