{"id":12109,"date":"2023-03-09T14:37:15","date_gmt":"2023-03-09T13:37:15","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=12109"},"modified":"2023-03-09T14:37:15","modified_gmt":"2023-03-09T13:37:15","slug":"erneut-empoerung-negativpreis-fuer-marburger-tierversuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=12109","title":{"rendered":"Erneut Emp\u00f6rung: Negativpreis f\u00fcr Marburger Tierversuch"},"content":{"rendered":"<p>Der Negativpreis &#8222;Herz aus Stein&#8220; geht an die Philipps-Universit\u00e4t. Das hat der Verein &#8222;\u00c4rzte gegen Tierversuche&#8220; am Donnerstag (9. M\u00e4rz) mitgeteilt. <!--more--><br \/>\nDer Verein &#8222;\u00c4rzte gegen Tierversuche&#8220; vergibt das &#8222;Herz aus Stein&#8220; an die Arbeitsgruppe Neurophysik der Philipps-Universit\u00e4t f\u00fcr Versuche bei denen durstige Rhesusaffen mit angeschraubtem Kopf in einem Primatenstuhl sitzen mussten, w\u00e4hrend sie auf einen Bildschirm starrten, auf dem sich Punkte hin und her bewegten. Der bundesweite Verein will mit dem Negativpreis exemplarisch auf grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgef\u00fchrt wurden. Bei der <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=12028\">\u00f6ffentlichen Online-Abstimmung<\/a> standen f\u00fcnf Kandidaten zur Auswahl.<br \/>\nSie wurden aus der &#8222;Datenbank-Tierversuche&#8220; des Vereins ausgew\u00e4hlt, in der Tausende, auf Artikeln in Fachjournalen beruhende Tierversuchsbeschreibungen gelistet sind. Die Verleihung erfolgt virtuell.<br \/>\nForscher der Arbeitsgruppe Neurophysik der Philipps-Universit\u00e4t montierten am Sch\u00e4del zweier &#8211; als &#8222;O&#8220; und &#8222;S&#8220; bezeichneter &#8211; Rhesusaffen &#8222;Kopfhaltersysteme&#8220;. Bei &#8222;O&#8220; wurde zus\u00e4tzlich ein Loch in den Sch\u00e4del gebohrt und dar\u00fcber eine Messkammer befestigt, die in weiteren Versuchen genutzt werden soll, um Elektroden in das Gehirn zu sto\u00dfen. Den Tieren wurden dann Kappen mit Elektroden auf den Kopf gesetzt.<br \/>\nBei den Versuchen mussten die Tiere mit \u00fcber das Kopfhaltersystem fixiertem Kopf in einem sogenannten &#8222;Primatenstuhl&#8220; sitzen. Ihre Aufgabe bestand darin, einen kleinen roten Punkt auf einem Bildschirm anzustarren, auf dem sich 600 wei\u00dfe Punkte hin und her bewegten. Wenn die Tiere alles richtig gemacht haben, erhielten die durch Durst zur Mitarbeit veranlassten Affen etwas Fl\u00fcssigkeit als &#8222;Belohnung&#8220;.<br \/>\nLaut der zugeh\u00f6rigen Ver\u00f6ffentlichung war das Ziel der Versuche, zu untersuchen, wie das Gehirn eine &#8211; durch sich hin und her bewegenden Punkte simulierte &#8211; Eigenbewegung verarbeitet. Nach Angaben der Autoren ist dieser Prozess beim Menschen bereits bekannt und auch in der entsprechenden Studie wurden neben Experimenten an Affen auch Versuche mit menschlichen Freiwilligen durchgef\u00fchrt, bei denen auf eine Fixierung des Kopfes ebenso wie auf den Fl\u00fcssigkeitsentzug verzichtet werden konnte.<br \/>\n&#8222;Wozu diese Versuche an Affen durchgef\u00fchrt wurden, wenn entsprechende Erkenntnisse bereits vorliegen und ganz offensichtlich auch Versuche mit freiwilligen menschlichen Probanden m\u00f6glich sind, erschlie\u00dft sich nicht&#8220;, kritisierte Dr. Johanna Walter. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei \u00c4rzte gegen Tierversuche.<br \/>\nEiner aktuellen Stellungnahme der Philipps-Universit\u00e4t zufolge habe die Arbeit der AG Neurophysik zur Entwicklung eines Retinaimplantats (Sehprothese) beigetragen. &#8222;Ein solches Projekt zur Entwicklung von Retinaimplantaten wurde allerdings 2007 beendet und die Implantate wurden bereits 2008 am Menschen getestet&#8220;, widersprach Walter.<br \/>\nSo wird auch in der Pressemitteilung der Philipps-Universit\u00e4t der &#8211; nun mit dem &#8222;Herz aus Stein&#8220; ausgezeichnete &#8211; Versuch der Grundlagenforschung zugeordnet. Das sei &#8222;ein Bereich, der per Definition keinen konkreten Nutzen verfolgen muss&#8220;, kritisierte Walter. &#8222;Stattdessen werden im Namen des Erkenntnisgewinns selbst grausamste Tierversuche durchgef\u00fchrt und mit einem sich m\u00f6glicherweise in ferner Zukunft ergebenden Anwendungsbezug gerechtfertigt. Zudem zeigt der Versuch einmal mehr, wie Affen f\u00fcr die Hirnforschung leiden und mehrfach in verschiedenen Versuchen eingesetzt werden. Dies erinnert an das Schicksal des Affen Jara, dessen Autopsie-Befunde wir im Oktober ver\u00f6ffentlicht haben.&#8220;<br \/>\nInteressierte konnten in einer Online-Abstimmung eine Woche lang aus 5 Kandidaten ausw\u00e4hlen. Von 6.286 Stimmen entfielen 1.832 und damit 29 Prozent auf Marburg. Zur Auswahl standen au\u00dferdem Tierversuche aus M\u00fcnster, Duisburg-Essen, Rostock und Bayreuth.<br \/>\nDie Versuchsbeschreibungen sind der \u00f6ffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, worin derzeit \u00fcber 5.300 Beschreibungen von in Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlichten Tierversuchen aus Deutschland dokumentiert sind. Ausf\u00fchrliche Beschreibungen der Kandidaten mit Angabe der Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite. Der Verein betont, dass es sich beiden Kandidaten um Institute handelt und nicht um einzelne Personen.<br \/>\nAffenhirnforschung findet bundesweit an 8 Einrichtungen statt. Interessierte sind aufgerufen, sich auf den Vereinsseiten zu informieren und eine Online-Petition zum Stopp der Hirnforschung an Affen zu unterschreiben.<\/p>\n<p>* pm: \u00c4rzte gegen Tierversuche, K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Negativpreis &#8222;Herz aus Stein&#8220; geht an die Philipps-Universit\u00e4t. Das hat der Verein &#8222;\u00c4rzte gegen Tierversuche&#8220; am Donnerstag (9. 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Der Verein \"\u00c4rzte gegen Tierversuche\" ruft zur Online-Abstimmung \u00fcber das \"Herz aus Stein 2023\" auf. Der bundesweite Verein will damit auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":15912,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=15912","url_meta":{"origin":12109,"position":1},"title":"Not und Notwendigkeit: Uni f\u00fcr Transparenz bei Tierforschung ausgezeichnet","date":"2. Juli 2024","format":false,"excerpt":"Einen Preis f\u00fcr transparente Kommunikation zu Tierversuchsforschung hat die Philipps-Universit\u00e4t erhalten. Gut ein Jahr zuvor war die Affenhirnforschung in Marburg noch bundesweit kritisiert worden. 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