{"id":1213,"date":"2017-10-13T13:46:22","date_gmt":"2017-10-13T11:46:22","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=1213"},"modified":"2017-10-13T13:46:22","modified_gmt":"2017-10-13T11:46:22","slug":"sinnestaeuschung-nebeneffekt-bei-schnellen-augenbewegungen-erforscht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=1213","title":{"rendered":"Sinnest\u00e4uschung: Nebeneffekt bei schnellen Augenbewegungen erforscht"},"content":{"rendered":"<p>Gedanken lesen ohne Zauberei k\u00f6nnen Forscher aus Marburg und M\u00fcnster. Aus der blo\u00dfen Beobachtung der Gehirnaktivit\u00e4t haben die Neurophysiker eine bislang unbekannte Sinnest\u00e4uschung vorhergesagt. <!--more--><br \/>\nAnschlie\u00dfend hat das Team sie in Verhaltensexperimenten nachgewiesen. Demnach verzerrt sich die Wahrnehmung der eigenen Bewegungen, wenn sich die Augen blitzschnell bewegen. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Frank Bremmer berichten in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins &#8222;Nature Communications&#8220; \u00fcber ihre Ergebnisse.<br \/>\n&#8222;Wir sind bei der Analyse neurophysiologischer Daten aus dem Tiermodell auf ein Ph\u00e4nomen gesto\u00dfen, das eine Reihe zus\u00e4tzlicher Experimente veranlasste&#8220;, erkl\u00e4rte Studienleiter Bremmer. Er lehrt Neurophysik an der Philipps-Universit\u00e4t.genannte<br \/>\n\u00dcblicherweise untersuchen die Wissenschaftler, wie Nervenzellen aus bestimmten Regionen des Gehirns auf visuelle Reize reagieren, die den Betroffenen eine Bewegung durch den Raum vorspiegeln. Dass Sinnest\u00e4uschungen ausschnitthaft zeigen, wie Sinneseindr\u00fccke im Gehirn verarbeitet werden, wei\u00df die Hirnforschung seit langem.<br \/>\n&#8222;Hier gingen wir nun den umgekehrten Weg&#8220;, erg\u00e4nzte Bremmers Mitarbeiter Dr. Jan Churan, der an der Studie mitgearbeitet hat. &#8222;Wir benutzten die elektrischen Signale der Nervenzellen, um zu rekonstruieren, welchen Bewegungseindruck die Betroffenen empfangen.&#8220;<br \/>\nDieses sogenannte &#8222;Dekodieren&#8220; gelang den Autoren zufolge meist sehr gut. &#8222;Wir haben ein Modell entwickelt, um aus der Entladung der Neuronen zu erkennen, welche Eigenbewegung die Betroffenen empfinden&#8220;, f\u00fchrte Bremmers Kollege Prof. Dr. Markus Lappe von der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster(WWU) aus. Er ist Mitverfasser der Studie.<br \/>\nZu bestimmten Zeitpunkten wies das Dekodieren aber scheinbar einen Fehler auf. Diese Zeitpunkte waren immer identisch mit der Ausf\u00fchrung von schnellen Augenbewegungen. Diese sogenannten &#8222;Sakkaden&#8220; f\u00fchren Menschen im t\u00e4glichen Leben h\u00e4ufiger aus, als ihr Herz schl\u00e4gt.<br \/>\nDie Daten deuteten darauf hin, dass sich die wahrgenommene Richtung der Eigenbewegung verschiebt, wenn die Probanden schnelle Augenbewegungen ausf\u00fchren. Die Wissenschaftler vermuteten, dass die bislang nicht bekannte Sinnest\u00e4uschung auch in der visuellen Wahrnehmung zu beobachten sein k\u00f6nnte.<br \/>\nUm diese Hypothese zu \u00fcberpr\u00fcfen, f\u00fchrte das Team Verhaltensexperimente mit Versuchspersonen durch: Es pr\u00e4sentierte den Probanden eine Simulation, die einen Raum so zeigt, als w\u00fcrde man sich durch ihn hindurch bewegen. Die Teilnehmenden sollten die Richtung dieser vorgespiegelten Eigenbewegung einsch\u00e4tzen.<br \/>\nWie vermutet, nahmen die Probanden die Richtung korrekt wahr, solange sie keine Sakkaden ausf\u00fchrten; in unmittelbarer zeitlicher N\u00e4he der Sakkade hingegen nahmen sie die Richtung falsch wahr.<br \/>\n&#8222;Dies hei\u00dft aber nicht, dass wir zum Beispiel beim Autofahren keine schnellen Augenbewegungen mehr machen d\u00fcrfen&#8220;, beruhigte Lappe. &#8222;Dies w\u00e4re gar nicht m\u00f6glich, weil Sakkaden meist wie ein Reflex auftreten. Vor allem aber beruht die Einsch\u00e4tzung unserer Eigenbewegung gar nicht nur auf Seheindr\u00fccken. Wir besitzen weitere Sinne, die uns \u00fcber diese kurzen Momente der Sakkaden hinweghelfen, so dass wir uns sicher sein k\u00f6nnen, in welche Richtung unser Weg f\u00fchrt.&#8220;<br \/>\nBremmer leitet die Arbeitsgruppe Neurophysik an der Philipps-Universit\u00e4t. Der Physiker amtiert als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des &#8222;Marburg Center for Mind, Brain and Behavior&#8220; (MCMBB), ist Sprecher des Internationalen Graduiertenkollegs 1901 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema &#8222;The Brain in Action&#8220; und geh\u00f6rt dem Vorstand des Sonderforschungsbereichs 135 der DFG zum Thema &#8222;Kardinale Mechanismen der Wahrnehmung&#8220; an.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken lesen ohne Zauberei k\u00f6nnen Forscher aus Marburg und M\u00fcnster. 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