{"id":14032,"date":"2023-10-09T19:40:00","date_gmt":"2023-10-09T17:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=14032"},"modified":"2023-10-09T19:40:00","modified_gmt":"2023-10-09T17:40:00","slug":"abgelegt-sprache-ist-schluessel-zur-integration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=14032","title":{"rendered":"Abgelegt: Sprache ist Schl\u00fcssel zur Integration"},"content":{"rendered":"<p>Was braucht es f\u00fcr erfolgreiche Bildung und gelungene Integration? Diese Frage er\u00f6rterten ehemalige Sch\u00fcler*innen im Gespr\u00e4ch. <!--more--><br \/>\nAcht ehemalige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund haben auf ihren bisherigen Werdegang zur\u00fcckgeblickt. Daf\u00fcr haben sie sich mit Gesche Herrler-Heycke als der stellvertretenden Leiterin des Staatlichen Schulamts, B\u00fcrgermeisterin Nadine Bernshausen und dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow zum Gespr\u00e4ch getroffen. Mittlerweile sind die jungen Leute in der Ausbildung, im Studium oder arbeiten bereits in ihrem erlernten Beruf.<br \/>\nIm gemeinsamen Gespr\u00e4ch tauschten sie sich dar\u00fcber aus, welche Bedingungen erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit Bildung und Integration erfolgreich gelingen k\u00f6nnen. &#8222;Der Deutschf\u00f6rderung kommt eine herausragende Bedeutung zu&#8220;, waren sich alle einig.<br \/>\nHerrler-Heycke f\u00fchrte als zust\u00e4ndige Generalistin f\u00fcr das Aufgabengebiet &#8222;Deutsch als Zweitsprache&#8220; (DaZ) aus: &#8222;Sprache ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Bildungserfolg und damit Voraussetzung f\u00fcr eine gelingende Integration. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler einen guten Abschluss erzielen und wir daf\u00fcr die bestm\u00f6glichen Bedingungen schaffen. Das Kultusministerium stellt hierf\u00fcr umfassende Ressourcen zur Verf\u00fcgung und unsere Schulen leisten hier Erhebliches, damit dies gelingen kann. &#8220;<br \/>\nBernshausen erg\u00e4nzte: &#8222;Die Integration durch Bildung ist ein Prozess, der Zeit braucht. Er beginnt bereits in unseren Kindertagesst\u00e4tten, setzt sich in der Schule fort und muss auch in der Ausbildung und im Beruf weitergef\u00fchrt werden. Um dies erfolgreich umzusetzen, sind klare Strukturen, ausreichende Ressourcen und gute Konzepte erforderlich. Es ist wichtig, die Vielfalt als Chance zu nutzen, aber auch angemessen mit Konflikten umzugehen, die nicht nur kulturell bedingt sein k\u00f6nnen. Die Digitalisierung und eine angepasste Lernumgebung spielen dabei eine wichtige Rolle.&#8220;<br \/>\nZachow betonte: &#8222;Schon 2014 und 2015 haben wir gesehen, dass Bildung &#8211; und zwar bis ins hohe Alter &#8211; der Schl\u00fcssel zu Integration und Teilhabe ist, und entsprechende Weichen gestellt.&#8220; Dass nunmehr echte, wirkungsvolle und nachhaltige Erfolgsgeschichten geschrieben worden seien und aus Gefl\u00fcchteten von einst Arbeitskolleg*innen, Auszubildende oder Mitstudierende geworden seien, zeige, dass die Weichenstellungen, f\u00fcr die Kreis, Stadt und das Staatliche Schulamt gemeinsam gek\u00e4mpft haben, richtig und zielf\u00fchrend gewesen seien.<br \/>\n&#8222;Diese Bilanz ist, auch im Vergleich zu vergangenen Phasen gr\u00f6\u00dferer Zuwanderung, bemerkenswert&#8220;, erl\u00e4uterte Zachow weiter. &#8222;Es zeigt auch, dass Integration und Miteinanderkultur gelingen kann, wenn man konsequent und tatkr\u00e4ftig gute Rahmenbedingungen f\u00fcr die Bildung schafft.&#8220;<br \/>\nAnna Bogac und Doruntina Isufi, Said Nooriddin Seidi und Abdalrahman Othman, Moatez Thaljeh, Ahmad Karzoun sowie Muhi Eddin Sarji und Fyori Yrgalem Teleske haben an unterschiedlichen Schulen im Landkreis und der Stadt Marburg Intensivklassen und InteA-Klassen besucht und nahmen an der Gespr\u00e4chsrunde teil. Die acht ehemaligen Sch\u00fcler*innen berichteten \u00fcber ihren Werdegang und welche Voraussetzungen beziehungsweise Angebote ihnen dabei geholfen hatten, einen erfolgreichen Schulabschluss zu absolvieren. Inzwischen sind sie in der Ausbildung zum Krankenpflegehelfer und Elektroniker f\u00fcr Betriebstechnik, im Studium f\u00fcr das gymnasiale Lehramt oder sie arbeiten bereits als Anlagenmechaniker, Elektroniker f\u00fcr Energie- und Geb\u00e4udetechnik, Informationstechnischer Assistent, B\u00fcrokauffrau oder zahnmedizinische Fachangestellte.<br \/>\nSie stellten anschaulich dar, dass das Erlenen der deutschen Sprache grundlegende Voraussetzung f\u00fcr eine gelungene Integration, das Finden von Freunden, den Besuch von Vereinen und den sp\u00e4teren beruflichen Werdegang sei. Wesentliche Unterst\u00fctzungsfaktoren seien f\u00fcr sie neben dem intensiven Sprachunterricht und ihrer hohen Eigenmotivation die vielen unterst\u00fctzenden Personen, Lehrkr\u00e4fte und Sozialarbeiter*innen, aber auch solidarische und helfende Menschen im privaten Umfeld gewesen. Diese Menschen haben auch im \u00dcbergang in das Berufsleben geholfen, b\u00fcrokratische H\u00fcrden zu nehmen. F\u00fcr eine gute Vorbereitung auf die Berufswelt empfahlen sie m\u00f6glichst viele Praktikumserfahrungen.<br \/>\nDas Erlernen der deutschen Sprache sei demnach der entscheidende Schl\u00fcssel zu schulischem Erfolg, gesellschaftlicher Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit, waren sich die Beteiligten einig. Sie seien \u00fcberzeugt davon, dass das schulische Gesamtsprachf\u00f6rderkonzept in Hessen Strukturen und Angebote biete, die eine Grundlage f\u00fcr erfolgreiche Bildung und Integration lege.<br \/>\nNeben den verpflichtenden, fl\u00e4chendeckend eingerichteten einj\u00e4hrigen Vorlaufkursen f\u00fcr alle Kinder im Vorschulalter, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, seien Intensivklassen eine tragende S\u00e4ule der Sprachf\u00f6rderung. In diesen Klassen werden f\u00fcr Seiteneinsteiger*innen grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache vermittelt und der \u00dcbergang in die Regelklassen vorbereitet.<br \/>\nIm Schulamtsbereich werden derzeit 1036 Sch\u00fcler*innen in 69 Intensivklassen an Grundschulen und weiterf\u00fchrenden Schulen unterrichtet. Hinzu kommen 283 Sch\u00fcler*innen, die insgesamt 14 Intensivklassen an beruflichen Schulen, sogenannten InteA-Klassen (InteA: Integration durch Abschluss), besuchen.<br \/>\nErg\u00e4nzende Unterst\u00fctzung erf\u00e4hrt dieser Baustein durch ein sozialp\u00e4dagogisches Angebot, welches durch das Hessische Ministerium f\u00fcr Soziales und Integration finanziert wird. Damit der \u00dcbergang in den Regelunterricht bestm\u00f6glich unterst\u00fctzt werden kann, wurden allen Schulen im Aufsichtsbereich zus\u00e4tzliche Unterrichtsstunden zur gezielten Deutschf\u00f6rderung, sogenannte DAZ-Stunden, zugewiesen. Grundschulen mit hohem Zuwanderungsanteil f\u00f6rdern mit dem Baustein &#8222;Deutsch &amp; PC&#8220; Kinder, deren Deutschkenntnisse noch verbessert werden m\u00fcssen. F\u00fcr die zus\u00e4tzliche Sprachf\u00f6rderung stehen ca. 57 Stellen zur Verf\u00fcgung.<br \/>\n&#8222;Hessen hat bundesweit die wenigsten Schulabg\u00e4ngerinnen und Schulabg\u00e4nger mit Migrationshintergrund, die ohne Abschluss sind&#8220;, berichtete Herrler-Heycke und erg\u00e4nzte: &#8222;Vielen zugewanderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern gelingt der \u00dcbergang in eine Ausbildung und unter ihnen erreichen hessenweit immer mehr eine Qualifikation f\u00fcr ein Studium. Damit liegt Hessen im L\u00e4ndervergleich mit an der Spitze.&#8220;<br \/>\nNoch nie kamen in so kurzer Zeit so viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche nach Hessen wie im Schuljahr 2022\/23; und noch nie befanden sich so viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Intensivma\u00dfnahmen zum Deutschlernen. Landesweit waren es rund 36.000. Rund 1.300 Sch\u00fcler*innen besuchen im Schuljahr 2023\/24 als sogenannte &#8222;Seiteneinsteiger*innen&#8220; eine der 69 Intensivklassen an den Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und in der Universit\u00e4tsstadt Marburg sowie InteA-Klassen. Etwa 600 Kinder im Vorschulalter nehmen in diesem Jahr im Schulamtsbereich des Schulamts Marburg an den verpflichtenden, einj\u00e4hrigen Vorlaufkursen teil. Je nach Herkunftsland sind die Ausgangslagen f\u00fcr einen erfolgreichen Spracherwerb und die damit zusammenh\u00e4ngende Integration sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was braucht es f\u00fcr erfolgreiche Bildung und gelungene Integration? 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