{"id":1302,"date":"2017-11-10T12:43:54","date_gmt":"2017-11-10T11:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1302"},"modified":"2017-11-10T12:43:54","modified_gmt":"2017-11-10T11:43:54","slug":"brand-in-synagoge-besinnungsstunde-erinnerte-an-pogromnacht-in-marburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1302","title":{"rendered":"Brand in Synagoge: Besinnungsstunde erinnerte an Pogromnacht in Marburg"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte begonnen. Daran erinnerte eine Besinnungsstunde am Donnerstag (9. November) bei der ehemaligen Synagoge an der Universit\u00e4tsstra\u00dfe. <!--more--><br \/>\nZelebriert haben die Gedenkstunde der Magistrat der Universit\u00e4tsstadt Marburg, die Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit und die J\u00fcdische Gemeinde zusammen mit fast 100 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern. Dunkelheit und Stille herrschten w\u00e4hrenddessen im Garten des Gedenkens an dem Ort, wo 79 Jahre zuvor unfassbare Gewalt gegen j\u00fcdische Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, deren Eigentum und deren Gotteshaus ausge\u00fcbt wurde. Ver\u00fcbt wurden diese Verbrechen von den eigenen Nachbarinnen und Nachbarn.<br \/>\nDie Dunkelheit wurde nur durchbrochen von zehn hell leuchtenden Quadraten im Boden. Darin deutlich sichtbar waren Texte, die an den Holocaust erinnern.<br \/>\n&#8222;Wo sind sie nur geblieben?&#8220;, leuchteten die Worte in einem der Zettelk\u00e4sten. Die Stille wurde nur durchbrochen vom Gesang der Musikgruppe &#8222;Four Voices&#8220; der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain. Die Worte &#8222;You and I&#8217;ll be safe &#8211; &#8222;Du und ich werden sicher sein&#8220; &#8211; erklangen am Standort der ehemaligen Synagoge, wo sich rund 100 Marburgerinnen und Marburger versammelt haben, um der Opfer der Pogromnacht zu gedenken. &#8222;Aus dem Holocaust erw\u00e4chst f\u00fcr uns die Pflicht, jeglichem Antisemitismus &#8211;<br \/>\naber auch allen anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit &#8211; mit allen Mitteln des Rechts, der Bildung, der Kultur und der wehrhaften Demokratie entschieden entgegenzutreten heute mehr denn je&#8220;, betonte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies bei seiner Ansprache im Garten des Gedenkens. Er stellte die Frage, ob das Mahnmal am fr\u00fcheren Standort der Synagoge, wo sie in der Pogromnacht zerst\u00f6rt wurde, der richtige Ort sei, um dort in seiner Freizeit zu sitzen und die Stille zu genie\u00dfen, ohne sich Gedanken \u00fcber die Geschichte zu machen.<br \/>\nDiese Frage beantwortete Spies gleich selbst: &#8222;Genau so muss ein Raum des Gedenkens sein. Nicht abgekapselt und versteckt in einem geschlossenen Geb\u00e4ude, wo nur die ihn sehen, die ihn suchen, sondern mitten im Leben, im Alltag, mitten im \u00f6ffentlich Raum und ganz selbstverst\u00e4ndlicher Teil unserer Stadt.&#8220; Alle, die sich dort regelm\u00e4\u00dfig aufhielten, Zeit verbringen oder einfach nur vorbeigehen, w\u00fcrden sich irgendwann fragen, was es mit dieser Baul\u00fccke im Herzen der Stadt auf sich habe und dann an die realen Auswirkungen des NS-Regimes denken, die bis heute nachwirken.<br \/>\n&#8222;Dieser Hass, diese unbegreifliche Gewalt ging nicht von irgendwelchen einzelnen Menschen an irgendeinem weit entfernten Ort aus, sondern genau hier &#8211; mitten im Herzen der Stadt &#8211; haben Marburgerinnen und Marburger ihre Nachbarn, Schulfreunde, ihre Mitmenschen ausgegrenzt, entmenschlicht und in die nationalsozialistischen Konzentrationslager deportiert&#8220;, f\u00fchrte das Stadtoberhaupt aus. &#8222;Der Holocaust erf\u00fcllt uns bis heute mit Scham und Abscheu.&#8220;<br \/>\nKlaus Dorn von der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit wies die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkstunde auf die Zettelk\u00e4sten im Boden hin. Jedes Jahr am 9. November werden die zehn ausgew\u00e4hlten Texte darin ausgetauscht.<br \/>\nIn diesem Jahr wollte der Vorstand um Dorn gerne Lichtblicke der j\u00fcdischen Gemeinschaft in Marburg in den Vordergrund r\u00fccken anl\u00e4sslich des 700-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums. Mitglieder waren dazu aufgerufen, Textvorschl\u00e4ge einzureichen.<br \/>\n&#8222;Dabei wurden wir von der Wirklichkeit eingeholt&#8220;, bedauerte er, dass bei den Bundestagswahlen eine Partei viel Zuspruch erhalten hat, in der f\u00fchrende Mitglieder nationalistisches Gedankengut \u00e4u\u00dferten. Die zehn Texte enthalten nun Erinnerungen an eine Geschichte, &#8222;die sich nicht wiederholen darf&#8220;.<br \/>\nEhrenb\u00fcrger Amnon Orbach sprach als Vorsitzender der j\u00fcdischen Gemeinde im Rahmen der Besinnungsstunde j\u00fcdische Gebete. Oberb\u00fcrgermeister Spies legte gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne W\u00f6lk im Beisein von B\u00fcrgermeister Wieland St\u00f6tzel sowie Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung einen Kranz nieder.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte begonnen. Daran erinnerte eine Besinnungsstunde am Donnerstag (9. November) bei der ehemaligen Synagoge an der Universit\u00e4tsstra\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3,2,4],"tags":[355,874,522],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-l0","jetpack-related-posts":[{"id":11115,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=11115","url_meta":{"origin":1302,"position":0},"title":"Vernichtungsalarm: Gedenkstunde zur Pogromnacht am 9. November","date":"3. November 2022","format":false,"excerpt":"Zur Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 findet am Mittwoch (9. November) eine Gedenkstunde am Ort der damals angez\u00fcndeten Synagoge statt. 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