{"id":14547,"date":"2023-12-06T15:13:27","date_gmt":"2023-12-06T14:13:27","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14547"},"modified":"2023-12-06T15:13:27","modified_gmt":"2023-12-06T14:13:27","slug":"fuenffache-foerderung-marburger-projekte-erfolgreich-beim-land","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14547","title":{"rendered":"F\u00fcnffache F\u00f6rderung: Marburger Projekte erfolgreich beim Land"},"content":{"rendered":"<p>Marburg punktet f\u00fcnffach mit risikoreicher Forschung. Die Philipps-Universit\u00e4t erh\u00e4lt Bewilligungen f\u00fcr Projekte aus Krebsmedizin, Chemie, Neurowissenschaft, Psychologie und Arzneimittelforschung. <!--more--><br \/>\nDie Philipps-Universit\u00e4t hat gleich f\u00fcnf Forschungsvorhaben in der hessischen F\u00f6rderlinie &#8222;LOEWE Exploration&#8220; eingeworben, die risikoreiche Projekte finanziert &#8211; Marburg setzt sich damit an die Spitze der hessischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, was die Anzahl der bewilligten Vorhaben in dieser Runde angeht. Auch am weiterhin gef\u00f6rderten LOEWE-Zentrum &#8222;emergenCITY&#8220; der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt ist die Philipps-Universit\u00e4t beteiligt.<br \/>\nVon der Krebsbek\u00e4mpfung bis zur Hirnforschung, von der K\u00fcnstlichen Intelligenz bis zur App-Entwicklung reicht das Spektrum der Vorschl\u00e4ge f\u00fcr neue Forschungsprojekte, mit denen sich Marburger Arbeitsgruppen erfolgreich an der aktuellen Runde der hessischen Landesexzellenzinitiative &#8222;LOEWE&#8220; beteiligt haben. &#8222;Angesichts der dr\u00e4ngenden Probleme, vor denen die Weltgesellschaft steht, muss Forschung Risiken eingehen, um neuartige L\u00f6sungsans\u00e4tze zu finden&#8220;, erkl\u00e4rte Uni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange. &#8222;Die Uni Marburg ermutigt ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Kr\u00e4ften, in ihrer Forschung Neuland zu betreten, um Zukunftsfragen zu beantworten. Die Vielzahl und Vielfalt der bewilligten Antr\u00e4ge zeigt: Bei uns herrscht ein Geist der Offenheit und Neugier, der wagemutige Forschung befl\u00fcgelt.&#8220;<br \/>\nWie entfernt man Proteine, die zur Krebsentstehung f\u00fchren, aus Krebszellen? Dieser Frage geht das Projekt &#8222;Degradobodies &#8211; Zellpenetrierende Monobodies zum Abbau onkogener Transkriptionsverfahren&#8220; nach. Das Projekt des Biochemikers Prof. Dr. Oliver Hantschel wird mit 299.000 Euro gef\u00f6rdert. Krebs wird durch Ver\u00e4nderungen des genetischen Materials der Zelle &#8211;<br \/>\nsogenannter &#8222;Onkogene&#8220; &#8211; verursacht. In der Folge teilen sich Zellen unkontrolliert und es entstehen Tumore. Seit dem Jahr 2000 wurden f\u00fcr die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten neue Medikamente zugelassen, die an Onkogene binden und deren Signalweiterleitung blockieren.<br \/>\nIn den vergangenen zehn Jahren wurden zweiarmige Molek\u00fcle entwickelt, die Onkogene mit einem Arm blockieren und mit dem zweiten Arm deren Zerst\u00f6rung in Krebszellen einleiten. Dieser neue Ansatz hat bisher noch zu keinem zugelassenen Medikament gef\u00fchrt und ist bisher auch nur f\u00fcr wenige Onkogene anwendbar.<br \/>\nDas Team im &#8222;Degradobodies&#8220;-Projekt versucht dieses Problem zu l\u00f6sen, indem es Antik\u00f6rper-\u00e4hnliche Proteine verwendet. Diese sogenannten &#8222;Monobodies&#8220; k\u00f6nnen schnell und kosteng\u00fcnstig gegen jedes beliebige Onkogen entwickelt werden. Die Forschungsgruppe wird Monobodies an ein zweites Molek\u00fcl koppeln, das dann die Zerst\u00f6rung des Onkogens einleitet &#8211; ein m\u00f6glicherweise bahnbrechend neuer Ansatz, mit der sich eine Vielzahl von zur Zeit noch unzug\u00e4nglichen Onkogenen bek\u00e4mpfen lassen.<br \/>\nAugenbewegungen dienen als Fenster in das Gehirn. Das Projekt &#8222;OculoMotifs&#8220; wird mithilfe von K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) gro\u00dfe Datens\u00e4tze von Augenbewegungen in nat\u00fcrlichem Kontext analysieren, um damit neue Biomarker f\u00fcr neuropsychiatrische Erkrankungen und gesundes Altern zu entdecken. Das Projekt des Neurophysikers Prof. Dr. Frank Bremmer wird mit knapp 248.000 Euro gef\u00f6rdert.<br \/>\nZahlreiche Studien haben gezeigt, dass sich unter Laborbedingungen Augenbewegungen sowohl \u00fcber die Lebensspanne hinweg als auch bei bestimmten neuropsychiatrischen Erkrankungen in charakteristischer Weise ver\u00e4ndern. &#8222;Ein vollst\u00e4ndiges Verst\u00e4ndnis der Blickmotorik erfordert jedoch Untersuchungen in nat\u00fcrlichem Kontext&#8220;, erkl\u00e4rte Projektleiter Bremmer.<br \/>\nBislang werden Augenbewegungen, die man historisch bedingt in sechs Klassen unterteilt, stets als voneinander unabh\u00e4ngig betrachtet. Die Forschungsgruppe von &#8222;OculoMotifs&#8220; geht davon aus, dass diese Annahmen nicht vollst\u00e4ndig sind. Das Team vermutet, dass sich Augenbewegungen \u00e4hnlich einer Sprachstruktur zusammensetzen: Die kleinsten Elemente (Buchstaben beziehungsweise ,OculoCharacters&#8216;) bilden in spezifischen Anordnungen (W\u00f6rtern f. . ,OculoWords&#8216;) Klassen von Augenbewegungen, die wiederum im nat\u00fcrlichen Kontext in charakteristischen Abfolgen (S\u00e4tzen beziehungsweise ,OculoSentences&#8216;) auftreten.<br \/>\nDiese Elemente (Character, Word, Sentence) sollen mit Verfahren der K\u00fcnstlichen Intelligenz identifiziert und charakterisiert werden. Daf\u00fcr analysiert das Team bereits erhobene, gro\u00dfe und in ihrer Diversit\u00e4t weltweit einzigartige Datens\u00e4tze von Augenbewegungen.<br \/>\nEine App soll die Pr\u00e4vention von Angstst\u00f6rungen und Depressionen verbessern: Dieses Ziel verfolgt das neue LOEWE-Vorhaben der Qualifikationsprofessorin Dr. Anna-Carlotta Zarski aus der klinischen Psychologie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Das Projekt wird f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre mit 299.000 Euro gef\u00f6rdert.<br \/>\nDas Forschungsteam setzt auf eine App, die auf DyKI-JITAI beruht, das steht f\u00fcr dyadisch-basierter, KI-gesteuerter Just-In-Time-Adaptiver-Interventionsmechanismus: Eine solche App bietet, gesteuert durch K\u00fcnstliche Intelligenz und Pr\u00e4ferenzen der Teilnehmenden, ma\u00dfgeschneiderte kognitiv-verhaltenstherapeutische Inhalte und \u00dcbungen f\u00fcr Personen mit Angstst\u00f6rungen und Depressionen.<br \/>\n&#8222;Um die Wirksamkeit und Effizienz der Pr\u00e4vention zu steigern, ist es erforderlich, angepasst auf individuelle Bed\u00fcrfnisse zu reagieren&#8220;, erkl\u00e4rte Antragstellerin Zarski. Sie kooperiert bei dem Vorhaben mit Claudia Buntrock, Juniorprofessorin f\u00fcr Public Health und Versorgungsforschung an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg.<br \/>\nDas Team wird eine App testen, die pr\u00e4ventive kognitiv-verhaltenstherapeutische Inhalte und \u00dcbungen vermittelt. Zur Unterst\u00fctzung und um die Verbindlichkeit zu erh\u00f6hen, wird in der App eine Trainingspartnerin oder ein Trainingspartner verkn\u00fcpft. Dadurch sollen sich die Symptome der Betroffenen signifikant verbessern und der Entstehung vollausgepr\u00e4gter St\u00f6rungsbilder langfristig vorgebeugt werden.<br \/>\nWerden weibliche Geschlechtshormone &#8211; also \u00d6strogene &#8211; aktiv in Brustkrebszellen aufgenommen, so f\u00f6rdert das die Entstehung und Vermehrung von Brustkrebszellen. Die aktive Aufnahme in Brustkrebszellen erfolgt \u00fcber ein Transportsystem in der Zellmembran, das erst vor einigen Jahren neu entdeckt wurde. Das neue LOEWE-Projekt von Prof. Dr. Wibke Diederich aus dem Marburger Fachbereich Pharmazie und ihrem Gie\u00dfener Kollegen Prof. Dr. Joachim Geyer ist darauf angelegt, Wirkstoffe zu entwickeln, die dieses Transportsystem hemmen.<br \/>\nSolche Hemmstoffe k\u00f6nnen dann zur Therapie von \u00f6strogen-abh\u00e4ngigen Brusttumoren eingesetzt werden. &#8222;Als Grundlage dienen Molek\u00fcle der Phenylsulfonamid-Klasse, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine ganz andere medizinische Anwendung entwickelt wurden&#8220;, erl\u00e4uterte Diederich. &#8222;Eine selektive Hemmung des Transporters durch einen derartigen Wirkstoff k\u00f6nnte langfristig eine neue Therapieoption f\u00fcr die Behandlung von hormonabh\u00e4ngigem Brustkrebs er\u00f6ffnen.&#8220; Diederich und Geyer erhalten f\u00fcr ihr Projekt 295.000 Euro aus dem LOEWE-Topf.<br \/>\nVerbinden sich Metall-Ionen und organische Br\u00fcckenmolek\u00fcle, dann entstehen so genannte Koordinationspolymere. So mannigfaltig deren Verkn\u00fcpfungen, so vielf\u00e4ltig sind auch die physikalischen und chemischen Eigenschaften dieser hybriden Kunststoffe.<br \/>\nDas neue LOEWE-Projekt des Marburger Chemikers Dr. Gunnar Werncke zielt darauf ab, die Wechselwirkung von Metallen wie Eisen und Kobalt mit organischen Br\u00fcckenmolek\u00fclen zu st\u00e4rken. Daf\u00fcr setzen Werncke und sein Team auf einen speziellen Bindungstyp: die Metall-Stickstoff-Doppelbindung. &#8222;Dieser Bindungstyp ist bislang f\u00fcr \u00dcbergangsmetalle wie Kobalt und Eisen nicht ausreichend verstanden, zeigt aber eine ausgepr\u00e4gte elektronische Flexibilit\u00e4t&#8220;, erkl\u00e4rte Werncke.<br \/>\nDiese Flexibilit\u00e4t soll f\u00fcr den Elektronen\u00fcbergang zwischen Metallionen und f\u00fcr besondere magnetische Eigenschaften genutzt werden. Der verfolgte Ansatz soll sich auch auf Kunststoffe mit verschiedenen Metallen \u00fcbertragen lassen, sodass sich deren Eigenschaften gezielt einstellen lassen. &#8222;Unser Vorhaben k\u00f6nnte ein v\u00f6llig neues wissenschaftliches Forschungsfeld zu Hybridmaterialien erschlie\u00dfen&#8220;, legte der Chemiker dar.<br \/>\nDabei w\u00fcrden fundamentale Fragen der Wechselwirkung zwischen Metallionen beantwortet, aber auch m\u00f6gliche Anwendungen f\u00fcr Elektronik und Informationsspeicherung in den Blick genommen. Das Team erh\u00e4lt daf\u00fcr 279.000 Euro aus der LOEWE-F\u00f6rderlinie.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marburg punktet f\u00fcnffach mit risikoreicher Forschung. 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Zweck der in Marburg ans\u00e4ssigen Stiftung ist die F\u00f6rderung der Forschung und Lehre in der Medizin an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen und der Philipps-Universit\u00e4t. Sie unterst\u00fctzt Wissenschaftler, die maximal 35\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":7391,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=7391","url_meta":{"origin":14547,"position":4},"title":"Ansatz und F\u00f6rderung: Geld f\u00fcr zwei innovative Projekte zu Mikroplastik","date":"13. Juli 2021","format":false,"excerpt":"Mikroplastik steht im Fokus innovativer Forschung. Zwei Marburger Projekte zu Mikroplastik waren bei der LOEWE-Exploration erfolgreich. Das Land Hessen unterst\u00fctzt in der neuen F\u00f6rderlinie \"LOEWE-Exploration\" unkonventionelle innovative Forschung. 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