{"id":15871,"date":"2024-06-25T16:15:00","date_gmt":"2024-06-25T14:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=15871"},"modified":"2024-06-25T16:15:00","modified_gmt":"2024-06-25T14:15:00","slug":"schutz-und-schatten-streuobstwiesen-und-alleebaeume-als-biotop","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=15871","title":{"rendered":"Schutz und Schatten: Streuobstwiesen und Alleeb\u00e4ume als Biotop"},"content":{"rendered":"<p>Auf einer Streuobstwiese leben bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Auf Streuobstwiesen wachsen \u00c4pfel, Birnen und Pflaumen an alten knorrigen B\u00e4umen. <!--more--><br \/>\nIn Mittelhessen gibt es noch solche klassische Streuobstwiesen. Meist liegen sie am Ortsrand. Seit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 2022 sind sie inzwischen in allen deutschen Bundesl\u00e4ndern gesch\u00fctzte Biotope.<br \/>\nIn Hessen wurden sie schon vorher durch das Hessische Naturschutzgesetz gesch\u00fctzt. &#8222;Als Streuobstwiese im Sinne des Gesetzes wird ein Gr\u00fcnlandbestand von mindestens 1.500 Quadratmetern mit mindestens neun Obstb\u00e4umen, die im Abstand von circa zehn Metern stehen, definiert&#8220;, erkl\u00e4rte Stefanie Specht vom Dezernat f\u00fcr Schutzgebiete des Regierungspr\u00e4sidiums (RP) Gie\u00dfen. &#8222;Streuobstwiesen wurden angelegt, um gleichzeitig Obst und Tierfutter in Form von Heu oder Weidegras zu produzieren. Als Obstb\u00e4ume wurden Hochst\u00e4mme gepflanzt, sodass die Baumkrone in einer H\u00f6he beginnt, die eine Bewirtschaftung des Gr\u00fcnlandes darunter zul\u00e4sst.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr die Tierwelt hat das den Vorteil, dass diese Obstb\u00e4ume sehr alt werden k\u00f6nnen und Baumh\u00f6hlen ausbilden, in denen H\u00f6hlenbr\u00fcter wie Gr\u00fcnspecht, Wendehals oder Steinkauz br\u00fcten k\u00f6nnen und die auch von Flederm\u00e4usen und anderen Kleins\u00e4ugern gerne genutzt werden. Gleichzeitig bietet das extensiv genutzte Gr\u00fcnland Lebensraum f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Pflanzengesellschaft und etliche Tierarten. Darunter sind gef\u00e4hrdete Schmetterlingsarten, Libellen und Reptilien.<br \/>\n&#8222;Insgesamt k\u00f6nnen auf Streuobstwiesen bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben&#8220;, erl\u00e4uterte die Expertin. Darunter befinden sich auch einige der sogenannten &#8222;Klimaverlierer-Arten&#8220;. Das sind verschiedene Tier- und Pflanzenarten, die durch die Folgen des Klimawandels beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAber Specht wei\u00df auch: Streuobstwiesen machen viel Arbeit, das M\u00e4hen mit gro\u00dfen landwirtschaftlichen Maschinen ist schwer bis unm\u00f6glich. Deswegen wurden sie bereits in den 50er Jahren h\u00e4ufig gerodet oder aufgegeben.<br \/>\n&#8222;Dieser Trend wurde gl\u00fccklicherweise durch die Unterschutzstellung gestoppt&#8220;, berichtete Specht. &#8222;Doch gef\u00e4hrdet sind diese wertvollen Biotope nach wie vor. Inzwischen gibt es zwar wieder Fans der alten Obstsorten und es wird auch wieder mehr gekeltert. Aber stellenweise findet sich keiner f\u00fcr die Baumpflege oder Nachpflanzungen. Schwierig ist es mancherorts auch, geeignete Nutzer f\u00fcr das Gr\u00fcnland zu finden.&#8220;<br \/>\nDurch die Mahd mit dem Rasenm\u00e4her werden die Wiesen immer arten\u00e4rmer. Bei Beweidung kann es passieren, dass bei falschem Weidemanagement oder fehlendem Baumschutz f\u00fcr neu gepflanzte B\u00e4ume die Rinde der Obstb\u00e4ume gesch\u00e4lt wird, was fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Absterben der B\u00e4ume f\u00fchrt.<br \/>\nNeben den Streuobstwiesen sind Steinriegel und Trockenmauern sowie Alleen wichtige Biotope, die es zu sch\u00fctzen gilt. Steinriegel entstanden durch das Absammeln der Steine von den Ackerfl\u00e4chen. Trockenmauern wurden eher bewusst errichtet, um H\u00e4nge zu terrassieren.<br \/>\n&#8222;Beide haben gemeinsam, dass Steine meist aus der n\u00e4heren Umgebung ohne M\u00f6rtel aufgesetzt wurden und zahlreiche Hohlr\u00e4ume in unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen entstanden&#8220;, erkl\u00e4rte die RP- Mitarbeiterin. &#8222;In diesen k\u00f6nnen Insekten, Schnecken und Reptilien wohnen. Entlang dieser Strukturen entwickeln sich Altgrasstreifen und Staudens\u00e4ume, die kleinen Tieren Deckung bieten und als Wanderkorridore dienen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nDa diese &#8211; auf kleinem Raum sehr vielf\u00e4ltigen &#8211; Biotope eine Fl\u00e4chenbearbeitung mit gro\u00dfen Maschinen erschweren, wurden sie ebenfalls h\u00e4ufig entfernt &#8211; der besondere Lebensraum ging dabei verloren. Gleiches gilt f\u00fcr Alleen: Oft fielen sie Stra\u00dfenbauma\u00dfnahmen zum Opfer; oft wurden abgestorbene B\u00e4ume nicht ersetzt.<br \/>\n&#8222;Typische Alleen sind mindestens 100 Meter lang&#8220;, betonte die RP-Mitarbeiterin. &#8222;Was beim Durchfahren sicherlich auf den ersten Blick nicht auff\u00e4llt: Hier leben viele Insektenarten. Viele &#8211; auch seltene &#8211;<br \/>\nArten, sind \u00fcberhaupt nur noch in alten Alleen zu finden. Auch als Brutplatz f\u00fcr V\u00f6gel und Leitstruktur f\u00fcr Flederm\u00e4use sind sie von gro\u00dfer Bedeutung.&#8220;<br \/>\nEin Erhalt solch besonderer Biotope kann das \u00dcberleben seltener Tierarten gew\u00e4hrleisten. Auch deshalb sind sie unbedingt sch\u00fctzenswert. In Marburg gibt es mehrere Alleen mit alten B\u00e4umen wie die Universit\u00e4tsstra\u00dfe, die Frankfurter Stra\u00dfe und die Biegenstra\u00dfe. Der &#8222;Heilige Grund&#8220; in Ockershausen ist als Streuobstwiese auch Ziel naturkundlicher Exkursionen und Saftkelteraktionen.<\/p>\n<p>* pm: Regierungspr\u00e4sidium Gie\u00dfen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einer Streuobstwiese leben bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten. 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