{"id":12218,"date":"2023-03-23T20:40:00","date_gmt":"2023-03-23T19:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12218"},"modified":"2023-03-23T20:40:00","modified_gmt":"2023-03-23T19:40:00","slug":"krebs-nein-marbina-foerderpreis-fuer-florian-lindner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12218","title":{"rendered":"Krebs, Nein: MarBiNa-F\u00f6rderpreis f\u00fcr Florian Lindner"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem &#8222;MarBiNa-F\u00f6rderpreis&#8220; wurde der Biologe Dr. Florian Lindner ausgezeichnet. Seine Forschung ist ein neuer Ansatz f\u00fcr bessere Medikamente. <!--more--><br \/>\nMit seiner Erfindung k\u00f6nnte es eines Tages gezieltere Krebsmedikamente geben: Der Molekularbiologe hat einen Weg entdeckt, das Injektionssystem von Krankheitserregern zu steuern. F\u00fcr diese Forschung ist er nun von der Stadt Marburg, der Philipps-Universit\u00e4t und Unternehmen mit dem MarBiNa-F\u00f6rderpreis f\u00fcr Bio- und Nanotechnologie ausgezeichnet worden.<br \/>\nDie &#8222;Initiative Bio- und Nanotechnologie&#8220; (IBiNa) hat den Marburger F\u00f6rderpreis f\u00fcr 2022 verliehen. Diesmal ging die Auszeichnung an den Biologen Dr. Florian Lindner. Mit dem F\u00f6rderpreis werden bereits seit 2014 junge Wissenschaftler*innen f\u00fcr hervorragende Leistungen und Entdeckungen im Bereich der Bio- und Nanotechnologie ausgezeichnet.<br \/>\nDabei ist es wichtig, dass die Entdeckung nicht nur theoretisch von gro\u00dfer Bedeutung ist, sondern auch gut f\u00fcr die Praxis geeignet ist. Das trifft auf die Forschung von Lindner zu.<br \/>\nIm Rathaus erhielt er von Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies den &#8211; mit 5.000 Euro dotierten &#8211; &#8222;Marburger F\u00f6rderpreis f\u00fcr Bio- und Nanotechnologie&#8220;. Dabei lobte Spies den &#8222;h\u00f6chst originellen Ansatz&#8220; des Preistr\u00e4gers: &#8222;Ihre Methode verspricht erhebliche Verbesserungen gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen Therapieformen wie der Chemotherapie.&#8220;<br \/>\nLindner ist bereits der neunte Preistr\u00e4ger des F\u00f6rderpreises Bio- und Nanotechnologie, mit dem junge Forschende ausgezeichnet werden, deren Erkenntnisse einen hohen wirtschaftlichen Praxisbezug haben. Marburg ist ein wichtiger Standort f\u00fcr diese Technologie.<br \/>\nDer Nachwuchswissenschaftler hatte eine eigenwillige Idee: Er m\u00f6chte die F\u00e4higkeiten von Krankheitserregern dazu nutzen, Proteinarzneimittel gezielter einzusetzen. Besonders wichtig kann das etwa bei der Behandlung von Krebstumoren sein.<br \/>\nSein Weg greift auf nat\u00fcrliche Prozesse zur\u00fcck: Krankmachende Bakterien haben Mechanismen entwickelt, wie sie menschliche Zellen sehr effektiv befallen k\u00f6nnen. Dazu verwenden sie verschiedene Injektionssysteme.<br \/>\nBesonders h\u00e4ufig ist das &#8222;Typ3&#8220;-Injektionssystem, mit dessen Hilfe sich jedes Jahr Millionen von Menschen infizieren. Es ist zum Beispiel f\u00fcr Krankheiten wie Pest, Cholera, Salmonellen und Typhus verantwortlich.<br \/>\nLindners Grundfrage zielt auf die Anwendung ab: Wie k\u00f6nnen wir dieses System so umprogrammieren, dass es auch n\u00fctzliche Stoffe gezielt und kontrolliert transportieren kann wie etwa Antigene f\u00fcr Impfungen oder Krebsmedikamente? Dazu nutzte er zugleich seine Erfahrungen aus der sogenannten &#8222;Optogenetik&#8220;, bei der etwa Nervenzellen mit Hilfe von Licht beeinflusst werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDadurch gelang es ihm, ein lichtkontrolliertes Injektionssystem zu schaffen. In der Dunkelheit bleibt es inaktiv. Mit Blaulicht k\u00f6nnte es jedoch &#8211; zum Beispiel in einem Tumor &#8211; aktiviert werden.<br \/>\nDas gesch\u00e4he dann, um Krebszellen sehr gezielt zu t\u00f6ten. Dieses Verfahren h\u00e4tte deutlich weniger Nebenwirkungen als bisherige.<br \/>\n&#8222;Das ist aber erst der erste Schritt&#8220;, erkl\u00e4rte Lindner. Er konnte in der Zellkultur zeigen, dass diese Methode funktioniert &#8211; mit diesem Thema hat er promoviert.<br \/>\nFolgen m\u00fcssten nun Versuche an M\u00e4usen und mit Rotlicht, das tiefer ins Gewebe eindringen kann. Sind auch diese Experimente erfolgreich, k\u00f6nnten klinische Studien starten.<br \/>\nF\u00fcr Lindners Erfindung hat die Max-Planck-Gesellschaft ein Patent angemeldet. &#8222;Bislang gab es keine Methode, das Injektionssystem schnell und dosiert zu steuern&#8220;, erl\u00e4uterte der 30-j\u00e4hrige Nachwuchsforscher.<br \/>\nDrei Jahre lang hat er daran gearbeitet. Tausende von Kolben mit Bakterienkulturen hat er angesetzt, um zu erfahren, wie und ob sie unter Blaulicht Krebszellen bek\u00e4mpfen.<br \/>\nDer Nachwuchswissenschaftler mag die ungew\u00f6hnliche Forschung und das kreative Denken in der Wissenschaft. Aufgewachsen in einem Dorf in der N\u00e4he von Sontra in Nordhessen, ging er zum Biologiestudium nach Erlangen, G\u00f6ttingen und schlie\u00dflich nach Marburg. Bereits in seiner Bachelor-Arbeit veredelte er Hefe so, dass sie Rosenduft herstellt. Seine Mutter war begeistert. Sie ist Floristin.<br \/>\nNun w\u00fcrde Lindner gern in der Forschung bleiben. Derzeit arbeitet er als Postdoc an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. Im Sommer wechselt er in ein Pharmalabor, in dem an neuen Krebstherapiemethoden gearbeitet wird.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem &#8222;MarBiNa-F\u00f6rderpreis&#8220; wurde der Biologe Dr. Florian Lindner ausgezeichnet. 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