{"id":14381,"date":"2023-11-17T11:10:02","date_gmt":"2023-11-17T10:10:02","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14381"},"modified":"2023-11-17T11:10:02","modified_gmt":"2023-11-17T10:10:02","slug":"vor-studierenden-innovative-ideen-der-hochschullehre","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14381","title":{"rendered":"Vor Studierenden: Innovative Ideen der Hochschullehre"},"content":{"rendered":"<p>Innovative Ideen f\u00fcr die Hochschullehre standen am Mittwoch (15. November) und Donnerstag (16. November) im Fokus. Au\u00dferdem wurde bei den mittelhessischen Tagen der Lehre auch der Lehrpreis &#8222;Lehre@Philipp&#8220; verliehen. <!--more--><br \/>\nAn zwei Tagen boten die <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=14340\">Tage der Lehre an der Philipps-Universit\u00e4t<\/a> in diesem Jahr vielf\u00e4ltige Anregungen f\u00fcr die Lehrpraxis und Gelegenheit zum Austausch. Unter dem Titel &#8222;Teaching Futures&#8220; standen zukunftsf\u00e4hige Konzepte zur Wissensvermittlung im Fokus.Zum ersten Mal f\u00fchrten die drei mittelhessischen Hochschulen die Tage der Lehre online und vor Ort in Marburg als gemeinsame hochschuldidaktische Konferenz durch. Auch die Studierenden hatten Gelegenheit, ihre Vorstellungen und Ideen f\u00fcr den Lehr- und Lernprozess einzubringen.<br \/>\nMit dem Lehrpreis &#8222;Lehre@Philipp&#8220; w\u00fcrdigte die Philipps-Universit\u00e4t dar\u00fcber hinaus zum siebten Mal Projekte, die Lehre weiterentwickeln oder ganz neu denken. Insgesamt wurden in diesem Jahr 49.000 Euro Preisgeld vergeben und sieben Projekte ausgezeichnet. Darunter sind zwei studentische Vorhaben und drei KI-gest\u00fctzte Lehrprojekte.<br \/>\n&#8222;An unserer Universit\u00e4t gibt es viele Initiativen f\u00fcr neue Lehrkonzepte&#8220;, erkl\u00e4rte Universit\u00e4ts-Vizepr\u00e4sidentin Prof. Dr. Kati Hannken-Illjesbei der Preisverleihung am Abend. &#8222;Der Lehrpreis Lehre@Philipp soll helfen, besonders innovative Ans\u00e4tze zu erproben und umzusetzen. Damit werden gute Ideen sichtbar und laden zum Austausch und zum Weiterdenken ein. Ich gratuliere unseren engagierten Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4gern herzlich.&#8220;<br \/>\nDie Studierenden Frieder Fai\u00df und Ben Weitzel m\u00f6chten digitale Lernkarten entwickeln, die Medizin-Studierende fit f\u00fcrs Physikum in Biochemie machen. Dabei greifen sie zur\u00fcck auf die Erfahrung als Tutoren und planen, die Lerninhalte f\u00fcr die Examensvorbereitung zus\u00e4tzlich digital als &#8222;Anki-Karten&#8220; bereitzustellen. &#8222;Anki&#8220; ist ein Computersystem zur Erstellung von Karteikarten f\u00fcr Windows, Mac, iOS und Android. Das Besondere an diesem Tool sind der kostenlose Zugang und die M\u00f6glichkeit, die erstellten Karteikarten und &#8222;Decks&#8220; (Karteikartensammlungen) zu teilen, um ein effizientes Lernen f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen. Nach dem Motto &#8222;Studierende erkl\u00e4ren Studierenden&#8220; will das Projekt pr\u00fcfungsrelevante Inhalte der Biochemie zus\u00e4tzlich zum Tutorium als Lernhilfe f\u00fcr zuhause aufbereiten.<br \/>\nIn einem weiteren studentischen Projekt entwickeln Ali Kholmovaia, Timofey Ushakov und Daria Gubina ein AI-Lab als Teil des Marburg-Moduls. Unterst\u00fctzt durch Forschende verschiedener Fachgebiete, Projektgruppen und lokale Initiativen sollen Studierende in diesem Modul Projekte zur Frage &#8222;Wie k\u00f6nnen wir mit KI zusammen gut leben?&#8220; entwickeln und sich dabei sowohl Kenntnisse in der Programmierung als auch in den Methoden der K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) aneignen. Dadurch erhalten sie Einblicke in die Mensch-Maschine Interaktion und Anregungen zur kritischen Reflexion \u00fcber die Vertrauensw\u00fcrdigkeit von KI.<br \/>\nAnhand eines konkreten Projekts gilt es dann, diesen Input umzusetzen und zu diskutieren. Dabei spielen Risiko-, Bias- oder L\u00fcckenanalysen im Bereich der Modell-Erkl\u00e4rbarkeit und KI-Fairness sowie die Anwendungsgrenzen und Einschr\u00e4nkungen von KI in der Zukunft eine wichtige Rolle.Ein wichtiges Ziel des AI-Labs ist, den Einstieg in das Thema KI auch f\u00fcr Nicht-Informatiker*innen zu erleichtern. DAS AI-Lab will eine Plattform f\u00fcr den Austausch und die gemeinsame Reflexion zwischen Studierenden, Lehrenden und Forschenden schaffen und interdisziplin\u00e4r der Frage nachgehen, wie KI zu einer positiven Zukunftsvision beitragen kann, in der sich Menschen gemeinsam mit KI den aktuellen kulturellen und gesellschaftlichen Herausforderungen stellen.<br \/>\nDas Team der Klinik f\u00fcr Diagnostische und Interventionelle Radiologie um Laureen Fr\u00f6hlich, Dr. Jannis G\u00f6rlach, Matthias Graefenhan und Prof. Dr. Andreas H. Mahnken schickt eine besonders innovative Idee zur Verbesserung der Lehre im Fachbereich Medizin ins Rennen. Mit einer selbst programmierten Mixed-Reality-Anwendung, bei der virtuelle Objekte in die reale Umgebung integriert werden, wollen sie Studierenden erm\u00f6glichen, mit einer MR-Brille in den K\u00f6rper einzutauchen und so ihr Verst\u00e4ndnis der Anatomie auszubauen. Mit den Daten realer F\u00e4lle lernen k\u00fcnftige Mediziner-Generationen interaktiv, R\u00f6ntgenbilder sowie CT- und MRT-Aufnahmen zu analysieren und Krankheiten zu erkennen. Studierenden f\u00e4llt oftmals der Transfer vom zweidimensionalen Bild zum dreidimensionalen K\u00f6rper schwer. Die MR-Anwendung kann das mithilfe der 3D-Modelle erheblich erleichtern und die Verkn\u00fcpfung der radiologischen und anatomischen Lehre wesentlich verbessern.<br \/>\nAus dem Bereich Zahnmedizin kommt die ausgezeichnete Idee von Dr. Flavio Krug, Eva Jakovleski, Christian Lotzmann und Prof. Dr. Ulrich Lotzmann. Sie m\u00f6chten die Selbstwahrnehmung von simuliertem Zahnverlust und dessen Einfluss auf Kaumuskulatur und Kiefergelenke mit Hilfe von KI verbessern. Mit einer individuell angepassten abnehmbaren Kunststoff-Schiene, in der einzelne Zahnelemente entfernt werden k\u00f6nnen, erfahren die Studierenden, wie sich fehlende Z\u00e4hne im Mund anf\u00fchlen.<br \/>\nDie Kieferstellung wird zudem dreidimensional digital vermessen und anschlie\u00dfend diskutiert. So wie es gesunden, mobilen Personen in der Regel schwerf\u00e4llt, sich in Menschen mit k\u00f6rperlichen Gebrechen und Einschr\u00e4nkungen einzuf\u00fchlen, k\u00f6nnen Studierende der Zahnmedizin, die in der Regel ein gepflegtes vollbezahntes Gebiss aufweisen, Effekte, die mit dem Verlust von Seitenz\u00e4hnen einhergehen k\u00f6nnen, aufgrund der mangelnden Eigenerfahrung nicht nachempfinden. Die Simulation soll Studierende der Marburger Zahnmedizin in die Lage versetzen, die Effekte von Zahnverlust nachzuvollziehen. Diese Lehrmethode soll die Entscheidungskompetenz der die k\u00fcnftigen Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner bei der Entscheidung \u00fcber die passende Zahnprothese st\u00e4rken.<br \/>\nIn der Didaktik der Geschichte will Thorsten Neischwander bilderzeugende KI nutzen, um den Geschichtsunterricht voranzubringen. Sein Projekt verfolgt den Ansatz, bilderzeugende KI-Modelle zu nutzen, um sich den Vorstellungswelten der Lernenden \u00fcber Geschichte zu n\u00e4hern. Daf\u00fcr soll eine Reihe von Lehrveranstaltungen angeboten werden, die sich mit der Lerndiagnostik im Geschichtsunterricht besch\u00e4ftigen und die versuchen das Konzept Historische Imagination und seine Auswirkung auf geschichtskulturelle Gegenst\u00e4nde und historisches Lernen f\u00fcr die Studierenden greifbarer zu machen. Nach einem Theorie-Seminar soll gemeinsam mit Studierenden ein Verfahren entwickelt, erprobt und reflektiert werden, das die Historische Imagination von Lernenden mit Hilfe von bilderzeugender KI empirisch fassbar machen kann. Dabei soll sowohl die didaktische Forschung als auch die unterrichtliche Pragmatik in den Blick genommen werden.<br \/>\nDas Vorhaben des Biologen Prof. Dr. Alexander Zizka stellt die Nutzung von KI f\u00fcr die Artenbestimmung in den Mittelpunkt. Eine Kernkompetenz von Biologinnen und Biologen ist die F\u00e4higkeit, Tier- und Pflanzenarten im Gel\u00e4nde zu erkennen. Die rasante technische Entwicklung von KI zur Bestimmung von Pflanzen- und Tierarten anhand von Fotos erlaubt es Laien, viele Arten mit dem Handy innerhalb von Sekunden zu bestimmen und ver\u00e4ndert das k\u00fcnftige Berufsfeld f\u00fcr Biologinnen und Biologen nachhaltig. Das Pilotprojekt soll KI zur Artenbestimmung in das Studium integrieren und Studierenden die Kompetenz vermitteln, die transformative Ver\u00e4nderung des Berufsbilds durch KI in den n\u00e4chsten Jahren aktiv zu gestalten. Bei Exkursionen im Gel\u00e4nde sollen die Studierenden verschiedene Methoden zur Artbestimmung mit und ohne KI selbst\u00e4ndig anwenden und dadurch in die Lage kommen, das Potenzial und die Schw\u00e4chen der KI-Anwendung zu erkl\u00e4ren und kritisch zu reflektieren.<br \/>\nDer Strafrechtler Prof. Dr. Boris Burghardt will mit seiner Forschungswerkstatt kritische Strafrechtsgeschichte den Studierenden der Rechtswissenschaften eine M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, sich Inhalte in Kleingruppen anzueignen und ihre Ergebnisse anderen Studierenden und einer breiteren \u00d6ffentlichkeit in Form eines Podcasts, eines Screencasts oder eines Lehrvideos vorzustellen. Damit sollen die Studierenden an die juristische Forschung herangef\u00fchrt und in wissenschaftlichen Methoden geschult werden. Gegenstand der Forschungswerkstatt soll der unbequeme Marburger Jurist Heinz D\u00fcx sein, der am 24. April 2024 seinen 100. Geburtstag feiern w\u00fcrde.<br \/>\nEr soll in einem Screencast und in einem Symposium in den unterschiedlichen Facetten seines Wirkens n\u00e4her vorgestellt werden. Das Projekt bietet den Studierenden kollektive und ergebnisbezogene Arbeitsformen, die im rechtswissenschaftlichen Studium bislang fast vollst\u00e4ndig fehlen. Au\u00dferdem erwerben die Studierenden Schl\u00fcsselkompetenzen wie die mediale Vermittlung juristischer Inhalte und den Umgang mit Pr\u00e4sentations- und Videoschnittprogrammen.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innovative Ideen f\u00fcr die Hochschullehre standen am Mittwoch (15. November) und Donnerstag (16. November) im Fokus. 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