{"id":17329,"date":"2025-01-15T17:45:00","date_gmt":"2025-01-15T16:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=17329"},"modified":"2025-01-15T17:45:00","modified_gmt":"2025-01-15T16:45:00","slug":"schutzimpfung-gesundheitsamt-empfiehlt-immunisierung-gegen-polio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=17329","title":{"rendered":"Schutzimpfung: Gesundheitsamt empfiehlt Immunisierung gegen Polio"},"content":{"rendered":"<p>Das Gesundheitsamt empfiehlt, den Impfschutz gegen &#8222;Polio&#8220; zu \u00fcberpr\u00fcfen. Der Schutz gegen die &#8222;Kinderl\u00e4hmung&#8220; k\u00f6nne verbessert werden. <!--more--><br \/>\nSeit 2021 wird in einem Forschungsprojekt in sieben deutschen St\u00e4dten regelm\u00e4\u00dfig das Abwasser auf bestimmte Krankheitserreger untersucht. Dabei wurden an allen Test-Standorten ver\u00e4nderte Impf-Polio-Viren nachgewiesen. Bisher wurde aber in Deutschland kein Fall von Poliomyelitis gemeldet. Die sogenannte &#8222;Kinderl\u00e4hmung&#8220; ist die Erkrankung, die durch Polio-Viren ausgel\u00f6st werden kann.<br \/>\nDa die Impfquoten nicht ausreichend sind, empfiehlt das Gesundheitsamt, den Impfschutz gegen Polio zu \u00fcberpr\u00fcfen und bei Bedarf zu vervollst\u00e4ndigen. Die Impfung ist sicher und bietet einen guten Schutz.<br \/>\n&#8222;Infektionen mit Polio-Viren k\u00f6nnen bei einem kleinen Teil der Infizierten zu einer sogenannten schlaffen L\u00e4hmung f\u00fchren&#8220;, erl\u00e4uterte Dr. Birgit Wollenberg. &#8222;Betroffen sind meist Kinder unter f\u00fcnf Jahren, daher nennt man die Erkrankung auch Kinderl\u00e4hmung.&#8220;<br \/>\nWollenberg ist die Leiterin des Gesundheitsamts Marburg-Biedenkopf. &#8222;Die L\u00e4hmungen k\u00f6nnen zu dauerhaften Beeintr\u00e4chtigungen oder sogar zum Tod f\u00fchren, wenn beispielsweise die Atemmuskulatur betroffen ist&#8220;, warnte die Amts\u00e4rztin. &#8222;Die meisten Infizierten entwickeln jedoch nur allgemeine Symptome und erholen sich wieder. Polioviren verbreiten sich von Mensch zu Mensch.&#8220;<br \/>\nGegen Kinderl\u00e4hmung werde seit Jahrzehnten erfolgreich geimpft. Von dem Polio-Virus habe es drei Wildtypen gegeben, von denen bereits zwei als ausgerottet gelten. Geblieben sei der &#8222;Wildtyp 1&#8220;, der zur Zeit nur au\u00dferhalb Europas noch auftrete.<br \/>\n&#8222;F\u00fcr die Impfungen wurde jahrzehntelang ein Schluckimpfstoff eingesetzt, der abgeschw\u00e4chte Polio-Viren enthielt&#8220;, berichtete Wollenberg. &#8222;Diese Viren vermehren sich, so dass im K\u00f6rper ein Immunschutz aufgebaut wird. Geimpfte scheiden dann eine Zeitlang Impfviren aus.&#8220;<br \/>\nIn L\u00e4ndern, in denen die Schluckimpfung genutzt werde, sei das sogar zu einem Teil erw\u00fcnscht, weil so auch Menschen mit den abgeschw\u00e4chten Impfviren in Kontakt k\u00e4men und immunisiert w\u00fcrden, ohne die eigentliche Schluckimpfung zu bekommen, beschreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Wenn diese Viren jedoch l\u00e4nger zirkulierten, k\u00f6nne es zur Ver\u00e4nderung des Erbguts des Virus kommen. &#8222;Immer wieder wurden solche ver\u00e4nderten Impfviren beobachtet, die auch L\u00e4hmungen verursachten&#8220;, berichtete Wollenberg.<br \/>\n&#8222;Das war der Hauptgrund daf\u00fcr, dass in Deutschland und vielen anderen L\u00e4ndern 1998 der Schluckimpfstoff durch einen inaktivierten Impfstoff abgel\u00f6st wurde, der gespritzt wird und keine Krankheit ausl\u00f6sen kann.&#8220;<br \/>\nSeit 2021 wird in einem Forschungsprojekt in den sieben deutschen St\u00e4dten M\u00fcnchen, Bonn, K\u00f6ln, Hamburg, Dresden, D\u00fcsseldorf und Mainz regelm\u00e4\u00dfig das Abwasser auf bestimmte Krankheitserreger untersucht. Dort wurden an allen Test-Standorten auch ver\u00e4nderte Impf-Polioviren nachgewiesen. Da die Schluckimpfung in einigen L\u00e4ndern noch eingesetzt wird, sind Nachweise von Impfviren im Abwasser nicht ungew\u00f6hnlich.<br \/>\nDas gilt auch f\u00fcr L\u00e4nder, die keine Schluckimpfung mehr nutzen, da Impfviren durch Reisende hineingebracht werden k\u00f6nnen. In Deutschland konnten Polio-Impfviren bereits mehrfach im Abwasser nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um Impfviren, die sich bereits genetisch ver\u00e4ndert haben und sich also schon l\u00e4nger verbreiten.<br \/>\nAu\u00dferdem zeigte die genaue Untersuchung des Viren-Erbguts, dass die Viren an den verschiedenen Orten in Deutschland sehr \u00e4hnlich sind. Das bedeutet, dass es sich um ein zirkulierendes Impfvirus handelt, das bereits verbreitet ist. Unklar ist, ob das Virus bereits innerhalb von Deutschland zirkuliert oder ob die Viren ausschlie\u00dflich von Menschen ausgeschieden werden, die sich au\u00dferhalb Deutschlands infiziert haben. Denkbar ist jedoch, dass Menschen hierzulande das Virus weitergeben und einzelne, ungeimpfte Personen m\u00f6glicherweise auch erkranken.<br \/>\n&#8222;Es gibt zu viele ungesch\u00fctzte Menschen&#8220;, warnte die Leiterin des Gesundheitsamts. &#8222;Je mehr ungesch\u00fctzte Menschen es gibt, desto leichter ist es f\u00fcr das Virus, sich zu verbreiten. Deswegen ist es wichtig, auf rechtzeitige Impfungen zu achten.&#8220;<br \/>\nLaut Empfehlungen sollte die aus drei Impfstoffdosen bestehende Grundimmunisierung bei Kindern gegen Polio mit zw\u00f6lf Monaten abgeschlossen sein. Aktuelle Impfquoten zeigen jedoch, dass die dritte Impfdosis meist zu sp\u00e4t verabreicht wird. Deswegen haben bundesweit mehr als eine halbe Million Kinder eines Geburtsjahrgangs zum ersten Geburtstag noch keinen vollst\u00e4ndigen Impfschutz. Mit zwei Jahren sind es immer noch mehr als 180.000 Kinder pro Jahrgang.<br \/>\nZudem gibt es gro\u00dfe regionale Impfl\u00fccken: In manchen Landkreisen sind weniger als 60 Prozent der Zweij\u00e4hrigen gesch\u00fctzt. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist die Impf-Quote h\u00f6her und bel\u00e4uft sich auf rund 80 Prozent der Zweij\u00e4hrigen, die gesch\u00fctzt sind.<br \/>\nDie St\u00e4ndige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen, den Impfschutz gegen Polio zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu vervollst\u00e4ndigen. Das gilt besonders f\u00fcr Kinder, aber auch f\u00fcr Jugendliche und Erwachsene. F\u00fcr medizinisches Personal und den \u00f6ffentlichen Gesundheitsdienst gibt es spezifische Empfehlungen beim RKI.<br \/>\nKinder im Alter zwischen zw\u00f6lf Monaten und acht Jahren sollten mindestens drei Mal gegen Poliomyelitis geimpft worden sein, wobei der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung mindestens vier Wochen und zwischen der letzten und der vorletzten Impfung mindestens sechs Monate betragen soll. Bei Personen ab acht Jahren sollte eine vierte Dosis als Auffrischung im Abstand von f\u00fcnf bis zehn Jahren zur letzten Dosis gegeben werden. In Deutschland wird nur mit dem inaktivierten Polio-Impfstoff &#8222;IPV&#8220; geimpft.<br \/>\nDie Impfung bietet einen fast 100-prozentigen Schutz vor der Erkrankung. F\u00fcr Fragen rund eine Impfung gegen die &#8222;Kinderl\u00e4hmung&#8220; k\u00f6nnen sich Interessierte an ihre Haus- oder Kinderarztpraxis wenden. Weitere Informationen bietet das Gesundheitsamt auch online unter <a href=\"https:\/\/www.marburg-biedenkopf.de\/soziales_und_gesundheit\/inhalte\/polioviren-im-abwasser.php\">www.marburg-biedenkopf.de\/soziales_und_gesundheit\/inhalte\/polioviren-im-abwasser.php<\/a>.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gesundheitsamt empfiehlt, den Impfschutz gegen &#8222;Polio&#8220; zu \u00fcberpr\u00fcfen. 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