{"id":14382,"date":"2023-11-17T12:55:24","date_gmt":"2023-11-17T11:55:24","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14382"},"modified":"2023-11-17T12:55:24","modified_gmt":"2023-11-17T11:55:24","slug":"vor-klimafolgen-kongress-diskutierte-zukunft-der-ernaehrungssysteme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14382","title":{"rendered":"Vor Klimafolgen: Kongress diskutierte Zukunft der Ern\u00e4hrungssysteme"},"content":{"rendered":"<p>Die Zukunft der Ern\u00e4hrung stand im Mittelpunkt eines internationalen Kongresses. Stattgefunden hat er bereits von Montag (6. November) bis Mittwoch (8. November) in Marburg. <!--more--><br \/>\n120 Teilnehmende aus 17 L\u00e4ndern haben sich von Montag (6. November) bis Mittwoch (8. November) in Marburg drei Tage lang intensiv mit Strategien f\u00fcr zukunftsf\u00e4hige Ern\u00e4hrung besch\u00e4ftigt. Der internationale Kongress mit dem Titel &#8222;Unsere Ern\u00e4hrung in die Hand nehmen! Gemeinsam resiliente Ern\u00e4hrungssysteme gestalten&#8220; versammelte Expertinnen und Experten aus Marburg, Deutschland und der Europ\u00e4ischen Union (EU), die T\u00e4tigkeitsfelder aus dem gesamten Ern\u00e4hrungsbereich abdecken. Welche wichtige Rolle Ern\u00e4hrung f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t in Stadt und Landkreis spielt, betonten Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies und Landrat Jens Womelsdorf in ihren Gru\u00dfworten zur Er\u00f6ffnung.<br \/>\nDanach stand der Austausch von positiven Erfahrungen, Herausforderungen und guten L\u00f6sungsans\u00e4tzen im Vordergrund. So berichteten die letztj\u00e4hrigen Gastgeber der Konferenz aus dem bretonischen Pless\u00e9, wie sie dem H\u00f6festerben auf dem Gemeindegebiet durch aktive Vermittlung der Kommune entgegenwirken. Beispielsweise konnten in den letzten drei Jahren 25 H\u00f6fe, deren Betreibende in Rente gingen, an Junglandwirt*innen \u00fcbergeben werden; vier weitere Betriebe wurden er\u00f6ffnet. Das ist eine Bilanz, von der viele Landstriche nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen!<br \/>\nWie junge Landwirtinnen und Landwirte \u00fcberhaupt zu Fl\u00e4chen kommen, die sie bewirtschaften k\u00f6nnen, war Thema eines so genannten &#8222;Werkraums&#8220;. Nicht nur im Landkreis, sondern europaweit ist das ein viel diskutiertes Problem. Die Niederweimarer Solawi Petersilie Ziegenb\u00e4uerin Claudia Smolka und Milchbauer Clemens Gabriel haben f\u00fcr sich Antworten gefunden. Die Besonderheit: Alle nutzen Finanzierungsmodelle, die \u00fcber den Privatbesitz hinausgehen und aufzeigen, dass gute Kooperationen zwischen Landwirt*innen und B\u00fcrger*innen bzw. zivilgesellschaftlichen Organisationen gewinnbringend f\u00fcr beide Seiten sein k\u00f6nnen.<br \/>\nInsgesamt gibt es gro\u00dfe Herausforderungen, aber auch viele gute L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge: &#8222;Es ist toll und motivierend, sich hier auszutauschen&#8220;,erkl\u00e4rte eine Teilnehmerin. &#8222;Von Menschen zu h\u00f6ren, die mutig vorangegangen sind und viel erreicht haben, auch ohne auf Gesetzes\u00e4nderungen zu warten, ist inspirierend. So wie in Mouans-Sartoux: Dass sie dort schon seit Jahren alle \u00f6ffentlichen Kantinen, auch Schulen und Kitas, mit von der Stadt angebautem Gem\u00fcse beliefern, begeistert mich restlos.&#8220;<br \/>\nSie f\u00fcgte hinzu: &#8222;Einen Ansatz f\u00fcr die regionale Versorgung von Kitas gibt es in Marburg ja auch schon, vielleicht ist das ausbauf\u00e4hig.&#8220;<br \/>\nGenau daf\u00fcr gibt es Hoffnung: Die Wirkung des Kongresses soll nicht verpuffen, sondern nach dem Willen der Robert-Bosch-Stiftung, die die Haupt-Geldgeberin ist, in Marburg und Region weiterhin Wirkung entfalten. Noch bis M\u00e4rz 2025 stehen F\u00f6rdergelder zur Verf\u00fcgung, die das kollektiv von MORGEN verwenden kann und soll, um Kooperationen, Ideen und Projekte, die entstanden sind, zu begleiten und zu moderieren.<br \/>\nEin erstes digitales &#8222;Follow-up-Treffen&#8220; f\u00fcr regionale Akteur*innen ist am Donnerstag (23. November) um 19 Uhr geplant. Am Ende der Tage standen erste Formulierungen f\u00fcr den &#8222;Marburger Aktionsplan f\u00fcr zukunftsf\u00e4hige Ern\u00e4hrungssysteme&#8220;. Dieser Plan formuliert sowohl regional, wie auch auf EU-Ebene, wie eine Transformation der Ern\u00e4hrungssysteme hin zur Krisenfestigkeit aussehen kann.<br \/>\nEine Empfehlung, die direkt an die Erfahrungen aus Pless\u00e9 anschlie\u00dft lautet: &#8222;Wir m\u00fcssen die gesellschaftliche Schwarmintelligenz nutzen, um nachhaltige, lokale Agrar- und Lebensmittelpolitiken zu schaffen. Wir brauchen daf\u00fcr ausreichend finanzierte Kommunikations-R\u00e4ume, in denen gemischte Akteursgruppen die Transformation der Ern\u00e4hrungssysteme voranbringen k\u00f6nnen. Es sollten Kommunen, Verwaltungen, Zivilgesellschaft, Schulen und Privatwirtschaft und andere beteiligt sein.&#8220; Wer denkt da nicht an den B\u00fcrgerrat Ern\u00e4hrung, der zurzeit auf Bundesebene eingesetzt ist oder an den Governance-Beschluss des Marburger Stadtparlaments?<br \/>\nDer Aktionsplan enth\u00e4lt konkrete Ideen zur St\u00e4rkung lokaler Wertsch\u00f6pfungsketten, der Verbesserung von Zugang zu Land, zu Fragen lokaler Ern\u00e4hrungspolitik und der Ern\u00e4hrungsbildung. Er wird zurzeit fertig gestellt und zeitnah ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nMit einer partizipativen Podiumsdiskussion schloss die Veranstaltung. Dabei diskutierten prominente G\u00e4ste wie Staatssekret\u00e4rin Silvia Bender und Staatssekret\u00e4r Oliver Conz vom Bundes- beziehungsweise Hessischen Landwirtschaftsministerium und B\u00fcrgermeisterin Nadine Bernshausen sowie zivilgesellschaftliche Vertreter*innen dar\u00fcber, ob eine lokale Infrastruktur im Ern\u00e4hrungssystem als \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge zu begreifen ist und welche Ans\u00e4tze der Governance und Beteiligung von B\u00fcrger*innen es braucht, damit Ver\u00e4nderungen auch gesellschaftlich getragen werden. Der stellvertretende B\u00fcrgermeister Thierry Lohr aus Pless\u00e9 stellte fest: &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht immer auf die richtigen politischen Mehrheiten warten. Es ist auch Aufgabe von Politik und Verwaltung, Ver\u00e4nderungen so zu gestalten, dass es noch eine lebenswerte Perspektive auf dem Planeten gibt.&#8220;<br \/>\nDaf\u00fcr liefert die Gemeinde Pless\u00e9 ein besonderes Beispiel hinsichtlich eines eigenen demokratischen Beteiligungsansatzes, der auch Ver\u00e4nderungen beispielsweise bei der Vergabe von Land erm\u00f6glichte. Wer zu Ern\u00e4hrungssystemen arbeitet oder im Nahrungsmittelsektor t\u00e4tig ist, ist eingeladen, sich zum Follow-up am Donnerstag (23. November) unter anmeldung@kollektiv-von-morgen.de anzumelden.<br \/>\nDer internationale kokreative Kongress &#8222;Unsere Ern\u00e4hrung in die Hand nehmen. Gemeinsam resiliente Ern\u00e4hrungssysteme gestalten&#8220; ist Teil des Projekts &#8222;Rural Europe takes Action&#8220; (RETA). Er bringt Akteurinnen und Akteure wie Nahrungsmittelproduzierende, verarbeitende Betriebe, Handel und Verbrauchende sowie Menschen aus Politik und Verwaltung miteinander ins Gespr\u00e4ch, um gemeinsam M\u00f6glichkeiten, Hindernisse, Bedarf und Handlungspotentiale einer regionalen Ern\u00e4hrung zu er\u00f6rtern. Neben dem regionalen Schwerpunkt liegt der Fokus auf dem internationalen Austausch beispielsweise mit der Gemeinde Pless\u00e9 in Frankreich sowie auf der Begleitung von Gesetzgebungsverfahren in Deutschland und der EU. F\u00fcr die Stadt Marburg und den Landkreis Marburg-Biedenkopf stehen noch bis Anfang 2025 Gelder zur Verf\u00fcgung, die die Begleitung, Moderation und Koordination der auf dem Kongress angesto\u00dfenen Impulse auf lokaler Ebene m\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>* pm: Kollektiv von Morgen, Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zukunft der Ern\u00e4hrung stand im Mittelpunkt eines internationalen Kongresses. 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