{"id":13424,"date":"2023-07-27T15:20:12","date_gmt":"2023-07-27T13:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=13424"},"modified":"2023-07-27T15:20:12","modified_gmt":"2023-07-27T13:20:12","slug":"serie-von-invasionen-ortsfremde-pflanzen-bedrohen-artenvielfalt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=13424","title":{"rendered":"Serie von Invasionen: Ortsfremde Pflanzen bedrohen Artenvielfalt"},"content":{"rendered":"<p>Ortsfremde Arten sind eine m\u00f6gliche Bedrohung f\u00fcr die heimische Natur. Der Kreis informiert \u00fcber Handlungsm\u00f6glichkeiten. <!--more--><br \/>\nInvasive Pflanzen und Tiere, die urspr\u00fcnglich aus fremden Gebieten stammen und ortsans\u00e4ssige Arten verdr\u00e4ngen, k\u00f6nnen zu einer Gefahr f\u00fcr die heimische Natur werden. Vor diesem Hintergrund informiert der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit seiner Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde \u00fcber Herausforderungen und Handlungsm\u00f6glichkeiten.<br \/>\nEin Beispiel f\u00fcr eine invasive Art ist der Riesen-B\u00e4renklau. Das ist eine giftige Pflanze, die mittlerweile in ganz Hessen verbreitet ist und auch in Marburg-Biedenkopf vorkommt. Die Ausbreitung der Pflanze war daher auch in der Sitzung des Kreistags im Juli Thema.<br \/>\nDie invasive Art gilt auch in Hessen bereits als so verbreitet, dass ein Zur\u00fcckdr\u00e4ngen nicht mehr m\u00f6glich ist. Ziel ist daher, die weitere Ausbreitung soweit wie m\u00f6glich zu verhindern: Einfuhr, Haltung, Zucht, Transport, Erwerb, Verwendung, Tausch und Freisetzung der Pflanze hat die Europ\u00e4ische Union (EU) deshalb verboten.<br \/>\n&#8222;An diesem Beispiel zeigt sich gut, dass der Zuwachs an Pflanzen und Tieren in einer Region nicht in jedem Fall auch einen Gewinn f\u00fcr die Natur und Landschaften bedeutet&#8220;, machte Katharina Franziska Hof von der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde des Landkreises deutlich. Denn es gibt Tier- und Pflanzenarten, die nicht auf nat\u00fcWeise in einen bestimmten Lebensraum gelangen, sondern durch den Menschen entweder gezielt oder unabsichtlich dort hineingetragen werden. Unter anderem geschehe das durch den globalen Handel.<br \/>\nAls Beispiele nannte Hof Nilg\u00e4nse, die fr\u00fcher Parkanlagen bereichern sollten, das Dr\u00fcsige Springkraut, es als Zierpflanze f\u00fcr G\u00e4rten gedacht war und den Waschb\u00e4ren, der zur Bejagung und Pelzproduktion dienen sollte. Die Asiatische Hornisse hat ihren Weg hingegen \u00fcber Warenimporte nach Deutschland gefunden.<br \/>\n&#8222;W\u00e4hrend die Tiere und Pflanzen eines \u00d6kosystems normalerweise miteinander in einem Gleichgewicht stehen, kann eine neue Art, welche nicht an dieses System angepasst ist, dieses Gleichgewicht ins Wanken bringen und sich unter bestimmten Umst\u00e4nden ungehindert ausbreiten&#8220;, erl\u00e4uterte Hof. &#8222;Das wiederum zu Ungunsten der Tiere und Pflanzen, die in dem Gebiet eigentlich heimisch sind.&#8220;<br \/>\nDiese gebietsfremden Arten k\u00f6nnen im schlimmsten Fall konkurrenzschw\u00e4chere Arten verdr\u00e4ngen, vor allem indem sie deren Lebensr\u00e4ume und Nahrungsquellen beanspruchen und so nat\u00fcrliche Lebensgemeinschaften st\u00f6ren. Gerade wenn nat\u00fcrliche Feinde fehlen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer starken Ausbreitung von invasiven Arten.<br \/>\nDer Grund, dass gebietsfremde Pflanzen zu einem Problem werden k\u00f6nnen, h\u00e4ngt zudem mit den besonderen Stoffen zusammen, die manche Pflanze produziert: Sie bilden als Schutz- und Abwehrmechanismus Stoffe, die wiederum andere Pflanzen daran hindern, sich zu stark in einem Gebiet auszubreiten.<br \/>\nBefindet sich eine Pflanze nun aber in einem neuen Naturraum, in dem Stoffe fehlen, die ihren Bestand regulieren, ist eine st\u00e4rke Ausbreitung die Folge. Zudem kann eine Pflanze, die sich in ihrem urspr\u00fcnglichen Verbreitungsgebiet ohne weitere Probleme in das \u00d6kosystem einf\u00fcgt, in einem anderen Naturraum durch die von ihr produzierten Stoffe die Entwicklung gebietsheimischer Pflanzen negativ beeinflussen und somit in diesem Gebiet invasiv werden.<br \/>\nInvasive Arten k\u00f6nnen also gerade deshalb problematisch sein, weil sie die Artenvielfalt gef\u00e4hrden. Diese Vielfalt werde aber wegen der klimatischen Ver\u00e4nderungen und dem fortschreitenden Schwund an Arten immer wichtiger, betonte Hof. Pflanzenarten wie der Riesen-B\u00e4renklau, der Chinesische G\u00f6tterbaum und die Echte Seidenpflanze k\u00f6nnen bei einem direkten Kontakt zudem auch Menschen schaden, indem sie Allergien verursachen und die Haut sch\u00e4digen.<br \/>\nDie Bek\u00e4mpfung invasiver Arten bringt durchaus komplexe Herausforderungen mit sich: &#8222;Wegen ihrer starken Ausbreitungsf\u00e4higkeit k\u00f6nnen einige Arten bereits nicht mehr ausreichend reguliert und vollst\u00e4ndig einged\u00e4mmt werden. &#8222;Es ist daher immer im Einzelfall abzuw\u00e4gen, ob eine Bek\u00e4mpfung eines Bestands erforderlich und angemessen ist&#8220;, sagte Hof.<br \/>\nWird beispielsweise der Riesen-B\u00e4renklau im Bereich von stark besuchten Orten wie Kinderg\u00e4rten oder Spielpl\u00e4tzen vorgefunden, liege es an den jeweilig betroffenen St\u00e4dten und Gemeinden, im Zuge der Gefahrenabwehr vor Ort Gegenma\u00dfnahmen einzuleiten, beispielsweise in dem die Pflanzen entfernt werden.<br \/>\nAuf Naturschutzfl\u00e4chen wiederum schreiten je nach Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Gebiet die Untere oder die Obere Naturschutzbeh\u00f6rde ein. F\u00fcr die Region rund um Marburg sind das der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Untere und das Regierungspr\u00e4sidium (RP) Gie\u00dfen als Obere Naturschutzbeh\u00f6rde. Kreis und RP arbeiten dabei auch erfolgreich zusammen.<br \/>\nSchritte zur Bek\u00e4mpfung der Sp\u00e4tbl\u00fchenden Traubenkirsche auf einer Fl\u00e4che in C\u00f6lbe-B\u00fcrgeln hat das RP nach der Meldung dieser invasiven Pflanzenart durch den Landkreis eingeleitet. Der Fachbereich L\u00e4ndlicher Raum und Verbraucherschutz des Kreises bek\u00e4mpft beispielsweise im Rahmen des &#8222;Natura 2000 &#8211; Gebietsmanagements&#8220; die Ausbreitung des Riesen-B\u00e4renklaus an Uferfl\u00e4chen im Schutzgebiet &#8222;Obere Lahn und Wetschaft&#8220;.<br \/>\nIm Alltag k\u00f6nnen alle etwas tun: Wem Best\u00e4nde invasiver gebietsfremder Arten auffallen, kann sie \u00fcber die Internetseite des Hessischen Landesamts f\u00fcr Naturschutz Umwelt und Geologie unter <a href=\"http:\/\/www.hlnug.de\">www.hlnug.de<\/a> melden.<br \/>\nDort finden sich auch entsprechende Beschreibungen der Arten, die ein Erkennen in der Natur erleichtern. Im Zweifel sollten die invasiven Pflanzen aber bei Entdeckung nicht selbst entfernt werden, da sie teilweise giftig und somit sch\u00e4dlich sein k\u00f6nnen.<br \/>\nViele der als problematisch eingestuften Pflanzen haben ihren Weg als Gartenabf\u00e4lle in die freie Natur gefunden. &#8222;Deshalb ist es wichtig, Pflanzenabf\u00e4lle, Erde und Gr\u00fcnschnitt ordnungsgem\u00e4\u00df \u00fcber die Biotonne, Erddeponien oder Schnittgutsammelstellen zu entsorgen&#8220;, betonte Hof.<br \/>\n&#8222;Um die Artenvielfalt zu bewahren und zu f\u00f6rdern, ist es wichtig, auch bei der Gestaltung des eigenen Gartens Pflanzensorten zu nehmen, die gut an Klima, Boden und Umweltbedingungen in unserer Region angepasst sind&#8220;, unterstrich Hof. Viele heimische Pflanzenarten wie Besenheide, Lungenkraut, Vergissmeinnicht-, Glockenblumen-, Wicken- und Platterbsen-Arten w\u00fcrden ein ideales Nahrungsangebot f\u00fcr Insekten bieten sowie Beete und K\u00fcbel selbst auf Balkonen und Fensterbrettern in bunten Farben erstrahlen lassen.<br \/>\nDadurch verhindern aufmerksame Menschen nicht nur eine Versch\u00e4rfung dieser Problematik, sondern entgehen auch einer Ordnungswidrigkeit. Invasive Pflanzen und Tiere gezielt in der Natur auszusetzen oder dort einzubringen, ist verboten.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ortsfremde Arten sind eine m\u00f6gliche Bedrohung f\u00fcr die heimische Natur. 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