{"id":14320,"date":"2023-11-10T17:18:41","date_gmt":"2023-11-10T16:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14320"},"modified":"2023-11-10T17:28:56","modified_gmt":"2023-11-10T16:28:56","slug":"nie-wieder-gut-850-menschen-bei-besinnungsstunde-zur-pogromnacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14320","title":{"rendered":"Nie wieder: Gut 850 Menschen bei Besinnungsstunde zur Pogromnacht"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;So viele waren hier lange nicht mehr&#8220;, stellte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies erleichtert fest. Die besonderen Umst\u00e4nde hatten einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Andrang ausgel\u00f6st. <!--more--><br \/>\nMehr als 850 Menschen waren am Donnerstag (9. November) zur &#8222;Besinnungsstunde&#8220; in den Garten des Gedenkens gekommen. Sie standen auf den gesamten Gel\u00e4nde der &#8211; 1938 an dieser Stelle abgebrannten &#8211; j\u00fcdischen Synagoge wie auch auf der Universit\u00e4tsstra\u00dfe bis zum gegen\u00fcberliegenden Savignyhaus. &#8222;Auch der Rasen kann betreten werden&#8220;, hatte Spies zu Beginn der Gedenkstunde mitgeteilt, um den Menschen das Dabeisein \u00fcberhaupt zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nEingeladen hatten die Stadt Marburg, die Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit und die J\u00fcdische Gemeinde Marburg. Die eindr\u00fccklichen Reden erinnerten nicht nur an die j\u00fcdischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Marburgs, die Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurden. Sie zeigten auch auf, dass Nachbarinnen und Freunde wegen ihres Glaubens auch heute noch Antisemitismus ausgesetzt sind; dass sie heute wieder mit mehr Angst leben m\u00fcssen; dass alle gefordert sind, gemeinsam dagegen zu stehen.<br \/>\nDer Terrorangriff der Hamas auf Israel am Samstag (7. Oktober) pr\u00e4gte alle Gedanken und Reden der Zusammenkunft. Das begann bereits mit der Begr\u00fc\u00dfungsrede des Oberb\u00fcrgermeisters, in der er den Schwur der \u00dcberlebenden des Zweiten Weltkriegs nach dem Holocaust ansprach: &#8222;Nie wieder ist jetzt.&#8220;<br \/>\n&#8222;Antisemitismus war schon vor 1938 und nach 1945 ein Teil unserer Gesellschaft&#8220;,erkl\u00e4rte Spies. &#8222;Wir hofften, dass es vorbei ist. Aber es ist nicht vorbei. Es kriecht wieder hervor: die Perfidie, die Boshaftigkeit und Ekelhaftigkeit des Antisemitismus.&#8220;<br \/>\nMerklich bewegt fuhr Spies fort: &#8222;In Deutschland haben wieder Menschen wegen ihrer Glaubenszugeh\u00f6rigkeit Angst.&#8220; Die Gemeinschaft m\u00fcsse sich sch\u00fctzen t\u00e4glich an die Seite aller Menschen stellen, die Angst haben und sich bedroht f\u00fchlen; an die Seite derjenigen, die liebe Menschen verloren haben oder in Sorge um sie sind. &#8222;Sie alle verdienen unser Mitgef\u00fchl und unsere Anteilnahme.&#8220;<br \/>\nSpies k\u00fcndigte au\u00dferdem an: &#8222;Wir werden nicht hinnehmen, wenn Menschen j\u00fcdischen Glaubens bel\u00e4stigt, beleidigt, bedroht oder gar angegriffen werden.&#8220; Es sei die Aufgabe aller, sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu stellen und Rechtsextremismus entgegenzutreten. Es sei wichtig, sich immer wieder mit dem Auseinanderzusetzen, was vor und nach 1938 passiert ist, was am 9. November vor 85 Jahren passiert ist.<br \/>\n&#8222;Wir stehen heute gemeinsam hier, um zu gedenken, um uns zu erinnern und um allen, die heute in Sorge sind zu versichern: wir sind bei euch! Und wir sind hier, um aufzustehen, einzustehen f\u00fcreinander, f\u00fcr unsere Demokratie, die W\u00fcrde und den Schutz aller Menschen&#8220;, bekr\u00e4ftigte Spies.<br \/>\n&#8222;Es ist ein Tag der Vergegenw\u00e4rtigung&#8220;, sagte Elisabeth Mertes von der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit. &#8222;Aber heute geht es auch um die Gegenwart. Heute geht es um unsere Freund*innen, die bedroht werden, unter Polizeischutz stehen und Angst haben<br \/>\nPolina Pevzner von der J\u00fcdischen Gemeinde Marburg f\u00fcgte hinzu: &#8222;Es darf nicht sein, dass die Mehrheit demgegen\u00fcber gleichg\u00fcltig ist. Es geht uns alle an. Wir m\u00fcssen die Gleichg\u00fcltigkeit bek\u00e4mpfen und als Gemeinschaft zusammenhalten.&#8220;<br \/>\nTrotzig erg\u00e4nzte sie: &#8222;Wir wollen, dass unsere Synagoge ein offenes Haus bleibt, das alle Menschen besuchen k\u00f6nnen.&#8220; F\u00fcr die J\u00fcdische Gemeinde lud sie zu einem Konzert ein.<br \/>\nM\u00f6glich sei das nun aber leider nur mit Voranmeldung. &#8222;Wir stehen hier in Marburg miteinander&#8220;, betonte Pevzner. &#8222;Das Miteinander bezieht auch die muslimischen B\u00fcrger*innen ein. Wir bedanken uns bei Bilal El-Zayat und seinen Mitstreiter*innen der Islamischen Gemeinde f\u00fcr unseren Zusammenhalt.&#8220;<br \/>\nThorsten Schmermund von der J\u00fcdischen Gemeinde sprach im Anschluss an die mahnenden Worte die Gebete &#8222;Kadisch&#8220; und &#8222;El male rachamim&#8220;. Die beleuchteten Zettelk\u00e4sten am Boden der Gedenkst\u00e4tte hatten diesmal Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Alfred-Wegener-Schule Kirchhain mit ihren Gedanken bef\u00fcllt. Sie befassten sich etwa mit Rechtsextremismus und damit, dass man diesen nicht wieder Erstarken lassen d\u00fcrfe. ZUdem befassten sie sich damit, warum es die Erinnerung braucht. &#8222;Damit die Opfer nicht das Gef\u00fchl bekommen, unwichtig oder vergessen zu sein&#8220;, schrieb etwa Layla. &#8222;Wir m\u00fcssen aktuell als Gesellschaft gemeinsam aufpassen, dass vieles, das wir l\u00e4ngst \u00fcberwunden glaubten, nicht wieder Einzug h\u00e4lt und die Oberhand gewinnt.&#8220;<br \/>\nder Lehrer Sebastian Sack, der das Projekt auch im Namen seiner Kolleginnen Claudia Bunzel und Marie Eisenhaber von der AG &#8222;Schule ohne Rassismus&#8220; vorstellte. Bildung sei ein zentraler Schl\u00fcssel, damit so etwas wie der Holocaust nie wieder geschehe. &#8222;Die Zitate der Sch\u00fcler*innen zeigen, dass es junge Menschen gibt, die mit wachem Blick ihre Augen und Herzen \u00f6ffnen und uns Hoffnung machen.&#8220;<br \/>\nDie Kranzniederlegung und das Gedenken wurden gerahmt von musikalischen Beitr\u00e4gen des Leistungskurses Musik der Martin-Luther-Schule. Sie schlossen das offizielle Programm ab mit dem Wunsch &#8222;Let there be peace on earth&#8220; von Sy Miller und Jill Jackson.<br \/>\nDie Feierstunde war leise und nachdenklich. Zugleich war die Warnung eindringlich, dass Antisemitismus sich nicht nur gegen J\u00fcdinnen und Juden richtet, sondern gegen die gesamte Gesellschaft und ihren Zusammenhalt. Manchen mag das vielleicht Trost gespendet haben in diesen dunklen Zeiten.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;So viele waren hier lange nicht mehr&#8220;, stellte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies erleichtert fest. Die besonderen Umst\u00e4nde hatten einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Andrang ausgel\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14322,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,3,2,4],"tags":[521,874,2881],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/marburg.news\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/bild-222-scaled.jpg?fit=1920%2C2560","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-3IY","jetpack-related-posts":[{"id":14232,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=14232","url_meta":{"origin":14320,"position":0},"title":"Zur Pogromnacht: Besinnungsstunde im Garten des Gedenkens","date":"1. November 2023","format":false,"excerpt":"Zur Erinnerung an die Opfer der Pogromnacht vom 9. 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