{"id":15156,"date":"2024-03-07T16:45:00","date_gmt":"2024-03-07T15:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=15156"},"modified":"2024-03-07T16:45:00","modified_gmt":"2024-03-07T15:45:00","slug":"gut-geklaert-fachtagung-zu-kommunaler-konfliktbearbeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=15156","title":{"rendered":"Gut gekl\u00e4rt: Fachtagung zu kommunaler Konfliktbearbeitung"},"content":{"rendered":"<p>Eine Fachtagung zum Thema &#8222;Kommunale Konfliktbearbeitung&#8220; haben Stadt und Uni durchgef\u00fchrt. Sie stand unter dem Motto &#8222;Konflikte in der \u00d6ffentlichkeit sehen &#8211; Gewalt verhindern&#8220;.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nKommunale Konfliktbearbeitung ist ein vielschichtiges Thema. N\u00e4chtliche Partys im \u00f6ffentlichen Raum sorgen beispielsweise f\u00fcr Konflikte zwischen Feiernden und Anwohnenden. Zudem klagen Ordnungskr\u00e4fte, Feuerwehr und Rettungskr\u00e4fte \u00fcber \u00dcbergriffe. Rund 30 Expertinnen und Experten aus Forschung, Beh\u00f6rden, Polizei und Freien Tr\u00e4gern haben sich in der Universit\u00e4tsstadt Marburg getroffen, um sich zu vernetzen und gemeinsam Fragen der kommunalen Konfliktbearbeitung zu diskutieren.<br \/>\n&#8222;Wir m\u00fcssen uns vor Augen halten, dass wir in einer sehr sicheren Stadt in einem sicheren Land leben und unsere Konflikte im Vergleich zu denen in anderen Teilen der Welt wesentlich geringer sind&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;Dennoch ist es wichtig, auch Konflikte vor unserer Haust\u00fcr wahrzunehmen und anzugehen.&#8220;<br \/>\nDie polizeiliche Kriminalstatistik zeigt f\u00fcr das vergangene Jahrzehnt und dar\u00fcber hinaus einen R\u00fcckgang von Gewaltdelikten. &#8222;Das Sicherheitsempfinden der Menschen richtet sich aber nicht nach den Daten der Kriminalstatistik. Wie das Wort ,Empfinden&#8216; schon beinhaltet geht es darum, wie Sicherheit wahrgenommen wird, wie sicher man sich f\u00fchlt und das ist subjektiv&#8220;, betonte Spies. &#8222;Unsere Aufgabe ist es, Wege und Strategien zu entwickeln, wie gewaltt\u00e4tige Konflikte und Kriminalit\u00e4t gel\u00f6st und bearbeitet werden. Die faktische Sicherheit und das Sicherheitsempfinden der B\u00fcrger*innen m\u00fcssen gleicherma\u00dfen gest\u00e4rkt werden. Vor allem geht es beim Thema Sicherheit um die Frage, was Kommunen tun k\u00f6nnen, um gewaltt\u00e4tige Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.&#8220;<br \/>\nDie Fachtagung &#8222;Kommunale Konfliktbearbeitung&#8220; wurde gemeinsam von der Stadt Marburg und der Philipps-Universit\u00e4t organisiert und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung finanziell unterst\u00fctzt. Zu der Fachtagung haben Johannes Maaser vom st\u00e4dtischen Fachdienst Gefahrenabwehr und Gewerbe sowie die Marburger Sozialpsychologen Prof. Dr. Ulrich Wagner und Prof. Dr. Christopher Cohrs rund 30 Expert*innen aus Forschung, von Beh\u00f6rden, Polizei und Freien Tr\u00e4gern aus ganz Deutschland eingeladen.<br \/>\nW\u00e4hrend der Fachtagung wurden drei gro\u00dfe Themenbereiche diskutiert. Es ging um aktuelle Problemlagen und deren Entstehung, kommunale Konfliktberatung, Gewaltpr\u00e4vention und polizeiliches Konfliktmanagement sowie kommunale Organisationsstrukturen der Konfliktbearbeitung. &#8222;F\u00fcr mich war eine wichtige Erkenntnis, dass beim Kommunalen Konfliktmanagement immer mehr globale Krisen und Herausforderungen auch lokal bearbeitet werden m\u00fcssen&#8220; berichtete Johannes Maaser vom Projekt &#8222;EinSicht &#8211; Marburg gegen Gewalt&#8220; der Stadt Marburg. &#8222;Sehr deutlich wird dies etwa, wenn die Kriege in der Ukraine oder im Gazastreifen auch auf Marburger Schulh\u00f6fen zu Auseinandersetzungen f\u00fchren.&#8220;<br \/>\nDaf\u00fcr brauche es auf lokaler Ebene dauerhafte, professionelle Strukturen, die zugleich flexibel auf neu entstehende Krisen reagieren k\u00f6nnen. &#8222;Au\u00dferdem ist es wichtig, kommunale Konfliktlagen als ein ganzheitliches Problem zu betrachten. Das bedeutet, wenn es beispielsweise gewaltauff\u00e4llige Jugendliche gibt, dann darf man sie nicht isoliert als ,das Problem&#8216; ansehen. Das gesamte Umfeld und das soziale Netzwerk m\u00fcssen einbezogen werden mit Peer Groups, Familie, die Schule und Vereinen.<br \/>\nIm besten Fall l\u00e4sst sich ein Konflikt gemeinsam bearbeiten und langfristig l\u00f6sen.&#8220; Bei komplexen Problemstrukturen k\u00f6nne es auch hilfreich sein, externe Beratung hinzuzuziehen, da sie nicht Teil der jeweiligen Konfliktlage vor Ort sei. Neben repressiven Ma\u00dfnahmen der Gefahrenabwehr &#8211; zum Beispiel zum Umgang mit bereits auff\u00e4lligen Gewaltt\u00e4igen &#8211; sei vor allem der Austausch zwischen Beh\u00f6rden und ganz unterschiedlichen Interessengruppen in der Bev\u00f6lkerung wichtig.<br \/>\nNur wenn viele Sichtweisen, Bed\u00fcrfnisse und Interessen einbezogen werden, lie\u00dfen sich Konflikte im \u00f6ffentlichen Raum problembewusst und damit nachhaltig bearbeiten. Zur Ansprache von Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien zum Beispiel Konfliktbearbeitungstrainings ein Weg. Einen besonderen Schwerpunkt bilde auch die Gestaltung von Innenst\u00e4dten.<br \/>\n&#8222;Die Frage ist, wie st\u00e4dtische Raumplanung so gelingen kann, dass ganz unterschiedliche Menschen den \u00f6ffentlichen Raum nutzen k\u00f6nnen, ohne jeweils andere Interessengruppen zu bel\u00e4stigen und damit Konflikte entstehen zu lassen?&#8220;, erl\u00e4uterte Prof. Dr. Ulrich Wagner. &#8222;Wie kann man beispielsweise auch jungen Leuten die M\u00f6glichkeit bieten, ohne gro\u00dfe Kosten eine Party zu feiern? Dazu gibt es in der internationalen kommunalen Konfliktbearbeitung positive Beispiele, die wir uns n\u00e4her angeschaut haben wie beispielsweise in Z\u00fcrich, wo verschiedene Orte f\u00fcr junge Leute zum Feiern angeboten werden, jeder Ort aber nur ein oder zweimal im Jahr, sodass Anwohner*innen sich darauf einstellen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nBei der Tagung vertreten waren neben st\u00e4dtischen Mitarbeitenden unterschiedlicher Fachdienste und Stabsstellen aus mehreren deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Im bundesweiten Feld der Teilnehmenden waren das Deutsch-Europ\u00e4ische Forum f\u00fcr Urbane Sicherheit, das Deutsche Forum Kriminalpr\u00e4vention, das Netzwerk gegen Gewalt Hessen, die CommunAid &#8211; Initiative f\u00fcr gesellschaftlichen Zusammenhalt, die K\u00f6rber Stiftung, die Friedensakademie Rheinland-Pfalz, der Friedenskreis Halle, das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) sowie<br \/>\nWissenschaftler*innen aus der Konfliktforschung, der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Kriminologie sowie der klinischen &#8211; und der Sozialpsychologie.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Fachtagung zum Thema &#8222;Kommunale Konfliktbearbeitung&#8220; haben Stadt und Uni durchgef\u00fchrt. 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