{"id":1320,"date":"2017-11-15T18:39:38","date_gmt":"2017-11-15T17:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1320"},"modified":"2017-11-22T12:41:36","modified_gmt":"2017-11-22T11:41:36","slug":"mit-protestaktion-thomas-duermeier-zur-fusion-von-bayer-und-monsanto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1320","title":{"rendered":"Mit Protestaktion: Thomas D\u00fcrmeier zur Fusion von Bayer und Monsanto"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Viele reden von Wettbewerb, aber wenige setzen sich daf\u00fcr ein.&#8220; Das ist der Grund, warum Dr. Thomas D\u00fcrmeier sich nicht nur gegen die geplante Fusion von Bayer und Monsanto engagiert. <!--more--><br \/>\nUnter dem Titel &#8222;Gift, Gentech, Gro\u00dfmacht &#8211; Bayer &amp; Monsanto&#8220; sprach der Wirtschaftswissenschaftler am Dienstag (14. November) vor knapp 40 Zuh\u00f6renden im Marburger Weltladen \u00fcber die Folgen der zunehmenden Konzentration im Saatgutmarkt. Im ersten Quartal 2018 steht eine Entscheidung der EU-Kommission \u00fcber die Fusion der beiden Agro- und Chemiegiganten aus. Vorher m\u00f6chte D\u00fcrmeier mit seiner neu gegr\u00fcndeten Organisation <a href=\"http:\/\/www.goliathwatch.de\">Goliathwatch<\/a> Druck auf die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Br\u00fcssel machen.<br \/>\n&#8222;Es gibt eine sehr geringe Chance, diese Fusion zu verhindern&#8220;, erkl\u00e4rte er. Doch h\u00e4lt er einen Erfolg f\u00fcr durchaus m\u00f6glich. Wichtig sei ein starker \u00f6ffentlicher Druck auf die Beh\u00f6rden, die Fusion nicht oder nur unter strengen Auflagen zu genehmigen.<br \/>\nMit der Fusion der sechs gr\u00f6\u00dften Konzerne im Saatgut- und Pflanzenschutzsektor zu nur mehr drei Multis w\u00fcrden diese Firmen zusammen 60 Prozent des betreffenden Markts beherrschen. F\u00fcr Demokratie, Landwirtschaft und Umwelt h\u00e4tte das nach D\u00fcrmeiers \u00dcberzeugung fatale Folgen. Insbesondere die Menschen in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern w\u00fcrden dann voraussichtlich noch st\u00e4rker in die Abh\u00e4ngigkeit der Saatgutkonzerne geraten.<br \/>\nBuchst\u00e4blich &#8222;in aller Munde&#8220; ist das Pflanzengift &#8222;Glyphosat&#8220;. Studien weisen dieses Gift in 96 Prozent aller untersuchten Biersorten sowie gut 80 Prozent der Urinproben von Menschen nach. Trotz der vermuteten Krebsgefahr hat Monsanto es bislang geschafft, ein Verbot dieses Mittels zu verhindern.<br \/>\nDer US-amerikanische Konzern verf\u00fcgt \u00fcber ein Patent auf Mais, der gegen Glyphosat resistent ist. Damit k\u00f6nnte man das Gift das ganze Jahr \u00fcber spritzen, ohne die Aussaat zu sch\u00e4digen. Gleichzeitig best\u00fcnde aber die Gefahr, dass sich resistente Pflanzen ungewollt ausbreiten und dann kaum mehr mit Pflanzengiften zu vernichten seien.<br \/>\nDie schiere Gr\u00f6\u00dfe des neuen Multis w\u00fcrde nicht nur seine Marktmacht vergr\u00f6\u00dfern und der Landwirtschaft weitere Wahlm\u00f6glichkeiten nehmen, sondern zugleich auch seinen Einfluss auf die Politik verst\u00e4rken. Seine Demokratieverachtung hatte Monsanto erst k\u00fcrzlich unter Beweis gestellt, als seine Vertreter in Br\u00fcssel der Einladung zu einer Anh\u00f6rung des Europ\u00e4ischen Parlaments nicht Folge leisten wollte und ihm das Parlament daraufhin seinen Lobbyisten-Status und die Haus-Ausweise entzog. D\u00fcrmeier f\u00fcrchtet, dass nach einer Fusion auch Bayer die ruppigen Methoden von Monsanto \u00fcbernehmen k\u00f6nnte.<br \/>\n&#8222;Derzeit entwickelt Bayer eine App f\u00fcr den Kuhstall&#8220;, berichtete der Wettbewerbssch\u00fctzer. Sie soll alle medizinischen Werte der K\u00fche erfassen und dann die entsprechenden Ma\u00dfnahmen bei F\u00fctterung, beim Melken und der Verabreichung von antibiotika veranlassen.<br \/>\nDrohnen und selbstfahrende Traktoren k\u00e4men hinzu, verk\u00fcndete D\u00fcrmeier. &#8222;Das Gold des 21 Jahrhunderts sind Daten&#8220;, sagte er; und auch Bayer verfolge diese Entwicklung sehr aktiv.<br \/>\nMit &#8222;Amazon Fresh&#8220; w\u00fcrden die Lebensmittel dann direkt ins Haus geliefert. Traditionelle b\u00e4uerliche Strukturen und der Einzelhandel vor Ort gerieten dadurch mehr und mehr unter Druck. Zudem wende sich Amazon neuerdings auch dem Medikamentenhandel zu.<br \/>\nDoch jeder Euro, den ein Produkt der industriellen Landwirtschaft koste, verursache f\u00fcr die Umwelt und die Gemeinschaft Kosten in der doppelten H\u00f6he. Die Behauptung, Bayer und Monsanto wollten die Ern\u00e4hrung einer wachsenden Bev\u00f6lkerung durch ihre Fusion sichern, werde durch die Tatsache widerlegt, dass die klassische Landwirtschaft auf 30 Prozent der Agrarfl\u00e4chen 70 Prozent der Ertr\u00e4ge erwirtschafte.<br \/>\nZunehmende Marktmacht f\u00fchre zu &#8222;Monstermultis&#8220;, die finanziell st\u00e4rker seien als Staaten, berichtete D\u00fcrmeier. Regierungen und vor allem die B\u00fcrger seien gegen solche Konzerne nahezu wehrlos.<br \/>\n&#8222;Die Politik erkl\u00e4rt dann immer, eine strengere Fusionskontrolle schade der Wirtschaft&#8220;, fuhr D\u00fcrmeier fort. Doch gerade die Fusionskontrolle sichere Wettbewerb und damit Vielfalt. Zudem sei &#8222;die Wirtschaft&#8220; nicht, wie h\u00e4ufig unterstellt, allein das Unternehmertum, sondern Wirtschaft seien auch die Besch\u00e4ftigten, Gewerkschaften und Verbraucher.<br \/>\n&#8222;Wettbewerbsvorteile&#8220; durch &#8222;Standortpolitik&#8220; gei\u00dfelte D\u00fcrmeier als &#8222;Wirtschaftsnationalismus&#8220;. Wenn Deutschland sich selbst als Exportweltmeister feiere, bleibe dabei au\u00dfen vor, dass diese Exporte nur durch die Verschuldung anderer m\u00f6glich w\u00fcrden. &#8222;Die faulen Griechen haben in der Vergangenheit zu viel bei den Deutschen eingekauft&#8220;, stellte D\u00fcrmeier klar.<br \/>\nAbkommen wie CETA und TTIP seien eine Form von &#8222;Wirtschaftskrieg gegen die b\u00f6sen chinesen&#8220;, erkl\u00e4rte der Volkswirt. Der sogenannte &#8222;Freihandel&#8220; vernebele die Realit\u00e4t, dass es in Wahrheit um immer mehr Marktmacht f\u00fcr immer weniger Multinationale Konzerne gehe. Gegen Fusionen solcher Gro\u00dfkonzerne m\u00fcsse man deswegen im Interesse des fairen Wettbewerbs und der Demokratie eintreten.<br \/>\nKartellbeh\u00f6rden seien mit dieser Aufgabe v\u00f6llig \u00fcberfordert. 350 Besch\u00e4ftigte des Bundeskartellamts in Bonn m\u00fcssten 80.000 Unternehmen in Deutschland \u00fcberwachen und gleichzeitig die \u00f6ffentliche Auftragsvergabe aller Kommunen. Das sei personell \u00fcberhaupt icht leistbar.<br \/>\nDeswegen m\u00f6chte D\u00fcrmeier Fusionskontrolle und Konzernmacht zum Thema zivilgesellschaftlichen Engagements machen. Bayer und Monsanto werden dabei nicht die letzten Konzerne bleiben, die kritisch zu beobachten sind. Die gef\u00e4hrlichste Konzentration hat D\u00fcrmeier bei Google ausgemacht, das 90 Prozent aller Suchmaschinenanfragen weltweit mit intransparenten Algorithmen auswertet.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Viele reden von Wettbewerb, aber wenige setzen sich daf\u00fcr ein.&#8220; Das ist der Grund, warum Dr. Thomas D\u00fcrmeier sich nicht nur gegen die geplante Fusion von Bayer und Monsanto engagiert.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1351,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,2,4],"tags":[889,890,891],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/marburg.news\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Thomas-Duerrmeier-Potr\u00e4t.jpg?fit=800%2C702","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-li","jetpack-related-posts":[{"id":1493,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=1493","url_meta":{"origin":1320,"position":0},"title":"Um die B\u00fcrgerrechte: HU Marburg blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zur\u00fcck","date":"28. 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