{"id":16456,"date":"2024-09-28T13:31:00","date_gmt":"2024-09-28T11:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=16456"},"modified":"2024-09-28T13:31:00","modified_gmt":"2024-09-28T11:31:00","slug":"alle-kommen-mit-juergen-markus-preis-fuer-dorfladen-ginseldorf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=16456","title":{"rendered":"Alle kommen mit: J\u00fcrgen-Markus-Preis f\u00fcr Dorfladen Ginseldorf"},"content":{"rendered":"<p>Der Dorfladen Ginseldorf erh\u00e4lt den J\u00fcrgen-Markus-Preis 2024. Gew\u00fcrdigt wird damit sein umfassendes Verst\u00e4ndnis von Inklusion und die daraus abgeleitete Praxis. <!--more--><br \/>\n\u00dcberreicht hat Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies die Auszeichnung am Freitag (27. September) im Historischen Saal des Rathauses. Seit 2012 wird sie alle zwei Jahre verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren hat das &#8211; f\u00fcr die Auswahl der Preistr\u00e4ger zust\u00e4ndige &#8211; Kuratorium das gesamte Preisgeld diesmal auf ein einziges Projekt konzentriert.<br \/>\nNach Aussage von Spies soll die Preisverleihung vor allem eine Haltung zum Ausdruck bringen: &#8222;Inklusion ist die Aufgabe ALLER, insbesondere allerdings derer, die keine Beeintr\u00e4chtigung haben. Inklusion ist kein Kampfauftrag der Betroffenen, sondern die Bringschuld all derjenigen, die nicht betroffen sind. Inklusion n\u00fctzt uns allen, macht uns selbst besser, offener, r\u00fccksichtsvoller und ist heute dringlicher denn je.&#8220;<br \/>\nDie Preisverleihung soll auch ein Zeichen setzen und zeigen, dass Inklusion als ein wesentlicher Teil zur Auffassung der Stadt z\u00e4hlt und zu einer guten Gestaltung der Stadt dazugeh\u00f6rt. &#8222;Der J\u00fcrgen Markus Preis w\u00fcrdigt und f\u00f6rdert kreative und innovative Projekte, langfristiges Engagement (das ein Gewinn f\u00fcr die Stadt darstellt), kluge Ideen und Nachhaltigkeit&#8220;, erkl\u00e4rte Spies. Ein Effekt der Veranstaltung sei: &#8222;Menschen sollen sich angesprochen f\u00fchlen, dazu inspiriert und angeregt, dar\u00fcber nachzudenken: wo kann ich selbst etwas tun, um Inklusion und Barrierefreiheit zu f\u00f6rdern?&#8220;<br \/>\nZun\u00e4chst legte Hilde Rektorschek Rechenschaft \u00fcber das Preisgeld ab, das ihr Projekt als Tr\u00e4ger des J\u00fcrgen-Markus-Preises 2022 erhalten hat. Im Wesentlichen sei es ausgegeben worden f\u00fcr Weiterbildungen und Reisen der behinderten Sportlerinnen und Sportler zu Wettk\u00e4mpfen. Da die meisten der Menschen in den beiden Basketballmannschaften in Werkst\u00e4tten f\u00fcr Behinderte (WfB) arbeiten, k\u00f6nnten sie solche Fahrten nicht aus eigener Tasche finanzieren.<br \/>\nEindrucksvoll beschrieb Rektorschek Erlebnisse bei Trainings und Wettk\u00e4mpfen, bei denen ihre Teams sogar Deutschland bei den Special Olympics in Berlin vertreten hatten. Seien die Behinderten anfangs noch skeptisch be\u00e4ugt oder mit abweisenden Blicken betrachtet worden, so h\u00e4tten viele Menschen nun sogar Selfys mit ihnen gemacht und sie zu ihren sportlichen Leistungen befragt. F\u00fcr kommende Wettk\u00e4mpfe habe der BC Marburg noch eine kleine Finanzreserve zur\u00fcckgelegt, denn die n\u00e4chsten Runden beim Basketball f\u00fcr Behinderte stehen bevor.<br \/>\nZur diesj\u00e4hrigen Runde eingereicht worden waren acht Bewerbungen, die Barrierefreiheit auf verschiedene Weise umsetzen. Die Aufgabe des Kuratoriums war, Projekte zu identifizieren, die \u00fcber die Standards hinausgehen. Bei der diesj\u00e4hrigen Verleihung wurde insbesondere ein innovativer Charakter zum entscheidenden Kriterium.<br \/>\nNach zw\u00f6lf Jahren als Vorsitzende des Kuratoriums ist Susanne Holz aus dieser Funktion ausgeschieden. Die Stelle der Witwe von J\u00fcrgen Markus hat nun Prof. Dr. Klaus Bendel eingenommen. Der orsitzende des Kuratoriums zur f\u00fcr Vergabe des J\u00fcrgen Markus Preises war ein pers\u00f6nlicher Freund des Namensgebers der Auszeichnung.<br \/>\n&#8222;Dass Familie, Freunde und Menschen aus dem pers\u00f6nlichen Umfeld von J\u00fcrgen Markus stets f\u00fcr die Verleihung des Preises anreisen und an der Veranstaltung teilnehmen ist etwas sehr Besonderes&#8220;, erkl\u00e4rte er. Das Ziel des Preises sei, insbesondere, die Ziele der Inklusion und Barrierefreiheit, die J\u00fcrgen Markus verfolgte, voranzubringen und zu f\u00f6rdern.<br \/>\nEine Einreichung wurde zwar nicht mit einem Preis gew\u00fcrdigt, aber ausdr\u00fccklich vorgestellt: Stefan Deichmann hatte gefordert, Toiletten auch mit Liegem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Menschen auszustatten, die dergleichen bei ihren Toiletteng\u00e4ngen ben\u00f6tigen. Es sei entw\u00fcrdigend, wenn Betroffene auf dem Fu\u00dfboden oder der Stra\u00dfe liegend auf den Gang zur Toilette vorbereitet werden m\u00fcssen. Die Stadt habe indes versprochen, diese Anregung bei ihrem Projekt &#8222;Toiletten f\u00fcr alle&#8220; zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\n&#8222;Inklusion bedeutet, Lebensverh\u00e4ltnisse zu schaffen, die die unterschiedlichen Barrieren und individuellen Lebensumst\u00e4nde aller ber\u00fccksichtigen&#8220;, betonte Bendel. &#8222;Es geht um einen Perspektivwechsel und darum Bedingen und Voraussetzungen f\u00fcr die Teilnahme aller zu schaffen.&#8220; Dieses Verst\u00e4ndnis von Inklusion verfolge der diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4ger auf vorbildliche Weise. Darum hat das Kuratorium den Verein &#8222;Dorfladen Ginseldorf&#8220; einm\u00fctig zum alleinigen Preistr\u00e4ger auserkoren. Ausschlaggebendes Kriterium war das umfassende und ganzheitliche Inklusionsverst\u00e4ndnis des beispielhaften und nachhaltigen Projekts.<br \/>\nF\u00fcr Wiltrud Thies vom Dorfladen Ginseldorf ist der J\u00fcrgen-Markus-Preis zugleich eine Auszeichnung der bisherigen Arbeit sowie R\u00fcckenwind und Verpflichtung. Sichtlich ger\u00fchrt und \u00fcberw\u00e4ltigt, freute sie sich sehr und zeigte sich &#8222;dankbar f\u00fcr das Gesehen werden&#8220;. Als erste Aufgabe des Dorfladens nannte sie die Sicherstellung der Nahversorgung durch den Laden. Hinzu komme das Gemeinschaftserlebnis im Dorf und die St\u00e4rkung des Dorflebens.<br \/>\nEin weiterer wichtiger Punkt der Arbeit ist die Sicherstellung der Mobilit\u00e4t aller Menschen in Ginseldorf. Das beginnt beim Carsharing mit Elektroautos und dem Verleih von E-Bikes, beinhaltet aber auch einen Fahrdienst f\u00fcr Dorfbewohner ohne F\u00fchrerschein und einen Bringdienst der Ladenprodukte. Das Leben im Dorf weiterentwickeln sollen vor Allem Projekte, bei denen insbesondere Nachhaltigkeit im Fokus steht.<br \/>\nAls Treffpunkt der Bev\u00f6lkerung hat sich der Dorfladen inzwischen zur festen Institution gemausert. Besonders gefreut hat Thies, dass er zum w\u00f6chentlichen Fr\u00fchst\u00fcckstreff der &#8222;Ping-Pong-Parkinson-Gruppe&#8220; (PPP) geworden ist. Ihr n\u00e4chstes Projekt ist ein Caf\u00e9 im und am Laden.<br \/>\nDoch bereits jetzt organisiert oder beherbergt der Dorfladen zahlreiche Veranstaltungen. Wichtig sei dabei das gewachsene Verst\u00e4ndnis der Ginseldorfer Vereine, dass &#8222;niemand neidich gegen den anderen ank\u00e4mpft, sondern alle an einem Strang ziehen&#8220;. W\u00e4hrend der Ortsvorsteher als Mittler zur Stadt bei der Umsetzung von Projekten mehr Geduld aufbringe, seien die Aktiven des Dorfladens manchmal ein wenig ungeduldiger, bemerkte Thies.<br \/>\nDas Inklusionsverst\u00e4ndnis der ehemaligen Sonderschulleiterin zielt darauf ab, Barrieren abzubauen sowie &#8222;Aufmerksamkeit f\u00fcr individuellen und verschiedene Bedarfe und Bed\u00fcrfnisse unterschiedlicher Gruppen&#8220; aufzubringen. Kern sei dabei gegenseitige Hilfe und Unterst\u00fctzung.<br \/>\nThies und der Dorfladen wollen &#8222;In Bewegung bleiben, die Alltagstauglichkeit unserer Angebote immer wieder \u00fcberpr\u00fcfen: Was sind die Themen, was ist wirklich wichtig, wo dr\u00fcckt der Schuh?&#8220; Ehrenamt und Inklusion geh\u00f6ren f\u00fcr Thies untrennbar zusammen.<br \/>\nDabei betrachtet sie die zwei Seiten des Ehrenamts: &#8222;Geben und Zur\u00fccknehmen, wobei alle gewinnen. Sie erl\u00e4uterte: &#8222;Es geht darum, im Kleinen zu zeigen, wie wir als Gesellschaft leben wollen: kleine gallische D\u00f6rfer zu bilden, nach dem Motto &#8222;so wollen wir leben&#8220; und gegen Exklusio! Inklusion ist der richtige Entwurf f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft f\u00fcr alle.&#8220;<\/p>\n<p>* <a href=\"http:\/\/marburg.news\/team\/fjh\">Franz-Josef Hanke<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Dorfladen Ginseldorf erh\u00e4lt den J\u00fcrgen-Markus-Preis 2024. 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