{"id":16633,"date":"2024-10-15T18:38:13","date_gmt":"2024-10-15T16:38:13","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=16633"},"modified":"2024-10-22T07:50:41","modified_gmt":"2024-10-22T05:50:41","slug":"mit-mehr-kapazitaet-grundsteinlegung-fuer-marburg-centre-for-epidemic-preparednessmit-mehr-kapazitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=16633","title":{"rendered":"Mit Mehrkapazit\u00e4t: Grundsteinlegung f\u00fcr \u201eMarburg Centre for Epidemic Preparedness\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Durch den graukalten Nebel gehe ich an diesem nassen Montagmorgen zur Bushaltestelle. Es ist kurz vor 8 Uhr.\n<!--more-->Mein Kopf dr\u00f6hnt und meine Nase l\u00e4uft. Bei jedem Schlucken versp\u00fcre ich das Bed\u00fcrfnis, vor Schmerz laut aufzuschreien. Wie passend, denke ich. Ich bin auf dem Weg zur Grundsteinlegung eines Hochsicherheitslabors, in dem gef\u00e4hrliche Viren erforscht werden. Da scheint es nur logisch, dass ich mir selbst einen Virus eingefangen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Campus der Lahnberge der Philipps-Universit\u00e4t Marburg fand am Montag (14. Oktober) die feierliche Grundsteinlegung f\u00fcr das &#8222;Marburg Centre for Epidemic Preparedness&#8220; (MCEP) statt. Dieses neue Labor der h\u00f6chsten Sicherheitsstufe &#8222;BSL-4&#8220; soll bis Ende 2026 in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem bereits bestehenden Hochsicherheitslabor errichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bus kommt und ich steige ein. W\u00e4hrend er sich den Weg zu den Lahnbergen hinaufschl\u00e4ngelt, kreisen sich meine Gedanken um unz\u00e4hlige Fragen: Wie Virologinnen und Virologen wohl aussehen? Und was geschieht wirklich hinter den geschlossenen T\u00fcren eines solchen Labors? Begriffe wie Hochsicherheitslabor und hochpathogene Viren erscheinen mir surreal. Ich kann das Gef\u00fchl nicht absch\u00fctteln, dass diese Welt mir einerseits v\u00f6llig fremd ist und gleichzeitig beunruhigend nah. Ein Gef\u00fchl von Ehrfurcht mischt sich mit einer mulmigen Unruhe. W\u00e4re ich 2019 hierhergekommen, h\u00e4tte ich die Tragweite dieses Ereignisses vermutlich nicht erkannt. Damals h\u00e4tte mir diese Welt noch viel ferner und unbegreiflicher gewirkt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fachbereich Virologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg m\u00f6chte mit dem Bau dieses neuen Labors seine Spitzenforschung weiter vorantreiben. Die Universit\u00e4t leistet seit Jahren herausragende Arbeit in der Erforschung hochansteckender Viren wie Ebola, Corona und dem Marburg-Virus. Der Tiefbau des Projekts wurde nach der Erteilung der Baugenehmigung im Fr\u00fchjahr 2024 abgeschlossen. Die ersten Arbeiten \u00fcber der Erde f\u00fchrten zur feierlichen Grundsteinlegung. <\/p>\n\n\n\n<p>Gedankenverloren starre ich aus dem Fenster. \u201eHans-Meerwein Stra\u00dfe\u201c h\u00f6re ich die Durchsage. Ich schrecke auf, schnappe mir meinen Rucksack und springe in letzter Sekunde aus dem Bus. Ich schaue mich um: Kantige Beton- und Glasstrukturen umgeben mich.&nbsp;Die rechteckigen Geb\u00e4udekomplexe wirken k\u00fchl und trostlos. Sie strahlen beinahe etwas Apokalyptisches aus. Hier oben auf den Lahnbergen, weit entfernt vom Trubel der Stadt, existiert eine mir v\u00f6llig unbekannte Welt. Als Ottonormalb\u00fcrgerin habe ich keinen blassen Schimmer von dem, was hier vor sich geht. Pl\u00f6tzlich f\u00fchle ich mich wahnsinnig klein und unwissend.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wissenschaftsrat hatte sich im April 2021 f\u00fcr das Projekt ausgesprochen und den Bau des MCEP empfohlen. Die Gesamtkosten f\u00fcr das neue Labor werden auf etwa 46 Millionen Euro gesch\u00e4tzt. Zus\u00e4tzlich werden rund 4,6 Millionen Euro f\u00fcr die Erstausstattung und Gro\u00dfger\u00e4te ben\u00f6tigt. Der Bund stellt 19 Millionen Euro bereit. Das Land Hessen unterst\u00fctzt das Projekt mit etwa 27 Millionen Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfe, was f\u00fcr eine schwindelerregende Summe. Bei dem Gedanken an so viel Geld f\u00fchle ich mich noch ein bisschen kleiner und unwissender. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut f\u00fcr Virologie in Marburg ist bekannt f\u00fcr seine Spitzenforschung und umfassende Expertise in der Virenforschung. In den letzten Jahren hat es bedeutende Beitr\u00e4ge zur Bek\u00e4mpfung gef\u00e4hrlicher Virusausbr\u00fcche geleistet. Das Institut hat sich als international anerkanntes Zentrum etabliert. Es ist aktiv in der Grundlagenforschung, der Entwicklung von Therapeutika und Impfstoffen sowie in der akuten Krisenbew\u00e4ltigung, etwa w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem leisen Klicken \u00f6ffne ich die Glast\u00fcr und biege nach rechts in den Flur ab. Die warme Luft schl\u00e4gt mir entgegen und meine Brille beschl\u00e4gt. Ich seufze leise \u2013 das hatte ich in den letzten Monaten wirklich nicht vermisst. Ich sch\u00fcttle den Gedanken an den nahenden Winter hastig ab, wie die Tropfen, die von meinem Regenschirm auf den Boden prallen. <\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich betrete ich den Raum. 50 St\u00fchle stehen ordentlich in Reihen aufgestellt. Ich entscheide mich f\u00fcr einen Platz in der hintersten Reihe. Mein Notizheft ruht auf meinen Knien, w\u00e4hrend mein Blick auf meine Schuhe f\u00e4llt. Das warme Holz der St\u00fchle harmoniert mit den k\u00f6nigsblauen Sitzkissen\u00fcberz\u00fcgen. Obwohl der Raum schlicht ist, wirkt der Montagmorgen hier drin fast feierlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die G\u00e4steliste zur Grundsteinlegung umfasst viele renommierte Pers\u00f6nlichkeiten. Dazu z\u00e4hlen Universit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss sowie Staatsminister Timon Gremmels vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Forschung. Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies und der Virologe Prof. Dr. Stephan Becker sind ebenfalls unter den Anwesenden. Auch der Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen Thomas Platte wird einige Worte an die geladenen G\u00e4ste richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allm\u00e4hlich f\u00fcllt sich der Raum. Die organisatorische Leiterin wirkt angespannt. Sie eilt sie zur Br\u00fccke, \u201eum den Minister abzuholen\u201c. Ihre Assistentin bleibt hilflos am T\u00fcreingang zur\u00fcck mit den Presse-Inforamtionsbl\u00e4ttern bewaffnet in der Hand. Immer mehr Menschen treten ein. Gemurmel hallt durch den Raum. Ein h\u00f6fliches \u201eGuten Morgen\u201c hier, ein freundliches \u201eIst der Platz neben Ihnen noch frei?\u201c dort. Ich schnappe etwas von Wohnmobilen auf. Und von Winterjacken, die heute aus dem Schrank geholt und zum ersten Mal getragen werden. Mir f\u00e4llt auf, dass \u00fcberdurchschnittlich viele der Anwesenden rechteckige Brillen tragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Labore der Sicherheitsstufe 4 werden f\u00fcr die Forschung an hochpathogenen Viren eingesetzt. Diese Viren sind extrem gef\u00e4hrlich. Sie verursachen schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankungen und k\u00f6nnen t\u00f6dlich sein. In den letzten Jahren haben sich Virusepidemien und -pandemien geh\u00e4uft. Oft werden sie von neuartigen, zoonotischen Viren ausgel\u00f6st. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise das Ebola-Virus, das Zika-Virus sowie die Coronaviren MERS und SARS. Da die Arbeit mit diesen Viren besonders hohe Risiken birgt, d\u00fcrfen sie nur in Laboren der h\u00f6chsten biologischen Sicherheitsstufe untersucht werden. In diesen Einrichtungen wird unter strengen Schutzma\u00dfnahmen gearbeitet. In Deutschland gibt es nur vier Hochsicherheitslabore dieser Art. Eines davon befindet sich in Marburg. Besonders an diesem Labor ist, dass es als einziges BLS-4 Labor an einer Universit\u00e4t angesiedelt ist. Das erm\u00f6glicht eine einzigartige Verbindung von Forschung, Bildung und praktischer Anwendung.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede und jeder auf diesen St\u00fchlen hat in irgendeiner Weise etwas mit dem Bau dieses Hochsicherheitslabors und der Virenforschung zu tun. Ein am\u00fcsanter Gedanke, der mir ein Schmunzeln entlockt. Gleichzeitig ist es be\u00e4ngstigend zu wissen, dass nur wenige Schritte entfernt mit t\u00f6dlichen Viren wie Ebola und dem Marburg-Virus gearbeitet wird. Mein Schmunzeln verblasst. <\/p>\n\n\n\n<p>Hinter mir hantiert eine Frau mit einer professionellen Kamera. Ein weiterer Fotograf steht links vorne neben der T\u00fcr. Sein Blitz ist so unangenehm blendend, dass es mir in meinen m\u00fcden Montagsmorgenaugen weh tut. Nauss tritt an das Rednerpult. Das Gemurmel verstummt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau des neuen BSL-4 Labors in Marburg ist entscheidend f\u00fcr die Weiterentwicklung der virologischen Forschung, da das bestehende Labor seine Kapazit\u00e4tsgrenzen erreicht hat. Mit etwa 400 Quadratmetern zus\u00e4tzlicher Laborfl\u00e4che wird Platz f\u00fcr neue Technologien und mehr Mitarbeitende geschaffen. Neben den bisherigen sechs Besch\u00e4ftigten werden k\u00fcnftig zw\u00f6lf weitere Forschende an epidemischen und pandemischen Viren arbeiten k\u00f6nnen. Durch die modernisierte Ausstattung, einschlie\u00dflich eines Roboters, k\u00f6nnen Routineaufgaben zuk\u00fcnftig automatisiert werden. Dadurch erh\u00f6ht sich der Durchsatz und die Effizienz steigt. Die Wissenschaftler*innen k\u00f6nnen sich so verst\u00e4rkt auf komplexe molekularbiologische Fragestellungen konzentrieren. Zudem wird der direkte Kontakt zwischen Mensch und Virus minimiert. Dadurch werden potenzielle Ansteckungsgefahren ausgeschlossen. Das alles verbessert letztlich die Reaktionsf\u00e4higkeit auf gesundheitliche Notlagen erheblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwie ist hier ganz sch\u00f6n viel von Steinen die Rede. Grundsteine, Bausteine, Meilensteine &#8211; f\u00fcr die Virologie laut Nauss &#8222;im wahrsten Sinne des Wortes&#8220; von Bedeutung. Ein zentrales Anliegen sei au\u00dferdem der dringliche Wunsch, das Labor bis Ende 2026 p\u00fcnktlich zum 500-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Universit\u00e4t 2027 fertigzustellen. Augenzwinkernd bemerkt Gremmels, dass man sich in dieser Angelegenheit allerdings keine Sorgen machen m\u00fcsse. Der zust\u00e4ndige Bauunternehmer sei ein ehemaliger Klassenkamerad des hessischen Wissenschaftsministers. Sollte es notwendig sein, werde er ihn kurzerhand anrufen, um sicherzustellen, dass die Arbeiten im Zeitplan bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich tritt ein gro\u00dfer, schmaler Mann mit get\u00f6nter Brille an das Redepult: Prof. Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts f\u00fcr Virologie in Marburg. Seine ruhige und fast unscheinbare Art strahlt eine beruhigende Pr\u00e4senz aus. Ich frage mich, was er heute morgen wohl zum Fr\u00fchst\u00fcck hatte und wie er seinen Sonntagnachmittag verbracht hat. H\u00e4tte ich ihn zuf\u00e4llig auf der Stra\u00dfe getroffen, h\u00e4tte ich niemals gedacht, dass ich hier einem der weltweit f\u00fchrenden Virologen begegne. Irgendetwas an ihm fasziniert mich. <\/p>\n\n\n\n<p>In Hochsicherheitslaboren der Stufe 4 werden verschiedene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu hochpathogenen Viren durchgef\u00fchrt. Diese Untersuchungen umfassen einerseits die Diagnostik von importierten Infektionen, wie dem Marburg- und Ebola-Virus, sowie neu auftretenden hochpathogenen Viren. Ein besonders wichtiger Aspekt der Arbeit in einem BSL-4-Labor ist dar\u00fcber hinaus die Grundlagenforschung. Ihr Ziel ist es, zu verstehen, wie lebensbedrohliche Viren funktionieren. Dieses Verst\u00e4ndnis bildet die Basis f\u00fcr die Entwicklung von Strategien zur Pr\u00e4vention und Therapie. Dazu geh\u00f6rt auch die Entwicklung von Impfstoffen. Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu einem hochpathogenen Virus k\u00f6nnen oft auf verwandte Viren angewendet werden. Das verschafft der Wissenschaft einen wichtigen Vorteil, wenn erneut eine gef\u00e4hrliche Epidemie oder Pandemie droht. Zudem k\u00f6nnen aussichtsreiche Impfstoffkandidaten in Zell- und Tiermodellen im Marburger BSL-4-Labor schnell getestet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich Beckers Worten lausche, beginne ich insgeheim meine Studienwahl zu hinterfragen. Seine Erz\u00e4hlungen klingen so wichtig und spannend, ich glaube ich mag auch Virologin werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau eines BSL-4-Labors ist ein anspruchsvolles Projekt. Er erfordert sorgf\u00e4ltige Planung und umfassendes Fachwissen. In Marburg kann auf erfolgreiche Erfahrungen aus dem vorherigen Bau eines solchen Labors zur\u00fcckgegriffen werden. Das erleichtert den aktuellen Prozess. F\u00fcr den Entwurf des Hochsicherheitslabors ist die Stuttgarter HWP Planungsgesellschaft verantwortlich. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) \u00fcbernimmt die Projektleitung und -steuerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Verantwortlichen in diesem Raum m\u00f6chte ich definitiv nicht tauschen. Ich will mir lieber gar nicht vorstellen, was passiert, wenn hier irgendetwas schief geht. Was, wenn diese Viren pl\u00f6tzlich Beine kriegen und durch Marburg spazieren? Vor meinem inneren Auge sehe ich uns schon auf die n\u00e4chste Pandemie zurasen und Panik steigt in mir auf. Bitte nicht, ich habe doch noch so viel vor&#8230; Okay, Schluss jetzt. Ich verliere mich mal wieder in einem Gedankenszenario, in dem eine Katastrophe die N\u00e4chste jagt. Ich richte mich auf, atme tief durch und nehme meinen Stift zur Hand. Es wird Zeit, dass ich meine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz dem Bauprozess eines solchen Labors widme.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schutz der Mitarbeitenden und der Umwelt habe oberste Priorit\u00e4t. Das Labor wird Platte zufolge in einer \u201eHaus im Haus\u201c-Struktur errichtet. Diese Struktur umfasst einen speziellen Laborbereich, der f\u00fcr maximale Sicherheit konzipiert ist. Der Neubau erf\u00fcllt strenge Sicherheitsvorschriften und nutzt die neuesten technischen Standards. Alle Arbeitsbereiche sind so gestaltet, dass sie auch bei technischen St\u00f6rungen funktionsf\u00e4hig bleiben und die Mitarbeitenden gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Laborfl\u00e4che betr\u00e4gt rund 400 Quadratmeter. Das sind etwa dreimal so viel wie im bisherigen Geb\u00e4ude. Insgesamt wird das Projekt auf etwa 3.000 Quadratmetern angelegt. Denn auf jeden Quadratmeter Laborfl\u00e4che kommen rund 20 Quadratmeter Technik. Dieser hohe technische Bedarf ergibt sich aus der Notwendigkeit, den konstanten Unterdruck im Labor aufrechtzuerhalten. Zudem m\u00fcssen umfangreiche Systeme zur Abwasser- und Abluftdekontamination integriert werden, um Umweltrisiken auszuschlie\u00dfen. Die Mitarbeitenden tragen spezielle Schutzanz\u00fcge mit Fremdatemluft. So wird eine Kontamination verhindert. Vor dem Zugang zum Laborbereich durchqueren sie mehrere Schleusen, um sich auf die Arbeit mit gef\u00e4hrlichen Viren vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwie erinnert mich das an eine Raumstation. Irgendwo im Weltall weit von unserem Alltag entfernt. Wenn ich so dar\u00fcber nachdenke, haben diese Schutzanz\u00fcge tats\u00e4chlich erstaunliche \u00c4hnlichkeit mit Astronautenanz\u00fcgen. Wie sich das wohl anf\u00fchlen mag, in so einem Anzug zu stecken? Wenn ich in meinem n\u00e4chsten Leben Virologin werde, muss ich das unbedingt mal ausprobieren.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftsminister Gremmels unterstreicht zudem die entscheidende Rolle des neuen Labors f\u00fcr die Forschung zu Epidemien und deren Pr\u00e4vention. Angesichts globaler Gesundheitsrisiken, die uns vor nie dagewesene Herausforderungen stellen, werde das MCEP als Zentrum f\u00fcr herausragende wissenschaftliche Arbeit dazu beitragen, die Widerstandsf\u00e4higkeit unserer Gesellschaft gegen zuk\u00fcnftige Epidemien zu st\u00e4rken. Die H\u00e4ufigkeit von Krisensituationen nehme zu und der Forschungsbedarf sei gr\u00f6\u00dfer denn je. <\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder blitzt diese Kamera, deren grelles Licht mich immer noch blendet. Platte hebt erneut das Ziel der baldigen Fertigstellung hervor, und ich frage mich, ob das tats\u00e4chlich klappen wird. Ich w\u00fcnsche es allen Beteiligten von Herzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Becker erl\u00e4utert weiter, dass man fr\u00fcher der Ansicht war, Impfstoffe gegen hochpathogene Viren seien nicht erforderlich.&nbsp;Man betrachtete Ausbr\u00fcche als lokal und gut eind\u00e4mmbar. Doch die Globalisierung habe die schnelle Ausbreitung solcher Erreger beg\u00fcnstigt. Das unterstreiche die Dringlichkeit der Forschung an hochpathogenen Viren, da solche Vorf\u00e4lle nicht nur in fernen L\u00e4ndern, gesch\u00e4hen, sondern auch uns direkt betreffen. Das neue Forschungszentrum sei daher nicht nur medizinpolitisch bedeutend, sondern habe auch gesellschaftliche Relevanz, insbesondere in Anbetracht der Lehren aus der Corona-Pandemie. Becker betont, dass die Realisierung des Projekts trotz knapper finanzieller Mittel keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist. Dennoch sieht er darin ein Zeichen f\u00fcr Weitblick und eine weise Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich kommt Bewegung in die Menge. Es geht zur offiziellen Grundsteinlegung auf das Baufeld des MCEP. Auf dem Weg dorthin quietschen meine Schuhe. Vor der Baustelle versammeln sich die Anwesenden in Gr\u00fcppchen. Zwischen dem Austausch netter Belanglosigkeiten und der Rettung der Welt halten manche ein Sch\u00e4tzen, andere diskutieren angeregt. Ein Mann mit rechteckiger Kastenbrille raucht eine Zigarette. Auff\u00e4llig viele der Anwesenden tun es ihm gleich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcnf Redner positionieren sich in der Mitte der Baustelle. Sie halten eine gl\u00e4nzende rostrote Zeitkapsel in den H\u00e4nden, die in den Grundstein eingelegt wird. Sie soll die Ziele und Motivationen des Projekts festhalten. Einige Medienleute springen eifrig um sie herum und lichten die Szene ab. Der Rest der Anwesenden beobachtet gespannt.&nbsp;Schlie\u00dflich ziehen sie sich die f\u00fcnf M\u00e4nner allesamt identische wei\u00df-rote Handschuhe an. Mit einem kleinen Spaten in der Hand tragen sie Beton auf die Oberfl\u00e4che auf, um den Grundstein zu befestigen. Das Geschehen wird von den \u00fcbrigen Anwesenden teilweise mit leisem Prusten verfolgt. Gemeinsam nehmen sie kleine H\u00e4mmer und schlagen dreimal auf den Stein. <\/p>\n\n\n\n<p>Langsam zerstreut sich die Menge. Zur\u00fcck bleibt eine einsame gelbe Wasserwaage, die schief auf dem Grundstein liegt. Ich wende mich ab. Ich gehe zur Bushaltestelle und steige in die Linie 27, die mich wieder in die Stadtmitte bringt. Ich kehre zur\u00fcck in mein Ottonormalb\u00fcrgerinnenleben, in dem Viren und Hochsicherheitslabore keine Rolle spielen. Die Worte des Universit\u00e4tspr\u00e4sidenten \u201eMacht was draus\u201c hallen wie ein leises Echo in mir nach.&nbsp;<br><br><\/p>\n\n\n\n<p> * <a href=\"http:\/\/marburg.news\/team\/lcs\">Leonie Schulz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den graukalten Nebel gehe ich an diesem nassen Montagmorgen zur Bushaltestelle. Es ist kurz vor 8 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-4kh","jetpack-related-posts":[{"id":17247,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=17247","url_meta":{"origin":16633,"position":0},"title":"Bildung 2024: F\u00fcr Forschung geehrt und gebaut","date":"31. Dezember 2024","format":false,"excerpt":"Etliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Philipps-Universit\u00e4t haben im Jahr 2024 Auszeichnungen f\u00fcr ihre Leistungen erhalten. Das reicht von Forschungsstipendien bis hin zu besonderen Preisen. Eine Besonderheit unter den Ausgezeichneten ist Prof. Dr. Rolf J\u00fcrgen Sch\u00e4fer. F\u00fcr seine Verdienste um die Heilung seltener Krankheiten hat der Arzt im Dezember 2024 das\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":429,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=429","url_meta":{"origin":16633,"position":1},"title":"Grundstein gelegt: Ahmadiyya-Moschee entsteht in Cappel","date":"22. April 2017","format":false,"excerpt":"Als \"Zeichen f\u00fcr Marburg als Heimat\" bezeichnete Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies die Grundsteinlegung der hmadiyya-Moschee. Der Bau eines Gotteshauses zeige, dass die Menschen, die es errichten, dort bleiben wollen, wo sie wohnen. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Marburg baut im Gewerbegebiet in Cappel eine eigene Moschee. An der Grundsteinlegung nahmen fast\u2026","rel":"","context":"In &quot;Kultur&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":9373,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=9373","url_meta":{"origin":16633,"position":2},"title":"Bauerfahrung: Grundsteinlegung f\u00fcr neues BliStA-Geb\u00e4ude","date":"4. Mai 2022","format":false,"excerpt":"Rund 40 S\u00e4tze haben sich am Dienstag (3. Mai) auf dem BliStA Campus versammelt. Dort wurde der Grundstein f\u00fcr das neue Schulgeb\u00e4ude gelegt. Neben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Montessori- und Carl-Strehl-Schule nahmen auch viele Vertreter*innen der beteiligten Baufirmen, Ingenieur- und Architekturb\u00fcros an der Veranstaltung teil. Sie fand im bereits angelegten\u2026","rel":"","context":"In &quot;Soziales&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":6928,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=6928","url_meta":{"origin":16633,"position":3},"title":"F\u00fcr Forschung: Neues Hochsicherheitslabor auf den Lahnbergen","date":"23. April 2021","format":false,"excerpt":"Der Wissenschaftsrat empfiehlt ein neues BSL-4-Labor in Marburg. Das \"Marburg Centre for Epidemic Preparedness\" entsteht auf dem Campus Lahnberge der Philipps-Universit\u00e4t Marburg In wenigen Jahren wird auf dem Campus Lahnberge der Philipps-Universit\u00e4t ein neues Labor der h\u00f6chsten Sicherheitsstufe (BSL-4) f\u00fcr die Forschung an hochpathogenen Viren entstehen. F\u00fcr den Bau hat\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":7330,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=7330","url_meta":{"origin":16633,"position":4},"title":"Zum Gesundheitsschutz: Neues Hochsicherheitslabor auf den Lahnbergen","date":"3. Juli 2021","format":false,"excerpt":"Die F\u00f6rderung von acht gr\u00f6\u00dferen Hochschulbauma\u00dfnahmen durch den Bund wurde am Freitag (2. Juli) beschlossen. Dazu z\u00e4hlt auch ein neues Hochsicherheitslabor in Marburg. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat entschieden, acht weitere Forschungsbauvorhaben an Hochschulen mit einem Gesamtvolumen von insgesamt rund 363 Millionen Euro bis 2026 zu f\u00f6rdern. Mit diesem Beschluss\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":19901,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=19901","url_meta":{"origin":16633,"position":5},"title":"Langes Zusammenleben: Werbeprojekt &#8222;Marburg-WG&#8220; startet ins erste Jahr","date":"20. April 2026","format":false,"excerpt":"Die \"Marburg-WG\" zeigt \"das echte Studi-Leben\". Mit dem Einzug von Ali, Hannes, Litti und Toni startet das Marketing-Projekt im April 2026. Die vier Studis zeigen auf Social Media ihren Alltag zwischen Vorlesungen, Freizeit und WG-Leben und r\u00fccken ins Rampenlicht, was das Studium in Marburg besonders macht. Mitten in der Marburger\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16633"}],"collection":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16633"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16691,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16633\/revisions\/16691"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}