{"id":12520,"date":"2023-05-05T13:06:58","date_gmt":"2023-05-05T11:06:58","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12520"},"modified":"2023-05-05T13:06:58","modified_gmt":"2023-05-05T11:06:58","slug":"reproduktion-von-reichtum-forschungsduo-untersucht-politische-entscheidungen-und-deren-verantwortliche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12520","title":{"rendered":"Reproduktion von Reichtum: Forschungsduo untersucht politische Entscheidungen und deren Verantwortliche"},"content":{"rendered":"<p>Ein Forschungsprojekt zur Reproduktion von Reichtum f\u00f6rdert die VolkswagenStiftung mit 1,6 Millionen Euro. Das Geld geht an ein Forschungs-Duo aus Marburg und sein internationales Team. <!--more--><br \/>\nDie Entwicklung von Spitzeneinkommen h\u00e4ngt eng mit politischen Entscheidungen wie etwa der Steuergesetzgebung zusammen. Und die politischen Entscheidungen treffen wiederum Menschen, die \u00fcber mehr Reichtum und Privilegien verf\u00fcgen als der Durchschnitt ihrer W\u00e4hlerschaft. An diese Beobachtung kn\u00fcpfen Miquel Pellicer und Eva Wegner die Forschungsfrage an, ob Politikerinnen und Politiker tats\u00e4chlich die Interessen wohlhabender Eliten &#8211; zu denen sie selbst geh\u00f6ren &#8211; besser vertreten als andere und damit die Schere zwischen Arm und Reich weiter \u00f6ffnen.<br \/>\nProf. Dr. Miquel Pellicer vom Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung der Philipps-Universit\u00e4t (ZfK) und Prof. Dr. Eva Wegner vom Institut f\u00fcr Politikwissenschaft haben ein internationales Forschungsprojekt mit dem Titel &#8222;Politicians, Policies, and the Reproduction of Wealth&#8220; konzipiert, das die VolkswagenStiftung mit 1,6 Millionen Euro f\u00f6rdert. Gemeinsam erforscht ein internationales Team aus Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler*innen in S\u00fcdafrika, Brasilien, Deutschland und Gro\u00dfbritannien in den n\u00e4chsten vier Jahren, welche politischen Mechanismen der Reproduktion von Reichtum zugrunde liegen. Sie untersuchen daf\u00fcr in allen vier L\u00e4ndern, wie weit die sozialen und wirtschaftlichen Merkmale von Abgeordneten mit denen der wirtschaftlichen Eliten \u00fcbereinstimmen und wie sich das auf die Politikgestaltung sowie die Einkommen der Wohlhabenden auswirkt.<br \/>\n&#8222;W\u00e4hrend in vielen demokratischen L\u00e4ndern das Vertrauen in Politiker*innen kontinuierlich sinkt, geht unser Forschungsprojekt einer m\u00f6glichen Ursache auf den Grund&#8220;, erl\u00e4uterte Pellicer. &#8222;Es liefert Instrumente und empirische Daten, die es der \u00d6ffentlichkeit erm\u00f6glichen, Politiker*innen zur Verantwortung zu ziehen oder auch das Vertrauen in sie zu st\u00e4rken.&#8220;<br \/>\nUni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange lobte das Forschungsvorhaben: &#8222;Das Projekt st\u00e4rkt die exzellente Forschung der Philipps-Universit\u00e4t im Themenfeld Sicherheit, Ordnung und Konflikt. Es ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie die Wissenschaft gesellschaftliche und politische Entwicklungen untersucht und so dazu beitr\u00e4gt, dass wir die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nDas Projekt verfolgt zwei empirische Ans\u00e4tze: Zum einen werden die Merkmale von Wirtschafts-und Finanzminister*innen in 50 demokratischen L\u00e4ndern sowie die verm\u00f6gensrelevanten politischen Entscheidungen im Zeitraum von 2005 bis 2020 erhoben und analysiert. Zum anderen werden in Fallstudien zu den vier ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern vertiefende Daten analysiert wie die sozial-\u00f6konomischen Merkmale von Abgeordneten, ihr Einfluss auf politische Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Spitzeneinkommen.<br \/>\nBrasilien, Deutschland, S\u00fcdafrika und das Vereinigte K\u00f6nigreich sind sehr unterschiedliche L\u00e4nder in Bezug auf Ungleichheit, politisches System und Gesellschaft. Trotzdem besteht in allen L\u00e4ndern Besorgnis wegen der immer gr\u00f6\u00dferen Schere zwischen Arm und Reich und der fehlenden Repr\u00e4sentation weniger privilegierter Gruppen.<br \/>\n&#8222;Politiker*innen k\u00f6nnen dieses Ungleichgewicht entweder durch Umverteilung verringern oder durch Steuerpolitik, die Reiche bevorzugt, vergr\u00f6\u00dfern&#8220;, erkl\u00e4rte Wegner. &#8222;Bislang deutet die internationale Forschung eher auf Letzteres.&#8220; Wegner machte deutlich: &#8222;Unsere Forschung ist die erste, die diesen Zusammenhang zwischen sozialen und wirtschaftlichen Merkmalen der Politiker*innen und Ungleichheit systematisch und international vergleichend untersucht.&#8220;<br \/>\nMit ihrer F\u00f6rderinitiative &#8222;Perspektiven auf Reichtum&#8220; will die VolkswagenStiftung einen Perspektivwechsel von der Armutsforschung hin zu Facetten rund um das Ph\u00e4nomen Reichtum initiieren. Da extrem ungleiche Einkommens- und Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse eine wiederkehrende Quelle von Konflikten sind und Entwicklung behindern, gilt die wissenschaftliche Erforschung des Ph\u00e4nomens Reichtum als ein zentrales Element zum Verst\u00e4ndnis gesellschaftlicher Transformationsprozesse.<br \/>\nPellicer ist Professor f\u00fcr Ungleichheit und Armut am Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung der Philipps-Universit\u00e4t. Wegner ist Professorin f\u00fcr Vergleichende Politikwissenschaft an der Philipps-Universit\u00e4t. Beide forschen zu den Themenfeldern politisches Verhalten, Ungleichheit und Verteilungspolitik.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Forschungsprojekt zur Reproduktion von Reichtum f\u00f6rdert die VolkswagenStiftung mit 1,6 Millionen Euro. 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