{"id":15884,"date":"2024-06-27T16:40:00","date_gmt":"2024-06-27T14:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=15884"},"modified":"2024-06-27T16:40:00","modified_gmt":"2024-06-27T14:40:00","slug":"handeln-zum-behandeln-innovatives-krebsmedikament-wirkt-nicht-immer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=15884","title":{"rendered":"Handeln zum behandeln: Innovatives Krebsmedikament wirkt nicht immer"},"content":{"rendered":"<p>Ein wichtiges Kriterium f\u00fcr die Medikamentenwahl haben Forschende an der Philipps-Universit\u00e4t entdeckt. Sie fanden heraus, warum ein innovatives Krebsmedikament bei manchen Patienten nicht wirkt. <!--more--><br \/>\n&#8222;Asciminib&#8220; ist ein neues effektives Medikament f\u00fcr Patientinnen und Patienten mit einer Form von Blutkrebs. Doch bei der Chronisch Myeloischen Leuk\u00e4mie schl\u00e4gt es nicht bei allen Menschen an. Den Grund daf\u00fcr haben Prof. Oliver Hantschel und Inga Leske von der Philipps-Universit\u00e4t nun mit einer Studie herausgefunden: Seltene Varianten des krebsausl\u00f6senden Proteins sind resistent gegen das Medikament.<br \/>\nDie Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, vor Therapiebeginn zu untersuchen, welche Varianten des Krebsproteins vorliegen. Die Chronisch Myeloische Leuk\u00e4mie (CML) ist ein seltener Blutkrebs, bei dem sich bestimmte wei\u00dfe Blutk\u00f6rperchen unkontrolliert vermehren. Grund ist ein Protein in Zellen des Knochenmarks, das bei gesunden Menschen nicht auftritt. Es hei\u00dft &#8222;BCR-ABL1&#8220; und kommt in acht Varianten vor, die unterschiedlich lang sind.<br \/>\nEnde 2022 wurde Asciminib als hochspezifisches Medikament zur CML-Behandlung zugelassen, da es das Protein BCR-ABL1 sehr gut und mit geringen Nebenwirkungen hemmt. Allerdings gab es bald Berichte aus der Klinik, dass manche Patientinnen und Patienten schon bei der ersten Behandlung mit Asciminib nicht auf das Medikament ansprechen.<br \/>\nHantschel besch\u00e4ftigt sich bereits seit seiner Doktorarbeit mit BCR-ABL1. Er vermutete, dass die Resistenz gegen\u00fcber Asciminib an den Varianten des Krebsproteins liegen k\u00f6nnte. Eine Analyse der Zulassungsstudie von Asciminib ergab: Sie wurde nur mit den beiden h\u00e4ufigsten BCR-ABL1-Varianten durchgef\u00fchrt.<br \/>\n&#8222;Das Medikament wurde trotzdem f\u00fcr alle Varianten des Proteins zugelassen, da es damals keine Hinweise gab, dass es bei einigen nicht wirksam sein k\u00f6nnte&#8220;, erkl\u00e4rte Hantschel. Zusammen mit seiner Doktorandin Inga Leske zeigte Hantschel nun aber, dass Asciminib bei zwei seltenen Varianten des BCR-ABL1-Proteins nicht wirksam ist. Grund ist ein fehlender Proteinabschnitt, ohne den Asciminib BCR-ABL1 nicht blockieren kann. Auch h\u00f6here Dosen helfen nicht, diese Resistenz zu \u00fcberwinden.<br \/>\nMomentan k\u00f6nnen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte Asciminb einsetzen, wenn bereits zwei andere Krebsmedikamente versagt haben. Ab Herbst 2024 wird erwartet, dass das effektive Pr\u00e4parat auch als erste Behandlungsoption direkt nach der Diagnose einer CML zugelassen wird.<br \/>\n&#8222;Diese erweiterte Zulassung bedeutet, dass eine steigende Anzahl an Patienten mit Asciminib behandelt werden, die resistente Varianten aufweisen&#8220;, erl\u00e4uterte Hantschel. &#8222;Deren Behandlung w\u00e4re damit unwirksam und die Erkrankung k\u00f6nnte ungebremst voranschreiten, was die weitere Therapie erschwert und t\u00f6dlich enden kann.&#8220;<br \/>\nDaher sei sehr wichtig, vor Therapiebeginn die Proteinvariante zu identifizieren. Die beiden verk\u00fcrzten BCR-ABL1-Varianten treten bei etwa einem Prozent der CML-F\u00e4lle auf und betreffen j\u00e4hrlich sch\u00e4tzungsweise 500 bis 1.000 Menschen in Europa.<br \/>\nIn fr\u00fcheren Forschungsprojekten entdeckte Hantschel, wie BCR-ABL-1 reguliert wird. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelte Novartis das Medikament &#8222;Asciminib&#8220;.<br \/>\nIm menschlichen K\u00f6rper gibt es nur zwei Proteine mit diesem Regulationsmechanismus. Sie hei\u00dfen &#8222;ABL-1&#8220; und &#8222;ABL-2&#8220;. Dadurch ist Asciminib hochspezifisch und verursacht wesentlich weniger Nebenwirkungen als herk\u00f6mmliche Medikamente gegen BCR-ABL1, die auch andere wichtige Proteine im K\u00f6rper hemmen. &#8222;Die gute Vertr\u00e4glichkeit von Asciminib erm\u00f6glicht eine langfristige nebenwirkungsarme Behandlung und sorgt auch daf\u00fcr, dass die Patientinnen und Patienten das Medikament regelm\u00e4\u00dfig und in der verordneten Dosierung einnehmen&#8220;, erkl\u00e4rte Hantschel.<br \/>\nDie Philipps-Universit\u00e4t z\u00e4hlt mit dem University Cancer Center Frankfurt-Marburg zu dem von der Deutschen Krebshilfe gef\u00f6rderten Netzwerk Onkologischer Spitzenzentren, die eine individualisierte Behandlung nach aktuellem Wissensstand erm\u00f6glichen sollen. Im Forschungsschwerpunkt Tumorbiologie arbeiten Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammen.<br \/>\nHantschel und sein Team untersuchen auch Mechanismen der erworbenen Resistenz, die dazu f\u00fchren, dass ein zun\u00e4chst funktionierendes Medikament im Verlauf der Behandlung nicht mehr wirkt. Oft liegt das an kleinen Ver\u00e4nderungen im Erbgut, die die Bindung des Wirkstoffs an das krebsausl\u00f6sende Protein schw\u00e4chen. Die Marburger Forschergruppe will nun herausfinden, was man diesen Resistenzen entgegensetzen kann.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wichtiges Kriterium f\u00fcr die Medikamentenwahl haben Forschende an der Philipps-Universit\u00e4t entdeckt. Sie fanden heraus, warum ein innovatives Krebsmedikament bei manchen Patienten nicht wirkt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[6119,2107,1757],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-48c","jetpack-related-posts":[{"id":5484,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=5484","url_meta":{"origin":15884,"position":0},"title":"Die gro\u00dfe Hoffnung: Studie zeigt bessere Therapie bei Leuk\u00e4mie","date":"31. Juli 2020","format":false,"excerpt":"Eine neue effektive Behandlungsform bei akuter Leuk\u00e4mie hat die Philipps-Universit\u00e4t angek\u00fcndigt. 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