{"id":11759,"date":"2023-01-25T19:15:00","date_gmt":"2023-01-25T18:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11759"},"modified":"2023-01-25T19:15:00","modified_gmt":"2023-01-25T18:15:00","slug":"zoonosen-bekaempft-marburger-planen-umerziehung-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11759","title":{"rendered":"Zoonosen bek\u00e4mpft: Marburger planen Umerziehung in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Wie ein ge\u00e4ndertes Essverhalten von Wildfleisch das Risiko f\u00fcr Zoonosen reduziert, untersucht ein internationales Forschungskonsortium. Dazu unternimmt es Feldforschung in der Elfenbeink\u00fcste und in Liberia. <!--more--><br \/>\nDas Essen von Wildtierfleisch gilt als einer der gro\u00dfen Risikofaktoren f\u00fcr das Ausbrechen von sogenannten &#8222;Zoonosen&#8220;. So bezeichnet man Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen \u00fcberspringen. Doch welche \u00f6konomischen Zw\u00e4nge und kulturellen Normen pr\u00e4gen den Wildtierkonsum? Und l\u00e4sst sich dieser Konsum Richtung weniger risikoreichen Verhaltens steuern?<br \/>\nDiesen Fragen widmet sich ein internationales Konsortium aus zw\u00f6lf Forschungseinrichtungen in f\u00fcnf L\u00e4ndern. Federf\u00fchrend koordinieren die Marburger Umwelt\u00f6konomen Prof. Dr. Bj\u00f6rn Vollan und der Postdoc Dr. Ivo Steimanis das Projekt &#8222;Behavior Change&#8220;, das von der Volkswagen Stiftung mit insgesamt 1,5 Millionen Euro gef\u00f6rdert wird.<br \/>\nWildtierfleisch ist ein essenzielles Nahrungsmittel in den betrachteten afrikanischen Staaten Elfenbeink\u00fcste und Liberia. Die Speisekarte reicht dabei von gro\u00dfen Nagetieren \u00fcber Antilopen und Affen bis hin zu Elefanten, berichtete Ivo Steimanis. Angeboten werden sie etwa in den Spezialit\u00e4tenrestaurants der K\u00fcstenmetropole Abidjan.<br \/>\nIn der Wildnis gejagt, gelangt das Fleisch direkt \u00fcber die J\u00e4ger oder Zwischenh\u00e4ndler aus l\u00e4ndlicher Gegend bis in die St\u00e4dte, wo Wildfleisch als ein Statussymbol gilt und hoch gehandelt wird. &#8222;Wir wollen entlang dieses Gradienten die kontext-spezifischen sozial-\u00f6kologischen Gegebenheiten untersuchen&#8220;, erkl\u00e4rte Bj\u00f6rn Vollan. Auf dem Land hingegen, wo Armut herrscht, ist Wild einfach eine wichtige Proteinquelle und notwendig f\u00fcr die Ern\u00e4hrung.<br \/>\nDie Forschenden wollen in einem ersten Schritt herausfinden, welche pers\u00f6nlichen Merkmale, kulturellen Normen und \u00f6konomische Faktoren die Jagd, den Handel und vor allem den Konsum von Fleisch pr\u00e4gen. Dazu soll im Rahmen des Projekts in der Elfenbeink\u00fcste und in Liberia mit sogenannten &#8222;Maquis&#8220; zusammengearbeitet werden.<br \/>\nDas sind kleine &#8211; oft informelle &#8211; Restaurants. Diese &#8222;Maquis&#8220; sollen als Reallabor genutzt werden, um m\u00f6gliche Alternativen zum Wildfleisch in Kombination mit Verhaltensintervention zu testen und den Wildfleischkonsum zu reduzieren.<br \/>\nDer Biologe Dr. Hjalmar K\u00fchl vom Senckenberg-Museum in Halle erstellt zun\u00e4chst eine Bestandsaufnahme: Wie ist der Zustand der \u00d6kosyteme? Welche Arten kommen konkret vor? Und was wird gejagt und konsumiert?<br \/>\n&#8222;Bekannt ist, dass mit der Zerst\u00f6rung und Verkleinerung von \u00d6kosystemen auch das Risiko f\u00fcr Zoonosen steigt&#8220;, erl\u00e4uterte Bj\u00f6rn Vollan. Die Datenerhebungen werden in Kooperation mit lokalen Forschungsassistent*innen und Studierenden gemacht, wo die Veterin\u00e4rmedizinerin Dr. Andr\u00e9e Prisca Ndour aus dem Senegal und Anthropologe Dr. Gilbert Fokou und Biologe Dr. Celestin Kouakou von der Elfenbeink\u00fcste eine leitende Rolle einnehmen werden. Die Forschenden wollen dabei herausarbeiten, wie sich die Konsumgewohnheiten von l\u00e4ndlichen Gebieten hin zu den St\u00e4dten verschieben und ob sich potenziell gef\u00e4hrliche Corona-, Filo-, oder Hantaviren im Fleisch befinden.<br \/>\nIn einem zweiten Schritt will das Konsortium untersuchen, wie sich die Konsumgewohnheiten durch Interventionen \u00e4ndern lassen, um das Risiko f\u00fcr neue Zoonosen zu mindern. &#8222;Doch da stehen wir noch am Anfang&#8220;, res\u00fcmierte Vollan . &#8222;Die Interventionen sollen &#8211; basierend auf den &#8211; Voruntersuchungen, transdisziplin\u00e4r mit den verschiedenen Stakeholdern vor Ort gemeinsam entschieden werden.'&#8220;<br \/>\nInterventionen k\u00f6nnten beispielsweise in Aufkl\u00e4rung und Information zu den Risiken liegen oder in alternativen Lieferketten, in denen Fleisch von Zuchttieren den Wildtierkonsum ersetzt. Das Fleisch von Zuchttieren weist eine geringere Belastung mit fremden Krankheitserregern auf.<br \/>\nVorstellen k\u00f6nnen sich die Forschenden auch sogenannte &#8222;Blind Tastings&#8220; von Gerichten mit echtem und gez\u00fcchtetem &#8222;Wildfleisch&#8220;, um weitverbreitete Vorbehalte gegen\u00fcber gez\u00fcchtetem Wild abzubauen. Auch das Potenzial von Rabattaktionen zur Konsumsteuerung k\u00f6nnen sich die Forschenden vorstellen. Die Ausarbeitung der Intervention erfolgt dann in Workshops mit allen Beteiligten &#8211; Forschende, Restaurantbesitzer*innen und Konsument*innen.<br \/>\nDas Projekt &#8222;Behavior Change&#8220; wird \u00fcber vier Jahre von der Volkswagen-Stiftung im Rahmen des Programms &#8222;Global Issues &#8211; Preventing Pandemics: the Role of Human-Environmental Interactions&#8220; mit rund 1,5 Millionen Euro unterst\u00fctzt. Davon flie\u00dfen 448.000 Euro nach Marburg.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein ge\u00e4ndertes Essverhalten von Wildfleisch das Risiko f\u00fcr Zoonosen reduziert, untersucht ein internationales Forschungskonsortium. 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