{"id":11660,"date":"2023-01-12T17:58:14","date_gmt":"2023-01-12T16:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11660"},"modified":"2023-01-12T17:58:14","modified_gmt":"2023-01-12T16:58:14","slug":"zusammen-zugeschaut-schwerdtfeger-hielt-hans-hellmann-lecture","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11660","title":{"rendered":"Zusammen zugeschaut: Schwerdtfeger hielt Hans-Hellmann-Lecture"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Verleihung der &#8222;Hans-Hellmann-Lecture&#8220; an Peter Schwerdtfeger wurde ein vielseitiger Wissenschaftler f\u00fcr seine Forschung im Bereich der Quantenchemie geehrt. Er forscht an der Massey University in Neuseeland. <!--more--><br \/>\nDer Fachbereich Chemie der Philipps-Universit\u00e4t hat gemeinsam mit dem Ortsverband Marburg der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Prof. Dr. Peter Schwerdtfeger mit der &#8222;Hans-Hellmann-Lecture&#8220; geehrt. Schwerdtfeger ist Direktor des Zentrums f\u00fcr Theoretische Chemie und Physik an der Massey University in Neuseeland.<br \/>\nIn seiner Laudatio w\u00fcrdigte der Marburger Chemiker Prof. Dr. Gernot Frenking die Leistungen Schwerdtfegers: &#8222;Mit seinen Arbeiten ist er einer der wenigen Wissenschaftler, die sich auf hohem Niveau mit Fragen und Methoden der Chemie, Physik und Mathematik auseinandersetzt und stets originelle, eigenst\u00e4ndige Beitr\u00e4ge leistet. Mir sind weltweit nur wenige Wissenschaftler bekannt, die in gleich drei Disziplinen auf einem so hohen Niveau arbeiten. Schwerdtfeger ist ein w\u00fcrdiger Tr\u00e4ger dieser Auszeichnung, denn auch der Namensgeber der Lecture, Hans Hellmann, war ein Wissenschaftler, der in diesen drei Disziplinen arbeitete und fundamentale Arbeiten publizierte, die bis heute Bedeutung haben.&#8220;<br \/>\nSchwerdtfeger geh\u00f6rt zu den besonders vielseitigen Theoretikern in der Chemie. Er forscht zu den Eigenschaften und der Chemie schwerer und superschwerer Elemente. Mit grundlegenden Untersuchungen tr\u00e4gt Schwerdtfeger entscheidend zum Verst\u00e4ndnis dieser Elemente bei.<br \/>\nDamit einher gehen fundamentale theoretische Entwicklungen und Beitr\u00e4ge zu zahlreichen Themenfeldern im Bereich der Quantenchemie bis hin zur Mathematik. Schwerdtfeger forscht unter anderem zur Pseudopotentialmethode, zu Gittersummen in verschiedenen Dimensionen sowie zu graphentheoretischen und topologischen Eigenschaften von Fullerenen.<br \/>\nEin weiteres Thema in seiner Forschung ist die Beschreibung von Phasen\u00fcberg\u00e4ngen wie etwa das Schmelzverhalten von Quecksilber unter Ber\u00fccksichtigung relativistischer Beitr\u00e4ge. Ohne diese relativistischen Beitr\u00e4ge w\u00e4re das Schwermetall bei Zimmertemperatur und Normaldruck keine Fl\u00fcssigkeit, sondern ein Feststoff, der erst bei deutlich h\u00f6heren Temperaturen schmilzt, wie Schwerdtfeger darlegte.<br \/>\n&#8222;Der Siedepunkt von Gold hingegen w\u00fcrde ohne relativistische Beitr\u00e4ge um etwa 800 Grad Celsius sinken&#8220;, f\u00fchrte Schwerdtfeger in seiner Lecture aus, die den Titel &#8222;When Gold meets Relativity&#8220; trug. Um auch die Ionisierungsenergie und Elektronenaffinit\u00e4t dieses Elements hochgenau zu beschreiben, werden zus\u00e4tzliche Korrekturen aus der Quantenelektrodynamik erforderlich, die Schwerdtfeger mit beeindruckendem Erfolg einsetzen konnte.<br \/>\nBesonders im Grenzbereich zwischen Chemie und Physik leistet Schwerdtfeger seit vielen Jahren bahnbrechende Beitr\u00e4ge unter Verwendung relativistischer Methoden. Das tut er etwa zur theoretischen Beschreibung der Wechselwirkungen von Kernmultipolmomenten in Molek\u00fclen, zur Untersuchung quantenelektrodynamischer Korrekturen oder zur Rolle elektroschwacher Wechselwirkungen in molekularen Systemen.<br \/>\nSchwerdtfeger kennt Marburg &#8211; die Philipps-Universit\u00e4t war eine fr\u00fche Station in seiner langen Wissenschaftskarriere. Er habilitierte 1995 am Fachbereich Chemie \u00fcber &#8222;Relativistische Effekte in molekularen Eigenschaften der schweren Elemente&#8220; und war dort von 2013 bis 2015 Humboldtforschungspreistr\u00e4ger.<br \/>\nDie &#8222;Hans-Hellmann-Lecture&#8220; verleiht der Fachbereich Chemie der Philipps-Universit\u00e4t im Rahmen des Kolloquiums des Ortsverbands Marburg der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an hochrangige Forscherinnen und Forscher in der Quantenchemie. Benannt ist sie nach einem der Mitbegr\u00fcnder dieses Teilgebiets der Theoretischen Chemie.<br \/>\nHans G. A. Hellmann lebte von 1903 bis 1938. Bereits in den 30er Jahren hatte Hellmann wesentliche Erkenntnisse \u00fcber die Natur der chemischen Bindung auf der Grundlage der Quantentheorie gewonnen und quantenchemische N\u00e4herungsverfahren untersucht, bei denen sogenannte &#8222;Pseudopotentiale&#8220; verwandt werden. Diese &#8222;Pseudopotentiale&#8220; z\u00e4hlen heute zu den wichtigsten Hilfsmitteln, um relativistische Effekte zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nDie Hellmann-Lecture wurde 2013 erstmalig an Prof. Klaus Ruedenberg von der Iowa State University verliehen. 2015 erhielt Prof. Pekka Pyykk\u00f6 von der Universit\u00e4t Helsinki und 2017 Prof. Evert Jan Baerends von der Vrije Universiteit Amsterdam die Auszeichnung. Der designierte Preistr\u00e4ger 2019 war Prof. Leo Radom von der University of Sydney, der die Lecture jedoch aufgrund der Corona-Pandemie zur\u00fcckziehen musste.<br \/>\nIn der Fachcommunity findet die Hellmann-Lecture gro\u00dfe Beachtung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland nahmen daran teil.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Verleihung der &#8222;Hans-Hellmann-Lecture&#8220; an Peter Schwerdtfeger wurde ein vielseitiger Wissenschaftler f\u00fcr seine Forschung im Bereich der Quantenchemie geehrt. 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