{"id":11441,"date":"2022-12-12T13:27:48","date_gmt":"2022-12-12T12:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=11441"},"modified":"2022-12-12T20:40:08","modified_gmt":"2022-12-12T19:40:08","slug":"schulterschluss-zum-geburtstag-von-frank-schwalba-hoth","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=11441","title":{"rendered":"Schulterschluss: Zum Geburtstag von Frank Schwalba-Hoth"},"content":{"rendered":"<p>Fast zehn Jahre lang lebte er in Marburg. Seit fast 40 Jahren wohnt Frank Schwalba-Hoth nun aber bereits in Br\u00fcssel. <!--more--><br \/>\nEr hat Geschichte geschrieben in gleich mehreren Punkten. War seine &#8222;Blutspritz-Aktion&#8220; am 3. August 1983 in Wiesbaden \u00fcberaus \u00f6ffentlichwirksam und erregte bundesweit die Gem\u00fcter, so gilt der ehemalige Abgeordnete des Hessischen Landtags und des Europ\u00e4ischen Parlaments seit gut 30 Jahren als &#8222;die graue Eminenz in Br\u00fcssel&#8220;, die eher im Hintergrund wirkt. Geboren wurde Schwalba Hoth am 12. Dezember 1952 in Hamburg.<br \/>\nNach dem Abitur und seinem Wehrdienst kam Schwalba-Hoth 1974 als Leutnant der reserve zum Studium nach Marburg. An der Philipps-Universit\u00e4t studierte er Deutsch, Politik und Geschichte auf Lehramt. 1981 schloss er sein Studium mit dem Zweiten Staatsexamen nach einem Referendariat an der Martin-Luther-Schule (MLS) ab.<br \/>\n1984 zog Schwalba-Hoth nach Br\u00fcssel, wo er seither lebt. Seine Kontakte zu Marburg sowie seinen Weggef\u00e4hrtinnen und Weggef\u00e4hrten in der mittelhessischen Universit\u00e4tsstadt hat er aber \u00fcber all die Jahre aufrechterhalten. Am 29. November 2014 traf er sich beispielsweise mit Freundinnen und Freunden in der Gesch\u00e4ftsstelle der Gr\u00fcnen an der Frankfurter Stra\u00dfe.<br \/>\nZuletzt hat Schwalba-Hoth Marburg zusammen mit seiner Tochter und seinem kleinen Enkelsohn zum <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=10400\">GBAL-Treffen am Samstag (20. August)<\/a> besucht. 1980 hatte Schwalba-Hoth die &#8222;Gr\u00fcn-bunt-alternative Liste&#8220; (GBAL) im Studentenparlament (StuPa) der Philipps-Universit\u00e4t gegr\u00fcndet. Sie war die erste &#8222;Gr\u00fcne Liste&#8220; an einer Hochschule in Deutschland.<br \/>\nIm Wintersemester 1980\/81 zog sie ins StuPa und den Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) ein. Mehrere Jahre lang pr\u00e4gte die GBAL das kulturelle, soziale und politische Leben in Marburg und gab der Universit\u00e4tsstadt Anst\u00f6\u00dfe, die bis heute immer noch wirksam sind. Darauf blickten gut 35 Ehemalige GBALer im August 2022 bei einem historischen Rundgang zu den Schaupl\u00e4tzen ihrer einstigen Aktivit\u00e4ten zur\u00fcck.<br \/>\nBereits 1978 hatte Schwalba-Hoth die Gr\u00fcne Marburger Wahlliste (GMW) mitbegr\u00fcndet. Au\u00dferdem war er Mitbegr\u00fcnder der Gr\u00fcnen Liste Hessen (GLH) sowie 1980 der Partei &#8222;Die Gr\u00fcnen&#8220;. 1981 und 1982 war er einer der beiden Landesvorsitzenden der Gr\u00fcnen Hessen.<br \/>\nAm Bu\u00df-und Bettag 1981 sa\u00df Schwalba-Hoth zusammen mit seinem Parteifreund Roland St\u00fcrmer und dem Jungsozialisten Peter feldmann auf der Schlosstreppe, als der Hessische Ministerpr\u00e4sident Holger B\u00f6rner im Landgrafenschloss dem Marburger Obberb\u00fcrgermeister Dr. Hanno Drechsler das Bundesverdienstkreuz \u00fcberreichte. Die Blockade des &#8211; wegen des Baus der &#8222;Startbahn West&#8220; des Frankfurter Flughafens \u00fcberaus umstrittenen &#8211; Ministerpr\u00e4sidenten f\u00fchrte im Nachgang zur Aufk\u00fcndigung der Ampel-Koalition im Marburger Rathaus. Sie war wohl das erste kommunale Ampel-B\u00fcndnis in Deutschland gewesen.<br \/>\nGest\u00e4rkt von der Anti-Startbahn-Bewegung in S\u00fcdhessen, machte Schwalba-Hoth im Herbst 1982 im Landkreis Marburg-Biedenkopf Wahlkampf f\u00fcr Die Gr\u00fcnen. Damals ben\u00f6tigte die Partei noch Tausende von Unterst\u00fctzungsunterschriften, um zur Landtagswahl antreten zu d\u00fcrfen. In jeder Gemeinde und jedem Ortsteil im Landkreis organisierte Schwalba-Hoth deshalb Informationsveranstaltungen, vor oder bei denen er auch Unterschriften sammelte.<br \/>\nMit dem Auto seiner damaligen Lebensgef\u00e4hrtin fuhr er \u00fcberallhin, um Plakate aufzuh\u00e4ngen. Dabei sprach er Bekannte und Fremde an, die er mit seiner kommunikativen Art oft zur Mithilfe gewinnen konnte. Nicht zuletzt dank seines unerm\u00fcdlichen Einsatzes wurden Die Gr\u00fcnen im Landkreis wie auch in der Stadt Marburg stark genug, um am 1. Dezember 1982 in den Landtag einzuziehen.<br \/>\nDort brachte der Abgeordnete Schwalba-Hoth einen Gesetzentwurf zur Lehrerausbildung ein. Mit seiner Annahme im August 1983 wurde er das erste &#8211;<br \/>\nvon den Gr\u00fcnen initiierte &#8211; Gesetz in einem deutschen Parlament. Auch sein Gesetzentwurf zum Hessischen Personalvertretungsgesetz (HPVG) pr\u00e4gte die sp\u00e4tere Debatte \u00fcber die Mitbestimmung der Landesbediensteten in Hessen nachhaltig.<br \/>\nBei einem Empfang am 3. August 1983 spritzte Schwalba-Hoth dem US-amerikanischen General Paul S. Williams im Landtag Blut an die Uniform, das er sich selbst zuvor abgezapft hatte. Mit den Worten &#8222;Blood for the bloody Army&#8220; machte er auf die Verstrickung des Generals in v\u00f6lkerrechtswidrige Eins\u00e4tze w\u00e4hrend des Vietnam-Kriegs aufmerksam. Bereits am 4. August 1983 trat Schwalba-Hoth aufgrund des heftigen Drucks auch auf seine Angeh\u00f6rigen von seinem Landtagsmandat zur\u00fcck.<br \/>\nDem Europa-Parlament geh\u00f6rte Schwalba-Hoth von 1984 bis 1987 an. Gem\u00e4\u00df dem damaligen Rotationsprinzip gab er sein Mandat nach der H\u00e4lfte der Wahlperiode ab. Anschlie\u00dfend wurde er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Greenpeace Br\u00fcssel.<br \/>\nIn einer gemeinsamen Agentur mit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Merin sowie sp\u00e4ter allein betrieb Schwalba Hoth dann Lobbyarbeit f\u00fcr Menschenrechte, Umweltschutz und Soziale Gerechtigkeit. Legend\u00e4r sind seine Dinners, zu denen er seit 1989 zwischen 60 und 80 zahlende G\u00e4ste einl\u00e4dt. Den Zahlenden ordnet er Pl\u00e4tze zu, bei denen sie mit gesponserten G\u00e4sten aus Umweltorganisationen oder L\u00e4ndern des &#8222;globalen s\u00fcdens&#8220; zwanglos ins Gespr\u00e4ch kommen k\u00f6nnen.<br \/>\nSeit 2006 geh\u00f6rt Schwalba-Hoth dem Beirat der &#8222;Right Lifelyhood Foundation&#8220; an, die allj\u00e4hrlich den gleichnamigen Preis verleiht. In Deutschland wird er oft auch als &#8222;Alternativer Nobelpreis&#8220; bezeichnet. Zudem hat Schwalba-Hoth einen internationalen Preis f\u00fcr &#8222;Women in Leadership&#8220; ins Leben gerufen.<br \/>\nSeine Verdienste f\u00fcr Marburg, Hessen, Deutschland und Europa sind gr\u00f6\u00dfer, als viele denken. Wer Schwalba-Hoth kennt und sch\u00e4tzt, der w\u00fcnscht ihm zu seinem Geburtstag Gesundheit und ein langes Leben, damit der &#8222;Unsichtbarste aller Klimaschutz-Netzwerker f\u00fcr die Zukunft der Menschheit&#8220; noch viele seiner Ziele erreichen kann.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast zehn Jahre lang lebte er in Marburg. 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