{"id":12484,"date":"2023-05-01T17:46:12","date_gmt":"2023-05-01T15:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12484"},"modified":"2023-05-06T21:37:01","modified_gmt":"2023-05-06T19:37:01","slug":"vier-tage-die-woche-arbeitszeitverkuerzung-als-mittel-egen-fachkraeftemangel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12484","title":{"rendered":"Vier Tage die Woche: Arbeitszeitverk\u00fcrzung als Mittel gegen Fachkr\u00e4ftemangel"},"content":{"rendered":"<p>Die Vier-Tage-Woche ist in aller Munde. Zum &#8222;Tag der Arbeit&#8220; ist diese Forderung brandaktuell. <!--more--><br \/>\nW\u00e4hrend Gewerkschaften am 1. Mai die Verk\u00fcrzung der w\u00f6chentlichen Arbeitszeit gefordert haben, winken Unternehmerverb\u00e4nde eiskalt ab. Zu Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels sei diese Forderung angeblich &#8222;aus der Zeit gefallen&#8220;, erkl\u00e4ren ihre Vertreter. Dabei ist gerade die Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit eine gute M\u00f6glichkeit, dem Personalmangel mit attraktiven Arbeitsbedingungen zu begegnen.<br \/>\nEine wissenschaftliche Untersuchung in Gro\u00dfbritannien hat ergeben, dass eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich nicht nur die Zufriedenheitder Besch\u00e4ftigteen steigert, sondern auch die Produktivit\u00e4t. Am Ende war der Gewinn mancher Unternehmen\u00a0 trotz der verk\u00fcrzten Arbeitszeit sogar h\u00f6her als vor ihrer Einf\u00fchrung. Warum also str\u00e4uben sich Unternehmensverb\u00e4nde dann gegen diesen m\u00f6glichen Weg zur Gewinnmaximierung?<br \/>\nIn skandinavischen L\u00e4ndern wie auch bei einigen Betrieben in Deutschland hat die Vier-Tage-Woche gut eingeschlagen. Das gilt sogar f\u00fcr Pflegeheime, wo ihre Einf\u00fchrung mehr Personal erfordert. Dennoch haben sie von dieser Arbeitszeitverk\u00fcrzung profitiert.<br \/>\nEin Gegenbeispiel dagegen ist das Universit\u00e4tsklinikum Gie\u00dfen und Marburg (UKGM). Die st\u00e4ndig steigende Arbeitsverdichtung hat hier zu einer massiven Abwanderung von Fachkr\u00e4ften gef\u00fchrt. W\u00e4ren die Arbeitsbedingungen hingegen menschenfreundlich, w\u00fcrden wahrscheinlich einige der Abgewanderten wieder zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen zur\u00fcckkehren.<br \/>\nDoch die ideologische Verblendung derjenigen, die sich selbst in gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung als &#8222;Arbeitgeber&#8220; bezeichnen, obwohl sie ihr Personal seiner Kr\u00e4fte berauben, betrachtet die Besch\u00e4ftigten immer noch als &#8222;Untergebene&#8220;. Personalmanagement missverstehen sie als Zuweisung von Arbeitsauftr\u00e4gen in Schichtpl\u00e4nen, die die pers\u00f6nlichen Belange der Betroffenen und ihrer Familien kaum ber\u00fccksichtigen. An dieser undemokratische Sichtweise aus dem 19. Jahrhundert halten sie trotz der ver\u00e4nderten Lebensbedingungen mit Z\u00e4hnen und Klauen fest.<br \/>\nUnternehmerinnen und Unterrnehmer klagen \u00fcber den grassierenden Fachkr\u00e4ftemangel. Aus aller Welt wollen sie geeignete Fachkr\u00e4fte nach Deutschland locken. Gleichzeitig wollen sie Gefl\u00fcchtete abschieeben, womit sie letztlich keine gute Werbung f\u00fcr eine wirkliche &#8222;Willkommenskultur&#8220; in Deutschland machen.<br \/>\nGier und Gewinnstreben sind offenbar gr\u00f6\u00dfer als vorausschauende Vernunft. Die Technologien des 20. Jahrhunderts und die Managementmethoden des 19. Jahrhunderts sind immer noch pr\u00e4gend f\u00fcr die deutsche Wirtschaft. Im 21. Jahrhundert angekommen sind viele gro\u00dfe Konzerne gerade in den einstigen Vorzeigebranchen noch nicht.<br \/>\nDer neoliberale Marktradikalismus ist die Ursache f\u00fcr Klimawandel und Umweltzerst\u00f6rung. Die kapitalistische Gier ist menschenverachtend und umweltsch\u00e4dlich. Sie ist die Grundlage der Auspl\u00fcnderung aller Ressourcen ohne R\u00fccksicht auf die Folgen.<br \/>\nDoch das kann nicht mehr so weitergehen. Die Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen beraubt die Menschen ihrer Zukunft und damit auch diee Unternehmen ihrer k\u00fcnftigen Kundschaft. Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, der schafft seine eigenen Profiterwartungen damit selber ab.<br \/>\nSomit sind Klimaschutz und Umweltschutz ebenso Bedingung f\u00fcr wirtschaftlichen Erfolg wie auch ein vorausschauender Umgang mit den Arbeitskr\u00e4ften. Darum m\u00fcssen die Unternehmen ihren Umgang mit den Menschen grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern. Im Endergebnis w\u00e4re Arbeitszeitverk\u00fcrzung wahrscheinlich das wirksamste Mittel gegen Fachkr\u00e4ftemangel.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vier-Tage-Woche ist in aller Munde. 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