{"id":15210,"date":"2024-03-14T13:50:00","date_gmt":"2024-03-14T12:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=15210"},"modified":"2024-03-14T13:50:00","modified_gmt":"2024-03-14T12:50:00","slug":"wichtiger-grund-marbina-foerderpreis-fuer-nastasja-merle-und-maren-nattermann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=15210","title":{"rendered":"Wichtiger Grund: MarBiNa-F\u00f6rderpreis f\u00fcr Nastasja Merle und Maren Nattermann"},"content":{"rendered":"<p>Fortschritte bei der Krebsbehandlung und bei der Bindung von CO2 zeichnet der MarBiNa-F\u00f6rderpreis in diesem Jahr aus. Er geht an Dr. Nastasja Merle und Dr. Maren Nattermann. <!--more--><br \/>\nDie Biologin Dr. Nastasja Merle und die Biochemikerin Dr. Maren Nattermann haben f\u00fcr ihre wegweisenden Arbeiten den F\u00f6rderpreis der Marburger Initiative f\u00fcr Bio- und Nanotechnologie 2023 erhalten. Die Initiative wird gemeinsam von der Stadt Marburg, der Philipps-Universit\u00e4t und Unternehmen getragen. Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies \u00fcberreichte die Preise im Wert von je 4.000 Euro.<br \/>\n&#8222;Heute zeichnen wir zwei Forscherinnen aus, deren Entdeckungen nicht nur einen hohen wirtschaftlichen Praxisbezug haben, sondern auch f\u00fcr die Vielschichtigkeit und Exzellenz der Forschungen in Marburg stehen&#8220;, sagte Spies. Mit dem Preis werde Forschung gew\u00fcrdigt, die das Ziel habe, das Leben der Menschen besser zu machen. &#8222;Klimaschutz und Krebstherapien sind zwei Kernbereiche der Forschung in Marburg. Daher haben wir uns entschieden, den zehnten &#8211; \u00fcblicherweise mit 5.000 Euro dotierten &#8211; F\u00f6rderpreis der Marburger Initiative f\u00fcr Bio- und Nanotechnologie (MarBiNa) in 2023 zu teilen.&#8220;<br \/>\nDie Ameisens\u00e4ure im Labor von Maren Nattermann riecht noch ein wenig stechend. \u00c4tzend ist der Stoff, den Ameisen zur Abwehr verspr\u00fchen, allerdings nicht mehr. Im Labor wird n\u00e4mlich mit dem Salz der Ameisens\u00e4ure gearbeitet. Und das wurde elektrochemisch aus CO2 gewonnen. Das ist eine &#8211; zumindest theoretische &#8211; M\u00f6glichkeit, die Atmosph\u00e4re zu entgiften.<br \/>\nAllerdings hakt es noch an der Weiterverarbeitung, an der Nattermann forscht. Die 28-j\u00e4hrige Wissenschaftlerin m\u00f6chte die Ameisens\u00e4ure so umwandeln, dass daraus in weiteren Schritten Wertstoffe wie Biodiesel, Biomasse, Tierfutter oder sogar Pharmazeutika werden k\u00f6nnen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.<br \/>\n&#8222;Wir sind in der Grundlagenforschung&#8220;, erkl\u00e4rte die Biochemikerin. &#8222;Das ist noch Zukunftsmusik.&#8220;<br \/>\nNattermann ist es bereits gelungen, die Ameisens\u00e4ure in das hochreaktive Formaldehyd umzuwandeln. Allerdings ist dies bislang noch sehr aufw\u00e4ndig. Die 28-j\u00e4hrige Forscherin sucht daher nach Wegen, so viel Formaldehyd so schnell wie m\u00f6glich zu produzieren.<br \/>\nTausende von Versuchsreihen hat sie gemacht, um Bakterienst\u00e4mme mit k\u00fcnstlich ver\u00e4nderten Genen zu finden, die den Stoff noch besser herstellen. Erreicht hat sie bereits eine vierfache Verbesserung der Produktion. &#8222;Es ist unglaublich sch\u00f6n, wenn man sieht, dass es funktioniert&#8220;, erkl\u00e4rte Nattermann. Ameisens\u00e4ure sei eine &#8222;Kohlenstoffquelle mit Zukunft&#8220;.<br \/>\nDie 28-j\u00e4hrige Forscherin stammt aus Saarbr\u00fccken. Sie studierte Biochemie in Heidelberg und geh\u00f6rt seit 2019 zur Arbeitsgruppe von Leibniz-Preistr\u00e4ger Prof. Tobias Erb vom Max-Planck-Institut f\u00fcr terrestrische Mikrobiologie in Marburg. Schon ihre Doktorarbeit schrieb sie \u00fcber den Ameisens\u00e4uren-Stoffwechsel.<br \/>\nDie Begeisterung f\u00fcr wichtige Grundlagenforschung teilt sie mit der zweiten Preistr\u00e4gerin Nastasja Merle. Die aus der Schwalm stammende Molekularbiologin sucht im Marburger Uni-Institut f\u00fcr Molekulare Onkologie nach Wegen, die Entwicklung neuer Krebstherapien zu erleichtern. Am Beispiel der besonders aggressiven kleinzelligen Lungenkarzinome hat sie eine Methode entwickelt, mit der weniger Versuchstiere gebraucht werden.<br \/>\nUm neue Therapien f\u00fcr Krebsmedikamente zu entwickeln, sind grunds\u00e4tzlich &#8222;pr\u00e4klinische Studien&#8220; n\u00f6tig, die Tierversuche erfordern. Dabei ist es entscheidend, dass die Tumore im Tier die gleichen krebserregenden Genmutationen aufweisen, die auch beim Menschen die Erkrankung ausl\u00f6sen. Um Tiere mit kombinierten Genver\u00e4nderungen zu erzeugen, mussten die M\u00e4use bislang untereinander gekreuzt werden. Das f\u00fchrte wie bei jeder Zucht zwangsl\u00e4ufig dazu, dass es viele \u00dcberschussm\u00e4use gab, die nicht die notwendigen Mutationskombinationen aufweisen.<br \/>\nMerle hat nun eine schnellere Methode gefunden, f\u00fcr die weniger M\u00e4use gebraucht werden. Zugleich werden die Studien damit vereinfacht und beschleunigt. Die Forscherin setzt sogenannte &#8222;Genscheren&#8220; (CRISPR) ein, um Lungentumore in Laborm\u00e4usen auszul\u00f6sen.<br \/>\n&#8222;Unser Modell umgeht die aufw\u00e4ndigen Zuchten&#8220;, erl\u00e4uterte Merle. Dazu wurden die f\u00fcr die Vermehrung von Adenoviren verantwortlichen Gene entfernt und durch Genscheren ersetzt, die Mutationen in denjenigen Genen hervorrufen, die bei mehr als 90 Prozent der Patient*innen mit kleinzelligen Lungentumoren auftreten. Prinzipiell ist die Methode aber auch auf andere Tumorarten \u00fcbertragbar.<br \/>\nDas Verfahren sei wichtig, um personalisierte Tumortherapien schneller testen zu k\u00f6nnen. Zudem hat die 29-j\u00e4hrige Forscherin einen Weg gefunden, das Wachstum des Tumors in den M\u00e4usen leichter und schonender f\u00fcr die Tiere zu beobachten. Sie stattet die Tumorzellen mit einem leuchtf\u00e4higen Enzym aus, das in die Blutbahn gelangt und dort nachweisbar ist. &#8222;Dann k\u00f6nnen wir anhand eines einzigen Blutstropfens aus der Schwanzvene der M\u00e4use jederzeit im Labor messen, wie viel Tumor im Tier vorhanden ist&#8220;, erkl\u00e4rte Merle.<br \/>\nBeide Preistr\u00e4gerinnen kannten sich bislang nicht. F\u00fcr ihr Preisgeld haben sie aber eine \u00e4hnliche Idee: Nattermann m\u00f6chte mit ihrem Freund nach Paris fahren. Merle plant einen Wanderurlaub.<br \/>\nMarburg ist ein wichtiger Standort f\u00fcr Bio- und Nanotechnologie. Deshalb hat es sich die von Stadt, Universit\u00e4t und Unternehmen gemeinsam gegr\u00fcndete Initiative zum Ziel gesetzt, Wirtschaft und Wissenschaft durch Gespr\u00e4che, Seminare und Treffen besser zu vernetzen und zugleich junge Forschende zu f\u00f6rdern. Die neue Ausschreibung startet bald wieder: Ab 1. April bis zum 30. Juni k\u00f6nnen sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler f\u00fcr den F\u00f6rderpreis 2024 bewerben. Die Bewerbungsbedingungen und -formulare gibt es auf der Website der Initiative unter <a href=\"https:\/\/initiative-biotechnologie.de\/marbina\">initiative-biotechnologie.de\/marbina<\/a>.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortschritte bei der Krebsbehandlung und bei der Bindung von CO2 zeichnet der MarBiNa-F\u00f6rderpreis in diesem Jahr aus. 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