{"id":14202,"date":"2023-10-28T15:26:04","date_gmt":"2023-10-28T13:26:04","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14202"},"modified":"2023-10-28T15:36:14","modified_gmt":"2023-10-28T13:36:14","slug":"terror-tod-und-trauer-ein-schlag-der-vielen-die-sprache-verschlagen-hat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14202","title":{"rendered":"Terror, Tod und Trauer: Ein Schlag, der vielen die Sprache verschlagen hat"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.&#8220; Zu Zeiten von Terror und Krieg stimmt diese alte Volksweisheit leider nicht mehr. <!--more--><br \/>\n&#8222;Das musste mal gesagt werden.&#8220; Diese Floskel trifft jedoch auch nicht den Kern des derzeitigen Dilemmas, denn mit vielem, was man zu den aktuellen Ereignissen sagt, kann man letztlich nur falsch liegen. Die Wahrheit ist l\u00e4ngst nicht so einfach, wie es manchen scheint.<br \/>\nDer Angriff der Hamas am Samstag (21. Oktober) auf Isral war ein Terrorakt, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Daran besteht f\u00fcr vernunftbegabte und mitf\u00fchlende Menschen kein Zweifel. Die Hamas ist eine kriminelle und menschenverachtende Terrororganisation, die vor Mord und Folter sowie Verschleppung und Geiselnahme nicht zur\u00fcckscheut.<br \/>\nMitgef\u00fchl mit den vermutlich 229 Menschen, die sich noch in der Gewalt der Hamas befinden, sollte f\u00fcr alle Menschen \u00fcberall auf der Welt selbstverst\u00e4ndlich sein. Schlie\u00dflich wollte wohl niemand von ihnen das gleiche Schicksal erleiden, das die Hamas ihnen zumutet. Mitgef\u00fchl mit ihren Familien und denen der Toten auf beiden Seiten ist ebenfalls eine humanit\u00e4re Grundhaltung, die nicht in Frage steheen sollte.<br \/>\nWenn dann jemand \u00fcber Ursachen und die Vorgeschichte spricht, dann entbrennt jedoch sehr schnell Hass. Ebenso kam fr\u00fch die Frage auf, warum sich manche zu dem Terror der Hamas nicht ge\u00e4u\u00dfert haben,die sich sonst h\u00e4ufig mit dezidierten Stellungnahmen zu aktuellen politischen Ereignissen hervortun. Hasserf\u00fcllte Hetzparolen gegen Israel waren bei Demonstrationen in Deutschland zu h\u00f6ren, die h\u00e4ufig von unertr\u00e4glichem Antisemitismus gepr\u00e4gt waren.<br \/>\nDer Nahe Osten ist seit beinahe 100 Jahren eine Region voller Konflikte. Das begann mit der Auswanderung europ\u00e4ischer J\u00fcdinnen und Juden nach Pal\u00e4stina aufgrund der zionistischen Bewegung von Theodor Herzl schon lange vor der Gr\u00fcndung des Staats Israel. Im britischen Protektorat trafen die Einwanderer auf diejenigen, die dort seit Jahrhunderten lebten und denen sie aufgrund ihrer Glaubensgeschichte \u00e4ltere Rechte auf ihr gelobtes Land entgegenhielten.<br \/>\nNach der Shoa war die Gr\u00fcndung des Staats Israel eine notwendige Folge der Massenvernichtung von 6 Millionen europ\u00e4ischer J\u00fcdinnen und Juden. Sie sollten und mussten eine &#8222;Heimstatt&#8220; finden, wo sie ohne Furcht und Schrecken lebeen konnten. Diese Hoffnung hat der Staat Israel aber leider nie ganz erf\u00fcllt.<br \/>\nJahrzehntelang pr\u00e4gten Konflikte zwischen Israel und seinen Nachbarl\u00e4ndern sowie mit den Pal\u00e4stinensern das Leben im neuen Staat. Hoffnung kam mit dem Osloer Vertrag auf, der das friedliche Zusammenleben beider V\u00f6lker vorsah. Doch mit der Ermordung von Izrak Rabbin war der Osloer Friedensvertrag und die darin ausgehandelte Zwei-Staaten-L\u00f6sung mitgestorben.<br \/>\nSeither haben die Hardliner auf beiden Seiten alles unternommen, um eine friedliche Koexistenz zu verhindern. Umso bitterer ist die Tatsache, dass der Angriff der Hamas am Samstag (7. Oktober) ausgerechnet einen Kibuz traf, wo die Friedfertigen gerade ein Festival feierten.<br \/>\nDie Falken auf beiden Seiten scheinen kein Interesse zu haben am Frieden. Beiden scheint die Gewalt ebenso wie die Vernichtung der jeweiligen Gegenseite die Argumente zu liefern f\u00fcr ihre Macht gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung, der beide Seiten wichtige demokratische und rechtsstaatliche Grundrechte vorenthalten. Die Schw\u00e4che der israelischen Regierung aufgrund der geplanten Aushebelung der Gewaltentrennung und der Proteste dagegen mag m\u00f6glicherweise ein Anlass f\u00fcr die Hamas gewesen sein, ihren Terrorangriff genau in dieser Zeit zu starten.<br \/>\nMitgef\u00fchl mit den Menschen auf beiden Seiten, die unter dem Terror der amtierenden und einiger vorheriger israeelisccher Regierungen wie unter dem Terror der Hamas leiden, ist mehr als ehrenhaft. Menschenrechte kennen keine Nationalit\u00e4t und Herkunft oder Hautfarbe. Sie gelten f\u00fcr alle Menschen \u00fcberall auf der Welt.<br \/>\nDie v\u00f6llige Abriegelung des Ghaza-Streifens ist nicht zu rechtfertigen durch den Angriff der Hamas auf Israel, da sie Unbeteiligte in ihren Lebensgrundlagen trifft. Zudem wird sie den Hass der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung auf Israel nur noch versch\u00e4rfen. Einmal mehr st\u00e4rken harte Ma\u00dfnahmen auf beiden Seiten die Hardliner der jeweiligen Gegenseite.<br \/>\nWenn in Marburg jetzt Partei ergriffen wird f\u00fcr die eine oder andere Seite, dann mag das den jeweiligen famili\u00e4ren oder kulturellen Bindungen geschuldet sein. Solange die Leute das Leid der jeweils anderen auch respektieren, sollte das kein Problem sein. Auch die Debatte \u00fcber Hintergr\u00fcnde des Nahostkonflikts und kritische Anmerkungen zu israelischem Regierungshandeln sind sollange nicht antisemitisch, wie sie auch die Gewalt der Hamas sowie &#8211; fr\u00fcher noch st\u00e4rker als zuletzt &#8211; auch der Fatah ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nIdeologien helfen niemals weiter. Offenheit des Denkens bedingt allerdings auch die Offenheit f\u00fcr die Argumente der jeweils anderen Seite. Die alte Weisheit von Rosa Luxemburg gilt auch bei Konflikten und Kriegen, dass die Freiheit auch immer die Freiheit des Anderen ist.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.&#8220; Zu Zeiten von Terror und Krieg stimmt diese alte Volksweisheit leider nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2],"tags":[5516,5456,4914],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-3H4","jetpack-related-posts":[{"id":14045,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=14045","url_meta":{"origin":14202,"position":0},"title":"Mitleidend: Mahnwache f\u00fcr Opfer von Terror","date":"10. 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