{"id":12810,"date":"2023-06-12T15:15:28","date_gmt":"2023-06-12T13:15:28","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12810"},"modified":"2023-06-12T21:38:44","modified_gmt":"2023-06-12T19:38:44","slug":"austrocknung-ausschliessen-satellitendaten-zu-nebeltaelern-im-amazonas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12810","title":{"rendered":"Austrocknung ausschlie\u00dfen: Satellitendaten zu Nebelt\u00e4lern im Amazonas"},"content":{"rendered":"<p>Neblige Amazonast\u00e4ler bieten Schutz vor dem Klimawandel. Das nutzt eine Forschungsgruppe aus der Geographie mit Hilfe von Satellitendaten aus.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn Senken des Amazonastieflands tritt besonders h\u00e4ufig Nebel auf, der feuchtigkeitsabh\u00e4ngige Pflanzen vor Austrocknung bewahren kann. Wenn die globale Erw\u00e4rmung vermehrt zu D\u00fcrren f\u00fchrt, bieten die nebligen T\u00e4ler daher einen sch\u00fctzenswerten R\u00fcckzugsort f\u00fcr die Artenvielfalt am Amazonas; das hilft auch, den Regenwald als Bollwerk gegen den Klimawandel zu erhalten.<br \/>\nDas folgert ein deutsch-belgisches Forschungskonsortium unter Marburger Leitung aus Beobachtungsdaten, die von Satelliten stammen. Das Team um den Marburger Umweltgeographen Prof. Dr. J\u00f6rg Bendix berichtet im Fachblatt &#8222;Communications Earth &amp; Environment&#8220; \u00fcber seine Ergebnisse.<br \/>\nDer Regenwald am Amazonas bindet nicht nur eine erhebliche Menge klimasch\u00e4dlicher Treibhausgase; er beherbergt auch eine gro\u00dfe Vielfalt an Arten, wodurch er als einer der weltweiten Biodiversit\u00e4ts-Hotspots gilt. &#8222;Doch der Klimawandel und menschliche Aktivit\u00e4ten bedrohen diesen Lebensraum&#8220;, betonte Bendix, der die Forschungsarbeit leitete.<br \/>\nSo kam es schon in den Jahren 2005 und 2010 zu D\u00fcrreperioden; w\u00e4hrend der extremen Trockenheit, die 2015\/16 durch das &#8222;El-Ni\u00f1o&#8220;-Ph\u00e4nomen auftrat, fiel \u00fcberall in Amazonien zu wenig Regen. Hinzu kommt die weitgehend ungebremste Abholzung.<br \/>\nEntwaldung und fehlender Niederschlag schaukeln sich gegenseitig hoch und versch\u00e4rfen die Lage. &#8222;Da ein Teil des Niederschlags durch die Verdunstung des Waldes selbst erzeugt wird, droht durch die Kombination von Klimawandel und Waldzerst\u00f6rung eine selbstverst\u00e4rkende Abw\u00e4rtsspirale&#8220;, erkl\u00e4rte Bendix. Sie k\u00f6nne zum Absterben gro\u00dfer Teile des Regenwaldes f\u00fchren.<br \/>\nDas w\u00fcrde nicht nur die Artenvielfalt verringern. Da der Regenwald erhebliche Mengen des Treibhausgases CO2 speichert, wirkt der Verlust des Lebensraums auch auf den Klimawandel zur\u00fcck.<br \/>\nNebel in Tieflandw\u00e4ldern bietet stabile Bedingungen, wenn sich das Klima erw\u00e4rmt und Regen ausbleibt. Solch feuchte R\u00fcckzugsr\u00e4ume gew\u00e4hrleisten das \u00dcberleben von Arten, die mit dem Klimawandel ansonsten schlecht zurechtkommen w\u00fcrden. Das gilt insbesondere f\u00fcr Flechten, Moose und andere Epiphyten in den Baumkronen, wie sie f\u00fcr den tropischen Regenwald typisch sind.<br \/>\nF\u00fcr sie dient Nebel als wichtige Wasserquelle, daher geht ihnen bei trockener Luft schnell Feuchtigkeit verloren. &#8222;Nebel verbessert die Versorgung von Epiphyten mit Wasser, indem er f\u00fcr eine eher d\u00e4mmrige, k\u00fchle und feuchte Umgebung sorgt&#8220;, f\u00fchrte Bendix aus.<br \/>\n&#8222;Unklar war bisher aber, wo diese Wasserquelle besonders h\u00e4ufig auftritt und ob sie sich als widerstandsf\u00e4hig gegen\u00fcber zunehmender Trockenheit im Klimawandel erweist&#8220;, erg\u00e4nzte Koautor Prof. Dr. Lukas Lehnert von der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Um diese Forschungsl\u00fccke zu schlie\u00dfen, werteten Bendix und sein Team Satellitendaten aus.<br \/>\n&#8222;Wir nahmen D\u00fcrrephasen der vergangenen 18 Jahre unter die Lupe&#8220;, erl\u00e4uterte Mitverfasser Marius Pohl aus Bendix\u2018 Arbeitsgruppe. &#8222;Dabei fiel uns auf, dass besonders in den T\u00e4lern des Amazonasbeckens h\u00e4ufig Nebel auftritt.&#8220;<br \/>\nWie die Analyse zeigt, sind derartige Tiefland-Nebelw\u00e4lder \u00fcber das ganze Amazonasgebiet verbreitet, doch nimmt ihre H\u00e4ufigkeit in der trockenen Jahreszeit ab. Am ehesten bleibt der Nebel in Landschaftssenken erhalten, wo er sich als besonders widerst\u00e4ndig gegen\u00fcber D\u00fcrren erweist. &#8222;Auf der Grundlage unserer Ergebnisse empfehlen wir dringend den Schutz dieser feuchten R\u00fcckzugsgebiete insbesondere in stark gef\u00e4hrdeten Gebieten&#8220;, schrieben die Autorinnen und Autoren in ihrer Studie.<br \/>\nBendix lehrt Klimageographie und Umweltmodellierung an der Philipps-Universit\u00e4t. Neben Bendix und seinen Mitarbeitern beteiligten sich die Marburger Professorin Maaike Bader mit ihrer Arbeitsgruppe &#8222;\u00d6kologische Pflanzengeographie&#8220; sowie die Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen und der Botanische Garten in Meise, Belgien an der zugrundeliegenden wissenschaftlichen Arbeit. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Team finanziell unterst\u00fctzt<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neblige Amazonast\u00e4ler bieten Schutz vor dem Klimawandel. Das nutzt eine Forschungsgruppe aus der Geographie mit Hilfe von Satellitendaten aus.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[5116,5117,5118],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-3kC","jetpack-related-posts":[{"id":12221,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=12221","url_meta":{"origin":12810,"position":0},"title":"Klimadaten f\u00fcr Kleinbauern: Marburger Forschung f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit","date":"24. M\u00e4rz 2023","format":false,"excerpt":"Marburger Klimaforschung und Start-Ups wollen mit intelligenter Datenauswertung zur Ern\u00e4hrungssicherheit beitragen. 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