{"id":16043,"date":"2024-07-26T11:29:36","date_gmt":"2024-07-26T09:29:36","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=16043"},"modified":"2024-07-26T11:29:36","modified_gmt":"2024-07-26T09:29:36","slug":"mehr-sicherheit-stadt-und-polizei-stellten-strategie-vor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=16043","title":{"rendered":"Mehr Sicherheit: Stadt und Polizei stellten Strategie vor"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gesamtstrategie zur Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung haben Stadt und Polizei vorgestellt. Mit Pr\u00e4senz, Pr\u00e4vention und enger Zusammenarbeit wollen sie f\u00fcr mehr Sicherheit sorgen. <!--more--><br \/>\nIn Marburg sollen sich alle Menschen sicher f\u00fchlen und sicher sein &#8211; das ist das Ziel einer Gesamtstrategie, die die Stadt Marburg in Abstimmung mit der Polizei und weiteren Akteuren erstellt hat. Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies und Polizeichef Frank G\u00f6bel haben die Ausrichtung f\u00fcr Pr\u00e4vention und Sicherheit in der Innenstadt bereits am Mittwoch (3. Juli) vorgestellt. Sie besteht aus bew\u00e4hrten Ma\u00dfnahmen wie vielen Streifendiensten und Verhaltenstrainings an Schulen, aber auch aus neuen Projekten wie Polizeihund Paul, bessere Beleuchtung und \u00dcberlegungen zum Aufbau eines &#8222;Hauses des Jugendrechts&#8220;.<br \/>\n&#8222;Wir wollen, dass sich alle Menschen bei uns zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort sicher f\u00fchlen und sicher sind&#8220;, erkl\u00e4rte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;Das ist eine komplexe Herausforderung; und deswegen haben wir auch ein komplexes B\u00fcndel an Ma\u00dfnahmen erarbeitet und gemeinsam mit der Polizei, Wissenschaft, Jugendhilfe, Gleichstellungsreferat und unserem Pr\u00e4ventionsrat Einsicht &#8211; Marburg gegen Gewalt abgestimmt. Denn seit vielen Jahren werden Sicherheit und Pr\u00e4vention in Marburg gro\u00dfgeschrieben.&#8220;<br \/>\nIn Marburg arbeiten unterschiedliche Akteure intensiv an der Verbesserung der objektiven und der subjektiven Sicherheit in der Stadt: Eine breite Landschaft freier Tr\u00e4ger, klinische Institute und Einrichtungen der Jugendhilfe fallen ebenso darunter wie die enge Kooperation der Polizei und der Stadtverwaltung und ein st\u00e4dtischer Sicherheits- und Pr\u00e4ventionsexperte. Dennoch ist auch in Marburg &#8211; ebenso wie national und international &#8211; eine Zunahme der Jugendgewalt zu beobachten.<br \/>\n&#8222;Marburg ist eine sichere Stadt; aber so wie \u00fcberall bleiben auch wir nicht von den Tendenzen zunehmenden aggressiven Verhaltens verschont&#8220;, berichtete Spies. &#8222;Das nehmen wir sehr ernst und intensivieren daher kontinuierlich unsere Arbeit im Bereich der Sicherheit.&#8220;<br \/>\nder Leitende Kriminaldirektor Frank G\u00f6bel erkl\u00e4rte: Wir begr\u00fc\u00dfen die &#8211; mit uns eng abgestimmte &#8211; Sicherheitsstrategie. Auch in diesem Jahr setzen wir die intensive und konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg fort. So werden wir insbesondere in den Sommermonaten angepasste, gemeinsame Kontrollaktionen im Rahmen der Innenstadtoffensive Sicheres Marburg durchf\u00fchren.&#8220;<br \/>\nBesondere Priorit\u00e4t hat die Bek\u00e4mpfung der Jugendkriminalit\u00e4t. &#8222;Um junge Menschen fr\u00fchzeitig vor weiteren kriminellen Karrieren zu bewahren, sind der ganzheitliche Ansatz und die Planungen f\u00fcr ein Haus des Jugendrechts wichtige Bausteine. Neben den vielen weiteren geplanten Ma\u00dfnahmen des Gesamtkonzeptes sind wir optimistisch, was die Einrichtung einer Videoschutzanlage in den Bereichen des Marktdreiecks und des Hauptbahnhofs angeht. Wir bewerten dauerhaft diese Kriminalit\u00e4tsschwerpunkte und stehen diesbez\u00fcglich bereits seit dem vergangenen Jahr mit der Stadt Marburg im engen Austausch.&#8220;<br \/>\nDer Entwurf der Sicherheitsstrategie besteht aus repressiven und pr\u00e4ventiven, aus kurzfristigen und langfristigen Ma\u00dfnahmen. Er b\u00fcndelt und erweitert bestehende Projekte und erg\u00e4nzt sie mit neuen Ma\u00dfnahmen.<br \/>\nPolizei und Stadtpolizei erh\u00f6hen ihre Pr\u00e4senz in der Innenstadt noch st\u00e4rker. Es gibt verdeckte Fu\u00dfstreifen, Sonderkontrollen mit Unterst\u00fctzung der Bereitschaftspolizei und Aufenthaltsverbote f\u00fcr Mehrfacht\u00e4ter. &#8222;Seit 2018 l\u00e4uft das Konzept Sicheres Marburg, und seither haben wir das Personal der Stadtpolizei verdoppelt und die Einsatzzeiten verl\u00e4ngert&#8220;, berichtete Stephan Gr\u00fcn-Fischer. Er ist Leiter des st\u00e4dtischen Fachdienstes &#8222;Sicherheit und Verkehrs\u00fcberwachung&#8220;.<br \/>\nEinsatzplanung und Ausstattung werden weiter optimiert etwa mit Diensthund &#8222;Paul&#8220;. Sobald er ausgebildet ist, geht er mit seinem Hundef\u00fchrer auf Streife. Der Diensthund schafft N\u00e4he zu den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, wirkt pr\u00e4ventiv und deeskalierend &#8211; kann in einer Gewaltsituation aber auch der Abschreckung dienen.<br \/>\nStadt und Polizei wollen au\u00dferdem die Oberstadtwache zu einer Innenstadtwache ausbauen. Sie soll eine schnelle Reaktion der Sicherheitsbeh\u00f6rden erm\u00f6glichen und Anlaufstelle f\u00fcr Menschen sein. Gepr\u00fcft wird derzeit, welche sinnvollen und verf\u00fcgbaren Standorte es in der Innenstadt gibt. Dar\u00fcber hinaus pr\u00fcft die Stadt Marburg, ob \u00dcberwachungskameras als pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahme an weiteren Orten neben der erfolgreichen &#8222;LISA&#8220; im J\u00e4gertunnel rechtlich m\u00f6glich und sinnvoll in das Gesamtkonzept eingebettet werden k\u00f6nnen etwa im Bereich des Marktdreiecks oder am Hauptbahnhof.<br \/>\nAttraktive Angebote der Jugendhilfe sind wichtig, um Kindern und Jugendlichen eigene Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zu bieten und auch um Frustration und aggressivem Verhalten vorzubeugen. Dazu geh\u00f6rt etwa &#8222;SuPPOrdJu&#8220;. Polizei-Pr\u00e4sidium, Ordnungsamt und Jugendamt arbeiten zusammen daran, Jugendliche \u00fcber Alkohol- und Drogenmissbrauch aufzukl\u00e4ren und sie sowie Eltern zu beraten und zu unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6ren auch gemeinsame Jugendschutzkontrollen.<br \/>\nEin weitere Idee kommt nun mit dem &#8222;Haus des Jugendrechts&#8220; hinzu: Mit Zustimmung des Innenministeriums und des Justizministeriums k\u00f6nnte die Polizei gemeinsam mit dem Landkreis und der Stadt Marburg in einem &#8222;Haus des Jugendrechts&#8220; an einem Ort eine noch bessere Zusammenarbeit f\u00fcr alle Beteiligten schaffen. So k\u00f6nnen die Institutionen m\u00f6glichst schnell intervenieren, wenn junge Menschen erstmals auff\u00e4llig werden. &#8222;Es geht darum, fr\u00fch und konsequent auf strafrechtlich relevantes Fehlverhalten Jugendlicher zu reagieren und dadurch zu verhindern, dass sie vollends auf die schiefe Bahn geraten&#8220;, erl\u00e4uterte Spies. Zur Pr\u00e4vention im Bereich der Jugendarbeit gibt es au\u00dferdem Streetworker &#8211;<br \/>\nDaf\u00fcr hat die Stadt zwei Stellen geschaffen, um Jugendliche niedrigschwellig zu erreichen. Ebenso f\u00fcr Sicherheit k\u00f6nnen &#8222;Freundliche Uffbasser&#8220; sorgen &#8211;<br \/>\nspeziell geschulte junge Menschen unter 25 Jahren, die durch freundliche Ansprache auf Augenh\u00f6he daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnen, dass eine Situation gar nicht erst eskaliert.<br \/>\nZudem arbeitet die Stadt derzeit an einem Konzept, wie insbesondere die Sicherheit und das Sicherheitsgef\u00fchl von Mitgliedern der queeren Community verbessert werden k\u00f6nnen. Zum Konzept geh\u00f6rt auch, dass die Stadt Marburg weiterhin auf die Landesregierung einwirkt und sich daf\u00fcr einsetzt, ein n\u00e4chtliches Alkoholverkaufsverbot in Einzelf\u00e4llen verh\u00e4ngen zu d\u00fcrfen. Damit Menschen im \u00f6ffentlichen Raum sicherer unterwegs sind und sich vor allem auch sicherer f\u00fchlen, sind Licht und Einsehbarkeit wichtig.<br \/>\nOftmals k\u00f6nnen schon kleinere bauliche Ver\u00e4nderungen helfen oder die Umgestaltung von &#8222;Angst-Orten&#8220; etwa zu Gemeinschaftstreffpunkten, die von der Stadtgesellschaft belebt werden. Die Stadt arbeitet an einem Beleuchtungskonzept, um Problemstellen &#8211; wichtige Fu\u00df- und Radwege und eine Jogging-Route &#8211; gut zu beleuchten. Der Ortenbergsteg soll heller gestaltet werden, indem die Seitenw\u00e4nde ausgetauscht werden &#8211; durch durchsichtige Seitenw\u00e4nde. Mit dieser Empfehlung einer Expertin des Polizeipr\u00e4sidiums Mittelhessen entsteht eine Sichtbeziehung zwischen dem Steg und den Wartebereichen und dem Bahnhofsvorplatz. Der Steg wird dadurch subjektiv sicherer und es verringern sich Tatgelegenheiten.<br \/>\nWas tun, wenn etwas passiert? Wo gibt es Hilfe? Wie erkenne ich, ob andere Menschen Hilfe brauchen? Wie kann ich helfen, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen?<br \/>\nMenschen zu schulen, damit sie im Ernstfall eingreifen k\u00f6nnen oder wissen, was zu tun ist, ist auch ein wichtiger Baustein f\u00fcr mehr Sicherheit und mehr Sicherheitsempfinden. Deshalb wird es zielgruppenorientierte Sicherheitstrainings geben. Gibt es Vorf\u00e4lle in einem Bus, so ist es hilfreich, wenn die Busfahrer*innen geschult sind. Aber auch die Mitarbeitenden an zentralen Orten sollen im Ernstfall helfen k\u00f6nnen.<br \/>\ndie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Cineplex sind beispielsweise geschult und vorbereitet, um Menschen zu helfen, die sich unsicher oder bedroht f\u00fchlen. Auch den Besch\u00e4ftigten im Erwin-Piscator-Haus (EPH) oder in der Mensa sollen entsprechende Schulungen durch Polizei und Ordnungsamt angeboten werden. Es gibt spezielle Trainings zur Deeskalation f\u00fcr Deutsch-Intensivklassen, Awareness-Teams bei Stadtfesten oder Selbstbehauptungskurse freier Tr\u00e4ger.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus finanziert die Stadt die Kampagne des Vereins Frauennotruf zum Thema &#8222;K.O.-Tropfen&#8220; weiter, die bislang vom Land Hessen finanziert wurde. Im Bereich der sexualisierten Gewalt wird es weiter Kampagnen gegen Catcalling geben und Ma\u00dfnahmen, damit auch Trans-Personen sich in Marburg sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen. Eine rote Bank &#8211; ausgestattet mit QR-Code zu weiteren Infos &#8211; soll im Stadtbild aufmerksam machen auf das Thema Partnergewalt.<br \/>\nEin Fokus bei Sicherheitstrainings und Aufkl\u00e4rung liegt auch auf jungen Menschen. Denn Menschen unter 25 Jahren sind laut polizeilicher Kriminalstatistik nicht nur mehrheitlich T\u00e4ter von k\u00f6rperlicher Gewalt &#8211;<br \/>\nJugendliche und Heranwachsende sind oftmals auch Opfer. &#8222;Auch junge Menschen sollen sich in Marburg sicher und wohl f\u00fchlen&#8220;, sagte Spies. Dabei soll gezeigt werden, wo Hilfe erreichbar ist, wenn man zum Beispiel bedroht oder &#8222;abgerippt&#8220; wird &#8211; und dass es keine Schande ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen.<br \/>\nDie Gesamtstrategie soll in ihren einzelnen Bausteinen wissenschaftlich begleitet und die Wirksamkeit immer wieder \u00fcberpr\u00fcft werden. &#8222;Wir wollen uns immer wieder hinterfragen und verbessern&#8220;, erkl\u00e4rte Pr\u00e4ventionsexperte Johannes Maaser von der Stadt Marburg. &#8222;Dazu untersuchen wir, welche Ma\u00dfnahmen gut sind und ausgebaut werden &#8211; und welche vielleicht nicht funktionieren und ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen.&#8220; Mit einer wissenschaftlichen Evaluation k\u00f6nne die Stadt au\u00dferdem erreichen, dass die \u00d6ffentlichkeit Vertrauen in die Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen hat &#8211; und sich sicherer f\u00fchlen k\u00f6nnen.#<br \/>\nDas Konzept &#8222;Sicherheit in Marburg&#8220; wurde am Montag (1. Juli) vom Magistrat der Universit\u00e4tsstadt Marburg beschlossen. Es geht nun zur weiteren Beratung in die Stadtverordnetenversammlung (StVV), damit die Strategie nach einer Beschlussfassung unter enger Beteiligung weiter ausgearbeitet werden kann.<br \/>\nDie polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) misst die relative Sicherheit mit sogenannten &#8222;H\u00e4ufigkeitszahlen&#8220;. In Marburg kommen demnach 6.653 Straftaten auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. In Gie\u00dfen sind es 9.878.<br \/>\nIm Jahr 2022 gab es in Marburg 3.907 Straftaten, 2023 einen Anstieg auf 4.268. Die Gewaltkriminalit\u00e4t ist dabei von 291 F\u00e4llen im Jahr 2022 um 6,8 Prozent auf 271 F\u00e4lle im Jahr 2023 gesunken, die Stra\u00dfenkriminalit\u00e4t von 1.082 F\u00e4llen auf 1.051 F\u00e4lle.<br \/>\nAuff\u00e4llig ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen an den Tatverd\u00e4chtigen: 2019 waren es 129 Kinder und 478 Jugendliche. Im Jahr 2023 registrierte die Polizei dann 239 Kinder und 509 Jugendliche als Verd\u00e4chtige.<br \/>\nEine Studie im &#8222;Kommunalprogramm Sicherheitssiegel&#8220; (KommPaSS) hat zudem ergeben, dass die Marburgerinnen und Marburger ihr Sicherheitsgef\u00fchl mehrheitlich als &#8222;gut bis sehr gut&#8220; bewerten. Allerdings benannten auch 28 Prozent der Befragten mindestens einen Ort, an dem sie sich unsicher f\u00fchlen. F\u00fcr M\u00e4nner sind das eher belebte Orte, wie der Hauptbahnhof, Marburg-Mitte und die Lahnterrassen oder die Lahnwiesen. Frauen f\u00fcrchten sich eher an ruhigen Orte, wie dem Sch\u00fclerpark und den Wegen entlang der Lahn.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gesamtstrategie zur Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung haben Stadt und Polizei vorgestellt. 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