{"id":1236,"date":"2017-10-22T17:26:22","date_gmt":"2017-10-22T15:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1236"},"modified":"2017-10-22T17:26:22","modified_gmt":"2017-10-22T15:26:22","slug":"brutal-banal-schneider-schaffte-shakespeare-nicht-ganz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1236","title":{"rendered":"Brutal banal: Schneider schaffte Shakespeare nicht ganz"},"content":{"rendered":"<p>Den Klassiker &#8222;Julius Caesar&#8220; von William Shakespeare hat Jonas Schneider im Hessischen Landestheater Marburg auf die B\u00fchne gebracht. Sein Regiedeb\u00fct im Hauptprogramm feierte am Samstag (21. Oktober) Premiere. <!--more--><br \/>\n&#8222;Brutus, auch Du, mein Sohn?&#8220; Caesars erstaunte Frage bildete den Aufh\u00e4nger f\u00fcr Schneiders Inszenierung des 1599 uraufgef\u00fchrten Dramas. Der Tyrannenm\u00f6rder Brutus stand im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Mit seinen Augen lie\u00df Schneider das Publikum auf die Bluttat blicken und ihre Folgen erleben.<br \/>\nLeider verschenkte der Jung-Regisseur jedoch die meisten M\u00f6glichkeiten, die das St\u00fcck bietet. Statt einer zugespitzten Fragestellung oder einer zeitgem\u00e4\u00dfen Interpretation des Klassikers verlor er sich \u00fcber weite Strecken in selbstverliebten Regie-Einf\u00e4llen und nervigen Wiederholungen.<br \/>\nZwar lie\u00df Schneider Brutus und Cassius bei den sieben Wiederholungen der immer gleichen Szene jedesmal mit unterschiedlichem Gesichtsausdruck und verschiedener Intonierung auftreten, doch brachte das dem Publikum kaum nennenswerten Erkenntnisgewinn. Auch die Erw\u00e4hnung von Fl\u00fcchtlingen in einem Monolog Caesars lie\u00df er ohne weitere Einbettung unhinterfragt im Raum stehen. Selbst die Frage nach Korruption durch Machtaus\u00fcbung und verlogenen Intrigen als Begleiterscheinung politischer Karrieren beantwortete er nicht zufriedenstellend.<br \/>\nVielmehr lie\u00df er Brutus in Gestalt von Angelina H\u00e4ntsch zwar mit ihrer Tat, dem Entschluss dazu und den Folgen danach hadern, ohne jedoch das Problem zuzuspitzen. Die einzig ehrliche Haut im R\u00e4nkespiel der antiken Politik Roms verk\u00f6rperte zwar eine Frau, doch hielt die Regie neben diesem Besetzungseinfall keine weiteren Hinweise auf die Interpretation der Rolle bereit. War Brutus zu ehrlich, zu dumm, zu wenig durchtrieben oder einfach nur zu gut f\u00fcr die Politik?<br \/>\nBrutus und Cassius beschlie\u00dfen, den Tyrannen Caesar zu ermorden. Nach seinem Tod erlaubt Brutus dem Marcus Antonius, eine Trauerrede auf Caesar zu halten. Mit geschickt formulierten rhetorischen Fragen klagt Marc Anton die M\u00f6rder an, nicht aus Vaterlandsliebe gehandelt und somit bei der Begr\u00fcndung ihrer Tat gelogen zu haben.<br \/>\nDoch stellt Schneider weder die Frage nach der Rechtfertigung eines Tyrannenmords, der Vertretbarkeit von Gewalt in der Politik oder nach ethischem Handeln, sondern l\u00e4sst das alles nur vage anklingen. Caesars Monolog zu &#8222;Gut&#8220; und &#8222;B\u00f6se&#8220; bleibt ein ebenso unausgefeilter Einwurf wie die gebetsm\u00fchlenartig wiederholte Begr\u00fcndung der Verschw\u00f6rer, sie h\u00e4tten zum Wohle der Republik gehandelt.<br \/>\nOli Friedrich tr\u00e4gt mit einem Schlagzeug dazu bei, dass die Szenen getrennt und vielleicht mitunter auch abgehackt und auseinandergerissen daherkommen. Manchmal jedoch steigert sein Trommeln die Dramatik. Beispielsweise trommeln die anderen Darsteller auf die Tische, als sie zwischen ihnen in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben vor Philippi liegen und den Kampf gegen das Heer des Marc Anton erwarten.<br \/>\nDurch Lichtblitze l\u00e4sst Schneider den Mord an Caesar nur in einzelnen Bildern erscheinen. Das erh\u00f6ht gleichzeitig die Dramatik und verringert zudem die Brutalit\u00e4t der Szene.<br \/>\n\u00dcber mehrere Tische laufen die Darsteller wie auf einer B\u00fchne umher. Zwischen den Tischen sind L\u00fccken, in die sich hineinducken kann. Das Alles waren durchaus gelungene Zutaten zu einer interessanten Inszenierung.<br \/>\nMaximilian Heckmann verk\u00f6rperte den Cassius durchaus mit vielen Facetten und nicht nur als \u00fcblen M\u00f6rder. Seine beschw\u00f6renden Freundschaftsbekundungen zu Brutus hatten mitunter etwas Befremdliches.<br \/>\nThomas K\u00f6ckritz spielte sowohl Caesar als auch dessen Freund Marc Anton. Angesichts der Aussage des Brutus, Marc Anton sei &#8222;nur der Arm Caesars&#8220;, war das durchaus angemessen. Beiden Rollen gab K\u00f6ckritz Gestalt und Gewicht.<br \/>\nNoch besser als ihre beiden Kollegen spielte H\u00e4ntsch ihre m\u00e4nnliche Rolle. \u00dcberzeugend trug sie Zweifel und Skrupel ebenso vor wie die \u00dcberzeugung, ihren Freund Caesar zum Wohle Roms t\u00f6ten zu m\u00fcssen.<br \/>\nZu Recht erhielten alle drei Darsteller ebenso wie der Trommler freundlichen Applaus. Schneider indes sollte bei seiner n\u00e4chsten Inszenierung noch einmal dar\u00fcber nachdenken, was die Aufgabe eines guten Theaterregisseurs ist: Eine Inszenierung muss das Publikum packen, ihm Fragen stellen oder vielleicht sogar Antworten liefern, es aber in jedem Fall an den Stoff des St\u00fccks heranf\u00fchren.<br \/>\nGerade dabei hat Schneider noch viel Luft nach oben. Zu w\u00fcnschen w\u00e4re ihm, dass er sie nutzt.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Klassiker &#8222;Julius Caesar&#8220; von William Shakespeare hat Jonas Schneider im Hessischen Landestheater Marburg auf die B\u00fchne gebracht. Sein Regiedeb\u00fct im Hauptprogramm feierte am Samstag (21. Oktober) Premiere.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3],"tags":[813,814,815],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-jW","jetpack-related-posts":[{"id":17351,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=17351","url_meta":{"origin":1236,"position":0},"title":"1.000 M\u00f6glichkeiten: Vizepr\u00e4sident begr\u00fc\u00dfte Neue beim RP","date":"20. Januar 2025","format":false,"excerpt":"Der Kommissarische Regierungsvizepr\u00e4sident Jan Schneider hat neue Besch\u00e4ftigte seiner Beh\u00f6rde begr\u00fc\u00dft. Er versprach ihnen eine spannende Arbeit. 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