{"id":13381,"date":"2023-07-25T16:31:42","date_gmt":"2023-07-25T14:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=13381"},"modified":"2023-07-25T16:31:42","modified_gmt":"2023-07-25T14:31:42","slug":"kugelhaus-statt-kolonien-sensationeller-fund-einer-historischen-taschenuhr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=13381","title":{"rendered":"Kugelhaus statt Kolonien: Sensationeller Fund einer historischen Taschenuhr"},"content":{"rendered":"<p>Einen seltenen Fund haben Arch\u00e4ologie-Studierende bei einer Lehrgrabung gemacht. Die Sonnenuhr aus Holz im Hosentaschenformat wurde in Marburg entdeckt. <!--more--><br \/>\nIm Zuge einer Lehrgrabung des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universit\u00e4t fanden Marburger Studierende eine Sonnenuhr im Hosentaschenformat. Die aus Holz und Bronze gefertigte Rarit\u00e4t ist kaum gr\u00f6\u00dfer als eine Streichholzschachtel. Nach Einsch\u00e4tzung des Seminars stammt sie aus dem Besitz eines Angeh\u00f6rigen des sp\u00e4tmittelalterlichen Reformordens der &#8222;Br\u00fcder vom Gemeinsamen Leben&#8220; oder &#8222;Canonici Regulares Sancti Augustini Fratrum a Vita Communi (CRVC).<br \/>\nDieser Orden unterhielt bis ins Jahr 1527 den Klosterbau in der Marburger Oberstadt, der im Zentrum der Ausgrabung steht. Das Architekturensemble stellte der Hessische Landgraf und Universit\u00e4tsgr\u00fcnder Philipp sp\u00e4ter der Universit\u00e4t zur Verf\u00fcgung. &#8222;Der Sensationsfund gibt schlaglichtartig einen Einblick in das Zusammentreffen eines hohen Wissensstands in der Astronomie und Mathematik mit spezialisierter Handwerkskunst an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit&#8220;, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Felix Teichner.<br \/>\nEr war der Leiter der Lehrgrabung. Solche Lehrgrabung geh\u00f6rt in jedem Sommersemester zum Angebot des Vorgeschichtlichen Seminars im Studiengang &#8222;Arch\u00e4ologische Wissenschaften&#8220;. Sie vermittelt die Grabungspraxis und damit die Grundlage der arch\u00e4ologischen Quellenbeschaffung.<br \/>\nNeben internationalen Feldforschungsprojekten &#8211; unter anderem auf der iberischen Halbinsel, in Afrika oder Anatolien &#8211; stehen auch in Hessen liegende Forschungsfelder immer wieder im Fokus der Marburger Arch\u00e4olog*innen. Erstmals wird die Lehrgrabung aber in diesem Sommer im Marburger Stadtgebiet durchgef\u00fchrt.<br \/>\n20 Studierende haben bis Freitag (28. Juli) die M\u00f6glichkeit, auf dem Gartengrundst\u00fcck zwischen dem ehemaligen &#8222;Kugelherrenhaus&#8220; &#8211; zuletzt Institutsgeb\u00e4ude des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie &#8211; und der Kugelkirche einen Teil der Geschichte der eigenen Universit\u00e4tsstadt zu erforschen. Besonders steht dabei die Untersuchung eines &#8211; das Grundst\u00fcck nach Westen begrenzenden &#8211; Stadtmauerabschnitts im Fokus, der im Zuge der Stadterweiterung der Jahre 1234\/1235 mit dem Ziel errichtet worden war, das im selben Jahr erbaute Barf\u00fc\u00dferkloster in den Schutz- und Rechtsbezirk Marburgs einzubeziehen. &#8222;Der avisierte Abschnitt ist unmittelbar unterhalb des zeitgleich errichteten Kalbstors gelegen und l\u00e4sst auf Basis bereits im aufgehenden Mauerwerk erkennbarer Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten den Schluss zu, dass hier im Laufe der Jahrhunderte mehrere Befestigungs- und Ausbauma\u00dfnahmen ergriffen wurden.<br \/>\n&#8222;Es besteht weiterhin die Aussicht, Informationen zur Baugeschichte der um 1500 errichteten Kugelkirche und des ebenfalls zum ehemaligen Kloster der Br\u00fcder vom gemeinsamen Leben geh\u00f6renden Kugelherrenhauses zu gewinnen&#8220;, sagte Teichner. &#8222;Gleichzeitig hoffen wir auf arch\u00e4ologische Spuren auch der j\u00fcngsten Geschichte des Areals, das zeitweise unter anderem als Universit\u00e4tsinstitut und Landesgef\u00e4ngnis diente.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr alle Interessierten findet am Mittwoch (26. Juli) um 15 Uhr eine \u00f6ffentliche F\u00fchrung am Grabungsgel\u00e4nde statt. Grabungsleiter Teichner nutzt bei den Lehrgrabungen die M\u00f6glichkeit, den Studierenden vor der Haust\u00fcr ein breites Methodenspektrum praktisch zu vermitteln. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften verschiedener Zeitstellungen &#8211; von der Mittelalterarch\u00e4ologie bis hin zur &#8222;historical archaeology&#8220; &#8211; die auch die \u00dcberreste j\u00fcngerer und j\u00fcngster Vergangenheit betrachtet, ist dabei ein ebenso wichtiges Ziel wie das Erlernen arch\u00e4ologischer Feldmethoden.<br \/>\nZun\u00e4chst werden &#8211; der eigentlichen Ausgrabung vorgreifend &#8211; geophysikalische Prospektionsmethoden angewendet, die ohne den Spaten ansetzen zu m\u00fcssen durch &#8222;Durchleuchtung&#8220; des Bodens bereits einen Einblick in zu erwartende Strukturen liefern k\u00f6nnen; eine am Marburger Geoarch\u00e4ologischen Labor bereits seit l\u00e4ngerem mit Erfolg angewandte nicht-invasive Methode. Die eigentliche Ausgrabung &#8211; traditionell mit Hacke und Spaten ausgef\u00fchrt &#8211;<br \/>\nerfolgt im Umfang von zwei Grabungsschnitten. Dabei sollen die Studierenden zun\u00e4chst unter Anleitung, sp\u00e4ter eigenst\u00e4ndiger, die praktische Grabungsmethode erlernen. Angefangen beim Anlegen der Schnitte \u00fcber das Freilegen von Strukturen und Funden, Vermessung, die zeichnerische, fotografische und schriftliche Dokumentation bis hin zur Fundversorgung. Werkzeugkunde und Arbeitssicherheit werden begleitend vermittelt.<br \/>\nDie Auswertung und Interpretation der gewonnenen Ergebnisse erfolgt anschlie\u00dfend in universit\u00e4ren Lehrveranstaltungen des kommenden Semesters. Damit bildet das Vorgeschichtliche Seminar der Philipps-Universit\u00e4t als einzige hessische Universit\u00e4t eine &#8211; gezielt auf die Anforderungen der Landesbeh\u00f6rden und Grabungsfirmen ausgerichtete &#8211; berufspraktische Ausbildung f\u00fcr die Zeitepochen Fr\u00fchgeschichte, Mittelalter und Neuzeit.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen seltenen Fund haben Arch\u00e4ologie-Studierende bei einer Lehrgrabung gemacht. 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