{"id":14820,"date":"2024-01-28T17:15:00","date_gmt":"2024-01-28T16:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14820"},"modified":"2024-02-01T11:45:53","modified_gmt":"2024-02-01T10:45:53","slug":"wir-sind-mehr-16-000-demonstrierten-fuer-demokratie-und-mitmenschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14820","title":{"rendered":"Wir sind mehr: 16.000 demonstrierten f\u00fcr Demokratie und Mitmenschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Gut 16.000 Menschen haben am Samstag (27. Januar) vor dem EPH ein Zeichen f\u00fcr Demokratie gesetzt. &#8222;Wir sind mehr&#8220; lautete das Motto der Gro\u00dfdemonstration gegen Rechts. <!--more--><br \/>\n&#8222;Wir z\u00e4hlen 12.000 Demonstrierende&#8220;, berichtete Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies zu Beginn seiner Rede vor dem Erwin-Piscator-Haus (EPH). Mehr als 120 Organisationen hatten den Aufruf des Magistrats der Universit\u00e4tsstadt Marburg zu der Demonstration unterschrieben. Wegen des erwarteten Andrangs hatten die Veranstalter auf einen Demonstrationszug durch die engen Gassen der Oberstadt zum Marktplatz verzichtet.<br \/>\n&#8222;Wir sind mehr&#8220;, lautete eine Parole der Demonstrierenden. &#8222;Wir werden mehr&#8220;, rief jemand, als Spies die Zahl der Teilnehmenden erstmals verk\u00fcndete. Kaum eine Stunde sp\u00e4ter konnte der Oberb\u00fcrgermeister dann 16.000 Teilnehmende an der Demonstration vermelden.<br \/>\n&#8222;Wir sind die &#8211; nicht mehr schweigende &#8211; Mehrheit&#8220;, lautete ein anderer Spruch. &#8222;Marburg zusammen gegen den Faschismus&#8220; riefen viele Anwesende oder trugen es auf Schildern an Bauch und R\u00fccken. Die Angriffe von Rechtspopulisten und der AfD auf Demokratie und die Solidarit\u00e4t mit Gefl\u00fcchteten wollten sie alle nicht hinnehmen.<br \/>\n&#8222;Wir stehen heute zusammen gegen ass und Hetze, gegen L\u00fcgen und Verleumdungen&#8220;, er\u00f6ffnete Oberb\u00fcrgermeister Spies die Kundgebung &#8222;Marburg gegen Rechts&#8220;. &#8222;Wir stehen zusammen gegen diejenigen, die aus ihrem Hass ein System staatlicher Bosheit machen wollen.&#8220; So habe es damals auch angefangen, zitierte er die 102-j\u00e4hrige Holocaust-\u00dcberlebende Margot Friedl\u00e4nder: &#8222;mit Wahlergebnissen, die binnen f\u00fcnf Jahren von unter drei auf 43 Prozent f\u00fcr die NSDAP 1933 springen, mit offener Menschenfeindlichkeit, mit Ver\u00e4chtlichmachung von allen, die dem rassistischen Menschenbild der Rechtsextremen nicht entsprachen, mit dem erkl\u00e4rten Willen, Millionen Menschen aus der Gemeinschaft zu vertreiben, ihre Existenz, ihre Lebensgrundlage, am Ende die Menschen selbst zu vernichten. &#8222;So hat es damals auch angefangen, mit dem Ruf, ,die anderen&#8216; an die Wand zu stellen.&#8220;<br \/>\nViel zu wenige wollten Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts glauben, dass die Menschenfeinde genau das wahrmachen w\u00fcrden, was sie offen angek\u00fcndigt hatten. Umso gr\u00f6\u00dfer war das Erschrecken. Doch allzu viele hatten den Faschismus &#8211; insbesondere auch in Marburg &#8211; eifrig unterst\u00fctzt.<br \/>\n&#8222;Nie wieder Faschismus&#8220; lautete deshalb das Versprechen der \u00dcberlebenden nach dem Ende des 2. Weltkriegs. &#8222;Nie wieder ist jetzt&#8220;, wiederholge Spies mehrmals. &#8222;Nie wieder ist heute. Nie wieder hei\u00dft: Wir stehen zusammen, vor allem gemeinsam an der Seite aller, die am Wannsee gemeint waren. Alle geh\u00f6ren dazu, hier und heute und jeden Tag.&#8220;<br \/>\nDie beste Rede hielt Sylvie Cloutier vom Ausl\u00e4nderbeirat: &#8222;Ihr braucht uns doch. Wir sind eure Bademeister*innen, eure Busfahrer*innen, eure Erzieher*innen und eure Unternehmer*innen.&#8220; Aber auch die Deutschen br\u00e4uchten die Migrantinnen und Migranten, erkl\u00e4rte sie. &#8222;Und Ihr braucht uns, um uns zu belehren.&#8220;<br \/>\nSelbst die AfD brauche die Migrantinnen und Migranten, denn sonst h\u00e4tte sie ja kein Feindbild mehr. Nicht hilfreich seien jedoch Politiker und Parteien, die Migration zu einem Problem hochstilisierten und so der AfD in die H\u00e4nde spielten. Cloutier fragte, ob sie und die anderen auss\u00e4hen wie ein Problem.<br \/>\n&#8222;Nein! Wir sind Menschen, die das Leben an diesen Ort verschlagen hat, zu anderen Menschen, die das Gl\u00fcck hatten, hier geboren zu sein und nicht in Kriegsgebieten.&#8220; Marburg sei ihre Heimat geworden. &#8222;Wir bleiben hier&#8220;, rief sie unter gro\u00dfem Beifall der Anwesenden.<br \/>\nDass auch die Kinder und Jugendlichen f\u00fcr Vielfalt, Toleranz, Offenheit und Respekt sowie vor allem f\u00fcr Bildung und Beteiligung sind, demonstrierten Lasse Wenzel und Marie Kaiser vom Marburger Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) bei der Kundgebung eindrucksvoll. Die beiden wollten &#8222;Verantwortung f\u00fcr unsere Zukunft \u00fcbernehmen, denn Demokratie kennt keine Altersgrenze.&#8220;<br \/>\nMichael Heiny von der Geschichtswerkstatt erinnerte daran, dass am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde. Auschwitz wurde das Symbol f\u00fcr die Verfolgung, Deportation und Ermordung von Menschen. Betroffen gewesen seien &#8222;all jene, die die v\u00f6lkische NS-Ideologie zu Volksfeinden erkl\u00e4rt hatte und gnadenlos verfolgte.&#8220;<br \/>\nEr ordnete die Rolle des braunen Marburgs und der v\u00f6lkisch-nationalistischen Burschenschaften ein. Auch heute l\u00fcden sie wieder &#8222;&#8220;echte Vordenker wie H\u00f6cke&#8220; zu Veranstaltungen ein, die geistige Brandstifter seien mit ihren Pl\u00e4nen zur sogenannten &#8222;Remigration&#8220;. &#8222;Lernen wir aus unserer Geschichte&#8220;, forderte er. &#8222;Setzen wir uns solidarisch ein f\u00fcr Gleichheit und Menschenw\u00fcrde. Stellen wir uns in der Wahlkabine, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft gegen diese Brandstifter und Biederm\u00e4nner!&#8220;<br \/>\nIn Namen der Philipps-Universit\u00e4t betonte ihr Pr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss die Bedeutung von Vielfalt und Freiheit f\u00fcr ie Wissenschaft. Als Letzte versprach die Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner: &#8222;Unser Land und unsere Stadt bleiben frei, bunt und solidarisch.&#8220;<br \/>\nIm Namen der Stadtverordneten warnte sie: &#8222;Wir hatten schon mal einen Diktator in diesem Land. Der auch vorher detailliert aufgeschrieben hat, was f\u00fcr furchtbare Dinge er vorhat. Das hat man nicht sehen wollen. Diesen Fehler des Verharmlosens, des Nicht-sehen-Wollens, d\u00fcrfen wir nie wieder machen!&#8220;<br \/>\nFaschisten d\u00fcrften keine einzige Wahl gewinnen: &#8222;Wenn sie einmal an der Macht sind, bekommt man sein Land erst dann wieder, wenn es in Tr\u00fcmmern liegt&#8220;, warnte Neuwohner. Die Gesellschaft und auch die Politik seien gefordert, sich zu wehren und den Krisen erfolgreich zu begegnen. Wer \u00fcberlege, auszuwandern, solle das nicht. &#8222;Das ist unser Land und das sind unsere Stra\u00dfen, gemeinsam sorgen wir daf\u00fcr, dass unser Land und unsere Stadt frei, bunt und solidarisch bleiben.&#8220;<br \/>\nZum Ende der Versammlung stimmte die stimmgewaltige S\u00e4ngerin Letso Rose Steinhoff noch einmal das antifaschistische Kampflied &#8222;Bella Ciao&#8220; an, wobei Zigtausende mitsangen. Gleiches geschah auch ei der US-amerikanischen B\u00fcrgerrechtshymne &#8222;We shalll overcome&#8220;. In zahlreichen lockeren Demonstrationsz\u00fcgen zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gr\u00f6\u00dften Demonstration zumindest der j\u00fcngeren Marburger Geschichte anschlie\u00dfend in der Hoffnung nach Hause, dass die K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfer f\u00fcr Demokratie und Mitmenschlichkeit in Marburg die &#8211; nicht l\u00e4nger schweigende &#8211; Mehrheit sind.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut 16.000 Menschen haben am Samstag (27. Januar) vor dem EPH ein Zeichen f\u00fcr Demokratie gesetzt. &#8222;Wir sind mehr&#8220; lautete das Motto der Gro\u00dfdemonstration gegen Rechts.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14846,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,3,2,4],"tags":[712,271,1909],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/marburg.news\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Demo-Marburg-scaled.jpg?fit=1920%2C2560","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-3R2","jetpack-related-posts":[{"id":15442,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=15442","url_meta":{"origin":14820,"position":0},"title":"Zeichen gesetzt: Marburg f\u00fcr Demokratie und gegen Rechtsextremismus","date":"19. 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