{"id":12227,"date":"2023-03-24T14:55:34","date_gmt":"2023-03-24T13:55:34","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12227"},"modified":"2023-03-24T14:55:34","modified_gmt":"2023-03-24T13:55:34","slug":"gedenken-fuer-gerechtigkeit-deportation-der-sinti-vor-80-jahren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12227","title":{"rendered":"Gedenken f\u00fcr Gerechtigkeit: Deportation der Sinti vor 80 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Die Deportation der Sinti aus Marburg und Umgebung hat vor 80 Jahren stattgefunden. Die Stadt hat am Donnerstag (23. M\u00e4rz) an dieses grausame Verbrechen erinnert. <!--more--><br \/>\nAm 23. M\u00e4rz 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und Umgebung nach Auschwitz deportiert. Sie waren zwischen zwei Monaten und 67 Jahre alt. Viele von ihnen wurden dort Opfer des nationalsozialistischen Massenmords.<br \/>\nDie Stadt Marburg hat der rassistisch verfolgten und ermordeten Marburger Sinti auch 2023 wieder gedacht. &#8222;80 Jahre ist es bereits her; aber die Verbrechen des Nationalsozialismus haben nichts von ihrem Schrecken verloren&#8220;,sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies w\u00e4hrend der Gedenkveranstaltung im Historischen Saal des Rathauses, an der unter anderem auch B\u00fcrgermeisterin Nadine Bernshausen, Stadtr\u00e4tin Kirsten Dinnebier und weitere Mitglieder des Magistrats teilnahmen.<br \/>\nSpies erinnerte daran, wie am 23. M\u00e4rz 1943 Menschen aus Marburg und Umgebung in Viehwaggons von G\u00fcterz\u00fcgen deportiert wurden und an diesem Tag ein langer Leidensweg begann, der bis in die Gegenwart andauert. &#8222;Diskriminierung und jede andere Form der Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz&#8220;, sagte der Oberb\u00fcrgermeister.<br \/>\nAuch Maria Strau\u00df vom Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma sprach bei der Gedenkveranstaltung anl\u00e4sslich des 80. Jahrestags dieses schrecklichen Ereignisses: &#8222;Unsere Menschen wurden von Zuhause oder auch direkt von der Stra\u00dfe abgeholt.&#8220; Die Erinnerung daran mache deutlich, dass es nicht um Zahlen gehe, sondern um M\u00e4nner, Frauen und Kinder, die hier a\u00dfen, spielten, lebten und arbeiteten.<br \/>\n&#8222;Erinnerung hei\u00dft, Menschen einen Raum in den eigenen Gedanken zu geben&#8220;, sagte Strau\u00df. &#8222;Und das tun wir heute.&#8220;<br \/>\nDie Redebeitr\u00e4ge wurden musikalisch vom Sunny Franz Duo umrahmt. Antonin Bau und Emilia Warmbrunn vom Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) trugen zwei Zeitzeugenberichte aus dem Buch &#8222;Flucht, Internierung, Deportation, Vernichtung&#8220; &#8211; bearbeitet von Josef Behringer &#8211; vor, in dem hessische Sinti und Roma von ihrer Verfolgung w\u00e4hrend des Nationalsozialismus berichten.<br \/>\nSo erz\u00e4hlten sie von Amanda Meyer, geb. Schanne, die mit ihrer Familie und dem Zirkus ihres Onkels durch Italien, \u00d6sterreich, Holland und Deutschland reiste, bevor sie nach Marburg kam. Als 13-J\u00e4hrige wurde sie mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder von der Polizei abgeholt und zum Marburger Bahnhof gebracht, von wo sie in einem Viehwaggon drei Tage lang nach Auschwitz deportiert wurden. W\u00e4hrend ihre Mutter und ihr Bruder dort ermordet wurden, konnte ihr Vater nach einem Jahr die Entlassung Amanda Meyers erwirken.<br \/>\nDie Geschichte von Heinz Strau\u00df ist eine andere, spiegelt jedoch ebenso die Grausamkeit der nationalsozialistischen Verbrechen wider: Mit seiner Familie, die ein Schaustellergesch\u00e4ft betrieb, lebte er sechs Jahre lang in C\u00f6lbe, bevor auch sie nach Auschwitz deportiert wurden. Er wurde einer Arbeitskolonne in Auschwitz-Birkenau zugeteilt, die die Asche aus dem Krematorium in Loren schaufeln und wegtransportieren musste.<br \/>\nSeine Mutter, seine Geschwister und weitere Verwandte wurden verbrannt. Nach einem Jahr wurde er nach Buchenwald transportiert, ebenfalls wieder zu Zwangsarbeit verpflichtet und dann nach Ellrich verlegt, wo er seinen Vater wiederfand. Nach weiteren Transporten nach Dora und Magderode wurde er schlie\u00dflich befreit.<br \/>\nIm Anschluss fand die Kranzniederlegung an der Gedenktafel am ehemaligen Landratsamt in der Barf\u00fc\u00dferstra\u00dfe statt, nachdem der KiJuPa-Vorsitzende Lasse Wenzel und Emilia Warmbrunn die Namen der deportierten Menschen verlesen haben: &#8222;Adolf Braun (4 Jahre alt), Albert Braun (6 Jahre alt), Alfred Braun (1 Jahr alt), Alwine Braun (43 Jahre alt), Brigitte Braun (10 Jahre alt), Gertrud Braun (11 Jahre alt), Gisela Braun (13 Jahre alt), Margarete Braun (15 Jahre alt), Marianne Braun (17 Jahre alt), Max Braun (18 Jahre alt), Bernhardine Einacker (52 Jahre alt), Emma Einacker (25 Jahre alt), Adolf Kreutz (30 Jahre alt), Anna Kreutz (10 Jahre alt), Anna Kreutz (15 Jahre alt), Anni Kreutz (5 Jahre alt), Antonia Kreutz(40 Jahre alt), Arnold Kreutz (22 Jahre alt), Christine Josefine Kreutz (51 Jahre alt), Dora Kreutz (8 Jahre alt), Dorothea Kreutz (19 Jahre alt), Elisabeth Kreutz (13 Jahre alt), Hermann Kreutz (19 Jahre alt), Josefine Kreutz (11 Jahre alt), Julius Kreutz (27 Jahre alt), Karl Kreutz (17 Jahre alt), Konrad Kreutz (45 Jahre alt), Laubmann Kreutz (21 Jahre alt), Margarethe Kreutz (13 Jahre alt), Martha Kreutz (9 Jahre alt), Mathias Kreutz (43 Jahre alt), Mathilde Kreutz (67 Jahre alt), Theodor Kreutz (12 Jahre alt), Alwine Reinhardt (14 Jahre alt), Erwin Reinhardt (2 Monate alt), Helene Sch\u00e4fer (32 Jahre alt), Magdalene Sch\u00e4fer (6 Jahre alt), Renate Sch\u00e4fer (8 Jahre alt), Amanda Schanne (13 Jahre alt), Maria Schanne (49 Jahre alt), Robert Schanne (12 Jahre alt), Frieda Steinbach (32 Jahre alt), Julius Steinbach (4 Jahre alt), Marianne Steinbach (9 Jahre alt), Siegfried Steinbach (7 Jahre alt), Hildegard Straub (16 Jahre alt), Adam Strau\u00df (21 Jahre alt), Agnes Strau\u00df (12 Jahre alt), Brigitte Strau\u00df (2 Jahre alt), Elfriede Strau\u00df (24 Jahre alt), Elise Strau\u00df (50 Jahre alt), Ewald Strau\u00df (48 Jahre alt), Heinz Strau\u00df (17 Jahre alt), Heinz Strau\u00df (4 Monate alt), Julius Strau\u00df (18 Jahre alt), Salamande Strau\u00df (15 Jahre alt), Alwine Weiss (54 Jahre alt), Willy Weiss (21 Jahre alt), Anna Winter (22 Jahre alt), Elisabeth Winter (9 Jahre alt), Friedrich Winter (3 Jahre alt), Georg Winter (9 Jahre alt), Gertrud Winter (2 Jahre alt), Hans Winter (7 Jahre alt), Johanna Winter (10 Jahre alt), Klara Winter (7 Monate alt), Richard Winter (3 Jahre alt), Rosa Winter (35 Jahre alt)!&#8220;<br \/>\nZum Schluss bat Spies die Anwesenden, jeweils drei weiteren von der Gedenkveranstaltung zu berichten und weiterzugeben, was sie dabei geh\u00f6rt haben. Denn Erinnerung m\u00fcsse gelebt werden, um pr\u00e4sent zu bleiben.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Deportation der Sinti aus Marburg und Umgebung hat vor 80 Jahren stattgefunden. Die Stadt hat am Donnerstag (23. M\u00e4rz) an dieses grausame Verbrechen erinnert.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,2,4],"tags":[3137,4902,221],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-3bd","jetpack-related-posts":[{"id":12146,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=12146","url_meta":{"origin":12227,"position":0},"title":"Gemeinsam gedenken: Deportation vor 80 Jahren","date":"15. M\u00e4rz 2023","format":false,"excerpt":"Die Stadt gedenkt der ermordeten Sinti und Roma. Den 80. Jahrestag ihrer Deportation aus Marburg begeht sie am Donnerstag (23. 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